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Verfeindet und fest verzurrt mit ein bisschen Hoffnung(slosigkeit)

Summary:

Agent Hölzer bekommt die Gelegenheit, seinen superverfeindeten Agentenkonkurrenten Adam Schürk zu retten, und klappert dabei alle Tier-Similes ab, die ihm einfallen.

Work Text:

 

Wernigerode

 

Leo versteht die Welt nicht mehr.

Gerade noch hat er sich auf seinen ersten gemeinsamen Einsatz mit Adam seit Wochen gefreut und jetzt ist alles aus. Vorbei.

Statt einen weiteren Schritt vorwärts haben sie zehn zurück gemacht. Schlimmer noch, sie sind bis an den Anfang zurück, als Adam ihm mit missmutiger Miene die Maske zurechtgezupft hat.

Für Adam ist er jetzt sogar wieder Hölzer, was am meisten weh tut. Gerade war er noch Leo. Nie nennt ihn jemand Leo - außer seiner Schwester und die nennt ihn so, weil sie ihn schlecht beim Nachnamen nennen kann, aber sonst?

Wahrscheinlich ist Leo nicht einmal mehr Hölzer, sondern nur noch ‚der Knutschfleckwicht‘ oder ‚der Fremdablenkungsmanövrierer‘ oder schlimmer noch, ‚der Schuft‘. Hätte Leo gewusst, dass Adam sofort die Schotten dicht macht, wenn er potentielle andere Ablenkungsmanöver anspricht, hätte er das nicht gesagt.

 

Eine Woche später tut die Sache immer noch so weh wie am ersten Abend. Adams verletzt-wütende Stimme hört er auch immer noch genauso abfällig in seinem Ohr. Als ob Leo ihn jemals loswerden wollen würde.

Nach einem letzten Abklopfen seiner Jacke auf seine Ausrüstung, schiebt er das Visier seines Helms nach unten, klappt den Ständer ein und fährt los. Der Motor seiner Maschine heult so laut auf wie sein Herz als er Gas gibt.

Er ist froh um diesen Einsatz heute. Eigentlich hätte er ein paar Tage frei, weil er Adam mit zwei Tickets ins Spionage-Museum in Berlin einladen wollte, aber die hat er mittlerweile zerknüllt und weggeworfen. Baumanns Anruf kam ihm sehr gelegen. Deshalb fährt er jetzt mit seinem Motorrad nach Wernigerode und hilft dort irgendeinem Agenten seines Geheimdienstes bei der Entwendung irgendwelcher Dokumente. Für die Bundesrepublik, weil die ihn nicht dafür verurteilt, dass er eine gefühlte Ewigkeit eine Diensttauglichkeitsüberprüfung mit allem, inklusive Tauchtraining, durchgemacht hat.

Tauchtraining ist Leos größter Feind - sich aus einem untergehenden Auto befreien, jemanden aus einem untergegangenen Auto retten und sich unter Wasser gegen Feinde verteidigen zu müssen. Er wäre dabei fast… egal. Alles egal jetzt.

Das Traurige ist, dass er Adam versteht. Adam ist immer für ihn da und statt ein Mal für Adam da zu sein und ihm in Apoldi bei seinem ‚Scheiß-Einsatz‘ zu helfen, war er wahrscheinlich... im Bett. Er hat ziemlich viel geschlafen in diesen zwei Wochen, während Adam anscheinend ohne ihn fast draufgegangen wäre.

Er hätte Adam noch deutlicher sagen können, was passiert ist. Im Nachhinein hat man immer die passenden Wörter, aber da in dem Nachtclub in Görlitz war er aufgebracht und sein Puls ging hoch und sein Herz hämmerte. Er hatte sich extra blondiert, weil er dachte, vielleicht würde Adam das heiß finden. Und hat er auch, davon ist Leo überzeugt, aber alles Heiß-finden bringt nichts, wenn man ein unzuverlässiger Taugenichts als Agent ist. Adam war wütend und stur und hat nicht zugehört, aber vielleicht hatte er auch ein bisschen Recht mit allem.

Leo hätte ihm noch sagen sollen, dass ihm ihre Ablenkungsmanöver immer am liebsten sind und er schon lange keine mehr mit jemand anderen gemacht hat. Eigentlich schon... Leo kann gar nicht sagen, wie lange schon nicht mehr. Es sind seit Jahren immer nur sie beide bei geheimen Diensten für die Bundesrepublik.

