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Verfeindet und verflucht verärgert im Nachtclub

Summary:

Die Agenten Schürk und Hölzer sehen sich endlich bei einem Einsatz wieder, nachdem Hölzer geklaut und von Schürk gerettet und verarztet wurde. Sicherlich sind sie nun die längste Zeit verfeindet gewesen – oder?

Work Text:

Görlitz

 

Adam würde am liebsten laut schreien, als der blonde Typ sich an der Bar neben ihn stellt. Ja, er würde am liebsten laut schreien und den Kerl im Nacken packen und seinen Kopf auf die Theke knallen. Mit voller Wucht. Zweimal, mindestens. So oft, bis es blutet. Und dann könnte dieses blöde Arschloch sehen, von wem es sich diesmal verarzten lässt, denn von Adam, soviel steht fest, ganz sicher nicht. Nicht mehr. Nie mehr.

Der Kerl steht so dicht neben Adam, dass sich ihre Oberarme fast berühren. Wäre es hier nicht so eng, Adam würde einen Schritt von diesem blondierten Penner wegmachen, aber dafür ist einfach nicht genug Platz. Also bleibt er, wo er ist, zähneknirschend und mit immer schlechter werdender Laune. Wenn das überhaupt möglich ist, so schlecht, wie seine Laune ohnehin schon ist. Seit Tagen. Wochen.

Adam spürt, wie der Kerl ihn von der Seite ansieht. Wie er sich noch etwas näher an Adam heranlehnt, in seinem schamlos-enganliegenden, dunkelgrünen T-Shirt. Und Adam hört, wie er unbegreiflich arglos zum Sprechen ansetzt und sagt: „Hey, Adam, ich hab – “

Mit Sicherheit nicht. Mit Sicherheit hat dieser Arsch hier nicht das erste Wort, und mit noch größerer Sicherheit nennt er Adam nicht Adam. Nicht nochmal. Nie wieder.

„Hölzer. Na sowas. Wie unschön, dich zu sehen“, fällt Adam seinem verfeindeten Konkurrenten ins Wort. So dermaßen verfeindet, dass es kein passendes Adjektiv für das Ausmaß dieser Verfeindung zu geben scheint. Widerwillig wendet Adam sich Hölzer aber dennoch zu, lehnt sich mit einem Unterarm auf die Theke und sieht den so unerwartet erblondeten Mann mit zusammengekniffenen Augen an.

Hölzer erwidert Adams Blick, mit einem überraschten, perplexen Ausdruck im Gesicht. Ja, klar. Dämlicher Schauspieler. Ganz sicher wird Adam nicht hereinfallen auf diesen Gesichtsausdruck, ebenso wenig wie auf alles, was Hölzer ihm vermutlich gleich auftischen wird. Zwei Einsätze lang hat er sich nicht blicken lassen. Verarztet hat Adam diesen unfähigen Möchtegern-Agenten, wieder einmal, da in der Hütte im Wald. In seiner Hütte im Wald, in die er Hölzer mitgenommen hat. In die er noch nie vorher jemanden mitgenommen hat. Verarztet und… nicht nur verarztet. Endlich waren sie über ihre Schatten gesprungen, alle beide, oder jedenfalls hatte Adam das geglaubt. Hatten eine halbe Nacht und einen ganzen Tag und nochmal eine halbe Nacht dort verbracht, 22 Stunden und 19 Minuten, um genau zu sein, bis Adam sicher war, dass sie sicher waren und zurückkehren konnten in die Zivilisation.

Und dann: nichts. Zwei Einsätze und kein Leo Hölzer. Kein Mucks, keine Erklärung, gar nichts. Und jetzt spaziert dieses Blondchen hier herein in diesen Nachtclub und tut so, als ob nichts gewesen wäre? Als ob es die Hütte und diese Eichhörnchenarmee, von der Le... Hölzer nicht nur im halben Delirium faselte, und diese zwei Einsätze, bei denen er Adam versetzt, ja, versetzt hat, nie gegeben hätte? Als ob er Adam nicht verarscht hätte, die ganze Zeit? Denn genau das hat Hölzer getan: Er hat Adam verarscht, ihn ausgenutzt, von Anfang an, ihn und seine Fähigkeiten, von denen Hölzer nur träumen kann. So sieht's mal aus.

