Chapter Text
Plötzlich geht alles ganz schnell. Oder auch ganz langsam, je nach Perspektive.
Denn plötzlich spürt Leo, wie Schürk ihn an der Jacke packt und mit sich zieht, weg von der Mitte des Gangs und gegen die nächste Wand. Als Schürk jedoch damit beginnt, an Leos Hals zu saugen, scheint alles wie in Zeitlupe abzulaufen, für einen Moment jedenfalls. Aber eins nach dem anderen.
Leo spürt die Betonwand hart gegen seinen Rücken pressen. Hart und kalt, denn natürlich ist es im Gang dieses dämlichen Westfalenstadions kalt und zugig, und natürlich hat dieser noch viel dämlichere Schürk keine Lust, sich hier zu unterkühlen. Weshalb es also Leo ist, der jetzt den harten Beton kalt an seinem Rücken spürt, was aus Sicht seines Konkurrenten wiederum gar nicht so dämlich ist, aus Leos Sicht aber sehr wohl. Und Leos Sicht ist die einzige Sicht, die hier zählt. Die einzige Sicht, die immer zählt, wenn er es mit diesem angeberischen, selbsternannten Top-Agenten des konkurrierenden Geheimdienstes zu tun hat, was in den vergangenen Monaten und Jahren schon viel zu oft und regelmäßig vorgekommen ist.
Und heute also schon wieder. Und heute außerdem schon wieder kommen sie nur noch mit Hilfe eines Ablenkungsmanövers aus dieser Nummer raus, wenn sie nicht gnadenlos auffliegen wollen. Gerade noch haben sie in der wichtigsten aller VIP-Lounges des Fußballstadions den Tresor geknackt – oder okay: Schürk hat den Tresor geknackt, natürlich, denn er macht sich eben gerne wichtig – und jetzt haben die Sicherheitsleute auch schon Lunte gerochen und sind ihnen auf den Fersen. Glücklicherweise sind hier aber auch jede Menge Fußballfans unterwegs – und doch kann es nicht schaden, das hat Schürk durchaus gut erkannt, auf Nummer sicher zu gehen.
„Mach dich mal locker“, hört Leo den anderen Mann jetzt dicht an seinem Ort flüstern.
„Ich mach, was ich will“, gibt Leo bockig zurück, lehnt sich Schürk aber sofort geschmeidiger entgegen. Ganz sicher wird er sich von diesem Blödmann nach diesem Einsatz nicht nachsagen lassen, er habe hier bei diesem Einsatz nicht den vollen... Einsatz gezeigt. Weshalb er nun Schürks zugegebenermaßen kleinen, feinen Arsch mit beiden Händen packt und den blonden Mann mit einem Ruck fester an sich zieht. Mit so einem Ruck und so fest, dass Leos Hinterkopf gegen die Betonwand schlägt.
„Tu dir nicht weh“, hört er Schürk noch sagen – aber vielleicht bildet Leo sich das auch nur ein, denn warum sollte dieser Kerl, mit dem er zutiefst verfeindet ist, sich um Leos Wohlergehen Gedanken machen? – dann spürt er auch schon die Lippen seines Gegenübers auf seinen. Viel zu weich und viel zu heiß und viel zu feucht und viel zu gut. Gottverdammt, warum bloß küsst dieser Idiot, der sich bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit die Dokumente von Leo abknöpfen lässt, so verflucht gut? Und das bei einem Ablenkungsmanöver, verdammt nochmal? Wie würde dieser Schürk nur erst küssen, wenn es wirklich etwas zu bedeu –
Nein, nein, nein, denkt Leo und packt Schürks Arsch noch fester. Schiebt seine eigenen Beine etwas weiter auseinander, damit Schürk seinen Oberschenkel dazwischen schieben kann, was der blonde Agent auch sofort tut. Und apropos Haare, höchste Zeit, eine Hand in Schürks Haare gleiten zu lassen und den Agenten am Hinterkopf zu packen. Dieser blöde Arsch mit seinen blondierten Haaren.
