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Kommst du mit?

Summary:

Während der Weihnachtsferien haben Friedrich und Albrecht die Napola Allenstein fast ganz für sich, was sie in vollen Zügen auskosten.

Notes:

Die beiden sind jung und verliebt. Das ist alles, das ist der ganze Plot. Weil sie es einfach verdient haben.

Work Text:

Als Friedrich langsam aus den angenehmen Tiefen eines tiefen, erholsamen Schlafes heraufdriftete, wunderte er sich noch, dass man sie überhaupt so lange schlafen ließ. Dann aber fiel es ihm wieder ein: Auf Allenstein waren Weihnachtsferien. Nur eine Handvoll Schüler waren in der Burg geblieben, eine Handvoll Schüler, deren Väter oder Brüder gefallen waren oder die zu Hause nichts zu erwarten hatten. Friedrich schluckte schwer. Er war auch nicht nach Hause gefahren. Zu viel war passiert, zu wenig konnte er einschätzen, wie die Eltern reagieren würden. Vor allem der Vater. Friedrich vermisste sie trotzdem, gerade jetzt. Er würde es sich nicht nehmen lassen, der Mutter einen Brief zu schreiben und sie auch bitten, den Vater von ihm zu grüßen. Er wollte mit ihm doch gar nicht zerstritten sein, aber er wusste auch, dass der Vater seine Entscheidung noch immer nicht akzeptiert hatte. Vielleicht würde er das auch nie. Aber trotzdem könnte Friedrich ja zumindest versuchen, den ersten Schritt in Richtung Versöhnung zu wagen.
Aber es hatte ja auch seine guten Seiten. Das merkte Friedrich einmal mehr, als Albrechts leichter, ruhiger Atem seinen Hals kitzelte und ihm einen angenehmen Schauer über den Rücken jagte. Friedrich konnte nicht anders als zu lächeln, als er seinen Freund anschaute, der sich friedlich schlafend an ihn kuschelte. Das Herz hüpfte in seiner Brust vor Glück. Viel zu selten durfte er Albrecht so in seinen Armen halten. Weil nur noch eine Handvoll Schüler auf Allenstein geblieben waren und die meisten Stuben völlig leergefegt waren, hatte man entschieden, während der „Julferien“ ganz auf das übliche Protokoll mit Spindkontrollen und Stubenapellen zu verzichten. Für Albrecht und Friedrich bedeutete das, dass sie nicht nur allein auf Stube sieben waren, weil Tjaden, Christoph und Hefe nach Hause zu ihren Familien gefahren waren, sondern auch von außerhalb ihrer kleinen Welt nicht gestört werden würden. Und nachdem sie sich gestern Abend nach Zapfenstreich eine Stunde beim Atmen zugehört hatten, hatte Albrecht schließlich Mut gefasst, den Schlüssel im Schloss umgedreht und war dann zu Friedrich ins Bett gekrabbelt. Eine solche Gelegenheit konnte man nicht einfach ungenutzt lassen. Die Welt da draußen mochte sie verurteilen, aber sie waren eben doch ein junges Pärchen, das so oft wie möglich die Nähe des Anderen suchte. Selbst Albrecht, der den Nationalsozialismus von Kindesbeinen an eingeatmet hatte, verstand den Unterschied nicht. Aber jetzt war diese Ungerechtigkeit weit, weit weg. Zärtlich streichelte Friedrich über Albrechts warme, zarte Haut, genoss das Gefühl, ihn einfach zu spüren und festzuhalten. Wie viele Male hatte er Albrecht jetzt schon angeschaut, allein heute Morgen? Friedrich wusste es nicht, aber jedes Mal, wenn er es tat, fiel ihm etwas Neues auf, Albrechts lange dichte Wimpern zum Beispiel, oder das Muttermal an seinem Handgelenk, ein kleiner schokoladenfarbiger Fleck auf blasser Haut. Obwohl Albrecht manchmal so zerbrechlich wirkte, war er einer der mutigsten und stärksten Menschen, die Friedrich kannte. Und er war so schön. Friedrich schmiegte die Wange an Albrechts glattes, leicht zerwühltes Haar, atmete tief den vertrauten Geruch seines Freundes ein und versuchte nicht zum ersten Mal herauszufinden, was diesen Geruch so einzigartig machte. Wie toll es sich anfühlte, Albrecht in den Armen zu halten! Es war fast ein bisschen so, als würden ihre Körper zusammenpassen wie zwei Puzzleteile, wie zwei Hälften eines Ganzen. Hatte nicht einer der antiken Philosophen, mit denen sie im Lateinunterricht getriezt wurden, mal was ganz Ähnliches geschrieben?
Albrecht seufzte leise, schmiegte sich enger an ihn und murmelte, noch im Halbschlaf: „Daran könnte ich mich gewöhnen. In deinen Armen aufzuwachen.“ Friedrich bekam das breite, glückliche, liebestrunkene Lächeln gar nicht mehr aus seinem Gesicht. „Frohe Weihnachten“, wisperte er seinem Freund ins Ohr, bevor er sich einen kleinen Kuss von Albrechts weichen, leicht geöffneten Lippen stahl. Albrecht verbarg den Kopf an Friedrichs Schulter. „Lass das, ich hab doch noch nicht mal Zähne geputzt.“ Aber Friedrich konnte Albrecht lächeln spüren, sein Rücken bebte leicht unter Friedrichs Händen. Auch Friedrich grinste. Und küsste Albrecht dann einfach nochmal, um sich anschließend betont nachdenklich über die Lippen zu lecken. „Nein, ist in Ordnung“, befand er dann. Albrecht lachte auf. „Du bist unverbesserlich, weißt Du?“ Er streckte sich Friedrich aber trotzdem entgegen und der nahm die Einladung nur zu gern an. Albrecht zu küssen war wunderbar. Am liebsten würde Friedrich gar nicht mehr damit aufhören. Albrecht küsste zärtlich, hungrig, leidenschaftlich, verspielt, liebevoll oder neckend, je nach Anlass, und schaffte es damit zuverlässig, Friedrich den Atem zu nehmen. Aber irgendwann mussten sie doch Luft holen und sich dafür voneinander lösen. Ein unerträglicher Zustand, dachte Friedrich. Albrecht strich mit der Nase sachte über seine Wange und seinen Hals, bevor er den Kopf wieder an Friedrichs Schulter bettete. „Am liebsten würde ich den ganzen Tag so liegen bleiben.“ „Dann lass uns das doch einfach machen.“