Spätestens jetzt weiß Adam nur zu genau, warum er diesen Hölzer schon immer gehasst hat, schon gleich von ihrer ersten Begegnung an, bei diesem Maskenball. Warum er ihn nie für einen guten Agenten gehalten und ihm vor allen Dingen nie getraut hat. Ja, Adam mag schwache Momente gehabt haben. Mag Hölzer berührt haben, keineswegs professionell und mehr als einmal. Er hat sich hinreißen lassen, hier und da, und ist diesem Arsch eindeutig zu nahe gekommen. Und hat ihn umgekehrt viel zu nahe an sich herankommen lassen. Hat ihn in seiner Hütte in seinem Bett schlafen lassen und sich auch noch zu ihm gelegt, verflucht nochmal, und sich von ihm sagen lassen, dass seine Lippen weich seien. Und Adam hat das – blöd, wie er war – auch noch erwidert, mit einem selten dämlichen „Deine auch“. Aber damit ist jetzt Schluss.

Hölzer sieht ihn noch immer an, mit diesem dämlichen Ausdruck im Gesicht, und lacht nervös, bevor er fragt: „Adam, was… ist alles in Ordnung?“

Auch Adam lacht jetzt, allerdings nicht nervös, sondern laut und abfällig. „Ob alles in Ordnung ist, will er wissen, ja, hey… alles ist in bester Ordnung. Und wenn wir diesen Auftrag erst erledigt haben, wird alles in noch viel besserer Ordnung sein.“ Denn dann, so denkt Adam für sich, wird er bei seiner Handlerin Heinrich darauf bestehen, dass ihm nie, nie, niemals wieder Leo Hölzer für einen Einsatz zugeteilt wird. Und dass außerdem sichergestellt wird, dass Hölzer nie, nie, niemals wieder einfach so bei einem Einsatz auftaucht, unangekündigt, wie es in der Vergangenheit schon häufiger vorkam. Nichts will Adam mehr mit diesem Kerl zu tun haben, gar nichts mehr.

(Und natürlich wird auch Adam nie, nie, niemals mehr unangekündigt bei einem von Hölzers Einsätzen auftauchen, so wie es in der Vergangenheit ebenfalls schon häufiger vorkam. Eher würde Adam sich eine seiner schönen Hände abhacken… die auch Hölzer so verflucht schön findet, Adam weiß es genau.)

Adam sieht, wie Hölzer eine Hand nach ihm ausstrecken will, und sofort weicht er nun doch zurück. Ignoriert, wie jemand hinter ihm sich beschwert und tritt zusätzlich noch einen Schritt von der Bar weg. Dennoch hört er Hölzer sagen: „Adam, verflucht nochmal, was soll der Scheiß? Irgendwas stimmt doch nicht?“

Ganz sicher wird Adam jetzt nicht mit Hölzer darüber reden, was stimmt und was nicht stimmt. Jetzt nicht und auch später nicht. Stattdessen greift er, wenn auch absolut widerwillig, in seine rechte Hosentasche, zieht ein breites, schwarzes Lederarmband hervor und reicht es Hölzer. Der sieht Adam fragend an und nimmt das Armband zögerlich, dreht es in seinen Händen.

Adam verdreht die Augen. Ist der Kerl echt so schlecht vorbereitet wie immer und muss man ihm wirklich alles buchstabieren? Er deutet auf sein linkes Handgelenk, an dem er das identische Modell trägt, und sagt ungeduldig: „Der Typ steht auf sowas. Ist für ihn ein Zeichen, dass wir wirklich richtig... dass wir... dass das nicht nur...“

„Verstehe“, erlöst Hölzer Adam von seiner peinlichen Stammelei und legt sich das Armband um. Angestrengt versucht Adam zu ignorieren, wie verflucht gut seinem Konkurrenten das Teil steht.