Jetzt ist es zu spät. Adam hasst ihn, weil er ihn im Stich gelassen hat.

Aber damit muss Leo leben. So, wie Adam geklungen hat, werden sie keine weitere Möglichkeit haben, miteinander zu reden. Nie wieder. Letztes Jahr haben sie zum Tag der deutschen Einheit eine Geburtstagskerze in ein Milka Tender gesteckt. Das wird auch nie mehr passieren. Nie mehr gemeinsam missionieren. Nie mehr gemeinsam einsetzen. Nie mehr zusammen auf der Ostsee in einem Boot stranden.

Sein Visier muss irgendwo Fahrtwind durchlassen, denn seine Augen werden feucht. Er zieht die Nase hoch. Unfair ist das alles. Unfair, weil er doch nur beweisen musste, dass er wieder fit ist – und davor erst einmal eine Woche wieder fit werden musste.

Und irgendwie hätte er sich gewünscht, dass Adam sich auch freut, ihn wieder zu sehen. So wie Leo sich gefreut hat.

Und er hätte sich gewünscht, dass Adam das Blond heiß findet. Dass er... dieses Tanzen auf der Tanzfläche ernst meint. Dass das echte und nicht nur gespielte Intimität war. Dass er den Tresor nicht schneller als sonst knackt, damit er schneller als sonst von Leo wegkommt.

Leo schnauft in seinen Helm und zieht die Nase hoch.

Vielleicht ist es an der Zeit, das Spielfeld einem jüngeren, fitteren Agenten zu überlassen. Einer, der keine Auszeit braucht, der noch keine schlecht verheilten Narben hat, die ihn plagen. Einer, der unter Wasser besser die Luft anhalten kann. Einer, der geschickter mit Tresoren ist. Einer, der nicht wegen einer lächerlichen Stichwunde wochenlang Beschwerden hat. Einer, der nicht... Leo ist. Adam wäre wahrscheinlich froh, einen neuen Partner-Konkurrenten zu haben.

 

Er folgt den Anweisungen auf dem Navi und fährt in Richtung Industriegelände. Um diese späte Uhrzeit ist hier schon längst Feierabend und alle Gebäude sind dunkel. Als er weit genug gefahren ist, versteckt er das Motorrad in einer verlassenen Lagerhalle und geht zu Fuß weiter auf der Suche nach dem Bürogebäude, das die Baumann ihm beschrieben hat.

Plötzlich durchbrechen zwei Schüsse die Nacht.

Er horcht, ob noch mehr kommen, und schleicht näher in die Richtung, aus der er die Schüsse gehört hat.

Plötzlich röhrt unweit von ihm entfernt ein Motor. Er springt gerade noch rechtzeitig in ein Gebüsch, bevor aus dem Nichts ein Auto um die Kurve driftet und an ihm vorbei rast. Er hat das Gefühl, die beiden Männer zu kennen, die in dem Auto sitzen, aber bevor er die Verbindung machen kann, kommt ein zweites Auto um die Ecke und verfolgt das erste.

Danach herrscht Stille.

Leo schleicht weiter zu dem Bürogebäude, auch, wenn es so aussieht, als hätten die Kerle in dem ersten Auto bereits erfolgreich etwas Dokumentenartiges gestohlen. Trotzdem soll sich Leo ja hier laut Baumann mit einem Kollegen von seinem Geheimdienst treffen und das waren zwei von einem anderen, also hat er seinen Job noch nicht erledigt.

Das Bürogebäude ist leer, aber ein Einschussloch und aufgestoßene Türen zeigen ihm, dass er hier richtig ist. Eine Spur der Verfolgung zieht sich zwar vom ersten Stock ins Erdgeschoss, aber was ihn stutzig macht ist, dass seitlich und versteckt eine Sicherheitstür zum Keller einen Spalt offen ist. Irgendetwas stimmt hier nicht.

Er zieht seine Waffe und nimmt die Treppe nach unten, um zu sehen, was da versteckt ist. Es sieht leer und verlassen aus und doch geht er weiter.