Draußen hatte es erneut heftig zu schneien begonnen, aber mit zwei Decken, unter denen sie sich aneinander kuschelten, war es wunderbar warm. Friedrich küsste Albrecht noch einmal auf die Nasenspitze, bevor er die Augen wieder schloss und in einen angenehmen Dämmerschlaf hinüber glitt.
Er musste noch einmal wirklich tief eingeschlafen sein, denn als Albrecht ihn dann wach küsste, brauchte er erstmal einen Moment, um sich überhaupt zu erinnern, wo er war. Dann aber fiel ihm wieder ein, was er geträumt hatte, ein wirklich, wirklich schöner Traum, in dem Albrecht eine tragende Rolle gespielt hätte. Er konnte nicht verhindern, dass ihm die Röte in die Wangen stieg. Albrecht merkte es auch, schlug die Augen nieder und lächelte keck, bevor er fragte: „Wolltest du eigentlich heute nicht noch unter die Dusche?“ Zum Glück saß Friedrich auf dem Bett, sonst hätten ihn seine Knie jetzt im Stich gelassen, so weich wurden sie von Albrechts kühner Avance. Aber dass er mit dem Ärmel seines Schlafanzugs spielte, bewies, wie nervös er war. Ehrensache, dass Friedrich ihn nicht zweifeln ließ. „Klar“, entgegnete er deshalb so beiläufig wie möglich und streichelte zärtlich über Albrechts rote Wange. „Kommst du mit?“ Das Praktische war, dass das Wasser gleich alle Spuren fortwusch, die auf den Laken ihrer Betten gefährliche Aufmerksamkeit erregen könnten.
Zusammen huschten sie über den Flur der ungewöhnlich stillen Napola. Die Weihnachtsferien hatten definitiv Vorteile, dachte Friedrich nicht zum ersten Mal, sein Herz hüpfte wie wild in seiner Brust, als Albrecht schüchtern nach seiner Hand griff, bereit, sie beim kleinsten Geräusch loszulassen, aber es kam niemand. Friedrich zweifelte nicht oft, aber in solchen Momenten wusste er, dass Albrecht ihn bei aller Vorsicht dennoch genauso wahnsinnig liebte wie umgekehrt. Friedrich hätte nie gedacht, dass er mal so empfinden würde, schon gar nicht für einen anderen Jungen, aber so war es eben. Und Friedrich wollte daran auch gar nichts ändern.
Die Duschen waren ein weiterer Grund, der für Friedrich den Ausschlag zugunsten der Napola gegeben hatte. Das änderte nichts daran, dass er sich manchmal wirklich wie ein Verräter an der eigenen Familie vorkam, wie ein Feigling, der sich mitten in der Nacht davon gestohlen hätte, aber das kalte schmutzige Wasser im Badebottich in der Küche konnte ihm trotzdem auf Lebenszeit gestohlen bleiben. Und er wusste, dass Albrecht von frühester Jugend an zu Wechselduschen gezwungen worden war, um ihn abzuhärten. Das hatte Albrecht ihm mal ganz beiläufig erzählt. Friedrich schluckte beim Gedanken daran, es war beklemmend, sich den kleinen Jungen bibbernd unter dem eiskalten Wasser vorzustellen. Nun, der Vorteil daran, dass sie das Bad für sich hatten, lag darin, dass niemand sie schief anguckte, wenn sie das Wasser heißer aufdrehten als sonst. Albrecht hatte seinen Schlafanzug schon ausgezogen und Friedrich ließ seinen Blick fast verstohlen über Albrechts schmalen, aber trotzdem athletischen Rücken gleiten. Es war nicht so, dass er Albrecht nicht gelegentlich schon mal so angeschaut hatte, wenn sie nach einem Kasernenschliff bei Peiniger gemeinsam unter der Dusche standen, aber er genoss es, es offen tun zu können. Albrecht war so wunderschön und Friedrich genoss es, seine liebevolle Musterung heute ausnahmsweise nicht verbergen zu müssen. Und noch viel mehr genoss er es, das Albrecht ihn ebenfalls errötend aus dem Augenwinkel betrachtete und sofort mit glühenden Wangen wegschaute, als Friedrich ihm zuzwinkerte. Das heiße Wasser prasselte auf ihn nieder und Friedrich genoss es einfach nur. Mehr brauchte er gar nicht, um glücklich zu sein. Als er dann spürte, wie Albrecht hauchzart mit den Fingerspitzen über seinen Rücken streichelte, drehte er sich um, zog seinen Freund in seine Arme und küsste Albrecht atemlos, spürte es in jeder Faser seines Körpers, als dieser leise und sehnsüchtig in den Kuss seufzte. Es war das wunderbarste Gefühl auf der Welt. Albrecht war jedes leise Schuldgefühl wert, das er gegenüber seinen Eltern haben mochte. Wenn er daheim im Wedding geblieben wäre, wäre er Albrecht nie begegnet.

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