Immer noch in höchstem Maße widerwillig greift Adam nun nach Hölzers linker Hand und zieht ihn auf die Tanzfläche. Sie haben hier einen Job zu erledigen und das ist alles, woran Adam jetzt denken will.

Weshalb er Hölzer über das Stimmengewirr und die laute, aber nicht zu laute Musik hinweg – denn immerhin sind sie hier in einem Nachtclub und nicht in einem Club – wissen lässt: „Wir haben jetzt einen Job zu erledigen, also erledige ihn auch. Wenn du deine Haare schon so beschissen blondieren musst.“

Ohne eine Antwort abzuwarten, zieht er Hölzer weiter mit sich, bis zur anderen Seite der Tanzfläche. Dort am Rand sitzt ihre Zielperson, umgeben von drei Bodyguards, in einer schummrigen Nische. Fläzt auf einem dunkelroten, weichgepolsterten Sofa und lässt seine Blicke wieder und wieder über die langsam tanzende Menge schweifen. Adam weiß genau, wonach der Kerl Ausschau hält. Nach einem Paar wie ihnen. Ihre Zielperson steht auf blonde Männer, vor allem dann, wenn sie zu zweit sind, denn der Kerl steht auf Dreier. Was Adam, so ganz persönlich gesehen, herzlich egal ist, denn er steht definitiv nicht auf Männer wie den da, sondern vielmehr auf Höl–… aber sie brauchen ihn. Brauchen ihn, um in das fast schon lächerlich-übertrieben gesicherte Hinterzimmer des Nachtclubs und an den dortigen Tresor zu gelangen. Weshalb Adams und Hölzers Geheimdienste sich diesen großartigen Plan ausgedacht haben, ausnahmsweise mal, denn meistens lassen sie Adam und Hölzer einfach machen. Lassen sie ihre eigenen Pläne machen. Doch diesmal nicht, denn diesmal wurde Adam von seiner Handlerin ein „blonder Agent des anderen Ladens“ angekündigt – und mit dem steht Adam jetzt also hier auf der Tanzfläche. Niemals hätte er gedacht, dass dieser „blonde Agent“ Le–… dass das Hölzer sein könnte.

Adam zieht Hölzer fest an sich und dreht sie so, dass er ihr Ziel im Blick behalten kann. Sie haben kaum angefangen, sich zum Takt der Musik zu bewegen, Adam hat Hölzer gerade erst eine Hand an den Arsch gelegt, da haben sie auch schon die volle Aufmerksamkeit des Mannes auf dem Sofa. Die anderen Gäste des Nachtclubs haben sich rausgeputzt, in Schale geworfen, so wie es sich für so ein Etablissement gehört. Adam und sein… Konkurrent sind die einzigen Gäste, die darauf gepfiffen haben. Denn ihr Zielobjekt steht drauf, wenn die blonden Kerle ihre Körper sprechen lassen, wozu eng sitzende Shirts und noch enger sitzende Jeans das beste Mittel sind.

Und scheiße, sitzt Hölzers schwarze Jeans eng. So eng, dass Adam alles, einfach alles, was sich in der Hose des erblondeten Mannes regt, genau spüren kann. Es ist zum Verrücktwerden – aber das darf Adam sich jetzt auf keinen Fall erlauben. Und will es auch nicht. Oh, wie absolut rein gar nicht er das will. Sich von diesem elenden Verräter verrückt machen lassen.

Weshalb Adam nun doch, auch wenn er das eigentlich noch viel weniger wollte, auf Hölzers letzte Frage zurückkommt.

„Du hast noch nie einen Einsatz verpasst, noch nie! Und da willst du mir erzählen, dass das… Timing nicht ein klein wenig verdächtig ist, so kurz nach der Hütte?“, raunzt Adam dem blondierten Mann ins Ohr und knetet fest, vielleicht etwas zu fest, in Hölzers linke Arschbacke. Und richtig, Hölzer windet sich ein wenig unter Adams hartem Griff. Sehr gut.