Leo versucht, sich zu konzentrieren. Ein bisschen jedenfalls, denn sie sind ja nicht zum Fummeln hier. Damit immerhin einer von ihnen – vorzugsweise Leo selbst – den Gang wenigstens irgendwie im Auge behalten kann, muss diese Knutscherei aufhören. Fuck. Aber egal, denn Schürk küsst ja sowieso wie ein Anfänger, genau, weshalb es Leo auch kein bisschen schwer fällt, sich ein wenig von dem anderen Mann zu lösen und ihm zuzuflüstern: „Mein Hals.“
„Was?“, fragt Schürk so irritiert, wie zu erwarten war. Natürlich schnallt der mal wieder nichts. Tresore und Bomben, das ist alles, was der Penner kann.
„Mein Hals. Knutsch meinen Hals, damit ich sehen kann, wenn sie kommen.“ Mit seiner Hand drückt Leo etwas fester an Schürks Hinterkopf und dirigiert den verfeindeten Agenten mit den Lippen zu seinem Hals hin.
„Muss das sein?“, fragt Schürk mit gespielter Genervtheit, Leo weiß es genau. Denn er weiß außerdem genau, dass Schürk ganz gerne seinen Hals knutscht, wenn das bisher auch nur im Vorbeigehen nötig war. Und sich auch überhaupt nicht angenehm angefühlt hat, also erwartet Leo auch jetzt ein höchst enervierendes –
„Fuuuuck…“, entfährt Leo ein langgezogenes Seufzen, bevor er es sich verkneifen kann. Schürks Lippen an seinem Hals sind… waffenscheinpflichtig. Leo fragt sich, ob sein Konkurrent heimlich geübt hat, denn definitiv hat sich das noch nie zuvor so heiß angefühlt. Fast sofort beginnt Schürk damit, an Leos Hals zu saugen. Leo legt seinen Kopf noch etwas weiter zu Seite, entblößt noch mehr von seiner leichtgebräunten Haut und muss sich fast schon unmenschlich bemühen, nicht die Augen zu schließen, sondern das Kommen und Gehen im Gang wirklich zu beobachten.
Also beobachtet er. Und fühlt. Fühlt Schürks kriminell heiße Lippen wieder und wieder saugen, an dieser einen Stelle. Woher weiß der Kerl, dass gerade diese Stelle ganz besonders empfindlich ist?
„Vermutlich Glückstreffer…“, murmelt Leo, während Schürk weiter und weiter und weiter saugt. Manchmal unterbricht er sein Saugen ganz kurz, um leicht zuzubeißen. Um mit seinen Zähnen über diese Stelle an Leos Hals zu schaben, die sich inzwischen glühend heiß anfühlt. Um ganz leicht zuzubeißen, über die Stelle zu lecken und drauf zu pusten, was sich so kribbelig anfühlt, dass sich nicht nur genau dort eine Gänsehaut bildet.
Schürk saugt immer weiter und Leos Schwanz wird immer härter. Leo bleibt nichts anderes übrig, als mit seiner Hüfte gegen Schürks zu rollen, sich mit seinem Schritt an Schürk zu reiben. Durch ihre Hosen hindurch spürt er, dass auch Schürks Schwanz sich regt.
Fast fallen Leo wirklich die Augen zu, da sieht er vier Sicherheitstypen um die Ecke kommen und in den Gang einbiegen. Er hebt eine Hand an seine Stirn, damit sie möglichst wenig von seinem Gesicht erkennen können, und beobachtet sie unauffällig dabei, wie sie, zusammen mit vereinzelten Fußballfans, den Ganz entlang und an ihnen vorbei gehen. Alle vier werfen ihm und Schürk einen kurzen Blick zu und scheinen sofort zu wissen, dass sie nicht mehr sehen wollen von diesen beiden knutschenden Typen.
Kurz darauf ist die Gefahr gebannt, jedenfalls für den Moment. Schürk saugt noch immer hingebungsvoll an Leos Hals, hat er die Sicherheitsleute doch nicht gesehen. Macht hin und wieder dunkle, samtige Geräusche dabei. Hat von Leo unbemerkt nach einer von Leos Händen gegriffen und ihre Finger verschränkt. Verflucht nochmal, was wird das hier?
