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Dream a little

Summary:

Trude kann all die Zweifel und Ängste vor ihrem ersten Auftritt nicht abschütteln. Und so muss ihr ein Held in zerrissenen Jeans und Lederjacke zur Hilfe kommen.

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

Trude lehnte mit geschlossenen Augen an der Wand der Halle und versuchte die kühle Abendluft gleichmäßig einzuatmen, um ihren rasenden Herzschlag zu beruhigen. Ein und aus. Immer wieder. Aber sie nahm nichts als das Aroma nach frittiertem Essen, Bier und anderem Alkohol wahr, dass ihr den Magen umdrehte.

Gedämpft konnte sie die Stimmen der Menschen im Inneren des Gebäudes hinter sich hören, die lachten, sich unterhielten und gespannt auf den Auftritt der Band warteten. Ihrer Band.

Ihr erster großer Auftritt, wo die Leute Eintrittskarten gekauft haben, um sie zu sehen. Sie waren nicht da, um sich ein Fest anzugucken und Trude beim Vorbeilaufen auf der Bühne zu sehen. Um mit ihr zusammen im Licht der Scheinwerfer zu gröllen, während sie tanzten oder von weitem ihre Stimme zu hören, während sie von Stand zu Stand schlenderten und sich unterhielten. Und sie warteten nicht auf eine andere Band, wo Trude nur die Vorband bildete, um die Massen hinzuhalten, zu unterhalten und auf den Hauptact vorzubereiten.

Nein, dieses Mal ging es nur um sie, um ihre Musik und dieser Gedanke erfüllte sie zu einem großen Teil mit Stolz, weil ihre harte Arbeit und ihre Geduld sich endlich ausgezahlt haben. Weil sie endlich jedem, der an ihr gezweifelt hatte, der über ihre Träume gelacht hatte, das Gegenteil bewies. Das ihr Vater nicht recht hatte, als er sie für unfähig, talentlos und nicht hübsch genug befunden hatte, um jemals Erfolg zu haben.

Aber es erfüllte sie auch mit einer schrecklichen Angst, die sie schon seit einiger Zeit nicht mehr vor Auftritten gespürt hatte. Die Angst zu versagen, so wie es jeder von ihr zu erwarten schien. Wie es ihr Vater ihr immer wieder prophezeite.

Sie erinnerte sich noch an ihren ersten Auftritt auf dem Sommerfest in ihrer Heimatstadt. Als sie noch zur Schule ging und der Traum, eine berühmte Sängerin zu werden, noch unerreichbar für sie schien. Wie aufgeregt sie davor gewesen war, wie ihre Finger gezittert und ihre Stimme beinahe versagt hätte, als sich die Scheinwerfer auf sie gerichtet haben. Wie warm die Luft in ihren Lungen geschmeckt und wie sich die Augen der Zuschauer in ihre Haut gebrannt hatten.

Aber seitdem waren viele Monate vergangen und sie hatte mehr solcher Auftritte hinter sich gebracht, als sie zählen wollte. Bis sie endlich ein Management entdeckte und zu einem eigenen Album verholfen hatte, für das es Konzerte gab. Konzerte, die an einigen Standorten beinahe ausverkauft waren. Von Menschen, die ihre Musik hören, die sie auf der Bühne sehen wollten. Die Trudes Namen riefen, ihre Texte mitsangen und Autogramme wollten.

Und plötzlich war da wieder die Unruhe, die Angst, die sie wie ein alter Freund mit Magenkrämpfen und zitternden Fingern begrüßte.

Ob es den Jungs wohl auch so ging, fragte sich Trude abwesend, während sie den Kopf in den Nacken legte und in den Himmel hinauf blickte, der sich dunkel über ihr erstreckte. Kein einziger Stern war hinter den dichten Wolken zu sehen. Enttäuscht ließ Trude ihren Blick wieder sinken, um auf ihre schwarzen Ballerinas hinabzublicken, die sie unruhig über den Boden kreisen ließ. Am liebsten würde sie an ihren Fingernägel kauen, wie sie es manchmal als Teenager getan hatte, aber eine Stylistin hatte sie ihr mit glitzerndem Nagellack verschönert und Trude wollte ihre harte Arbeit nicht zerstören.