„Fuck, Adam… gar nichts ist hier verdächtig. Meine Leute wollten – “

„Erzähl mir keinen Scheiß, Hölzer, verarschen kann ich mich allein! Deine Leute sind ja an vielem Schuld, aber ganz sicher nicht daran, dass du ein verlogenes Arschloch bist und hier mit einem frischen Knutschfleck auftauchst. Nach allem, was war… da in der Hütte… ach fuck, vergiss es einfach.“

Mit seiner anderen Hand fährt Adam in Hölzers Haare, packt sich ein paar blonde Strähnen und zieht. Erneut zu fest. Er hört Hölzer fluchen. Und kann ebenjenen Knutschfleck an Hölzers Hals jetzt noch besser erkennen. Gerade eben an der Bar hat er ihn lediglich erahnt, doch jetzt, wo sie sich so nah sind… verdammt, das ist einfach das Letzte. Erst zwei Einsätze lang gar nicht auftauchen und dann mit einem fetten Knutschfleck am Hals.

„Scheiße, kannst du mal… ich bin kein verlogenes Arschloch und das ist kein Knutschfleck und wenn du mir mal eine Sekunde zuhören würdest – “

„Kein Knutschfleck, natürlich. Den einen Agenten endlich rumgekriegt und gleich den nächsten klargemacht, das passt zu dir. Aber dafür haben wir jetzt keine Zeit und ich hab dir auch nichts mehr dazu zu sagen“, lässt Adam den anderen Mann erneut nicht ausreden und zieht ihn, auch wenn sich alles – gut, okay, einiges... vielleicht ein bisschen was – in ihm dagegen sträubt, noch fester an sich. Blickt unauffällig zu ihrer Zielperson und stellt zufrieden fest, dass der Mann sie nach wie vor nicht aus den Augen lässt und sich vielmehr mit einer Hand über seinen Schritt reibt. Na, immerhin der hat Spaß.

Kurz denkt Adam, dass er sich und Hölzer auch nicht aus den Augen lassen würde, wäre er an der Stelle dieses Mannes. Sie müssen so verdammt geil aussehen, hier zusammen auf der Tanzfläche, mit ihren blonden Haaren und engen T-Shirts und ihren Händen am Arsch des jeweils anderen. Fast wird Adam ein bisschen heiß bei dem Gedanken. Fast zuckt sein Schwanz ein wenig in seiner Jeans, aber scheiße, wem will er hier etwas vormachen. Ganz eindeutig zuckt sein Schwanz in seiner Jeans und ganz eindeutig wird ihm heiß, nicht nur fast und ein wenig. Denn trotz aller Wut und Enttäuschung fühlt sich der von Neuem so verdammt verfeindete Agent einfach so unerträglich gut an. Wie er sich gegen Adam drückt, wie sie sich im Rhythmus der Musik miteinander bewegen, ja, aneinander reiben… wie Hölzer jetzt an Adams Rücken eine Hand unter sein T-Shirt schiebt und sie über Adams erhitzte Haut gleiten lässt und das Lederarmband dabei über Adams Haut reibt…

Fuck, der Kerl hat Nerven.

„Übertreib es nicht“, grummelt Adam in Hölzers Ohr und ist so verdammt kurz davor, es selbst zu übertreiben und seine Lippen – ja, seine verdammt weichen Lippen, so weiche Lippen hat definitiv kein anderer Agent im Deutschland! – an Hölzers Hals zu legen. Und ihm einen zweiten Knutschfleck zu verpassen, aus Rache. Natürlich nur aus Rache. Aus Rache und für die Bundesrepublik.

Und fast tut er es tatsächlich, fast streift er schon mit seinen Lippen über Hölzers Haut, für die Bundesrepublik, da spürt er eine Hand auf seiner Schulter und hört eine dunkle Stimme sagen: „Hätten Sie einen Moment?“

Adam löst sich ein wenig von Hölzer, der aber gar nicht daran denkt, seine Hand wieder unter Adams T-Shirt hervorzuziehen. Im Gegenteil, obwohl weder ihre Zielperson noch der Bodyguard, der jetzt hier vor ihnen steht, es sehen kann, reibt er weiter mit der flachen Hand Adams Rücken auf und ab. Als wolle er ihn beruhigen. Oder um Verzeihung bitten, vielleicht. Und legt, und das ist immerhin eine Show, die jeder sieht, seinen Kopf an Adams Schulter und setzt, das kann Adam aus den Augenwinkeln erkennen, einen hungrig-verliebten Gesichtsausdruck auf. Verflucht, wie gut der Kerl einfach umschalten kann. Und wie dämlich Adam immer wieder darauf reingefallen ist, die ganze Zeit, wenn es um sie beide ging.

