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Verfeindet oder verliebt, wo ist da noch ein Unterschied?

Summary:

Nach Leos Geständnis kommt eine kleine Aussprache.

Notes:

@LilaLaserLan: Das ist dein T-Shirt, danke für die Idee! <3

Work Text:

 

 

Irgendwann, irgendwo im Deutschland

 

„Was macht er da?“

„Keine Ahnung. Ich glaube, er versucht, das Schloss zu knacken?“

„Sieht er nicht, dass direkt neben dem Tor im Zaun eine Lücke ist?“

„Scheinbar nicht. Ah… er hat es geschafft und ist drinnen. Warte, er müsste sie gleich… da, er sieht die Lücke im Zaun.“ Xavi grunzt. „Er greift sich an den Kopf.“

„Gut.“ Karow kneift die Augen zusammen und versucht, zu sehen, was Xavi mit seinem Fernglas sieht. „Und jetzt?“

„Er geht zum Bürogebäude. Oh, warte, Bewegung von links… da kommt der zweite.“

Karow sieht Schürk ohne Fernglas bis hierher leuchten. Der sollte dringend in ein schwarzes Beanie investieren. „Und?“ 

„Er… das gibt’s ja nicht. Er knackt das Schloss. Sieht die Lücke auch nicht.“

„Jesus. Und das ist die nächste Generation an Geheimagenten. Kein räumliches Bewusstsein mehr.“

Xavi schnauft. „Naja. Darf ich dich daran erinnern, dass du letzte Woche fast Diesel getankt hättest?“

Karow versteht nicht, was das mit dem hier zu tun hat. „Ich hatte meine Brille nicht dabei.“

„Wir werden eben älter“, murmelt Xavi und deutet auf das Lagerhaus vor ihnen. „Das… das sind die Jungen.“

Karow schüttelt den Kopf. „So jung sind die nicht mehr. Und du weißt genau, welchen Ruf Hölzers Geheimdienst hat. Ein Stern auf Kununu ist da noch zu viel. Wenn der jetzt noch nicht ausgebrannt ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es soweit ist.“

 

* * *

 

Saarbrücken

 

Ich will raus. Ich will raus aus meinem Geheimdienst.‘

Leo weiß gar nicht, warum er das jetzt doch gesagt hat. Er weiß auch nicht so recht, warum er mitten in der Nacht in Adams Wohnung eingebrochen ist, um ihm das zu sagen. Vor zwei Stunden noch wollte er am liebsten umdrehen und wieder gehen, vor einer Stunde hat er sich bereits eine fadenscheinige Ausrede überlegt. Und doch ist es jetzt rausgeplatzt.

Bei ihrem letzten gemeinsamen Einsatz hat Adam deutlich gemacht, dass es ihm lieber gewesen wäre, jemand anderes wäre geschickt worden – egal wer, Hauptsache nicht Leo. Und heute? Heute hat Adam ihm Rührei mit Paprikastückchen gemacht, nachgefragt, ob es ihm gut geht, mit ihm Mario Kart gezockt, und sie tun beide so, als ob nichts gewesen wäre.

Adams kleines Rennauto wird mit einem Fallschirm wieder auf die Rennstrecke gesetzt, aber er macht keine Anstalten weiter zu fahren. „Was ist mit der Bundesrepublik?“, fragt er.

„Die liebe ich immer noch.“ Auf Leos Lieblings-Schlaf-T-Shirt steht schließlich nicht grundlos ‚I ❤️ Bundesrepublik.‘

„Was ist mit den Dokumenten?“, will Adam wissen.

„In die Tresore kommst du ohnehin besser rein.“

„Und was ist mit m-“

„Adam. Ich bin gerne Geheimagent. Ich will nur auch mal Urlaub haben. Oder krank sein können, ohne, dass mir das vorgehalten wird. Oder Backup haben, wenn ich auf einer Mission bin. Oder… ich hätte auch gerne, dass die zu mir sagen ‚Wenn du am Ausbluten bist, komm zu uns‘,… und nicht ‚Tauch unter, wir melden uns.‘“

Er schluckt. Er will auch nicht mehr allein sein. Darauf läuft es hinaus.

Diese zwei Wochen Diensttauglichkeitsuntersuchung, in denen er Adam nicht sehen konnte, waren einsam. Und danach, als Adam vorgeschlagen hat, Leos Geheimdienst hätte jemand anderen schicken sollen, ging es ihm richtig mies. Er ist hier, weil er Adam sagen will, dass er mit niemandem sonst Ablenkungsmanöver machen will, dass sie ein gutes Team sind, dass sie sich, trotz der abgrundtiefen Feindschaft eigentlich doch mögen. Er will klarstellen, dass er Adam nicht freiwillig im Stich gelassen hat, weil es weh tut, dass Adam das nun schon seit Wochen von ihm denkt. Und irgendwie denkt er, dass Adam das alles schon längst weiß.

