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Archive Warning:
Category:
Fandom:
Character:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Series:
Part 8 of Schwarzes Glas (eine Oneshot-Sammlung)
Stats:
Published:
2011-11-28
Words:
871
Chapters:
1/1
Kudos:
2
Hits:
23

Keine Lust

Summary:

"Rob, wir wissen, dass du da bist!"

Bullshit. Brad und Werauchimmerbeiihmwar konnten nicht wissen, dass Rob "da" war. Selbst wenn sein Wagen vor dem Gebäude, in dem er sein Drum-Studio gemietet hatte, stand, hieß das noch lange nicht, dass er auch wirklich hier drin war. Immerhin hatte er zwei gesunde Beine und genug Geld für ein Taxi oder Busticket oder Zugticket oder Flugticket oder gleich einen eigenen Privatjet.

"Antworte wenigstens! ... Fuck, Rob, das ist nicht witzig!"

 

(crossposted von fanfiktion.de; ursprünglich hochgeladen 2011)

Work Text:

"Rob?"
Brad hämmerte lautstark gegen die Tür.
"Rob, mach auf."
Und hämmerte und hämmerte und hämmerte und hämmerte, vier Mal hämmern, kurze Pause, vier Mal hämmern, kurze Pause, vier Mal hämmern, kurze Pause...

Rob ließ sich auf die Matratze, auf der er die vergangene Woche (oder so) verbracht hatte, sinken, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und ließ den Blick an der Zimmerdecke entlang wandern.

Vier Mal Hämmern.
"Rob?"
Vier Mal Hämmern.
"Rob, wir wissen, dass du da bist!"
Vier Mal Hämmern.

Brad und Werauchimmerbeiihmwar konnten nicht wissen, dass Rob "da" war. Selbst wenn sein Wagen vor dem Gebäude, in dem er sein Drum-Studio gemietet hatte, stand, hieß das noch lange nicht, dass er auch wirklich hier drin war. Immerhin hatte er zwei gesunde Beine und genug Geld für ein Taxi oder Busticket oder Zugticket oder Flugticket oder gleich einen eigenen Privatjet.

Vier Mal Hämmern.
"Antworte wenigstens!"
Vier Mal Hämmern.
"Fuck, Rob, das ist nicht witzig!"
Vier Mal Hämmern.

Doch. Es war witzig. Es würde niemals nicht witzig - oder zumindest interessant - sein, wie tief Rhythmusgefühl scheinbar in der menschlichen Natur verankert war. Vier Mal hämmern, kurze Pause, vier Mal hämmern, kurze Pause, vier Mal hämmern, kurze Pause...
Er wippte abwesend mit dem Fuß zum Takt des Hämmerns.

Vier Mal Hämmern.
"Wir haben Deadlines einzuhalten!"
Vier Mal Hämmern.
"Rob!"
Vier Mal Hämmern.

Rob nahm einen Schluck aus seiner Wasserflasche, um den Kopfschmerzen und dem hungrigen Rumoren seines Magens entgegen zu wirken. Allerdings nur einen kleinen Schluck, weil er nicht wusste, wie lange Brad und Werauchimmerbeiihmwar vorhatten, vor der Tür auszuharren, und er, um im Fall der Fälle zur Toilette zu kommen, keine andere Möglichkeit hatte, als ihnen direkt in die Arme zu laufen. Er seufzte leise, fuhr sich müde über das Gesicht und drehte sich auf die Seite.

Das Hämmern hörte auf.
Werauchimmerbeiihmwar stellte sich als Dave heraus. "Vielleicht ist er ja wirklich nicht da."
Brad brummte leise.

Und Rob überlegte, wann es ihm zeitlich am günstigen passte, die Schalldämmung der Tür erneuern zu lassen.
Aus den Augenwinkeln nahm er eine Bewegung war. Sein erster Gedanke war "Kakerlaken", auch wenn er seit mehr als zehn Jahren noch nie eine Kakerlake in diesem Gebäude gesehen hatte. Er machte sich gar nicht erst die Mühe, genauer nachzuschauen. Seit Tagen schon nahm er immer wieder irgendwas aus den Augenwinkeln war, aber sobald er sich der entsprechenden Stelle zu wandte, war nie etwas zu sehen.
Sein Magen knurrte. Er rollte sich ein bisschen zusammen, um ihn zum Verstummen zu bringen.

Vier Mal Hämmern.
"Falls du doch da drin bist, dann meld dich zumindest mal! Sonst gehen wir davon aus, dass du tot bist oder so, und brechen die Tage die Tür auf."
Schritte entfernten sich.

Stille.

Rob würde Brad irgendwann nachts eine Nachricht schreiben, dass James, der das Studio unter ihm gemietet hatte, ihm ausgerichtet hatte, dass seine Freunde sich Sorgen um ihn machten. Und dass ihm das leid tat, er hatte grad viel um die Ohren, er würde sich demnächst noch mal melden.
Vermutlich würde Brad gegen Vormittag antworten. Eigentlich egal, wann er antwortete, weil Rob auf seine Antwort nicht reagieren würde. Erst, wenn seine Freunde das nächste Mal vor der Tür gestanden und damit gedroht hatte, sie aufzubrechen, würde er sich erneut bei einem von ihnen melden.

Wobei Rob sich im Moment noch einredete, dass er Brad später - heute noch, sogar! - anrufen würde.

Er würde später - heute noch, sogar! - erst einmal einkaufen gehen; die vergangene Woche hatte er von Dosenravioli gelebt. Inzwischen hasste er Dosenravioli allerdings so sehr, dass er stattdessen einfach gar nichts aß, auch wenn er noch einige Dosen übrig hatte.
Anschließend würde er sich daran machen, die leeren Raviolidosen und zerbrochenen Drumsticks, die sich seit geraumer Zeit um ihn herum anzuhäufen begonnen hatten, zu entsorgen.
Danach würde er endlich die Sounddateien, die seine Bandkollegen ihm per Mail zukommen lassen hatten, durchgehen, seine Drumparts dazu aufnehmen und ihnen das Ergebnis zurückschicken.
Und zu guter Letzt würde er Brad anrufen, sich entschuldigen, dass er sich nicht eher gemeldet hatte, und ihn zu seiner Meinung über die neuen Drumparts befragen.

Allerdings sah so auch schon seine gestrige Tagesplanung aus. Und die davor. Und die davor. Und die davor und die davor und die davor und die davor. Und die davor ebenfalls.


Das Problem war, dass Rob keine Lust hatte.


Einkaufen war anstrengend. Aufräumen war anstrengend. Arbeiten war anstrengend. Mit Brad reden war anstrengend. Reden allgemein war anstrengend.
Alles war anstrengend.
Und je länger er es vermied, umso anstrengender wurde es, denn umso mehr Sounddateien sammelten sich in seiner Mailbox und umso größere Sorgen machten seine Bandkollegen sich und umso länger lag seine letzte Mahlzeit zurück und umso müder wurde er und umso weniger Lust hatte er, sich zu bewegen und irgendetwas zu machen.

Dabei war es an sich ganz einfach. Aufstehen und Einkaufen. Aufräumen eigentlich auch. Arbeiten machte ihm ja sogar Spaß. Und Brad war einer seiner besten Freunde.
Aber gerade weil es so einfach war, war es noch viel einfacher auf nachher zu verschieben.

Rob ließ die Augen zufallen und klopfte mit den Fingerspitzen im selben Takt gegen die Matratze, in dem Brad zuvor gegen die Tür gehämmert hatte.


Es reichte, wenn er sich nachher um alles kümmerte.
Heute noch, aber nicht jetzt.