Sie beide.

Nichts da.

Adam räuspert sich und sagt, während er für die Show mit seiner Hand durch Hölzers Haare krault: „Was gibt’s?“

Der Bodyguard erklärt ihnen, was es gibt. Genau das, weswegen Adam zusammen mit Hölzer diese Vorstellung abgeliefert hat.

Sie begleiten den Bodyguard zu ihrem Zielobjekt und tun weiter so, als könnten sie nicht die Finger voneinander lassen. Noch immer ist Adam kurz davor, ein bisschen durchzudrehen wegen Hölzers Berührungen. Diese Berührungen, die sich so gut anfühlen könnten, wenn sie nicht… wenn Adam nicht… wenn Hölzer nicht so dermaßen verkackt hätte und so ein unfassbares Arschloch wäre.

Aber Adam ist ein, nein, der Top-Agent im Deutschland und reißt sich jetzt zusammen. Er wirft ihrem Ziel einen möglichst lasziven Blick zu und setzt sein lüsterndstes Lächeln auf. Neben ihm streckt Hölzer eine Hand nach dem Kerl aus und macht eine einladende Handbewegung. Ihr Ziel steht auf, tritt ganz nah an sie heran und sagt: „Na, dann kommt mal mit.“

Kurz darauf sind sie in dem Hinterzimmer, zu dritt. Einer der Bodyguards hat das Zimmer gecheckt, obwohl er das an diesem Abend bereits mehrere Male getan hat. Die Routine ist immer die gleiche, wie aus den Akten hervorgeht. Ein zweiter Bodyguard hat Adam und Hölzer auf Waffen untersucht und natürlich nichts gefunden. Das Messer in Adams knöchelhohen Schnürstiefeln ist ihm selbstverständlich entgangen. Anfänger. Ob Hölzer an gleicher Stelle ebenfalls eine Waffe versteckt hat, kann Adam nur vermuten. Es ist ihm aber auch egal, denn er braucht Hölzer nicht, um diesen Einsatz erfolgreich abzuschließen. Hat Hölzer nie auch nur für einen einzigen Einsatz gebraucht und wird ihn auch nie wieder brauchen. Immerhin hat Adam jetzt auch wieder ein eigenes Auto, ein eigenes, das nur ihm allein gehört und in dem es niemals auch nur eine einzige Kotztüte geben wird, jawohl.

Während zwei der Sicherheitsleute draußen auf dem Gang Stellung beziehen, macht es sich ihr Zielobjekt bereits auf einem runden Bett mit glänzendem Satin-Überwurf bequem. Als hätten sie sich abgesprochen, gesellt Hölzer sich zu ihm und lenkt ihn ab, während Adam an eine kleine Bar tritt und drei Drinks vorbereitet. In einen lässt er das extra dafür mitgebrachte K.O.-Pulver hinein rieseln.

Er stellt die Gläser auf ein kleines Tablett, geht hinüber zu den beiden Männern und setzt sich zu ihnen.

„Ich hab da mal was vorbereitet…“, säuselt er verführerisch, zwinkert ihrer Zielperson zu und reicht dem Mann den präparierten Drink. „Und auch einen für dich… Baby…“, fährt er mit samtiger Stimme fort, als er das zweite Glas an Hölzer übergibt. Der sieht Adam mit dunklen Augen an und Adam wünschte –

Er wünscht nur eins, und zwar, dass dieser Einsatz so schnell wie möglich ein Ende findet.