Adam schaltet den Fernseher aus. Sie sehen sich in der Reflektion des schwarzen Bildschirms an und Leo sinkt tiefer in die Couch. Vielleicht hätte er das Ganze doch für sich behalten sollen, einfach noch weiter durchbeißen, bis… ja, bis was? Bis sie ihn auf eine Mission schicken, von der er nicht mehr zurückkommt? Genau das will er nicht. Er hat mit dieser neuen Situation mit Adam einen Grund gefunden, warum er etwas länger hier sein möchte, aber eben nicht allein, sondern zu zweit.

„Leo, hast du schon mit jemandem darüber gesprochen?“

Leo schüttelt den Kopf. „Ich weiß nicht, wie.“ Er hat auch ein wenig Angst, das seiner Führungsoffizierin zu sagen. Die Baumann kann biestig sein, wenn ihr etwas nicht passt… oder wenn er Ausrüstungsgegenstände verliert oder sagt, dass er Urlaub haben will.

Adam räuspert sich. „Ich rede mal mit meinen Leuten, ob die dich rekrutieren würden.“

„Ja?“ Das wäre schön, dann würde man sie bestimmt zu zweit auf Einsätze schicken, so wie diese beiden Typen von dem anderen Geheimdienst. Die sind immer zu zweit unterwegs – und nicht durch ‚Zufall‘, so wie Adam und Leo. „Hältst du das für eine gute Idee? Wenn wir zusammenarbeiten würden?“

Adam zuckt mit den Achseln. Ist auch irgendwie schon egal, nicht?, liest Leo aus der Geste heraus. Stimmt. Sie arbeiten mittlerweile schon öfter miteinander als gegeneinander, zumindest so grundsätzlich.

„Bei unserem letzten gemeinsamen Einsatz warst du ja nicht so begeistert. Da hättest du mich am liebsten nie wieder gesehen.“ Adam kann nicht einfach so tun, als wäre das nicht passiert. Kann ihn nicht jetzt einfach einladen, egal wann, auch ohne Schlüssel, zum Zusammentackern oder Rührei-auf-Toast-essen oder Mario-Kart-spielen. Als hätte er Leo nicht gerade eben erst aus seinem Leben ausgeladen.

Adam sieht zerknirscht aus. „Es tut mir leid, dass ich das gesagt habe. Du hast mich nicht im Stich gelassen. Ich wusste doch, dass es dir nicht gut ging. Und wir sind in zwei verschiedenen Geheimdiensten, da ist es gar nicht selbstverständlich, dass wir immer zusammen auf der gleichen Mission sind.“ Er greift nach Leos Hand. „Was ich sagen will ist… ich fände es schön, wenn wir zusammenarbeiten würden.“

„Mmhm. Damit so etwas wie in Apoldi nie mehr vorkommt“, verspricht Leo. Es hat weh getan, zu hören, dass Adam sich alleingelassen gefühlt hat. Und auch, wenn er jetzt zurückrudert, so hat er das doch damals gedacht, allein auf seiner Kackmission irgendwo in, wo auch immer Apoldi ist.

„Apolda.“

„Hm?“

Adam macht eine wegwerfende Handbewegung. „Egal. Ich brauche keinen Bodyguard. Aber ich fände es schön, wenn wir bei Einsätzen aufeinander aufpassen könnten.“

Das sieht Leo genau gleich. „Mir geht es besser, wenn ich weiß, dass dir nichts passiert. Außerdem könnte ich dich so viel besser im Auge behalten damit du keine Dummheiten machst.“

Adam schnaubt und murmelt: „Wer stellt hier Dummheiten an.“

Leo fühlt sich nicht angesprochen. „Ich jedenfalls nicht.“

„Ich auch nicht.“

„Wir können jetzt darüber streiten, aber ich glaube, wir wissen beide, wer hier Dummheiten macht…“ An der Stelle nickt Adam sehr einsichtig, aber Leo will trotzdem noch verdeutlichen, was er meint, weshalb er fortfährt: „Und Züge in die Luft jagt und Autos crasht und in irgendwelchen Kellern landet… und-“

„Das Blond fand ich übrigens sehr hübsch“, unterbricht ihn Adam und appelliert dabei mit schockierender Präzision an Leos Eitelkeit. „Heiß.“

„Danke.“ Das bedeutet ihm viel. „Also, wenn du nicht mehr sauer bist wegen Apoldi, ich würde gerne mehr Zeit mit dir verbringen. Nicht nur bei Einsätzen.“ Leo sieht Adam an, um festzustellen wie das ankommt. „Weißt du, was ich meine?“

Adam nickt. „Das wäre schön.“

„Ja?“

„Ja, denn ich finde dich mittlerweile ganz okay. Also, okay als Person und als Agent und deine Ablenkungsmanöver sind auch… ganz okay.“

„Ganz okay, hm?“, macht Leo weil er sieht, dass Adams Augen ein bisschen leuchten. Zufrieden grinst er Adam an. „Ich finde dich auch sehr okay.“

„Schön.“ Adam will sich offenbar ein Gähnen verkneifen, aber Leo sieht es ganz genau. Vor allem entkommt ihm dabei auch gleich eines.

