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Ich sehe was, was du nicht siehst

Summary:

Bevor man sich in einer Falle zu Tode langweilt, kann man auch eine Runde "Ich sehe was, was du nicht siehst" spielen.

Notes:

Nur eine kurze und witzige Geschichte für zwischendurch :D

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Jeder hatte so Tage, wo einfach alles schief ging, was schief gehen konnte.

Auch Helden.

Nightwing hatte also nichts, weswegen er sich schämen musste.

Und zu seinem großen Glück hatten Spoiler und Red Robin auch einen solchen Tag, denn sie waren alle drei in dieselbe Falle des Pinguins gegangen.

„Wir erzählen niemanden davon, richtig?“, fragte Red Robin.

„Was glaubst du denn?“, sah ihn Spoiler ungläubig an.

„Derjenige, der uns befreit, muss aber auch die Klappe halten“, seufzte Dick.

Und bei seinem Glück wäre es Red Hood und dieser würde auch noch Beweisfotos von ihrem Elend schießen.

Die drei saßen auf einer Plattform, die umzingelt war von einem Haifischbecken.

Und nein, es gab keine Möglichkeit durch die Greifhaken über das Wasser zu kommen.

Und nein, die Haifische waren noch nicht sichtbar gewesen, als sie auf die Plattform geschwungen waren.

Sie waren erfahrene Superhelden, … die einen Fehler gemacht hatten.

Spoiler und Red Robin sahen Nightwing finster an, als wäre es seine Schuld.

Dick setze sich einfach hin. Wenn er schon kritisiert wurde, dann würde er das in einer bequemen Position machen.

Pinguin hatte immerhin keine Anstalten gemacht, in nächster Zeit wiederzukommen. Wenn man seinen Worten trauen konnte, dann würde er sogar nur für die Überreste zurückkommen.

Sie hielten es genau drei Minuten und zehn Sekunden schweigend aus.

Das wusste Nightwing, weil er meditierend die Sekunden mitzählte.

Drei Minuten und zehn Sekunden bevor Spoiler es nicht mehr aushalten konnte.

„Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist weiß.“

Nightwing hätte jetzt widersprechen können, aber tief in ihm steckte immer die große-Bruder-Rolle, die nichts mehr liebte, als wenn er etwas mit seinen Geschwistern unternehmen konnte.

„Der Lampenschirm?“

„Nein.“

Sie beide sahen Tim erwartungsvoll an und dieser schien mehr als nur dagegen zu sein. Aber Tim war auch schwach, also beugte er sich dem Gruppenzwang. Es war besser als von den einzigen zwei Personen in der Nähe gehasst zu werden.

„Die Knochen am Boden des Beckens?“

„Nein“, antwortete Stephanie, während Dick aufsprang.

„Die was?!“

Und tatsächlich. Am Grund des Bodens lagen Knochenberge.

„Pinguin war wohl fleißig“, zuckte Spoiler mit den Schultern.

Red Robin sah sie verwirrt an: „Nein. Schau dir mal die Knochen an. Das ergibt keinen Menschen. Sind hauptsächlich Beinknochen. Vermutlich hat er sie irgendwo gekauft, um dem Becken einen besonderen Touch zu geben.“

„Wo?“, lachte Spoiler auf, „In einem Aquariumsladen?“

„Diese Läden haben noch viel schlimmeres“, durchfuhr Dick ein Schauer. Er war einmal mit Damian in einem solchen Tierladen gewesen und er war der Hölle noch nie so nahe gewesen – das eine Mal, wo er in der Hölle war, mit eingerechnet.

Stephanie schien ihm nicht zu glauben, aber dann würde sie wohl irgendwann den Fehler machen und in einen Laden dieser Art marschieren. Ihre eigene Schuld.

„Die Linsen meiner oder seiner Maske?“, riet Nightwing weiter, um das Thema zu wechseln.

Spoiler schüttelte grinsend den Kopf.