Die drei Männer stoßen miteinander an und jeder von ihnen trinkt sein Glas mit zwei Schlucken aus. Adam hat seinen und Hölzers Whisky mit möglichst viel Wasser gestreckt, sodass der Alkohol keinerlei Wirkung auf sie haben wird. Ihr Zielobjekt hingegen sinkt Dank der Alkohol-K.O.-Pulver-Mischung schon kurz nach Leeren des Glases zurück auf das Bett, bewusstlos.

„Das ging schnell“, sagt Hölzer und steht auf.

„Längst nicht schnell genug“, murmelt Adam, der einfach nur noch den Tresor knacken und von hier verschwinden will.

Er folgt Hölzer zurück zur kleinen Bar, bleibt schräg hinter ihm stehen und beobachtet ihn dabei, wie er den Rahmen des an der Wand hängenden Bildes abtastet. Alle Versuche, sich einzig und allein auf Rahmen und Bild zu konzentrieren, schlagen fehl. Stattdessen kann Adam seinen Blick einfach nicht von dem Kerl losreißen, der mit diesen blondierten Haaren schlicht und ergreifend doppelt so heiß aussieht wie mit seiner Naturfarbe. Auch angefühlt haben sich diese Haare ganz anders, gerade eben auf der Tanzfläche. Vermutlich, weil Hölzer sie nach dem Blondieren mit endlos vielen, fruchtig-duftenden Haarkuren gepflegt und –

„Das hättest du dir echt sparen können“, sagt Adam, während Hölzer das Bild jetzt von der Halterung nimmt und auf dem Boden gegen die Wand lehnt. Als er sich vorbeugt, sieht sein Arsch in der engen Jeans noch praller aus als ohnehin schon, stellt Adam genervt fest. Nicht zum ersten Mal, natürlich, aber heute nervt ihn Hölzers perfekter Arsch mehr als jemals zuvor.

„Was?“, fragt der Arsch mit dem perfekten Arsch und wendet sich zu Adam um. Der geht jetzt ganz nah an die Wand und den darin eingelassenen Tresor heran und streicht mit den Fingerspitzen seiner rechten Hand über das Schloss.

„Die blonden Haare“, antwortet er und zieht sein Messer aus dem Stiefel.

„Wieso? Der Kerl steht eben nun mal – “

„Das hätte auch funktioniert, wenn nur einer von uns blond gewesen wäre. Oder deine Leute hätten direkt jemand anderen schicken können, einen, der sowieso blond ist“, sagt Adam, der längst mit seiner Arbeit begonnen hat. Als absoluter Top-Agent kann er beides: einen Tresor knacken und mit einem blöden Arschloch wie Hölzer reden und ihm erklären, warum er so ein blödes Arschloch ist.

Hinter sich hört er Hölzer schnaufen und antworten: „Weißt du was? Wenn du jetzt nicht gerade diesen beschissenen Tresor knacken würdest, würde ich dir echt eine reinhauen.“

Adam fummelt weiter an dem Tresor herum, dreht mit der Messerspitze an einer Schraube. „Ach ja? Du willst mir eine reinhauen? Wofür denn bitte? Weil ich die Wahrheit sage?“

„Und welche Wahrheit soll das bitte sein?“, fragt Hölzer und macht einen Schritt neben Adam und den Tresor. Blöder Penner, als ob er Adam nicht schon genug ablenken würde mit seinem blöden Gerede.

Adam antwortet nicht sofort, dreht stattdessen weiter am Zahlenschloss des Tresors und der Schraube, bis er das erhoffte Klacken vernimmt. Mit zwei weiteren Handgriffen öffnet er die Tür und nimmt die Dokumente heraus. Überprüft kurz, ob alles da ist, weswegen sie gekommen… weswegen er gekommen ist, und verschließt den Tresor wieder. Er legt die Dokumente auf die Bar, um das Bild wieder an seinen Platz zu hängen, und rechnet fest damit, dass Hölzer die Papiere an sich genommen haben wird, wenn Adam sich wieder nach ihnen umdreht. Aber nichts da. Als das Bild wieder an der Wand hängt, liegen die Dokumente noch genau dort, wo Adam sie abgelegt hat. Hölzer hat sich nicht von der Stelle gerührt und sieht Adam an. Ruhig und konzentriert und irgendwie… verletzt? Elender Schmierenkomödiant, da helfen alle Geheimdienst-Theaterworkshops der Welt nichts.