Vielleicht sollte sie sich auch nicht so gegen die Wand lehnen, um ihr Kleid zu schonen und auf ihrer dunklen Leggings keine hässlichen Abdrücke zu hinterlassen, fiel ihr plötzlich ein, aber dafür war es wahrscheinlich schon zu spät.

Aber vielleicht war es auch einfach egal, wie sie aussah, wenn sie die Bühne betrat. Niemand würde nah genug bei ihr stehen, um sie genauer betrachten zu können. Das hatte zumindest die Technikerin gesagt, als sie am Nachmittag das Konzert geprobt und ihr Equipment getestet hatten.

Oder würde das Rampenlicht sie, anstatt zu erleuchten, vor allen bloßstellen? All ihre kleinen und großen Makel für alle Welt gut sichtbar zur Schau stellen?

Seufzend stieß sich Trude von der Wand ab und fuhr sich mit einer Hand durch ihre Haare, die offen in perfekten Locken auf ihre Schultern hinab fielen. Sie mochte, wie ihre Haare aussahen, aber dafür vor dem Spiegel zu sitzen und sich die Locken drehen zu lassen, fehlte Trude die Geduld und Lust. Schade eigentlich. Steve war ganz rot geworden, als er sie fertig angezogen und geschminkt zum ersten Mal gesehen hatte und Trude hatte ihm spielerisch einen kleinen Luftkuss zugeworfen, bevor sie an ihm vorbei nach draußen gegangen war.

Sie hatte nicht wie die anderen hinter der Bühne stehen und auf den Beginn ihrer Show warten wollen. Stumm dabei zusehen, wie all die Mitarbeiter die Show vorbereiteten, damit sie diese in wenigen Minuten problemlos auf die Bühne bringen konnten. Sie wollte nicht hören, wie sich der Vorraum mit immer mehr Menschen füllte, die auf sie warteten.

Bestimmt würde jeden Augenblick einer von ihnen kommen, um sie wieder ins Gebäude zu rufen, wo man sie zu den anderen Bandmitgliedern schubsen würde, damit sie zusammen auf die Bühne gehen konnten. Wo sie im Licht der Scheinwerfer kaum die Gesichter der Zuschauer vor sich erkennen würde, während sie nach ihrem Mikrofon griff. Sie würde nicht wissen, ob sie voller Spannung und Vorfreude auf sie warteten oder ob sie gelangweilt dastanden. Würde es Applaus geben oder nur ein vereinzeltes Hüsteln und Klatschen zu hören sein, sobald sie auf der Bühne stand? Würde sie sich an den Text erinnern, erstarren und keinen Ton herausbringen oder würde ihre Stimme brechen oder nur ein hässliches Krächzen ihre Kehle verlassen? Konnte sie ihrem Traum gerecht werden oder scheitern, wie es ihr Vater nicht müde wurde zu sagen, wenn sie sich sahen?

Unruhig wippte Trude von einem Bein auf das andere, während ihre Gedanken immer weiter eskalierten. Immer schlimmere Szenarien füllten ihren Kopf und sie sah sich bereits hektisch um, um ihre Flucht zu planen.

Da knarrte plötzlich die Backstagetür hinter ihr und Trude drehte sich mit großen Augen ertappt um, als könnte die Person ihre Gedanken einfach von ihrem Gesicht ablesen. Aber es war nicht Steve oder einer der Mitarbeiter von der Show, die mit dem Stimmengewirr in die Nacht hinaus traten. Sondern Fred, der Trude aufmunternd zulächelte und die Tür vorsichtig hinter sich schloss, wodurch die lauten Stimmen wieder nur zu einem leisen Murmeln verklangen.

“Hey.”, sagte er und lehnte sich lässig neben die Tür, wo er eine Zigarette aus seiner Jeans hervorzog und mit einem gekonnten Schnippen seines Feuerzeugs entzündete.

“Hi.”, murmelte Trude zurück und sah für einen Moment fasziniert zu, wie Fred tief einatmete und den Rauch gekonnt austieß, sodass sich dieser beinahe kunstvoll in den Himmel vor ihm schlängelte. Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus und Trude begann erneut nervös vor und zurück zu wippen. Sie wusste nicht, was sie zu ihm sagen sollte, ob sie sich ihm anvertrauen sollte und so blickte sie einfach wieder in die Nacht hinaus.

“Ziemlich viele Leute da drin, was?”