Er drückt Türklinken links und rechts, aber alle Räume sind versperrt. Die vierte Tür, die er schließlich probiert, ist offen. Er schiebt sich vorsichtig vor, bis er plötzlich Wanderschuhe und in Jeans gekleidete Beine vor sich hat – und erstarrt. Das ist Adam. Adam liegt hier. Schürk. Sein Adam Schürk. Sein verfeindeter Konkurrenz-Agent liegt da bewusstlos auf dem Boden, Dietrich-Set in einer Hand, Waffe in der anderen. Auf dem Weg nach unten hat er scheinbar ein halbes Regal mitgenommen, denn er ist umringt von Werkstattkram.

„Adam?“, flüstert Leo.

Keine Reaktion.

Leo kniet sich zu Adam und tastet ihn ab. „Hey, Schnarchnase.“ Der andere Agent rührt sich nicht. Er ist verschwitzt und blass und eine Hand an seinem Hals bestätigt, dass sein Puls zu schnell und flattrig ist. Leo rubbelt über sein Brustbein und bekommt eine widerwillig brummelige Schmerzreaktion.

„Okay“, sagt Leo, leise und hauptsächlich für Adam, damit er nicht denkt, ein Fremder will ihn stehlen. Vielleicht hört Adam ihn ja auch gar nicht, aber Leo fühlt sich besser, wenn er mit Adam redet. „Dann… bin heute ich dran.“ Kein Problem. Er wird Adam hier rausholen – und dann wird er sich verziehen.

Er nimmt Adams Waffe an sich, steckt sie zusammen mit seiner eigenen weg, und zippt das Dietrich-Set in eine von Adams Jackentaschen, bevor er ihn unter den Achseln schnappt und hochzieht.

„Uff“, ächzt er. „Du bist schwer, mein Lieber.“

Er umklammert seinen verfeindeten Konkurrenten, geht in die Knie und hievt ihn in einem Gamstragegriff auf seine Schultern. Er umklammert Adams Oberschenkel und seinen Arm und macht sich langsam auf den Weg nach draußen. Es gelingt ihm, Adams Kopf nirgends andengeln zu lassen, damit nicht auf was auch immer Adam hat, eine Gehirnerschütterung auch noch hinzukommt.

Irgendwann auf halbem Weg nach oben, beginnt Adam, sich zu bewegen, ein bisschen wie ein Schmetterling, der sich aus seinem Kokon wälzen möchte. Leo klammert nur fester. Ein schlafwandlerisches Murmeln kommt hinzu, als sie das Bürogebäude verlassen haben und sie die frische Nachtluft trifft. Das scheint Adam etwas mehr aufzuwecken, denn sein Murmeln wird insistierender, auch wenn es keine Worte sind, die irgendwie Sinn ergeben. Es klingt mehr wie das Grummeln eines Bärs, der frühzeitig aus dem Winterschlaf geweckt wird; so zumindest stellt Leo sich das vor.

„Ja, ja, ich höre dich ja“, sagt er, damit Adam sich gehört fühlt und tätschelt ihn unbeholfen da, wo seine Hand ihn erreicht. Vielleicht gibt er dann eher Ruhe.

Draußen angekommen, ist Leo nicht sicher, wie es weitergehen soll, oder wo. Er hat keine Ahnung, wo Adams Auto sein könnte, weil hier zu viele Versteckmöglichkeiten sind. Und da er mit dem Motorrad hergekommen ist, weiß er auch nicht so recht, wie er Adam hier wegschaffen soll. Egal, er schafft das. Er muss Adam einfach um sich binden und festhalten und darauf hoffen, dass Adam sich aus Überlebensinstinkt wie ein Faultierbaby an ihn klammert. Leo kann langsam fahren.

Er trägt seinen murmelnden Kontrahenten die Straße entlang und ist schon fast an seinem Motorrad angelangt, als er plötzlich erneut Motorengeräusch wahrnimmt. Schnell wuchtet er sich und Adam in ein Gebüsch, wie Amseln es an einem Fahrradweg tun. Die Verfolger des Autos von vorhin sind auf dem Weg zurück in das Bürogebäude. Wenn diese Kerle von Adam wissen und er beim Fluchtversuch im Keller gelandet ist, bedeutet das, sie haben nicht mehr viel Zeit, bis hier eine Hetzjagd losgeht.