„Meine blütenreine Weste?“, scherzte Red Robin.

Nightwing und Spoiler gerieten in einen Lachkrampf. Allein in dieser Woche hatte Red Robin so viele Verbrechen begangen, dass er definitiv nicht mehr als unschuldig gelten konnte.

„Haha“, sagte Tim trocken.

Das dumme war nur, dass Dick passen musste: „Ich weiß es wirklich nicht. Hier ist alles so schmutzig, dass es alles, was mal weiß war, jetzt grau ist.“

Und es stimmte. Es war im Grunde nur eine alte Lagerhalle mit grauen Wänden und Betonboden und einem riesigen Haifischbecken in der Mitte. Mehr gab es nicht zu sehen. Auch die Werbeposter an der Wand waren inzwischen soweit verblichen, dass man nichts mehr darauf entziffern konnte.

Auch Tim gab auf.

Spoiler schreckte ihre Faust siegreich in die Luft.

„Es waren deine Zähne“, grinste sie Nightwing frech an.

Tim stöhnte, aber Dick freute sich, dass jemanden aufgefallen war, wie gut seine Beißer aussahen.

„Jetzt bin ich dran“, meinte Tim entschlossen, „Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist rot.“

„Dein Outfit“, meinte Dick sofort.

Tim schüttelte den Kopf: „Für wie offensichtlich hältst du mich?“

„Meine Wunde?“, fragte Stephanie.

Tim verzog den Mund und gab widerwillig zu: „Richtig.“

Nightwing sprang stattdessen schon wieder auf: „Welche WUNDE?!“

Es dauerte zehn Minuten bevor er sich davon überzeugt hatte, dass es nur ein kleiner Kratzer war.

Doch in der Zeit sah Spoiler so unglücklich und Red Robin so selbstzufrieden aus, dass Nightwing der Gedanke kam, dass dies von Anfang an Tims Plan gewesen war.

„Das nächste Mal meldest du solche Verletzungen sofort“, meinte Nightwing bestimmt.

„Es ist ein Kratzer!“

„Das ändert nichts an meiner Aussage.“

Nightwing war ihr seine beste Batman-Stimme entgegen und Spoiler knickte ein.

„Ja, Dad“, rollte sie ihre Augen, zumindest nach ihrer Stimme zu schließen. Aber sie stimmte zu und das war alles, was zählte.

„Dann bin ich jetzt dran“, meinte Nightwing und sah sich um.

Nach einer Weile sagte er: „Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist schwarz.“

„Dein Anzug?“, fragte Tim.

„Nein.“

„Tims Anzug?“

„Nein.“

„Spoilers Maske?“

„Nein, da kommt ihr nie drauf.“

„Die dunklen Augen der Haie?“

„Nop, gibt lieber gleich auf.“

„Niemals! Deine oder meine Haare!“

„Nööööö!“

Und so ging das mit den wenigen Möbeln in dem Raum weiter, bis sowohl Spoiler als auch Red Robin aufgeben mussten.

Und zwar deutlich widerwillig.

„Es war Black Bat“, grinste Nightwing und winkte Cass zu.

Seine zwei Kollegen fuhren herum, nur um Cass aus den Schatten schmelzen zu sehen.

Tim atmete erleichtert aus: „Dann können wir dieses Spiel also endlich beenden.“

„Dann sind wir gerettet, meinst du wohl“, war Stephanie beleidigt, da es ihre Idee gewesen war und sie die Gewinnerin war.

„Das wichtigste, Leute“, meinte Nightwing beschwichtigend, „ist doch, dass Cass unseren Fehler niemals weitererzählen würde.“

Die Erleichterung auf den Gesichtern der anderen beiden war deutlich zu sehen, während Cass mit der Rettung begann.

Manchmal hatte man einfach Tage, wo alles schief ging, aber auch solche Tage gingen irgendwann zu ende.

Nightwing war nur froh, dass sein schlechter Tag endlich vorbei war.

Notes:

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