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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2023-04-05
Words:
1,345
Chapters:
1/1
Comments:
4
Kudos:
74
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1
Hits:
615

Die verlorene Wette

Summary:

Friedrich war betrunken und ließ sich auf eine dumme Wette ein. Jetzt muss er mit den Konsequenzen leben und seinem besten Freund einen Kuss stehlen.

Notes:

Sorry, ich war müde und das ist nachts um 2 entstanden und es wurde nicht gebetat. Aber hier. Bitteschön

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

„Ha! Verloren!“, schrie eine Stimme aus dem Telefon.

„Fuck…“

„Wettschulden sind Ehrenschulden, Fritz.“
Friedrich hatte hoch gepokert.. und verloren. Sein Freund Körner und er hatten vollkommen betrunken eine wundervolle Wette abgeschlossen. Wenn Körner es schaffte, innerhalb einer Woche mit Minna auf ein Date zu gehen, musste Friedrich sich ebenfalls aufraffen und seinen Schwarm für sich erobern.
Eigentlich eine sichere Sache, dachte Friedrich. Körner fand Minna seit Ewigkeiten gut, aber sie hatte ihn immer wieder abblitzen lassen, wohl auch, weil sie enge Freunde waren und sie die Freundschaft oder die Gruppendynamik oder was auch immer nicht gefährden wollte. Aber scheinbar hatte sie ihm doch eine Chance gegeben. Sehr zu Schillers Leidwesen.

Es gab da diesen Mann in Friedrichs Leben. Johann Wolfgang von Goethe. Sie waren noch nicht sehr lang befreundet. Und es hatte unfassbar lang gedauert, überhaupt erst an diesen Punkt zu kommen. Johann hatte (vollkommen unbegründet, wie Friedrich fand) ewig geschmollt, bevor sie irgendwie doch Freunde geworden sind.
Dieser Mann war Friedrichs engster Freund, neben Körner. So eng, dass Friedrich nicht unbemerkt blieb, wie attraktiv Johann war. Wie charmant und klug und lustig. Und wie sehr er seine Gesellschaft genoss.

Kurzum: Friedrich war sich bewusst, dass er sich absolut hoffnungslos in diesen Goethe verknallt hatte. Und das, ohne dass Friedrich jemals mehr von ihm erhoffen konnte.

Und diese blöde Wette erforderte jetzt einen Kuss. Kein Date, kein Liebesgeständnis (auch wenn das Körner am liebsten gewesen wäre), nur ein Kuss.

Der sollte bald folgen.
Friedrich drückte sich um die zwei Wochen, versuchte, seiner Strafe zu entfliehen, aber Körner blieb hart. So leicht kam er da wohl nicht raus. Er würde genervt werden, bis zu seinem Tod. Oder bis er den Kontakt zu Körner abbrechen würde. Aber selbst dann, würde er verfolgt werden, wie er seinen Freund kannte.

Nach vielen Diskussionen und heimlichen nächtlichen Nervenzusammenbrüchen stand Friedrich jetzt aber vor Johanns Tür.
Der Hausherr öffnete ihm.

„Nun, Friedrich, dich hatte ich hier aber nicht erwartet. Musst du um die Zeit nicht studieren?“

Goethe war ganz offenbar überrascht, schien sich allerdings über sein Auftauchen zu freuen. Zumindest zierte sein Gesicht ein atemberaubendes Lächeln und auch wenn Friedrich gerade nach Kotzen zumute war, er konnte nicht anders, als zumindest so ein bisschen zurück zu lächeln.

„Äh.. ne, ich hab heute frei. Hi, Johann. Stör ich dich bei irgendwas?“

„Nein, nein. Komm nur herein. Ich kann mir etwas Zeit nehmen.“

Damit hielt Johann ihm die Tür auf und Friedrich trat zögerlich in den Flur. Das hier fühlte sich alles ganz falsch an. Er sollte nicht hier sein. Er sollte in der geschwänzten Vorlesung sitzen und aufhören, sein Leben zu zerstören.

Aber hatte er wirklich eine Wahl? Johann würde es schon verstehen. Es war nur ein dummer Scherz, eine Wette. Und schließlich waren Körner und Friedrich total betrunken gewesen. Das war doch sicher nicht so schlimm. Es war alles gut. Niemand musste erfahren, dass Schiller sich schon wochenlang ausgemalt hatte, wie sich wohl Johanns Lippen anfühlen würden. (Er kam zu dem Schluss, dass Johanns Lippen wohl die gleiche Struktur hatten, wie alle anderen Lippen auch.)

Nur eine Wette. Diese Wette war die perfekte Ausrede. Also keine Panik, Schiller, keine Panik!

„Willst du vielleicht etwas –„

Johann konnte seine Frage gar nicht fertig stellen, da hatte Friedrich ihn schon zu sich gezogen und geküsst. Das kurze Lippenaufeinanderpressen wich schnell einem zärtlichen Kuss, den Friedrich Johann jetzt hier im Hausflur stahl.

Und Johann zögerte keine Sekunde. Sicher musste er verwirrt und überrascht sein, aber wie immer konnte man keine Spur Unsicherheit in seinem Verhalten erkennen. Er hatte einfach die Arme um Friedrich gelegt und erwiderte. Als wäre es das Normalste der Welt. Als wäre sein Ehemann nach einem langen Arbeitstag nach Hause gekommen und Johann würde ihn begrüßen. Sehr intensiv begrüßen.

Friedrich wusste nicht so recht, was er davon halten sollte, allerdings war ihm seine enorme Verwirrung so egal, als Johanns Zunge an Friedrichs Lippen stieß, dieser sie öffnen konnte und Johann sanft, aber bestimmend Friedrich näher ziehen konnte.