„Darf ich heute auf deiner Couch übernachten?“, fragt er deshalb und sieht auf die Uhr. Es ist schon viel zu spät; ein paar Stunden noch, und die Sonne geht schon wieder auf.

Adam kräuselt die Nase. „Du darfst auch gerne in meinem Bett übernachten.“

„So so“, macht Leo. „Darf ich das.“

Adam nickt. „Du übernachtest heute hier bei mir. Morgen früh mache ich dir Frühstück-“

„Aber nicht noch einmal Rührei.“

„Kein Rührei. Und dann rufe ich meine Handlerin an. Wäre doch gelacht, wenn die so einen Top-Agenten nicht sofort aufschnappen würden.“ Leo fragt sich, ob Adam weiß, dass er einen Tell hat, wenn er lügt oder unsicher ist. Egal, denkt er. Er streichelt über Adams Backenmuskeln und nickt. Auch, wenn das nicht klappt und sie weiterhin getrennt arbeiten. Auch, wenn Leo bei seinem Geheimdienst bleiben muss. Es fühlt sich so an, als wären sie hier heute einen Schritt weitergekommen und er ist froh, dass er hergekommen ist.

Er dreht sich zu Adam, um ihre Lippen aneinander zu drücken. Adam lehnt sich in den Kuss und seufzt. Sie haben sich noch nie so entspannt und ohne Zeitdruck geküsst. Langsam erforschen sie einander, bis sie sich schließlich widerwillig voneinander lösen.

„So küsst du also, wenn es kein Ablenkungsmanöver ist“, murmelt Leo und sieht Adam an. Weicher fühlt sich das an, weniger angespannt; hier in der Zweisamkeit von Adams Wohnzimmer müssen sie auch keine Show abziehen, niemand beobachtet sie. Hier entsteht gerade etwas ganz Fantastisches.

Adams Hände wandern in Leos Rücken und er sagt: „Na komm, lass dich ins Bett bringen.“

Nur zu gerne tut Leo das.

Mit einem Ruck zieht Adam ihn hoch und Leo tänzelt begeistert mit. Küssend und streichelnd fummeln sie sich ins Schlafzimmer, Kleidung fällt auf dem Weg, bis sie halb nackt zusammen auf dem Bett landen. Leo hält kein Stöhnen und keinen Seufzer zurück, will Adam wissen lassen, was das mit ihm macht. Ihre Küsse werden gieriger und heißer, so wie sie sie normalerweise austauschen – und trotzdem fühlt sich alles intimer und zärtlicher an. Schön eben.

 

* * *

 

Anderswo im Deutschland

 

„Wir haben soeben erfahren, dass Hölzer es bei seinem Geheimdienst lassen will und zu Schürks wechseln versucht.“ Ihre Führungsoffizierin verschränkt ihre Arme, sieht selbst ein wenig überrascht aus von den Neuigkeiten. Es sieht nicht so aus, als wäre die Tinte auf den Informationen schon trocken, die sie ihnen gerade erzählt.

Karow kräuselt die Nase.

„Was bedeutet das für uns?“, will Xavi wissen.

Die Führungsoffizierin hat eine Hand auf einer Streng-Geheim-Akte. „Wir überlegen, ob wir ihn rekrutieren sollen. Motiviert, jung, liefert immer… oder meistens.“

Karow macht ein Gesicht. „Joa, dann können wir ja einpacken. Jungspund wie der… braucht es uns ja nicht mehr.“ Karow wird patzig und dramatisch, wenn er sich in die Ecke gedrängt fühlt.

Xavi rollt die Augen. „Vor kurzem hast du noch gesagt-“

„Ja, ja, ich weiß“, murrt Karow.

„Wir sollten nicht so voreilig sein“, bremst ihre Führungsoffizierin. „Wer weiß, wie das endet. Hölzers Geheimdienst ist nicht dafür bekannt, seine Agenten einfach so gehen zu lassen.“

Neben Xavi ballt sich Karows Hand zu einer Faust. Das ist keine Angelegenheit, in die sie eingreifen können. Er legt eine beruhigende Hand auf Karows Unterarm und nickt ihrer Führungsoffizierin zu. „Dann warten wir ab. Halt uns auf dem Laufenden, ja?“

 

 

 

 

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