Adam holt tief Luft. „Du bist ein verdammter Schauspieler, okay? Lässt dir von mir den Arsch retten, wieder und wieder, lässt mich die ganze Arbeit machen und haust dann ab und heimst die Lorbeeren ein. Tust so, als würde ich… als wären wir… und dann lässt du mich hängen. Ich wäre fast krepiert letzte Woche in Apolda, okay? Und wer war nicht da? Ein verdammter Scheiß-Einsatz war das, aber du… du hast das vermutlich vorher gewusst, was? Endlich eine super Gelegenheit, um den dämlichen Schürk loszuwerden und – “

Adam kann nicht ausreden, denn Hölzer lässt ihn nicht. Blitzschnell streckt er eine Hand nach Adam aus, presst sie auf seinen Mund und erwidert aufgebracht: „Das hab ich nicht gewusst, okay? Auch wenn du mir das nicht glauben willst, aber ich hab nichts von dem Einsatz gewusst und ich hab hier… auch keinen Knutschfleck am Hals! Meine Leute haben mich nach der Sache in Augsburg und… und allem anderen aus dem Verkehr gezogen und diesen ganzen Diensttauglichkeitsscheiß durchziehen lassen. Und dieser Knutschfleck ist kein Knutschfleck, sondern das, was passiert, wenn ein Sparringspartner ein bisschen übermotiviert ist und zu fest zudrückt und – “

Energisch packt Adam Hölzers Handgelenk und zieht die Hand von seinem Mund. Sein Daumen liegt sofort über Hölzers Puls, genau da, wo er auf dem Weg zu seiner Hütte auch – egal, alles egal.

Er lässt Hölzer wieder los, als hätte er sich an ihm verbrannt.

„Willst du mich für dumm verkaufen? Ich erkenne doch einen Knutschfleck, wenn ich – “

„Du erkennst gar nichts, Adam, okay, gar nichts! Ich hab keine Ahnung, was mit dir los ist, aber selbst wenn es einer wäre… hast du vielleicht zufällig schon mal von sowas wie einem Ablenkungsmanöver gehört? Ich hätte auch in einem anderen Einsatz sein und mit jemandem – “

„Ah, daher weht der Wind, ja? Sind dir unsere Ablenkungsmanöver jetzt nicht mehr gut genug, oder was?“, fällt Adam dem anderen Mann erneut ins Wort. Was will der ihm hier weißmachen? Denkt der wirklich, Adam würde glauben, dass –

„Fuck, Adam…“, hört er Hölzer resigniert sagen. So resigniert und so leise und mit einem so geknickten Kopfschütteln, dass es Adam die Sprache verschlägt. Er sucht noch nach Worten, denn verdammt, so leicht wird er Hölzer sich hier nicht rausreden und den geprügelten Hund spielen lassen, da fügt der noch hinzu: „Ich hau dann mal ab. Vergiss die Dokumente nicht und... pass... pass auf dich auf.“

Immer noch sprachlos sieht Adam dem blondierten Mann dabei zu, wie er sich zum Gehen wendet. Spürt, ganz kurz nur, wie Hölzers linke Hand im Weggehen Adams rechte Hand streift. Sieht auf das Lederarmband, das Hölzer noch immer am Handgelenk trägt.

Und dann ist der andere Agent weg. Verschwunden durch die hinter einem Vorhang verborgene Hintertür, die sich nur von innen öffnen lässt mit einer Chipkarte, die Hölzer ihrem Zielobjekt längst aus der Hosentasche gezogen hat.

Bevor sich die Tür wieder schließt, lässt Hölzer die Türkarte hinter sich auf den Boden fallen, für Adam.

Natürlich für Adam.

Denn Leo würde ihn nie –

Scheiße.

„Du bist so ein Top-Idiot, Schürk“, murmelt Adam zu sich selbst.

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