Wann hatte Johann die Initiative ergriffen? Warum hatte er die volle Kontrolle über Friedrich?
Beinahe vergaß Friedrich, weshalb er seinen Freund so überfallen hatte. Beinahe vergaß er die Wette.
Beinahe.

Leider war Friedrichs Hirn dazu bestimmt, alles hundertfach zu durchdenken und zu hinterfragen und ihm die schönsten Momente zunichtezumachen.

Friedrich musste sich erklären. Was sollte Johann denn von ihm denken?

Also unterbrach er den Kuss. (Allein der Vernunft wegen. Nicht etwa, weil seine Lungen unfähig sind, auch nur die kleinste Belastung wegstecken zu können.)

„Johann?“

Der Angesprochene öffnete die Augen und sah tief in Friedrichs. Für einen kurzen Moment lief Friedrich Gefahr, in diesem warmen Braun zu versinken. Aber nur ganz kurz. Als Johann sprach, war Friedrich sich seiner Lage gleich wieder bewusst.

„Ja?“

Er musste Goethe irgendwie erklären, weshalb dieser Kuss nichts zu bedeuten hat und ihre Freundschaft nicht den Bach runtergehen sollte.

„Äh, das… Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht so überfallen.“

Johanns Lächeln war glücklich, sanft, warm, wohlwollend. Er nahm es Friedrich also nicht übel, er erkannte den Scherz.

„Schon gut, Friedrich. Ich- „

Wieder ließ der aufgebrachte Friedrich Johann nicht ausreden.

„Ehrlich, sorry. Aber ich wollte nicht warten und vielleicht den Mut verlieren. Sorry. Es war ja eigentlich auch nicht notwendig, ist ja nur ein Scherz. Weißt du.. da war so eine Wette und…“

„Eine Wette? Du küsst mich, weil du eine Wette verloren hast?“

„Nun ja… Ja. Du musst dir keine Sorgen machen…“

Irgendwie konnte Friedrich Johanns Reaktion nicht ganz einordnen. Seine Stimme war irgendwie nicht ganz aufgebracht, aber auch nicht ruhig und entspannt. Verletzt? Sein Blick flackerte seltsam. Friedrich wurde mulmig zumute. Hatte er etwas falsch interpretiert? War Johann doch sauer?
Der seufzte schwer.

„Oh man, Friedrich.. kannst du mir bitte sagen, dass das nicht dein Ernst ist?“

Oh, ok, jetzt klang er beherrscht. Mühsam beherrscht. Und seine Stimme zitterte leicht. Friedrich hatte definitiv einen Fehler gemacht.

„Äh… Doch?“

Es folgte eine Weile Schweigen, das sich so schrecklich auf Friedrichs Gemüt legte, dass er am liebsten weggelaufen wäre. Leise fügte er an:
„Es… War doch nichts… Oder?“

Weiteres Schweigen. Beinahe rechnete Friedrich damit, Johann würde gar nicht mehr antworten. Dann sah der aber auf und Friedrich direkt ihn die Augen. Er hatte seine Haltung gestrafft und seine Stimme bewundernswerter Weise wieder absolut unter Kontrolle. Er wirkte beinahe geschäftlich professionell.

„Doch, Friedrich. Das war etwas. Das war ein Geständnis, das du zu feige bist, selbst auszusprechen. Das als emotionslose Wettschulden abzutun, ist unter deiner Würde.“

Und dann lag plötzlich doch wieder ein schwerer und riesengroßer Stein in Friedrichs Magen. Jetzt war es seine Stimme, die zitterte und klang, als würde Friedrich um sein Leben bangen.

„Nein, das wollte ich nicht.. also ich meine.. du weißt schon.. ich wollte nicht.. ich meine… Was denkst du?“

Da war das Lächeln wieder. Johanns wunderschönes Lächeln, dass den ganzen Stress fast wiedergutmachte. Fast.

„Ich denke, dass du ein guter Küsser bist, dass es ein sehr schöner Kuss war.. und dass ich es gerne wiederholen würde.“

Und weil Friedrich sich kaum in der Lage sah, darauf etwas zu antworten, legte Johann wieder seine Lippen auf Friedrichs und zog ihn in einen liebevollen Kuss.

Langsam folgte die Erkenntnis. Und mit ihr explodierte ein kleines Feuerwerk in Friedrich und er fühlte sich ganz kribbelig. Ein bisschen, als müsste er brechen, aber nicht mehr so schlimm wie vorhin. Es war eher ein berauschendes Gefühl. Seine Lippen verzogen sich zu einem breiten Strahlen, das den Kuss beinahe unmöglich machte.
Er und Johann.. sich küssend. Er kann’s kaum fassen. Er explodierte fast vor Glück.

„Johann, ich liebe dich!“ Lachend hatte er den Kuss unterbrochen. „Heilige Scheiße, ich bin verdammt verliebt in dich.“

Johann, sein Liebster, quittierte das mit einem sanften Lächeln. „Ich doch auch, Friedrich. Ich doch auch.“
Noch einmal küsste er Friedrich für einen kurzen Moment. „Sag mal, willst du immer noch gehen oder leistest du mir noch etwas Gesellschaft?“

Doofe Frage. Wenn Friedrich seine Lieblingsvorlesung für seinen Lieblingsmenschen schwänzt, dann will er verdammt sein, wenn er diese Zeit nicht auch mit dem verbringt.

Und er musste sich überlegen, wie er Körner für diese bekloppte Wette danken wird.

Notes:

Danke fürs Lesen, Kudos und Kommis und der Kram würde mich freuen. :)