Als das Auto vorbeigefahren ist, beeilt sich Leo deshalb umso mehr. Er gelangt zur richtigen Lagerhalle und setzt Adam dort neben seinem Motorrad auf den Boden.

Adams Augen sind jetzt halb offen und er grabscht mit müden Bewegungen und schwachen Armen nach Leo. Ein Koalababy würde es nicht anders machen.

„Hallo“, murmelt Leo und tätschelt Adams Wange. „Schön, dass du… also. Schön.“ Er muss schlucken und sich krampfhaft stoppen. Er freut sich immer noch, Adam zu sehen, vor allem halbwegs wach und wieder bei Sinnen, aber das Gefühl ist wahrscheinlich eine Einbahnstraße. „Ich bin vielleicht nicht der, auf den du gehofft hast, aber ich bringe dich hier raus. Okay?“

Ein Geräusch, das nicht einmal mit viel Phantasie interpretiert werden kann, antwortet. „Finde ich auch“, bestätigt er, als hätte sich Adam einverstanden gezeigt. Adam sieht ihn panisch und schnell atmend an. Leo streichelt ihm über den Kopf.

„Ich weiß nicht, was dir die gegeben haben. Ich hätte auch kein Gegenmittel da“, entschuldigt er sich. Die schwachen Muskeln lassen auf ein Betäubungsmittel schließen. Adam wüsste wahrscheinlich genau, was es ist, und hätte die passende Spritze in seinem Erste-Hilfe-Koffer.

Es macht Leo traurig, dass das auch ein Ding ist, das ihm seine Unfähigkeit bescheinigt – Adam könnte ihm in dieser Situation helfen, aber umgekehrt nicht. Dumm und hilflos kommt er sich vor. „Es tut mir leid, ja?“, versucht er deshalb, weil es das tut. Adam greift nach seiner Jacke, würde ihn vielleicht jetzt gerne wegstoßen oder an der Jacke krallen, um ihm etwas vorzuwerfen, aber er ist zu kraftlos dafür.

„Wir sollten los.“

Er nimmt den Helm vom Motorrad und stülpt ihn über Adams Kopf. „Damit bist du halbwegs sicher.“ Er zieht einen Gurt aus dem Fach im Sitz und stopft ihn in seine Tasche, bevor er Adam hochzieht und ihn unter Stöhnen und Ächzen auf das Motorrad setzt.

„Kurz Balance halten, bitte. So wie in…“ Dresden kommt ihm heute nicht über die Lippen. Das war so gute Zusammenarbeit, so gutes Teamwork, so guter Einklang… aber er weiß, Adam hat die Mission anders in Erinnerung. „Egal“, sagt er und reibt Adam über den Oberarm. „Egal, hörst du? Ich bringe dich hier raus.“

Er steigt auch auf, schnappt sich Adams lange Arme und legt sie sich um den Bauch. Dann fädelt er noch den Gurt in Brusthöhe ein und schnallt Adam an sich. „Das… muss funktionieren, ja?“, bittet er. „Wir fahren langsam und ich werde dich halten, aber du musst auch mithelfen.“

 

Wie sie schlussendlich erfolgreich aus dem Industriegebiet und der Stadt hinauskommen, ohne einen Unfall zu haben und ohne verfolgt oder von der Polizei aufgehalten zu werden, ist Leo unklar. Er ist nur froh, dass es so reibungslos abläuft. Irgendwann wird Adams Griff um seinen Oberkörper fester und er schmiegt sich mehr an, anstatt wie ein Sack Kartoffeln hinter ihm zu hängen.

Als sie weit genug gefahren sind, biegt Leo zu einem Hotel ab und besorgt Adam ein Zimmer, während er ihn noch auf dem Motorrad, wie auf einem Pferd hängend sitzen lässt.

„Na?“, fragt er, als er zurückkommt. „Bereit?“

Adam lallt mit schwerer Zunge etwas, das im Entferntesten nach „Bereit für was?“, klingt.

Leo schnauft und deutet hinter sich. „Wonach sieht es denn aus? Schlafen.“ Er hilft seinem Konkurrenten über den Sitz und stützt ihn, als er schwer gegen Leo sackt.