Leo könnte und sollte dieses Ablenkungsmanöver sofort beenden – stattdessen stöhnt er dunkel und fast gequält, als Schürk jetzt besonders fest an seiner Haut saugt. Der dunkelhaarige Mann lässt nun wirklich seine Augen zufallen, schließt seine Hand fester um Schürks, reibt seinen Schwanz durch ihre Hosen hindurch noch ungeduldiger gegen Schürks. Das muss aufhören, sofort – und außerdem muss Schürk nicht wissen, dass das längst aufhören könnte, weil die Sicherheitsleute ja längst verschwunden sind.
Also lässt Leo den anderen Mann weiter an seinem Hals saugen. Kann ja nicht schaden, Schürk noch etwas länger Gelegenheit zum Üben zu bieten.
Als sie sich kurz darauf zu Beginn der Halbzeitpause doch noch voneinander trennen, sieht Leo in ein erhitztes, gerötetes Gesicht. Schürks Lippen sehen unverschämt geschwollen und feucht aus. Sie schreien danach, geküsst zu werden. Fast lässt Leo schon den allerletzten Rest Selbstbeherrschung fahren, da löst Schürk seine Hand von Leos, deutet grinsend auf Leos Hals und sagt: „Das solltest du verstecken, bevor du in eure Zentrale zurückfährst. Vielleicht kaufst du dir nen Fan-Schal.“
„Vielleicht hältst du einfach deine Klappe“, gibt Leo bissig zurück, schiebt Schürk ganz von sich und stellt den Kragen seiner Jacke auf. Auf neunmalkluge Ratschläge kann er verzichten, ganz besonders, wenn sie von diesem eingebildeten Klugscheißer kommen.
„Komm schon, Hölzer, schwarz-gelb steht dir sicher prima“, stichelt Schürk weiter, während sie sich im Gang an die Wand drücken, um von den in die Halbzeitpause hastenden Fans nicht über den Haufen gerannt zu werden.
„Mit Sicherheit nicht“, sagt Leo und hofft, dass das Thema jetzt endlich erledigt ist.
„Stehst wohl nicht auf Borussia Dortmund.“
Fuck, wenn sie nicht schon an der Wand stehen würden, würde Leo diesen Agenten-Arsch jetzt dagegen klatschen.
„Geht dich einen Scheißdreck an.“
„Dann vielleicht 1. FC Saarbrücken?“
„Ich stehe überhaupt nicht auf Fußball, schon gar nicht auf deutschen. War's das jetzt?“
Neben sich hört er diesen impertinenten Schürk doch tatsächlich amüsiert kichern und dann sagen: „Das ist aber nicht sehr patriotisch von dir.“
Leo verdreht die Augen und blitzt Schürk regelrecht an. „Bei Fußball hört mein Patriotismus auf.“
„Das wird die Bundesrepublik aber nicht gerne hören.“
„Schürk, du kannst mich echt mal am – “
„Und was ist mit Handball?“, fällt der blonde Mann Leo ungerührt ins Wort. Unglaublich, dass der Kerl mit seinem Mund einerseits so verdammt gu... so durchaus passabel knutschen, andererseits aber so einen unfassbaren Scheiß von sich geben kann.
Leo seufzt demonstrativ. „Nichts ist mit Handball. Aber mir rutscht jetzt gleich meine Hand aus, wenn du mich weiter so nervst, Schürk.“
Bevor Schürk noch etwas antworten kann, dreht Leo sich um und lässt sich von der Menschenmenge in Richtung Ausgang mittreiben. Nur gut, dass er während ihres Ablenkungsmanövers von Schürk unbemerkt an dessen Rücken herumgefummelt und die dort unter Schürks T-Shirt versteckten Dokumente an sich genommen und wiederum unter sein eigenes T-Shirt geschoben hat.
Als Leo drei Stunden später die Dokumente in der Zentrale bei seiner Handlerin Baumann abliefert, wünscht er sich, er hätte Schürks dämlichen Rat befolgt. Baumanns nervtötende Knutschfleck-Kommentare wird er sich noch tagelang anhören dürfen.
~~~~