Er kann sich nicht helfen und genießt den Moment ein paar Atemzüge lang. „Ich werde das vermissen“, sagt er und hält Adam fest. „Das war immer der schönste Teil der Einsätze mit dir… das und dazu die Ablenkungsmanöver. Anfangs haben wir uns noch gewehrt, aber… sie haben doch immer gut funktioniert, nicht?“ Ablenkungsmanöver… vielleicht hätten sie das bleiben sollen. Vielleicht sind sie nie mehr als das gewesen: eine Ablenkung von ihrem Job für die Bundesrepublik, die nie hätte passieren dürfen. „Du riechst immer gut. Habe ich dir das mal gesagt?“ Peinlich sollte ihm das Gesäusel sein, denkt er. Peinlich, wie sehr er an Adam klammert.

Adam ruckelt unbeholfen in seiner Umarmung und Leo nickt. „Ja, sorry. Du willst bestimmt rein.“

Ein langgezogenes „Nnnnnn“, antwortet. Das Reden muss Adam noch üben, das klappt wahrscheinlich erst morgen wieder. Er legt Adams Arm um seine Schultern und geht langsam mit ihm ins Hotel. Er lehnt Adam im Lift an und kommt sich vor wie bei ‚Weekend at Bernie‘s‘. „Gleich haben wir es geschafft.“

„Mmmorgen“, bringt Adam mühsam nach zwei stotternden Versuchen hervor.

„Ja, genau. Das Zimmer ist bis morgen gebucht.“ Im dritten Stock angekommen, schiebt-zieht-wuchtet er Adam den Flur entlang in sein Zimmer und lässt ihn dort auf das Bett fallen. Adam sieht sich um, ein Käfer am Rücken, ohne Chance, sich allein umzudrehen. Leo zuppelt an seinen Schuhbändern und zieht ihm seine Wanderschuhe von den Füßen, bevor er ihn ordentlich auf der Matratze nach oben zieht, damit seine Füße nicht hinunterhängen.

„Wwwaaasss?“, fragt Adam, sichtlich bemüht. Er gestikuliert wild fahrig umher.

„Wasser? Bringe ich dir gleich“, murmelt Leo und dreht Adam in Richtung Tür in eine Dreiecksposition. Adams Waffe legt er auf das Nachtkästchen.

„Nnnnnein.“ Adams Hand fummelt kraftlos nach ihm.

„Doch, klar musst du etwas trinken. Wenn du aufwachst wird deine Zunge pelzig sein.“

Zu guter Letzt fummelt er noch in Adams Jackentasche nach dem kleinen Sender, auf den er immer so neidisch war. Er presst den SOS Knopf und legt das kleine Gerät in Reichweite. Das sollte Adams Führungsoffizierin, seine Handlerin, anrufen. Was die sich dabei dachte, ihn anzufordern? Oder war das Baumanns Idee? Egal, welche der beiden das verbockt hat, aber Leo wird zumindest mit der Baumann reden müssen.

„Damit kommen deine Leute bestimmt bald“, bietet Leo an und kann nicht anders, als Adam zur Verabschiedung ein letztes Mal über den Oberarm zu streicheln. Adams Augenlieder fallen immer länger zu und sein Atem ist entspannt ruhig. Er blinzelt noch ein paar Mal, aber dann scheint er eingeschlafen zu sein.

„Ich will dir immer noch eine reinhauen“, verrät Leo. „Aber ich verstehe auch, was du gesagt hast. Ich habe die letzte Woche viel nachgedacht… Die Baumann hat mich heute hierhergeschickt, nicht dass du denkst, ich wollte dir dazwischenfunken. Oder was auch immer du dir wieder zusammenreimst.“ Er zieht die Nase hoch. „Jetzt sind wir quitt, hm?“ Ein Lachen entkommt ihm, weil das nicht stimmt. So oft wie Adam ihn gerettet hat – das kann er in einem ganzen Leben nicht wiedergutmachen. „Naja. Vielleicht nicht ganz.“ Immerhin können sie jetzt einen Schlussstrich unter alles ziehen.

Plötzlich merkt er, dass er Adams Arm immer noch streichelt und steht abrupt auf. An der Tür dreht er sich noch einmal um. „Tschüss, Adam. Schürk. Mach’s gut und… pass… pass ab jetzt besser auf dich auf, ja?“

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