Trude nickte stumm und spürte bei diesen Worten, wie sich ihr Magen erneut schmerzhaft zusammenzog. Hoffentlich wurde ihr nicht schlecht und sie übergab sich vor Fred auf den Boden. Oder vielleicht war es sogar besser, wenn sie es jetzt tat und nicht auf der Bühne vor ihren Zuschauern. Wieso bloss hatte sie mit den anderen im Hotel gegessen, anstatt nur an ihrem Tee zu nippen?

Schnell lenkte sie ihre Gedanke zu dem ersten Lied, das sie heute Abend spielen wollten, während sie ihre Hand beruhigend auf ihren Magen presste. Sie musste sich ablenken und zwar schnell.

Aber plötzlich fiel ihr der Anfang zu diesem nicht mehr ein. Jedes Wort, jede Zeile, die sie so oft gesungen und sich eingeprägt hatte, schien wie aus ihrem Gedächtnis gelöscht. Entsetzt ballte sie ihre Hand zu einer Faust und grub ihre glitzernden Fingernägel in ihre Handfläche, während sie fieberhaft versuchte, sich an die Worte zu erinnern. Sie kannte den Text, hatte geholfen ihn zu schreiben. Warum also waren alle Worte plötzlich wie aus ihrem Gedächtnis ausgelöscht? Es war egal, wie sehr sie versuchte, sich zu erinnern, ihr Kopf blieb wie leer gefegt und mit Grauen merkte sie, dass sie sich an keines der Lieder erinnerte, die sie heute spielen wollten.

Erneut packte Trude die Panik, während sie versuchte, wieder Luft in ihre Lungen zu kriegen.

Sie würde auf die Bühne gehen und schweigend in die Menge sehen, während die Jungs spielten und sie verwirrt ansehen würden, wenn sie ihren Einsatz verpasste. Wieder und wieder, bis man sie von der Bühne buhen würde. Oh Gott, vielleicht sollte sie wirklich einfach loslaufen und zurück zum Hotel rennen, wo sie die Nacht verbrachten. Hoffentlich würde sie da niemand bis zum Morgen finden, wo sie ihre Koffer gepackt hätte und längst über alle Berge wäre. Oder sie stieg mit nichts als den Sachen, die sie trug und dem Verlobungsring an ihrem Finger in den Bus und fuhr irgendwo hin. Einfach nur weg von diesem Alptraum. Bis man sie wahrscheinlich wegen nicht Besitz einer Fahrkarte auf die Straße setzen oder einsperren würde. Was immer noch besser war, als die bevorstehende Demütigung zu ertragen, da war sich Trude sicher.

Sie nickte leicht, während sich ihr Fluchtplan immer weiter verfestigte, als plötzlich Fred zu ihr trat und ihr seine halb gerauchte Zigarette hinhielt.

“Hier. Du siehst aus, als würdest du Panik schieben und bereits deine Flucht planen.”

Er meinte es als Witz, aber Trude lief dunkelrot an, weil er sie so leicht durchschaut hatte.

Mit zitternden Fingern nahm sie die dargebotene Zigarette in die Hand und nahm einen tiefen Zug. Augenblicklich stieß sie hustend den Rauch aus und erinnerte sich im gleichen Moment daran, dass sie noch nie auch nur einen Zug von einer Zigarette genommen hatte. Und so wie es jetzt schmeckte und in ihren Lungen brannte, war es auch ihr letzter Zug gewesen.

Fred lachte leicht und nahm die Zigarette wieder zwischen seine Finger, bevor Trude sie vor lauter Husten ausversehen fallen ließ und fest unter ihren Ballerinas zerdrückte. Ausversehen natürlich. Er nahm einen weiteren Zug und wartete, bis Trude sich einigermaßen beruhigt hatte, bevor er ihr einen erneuten Versuch anbot. Trude schüttelte schnell den Kopf mit angewidertem Gesicht und Fred zuckte nur lässig mit den Schultern.

“Ok.”, meinte er leichthin und nahm einen weiteren Zug von dieser, wodurch sein Gesicht für einen Moment durch die Glut erhellt wurde.

„Schmeckt dir das wirklich oder rauchst du nur um erwachsener zu wirken?“, fragte Trude skeptisch mit kratziger Stimme.

Fred lachte überrascht auf und für einen Moment trafen sich ihre Blicke, wobei sie beide an den Moment zurückdachten, wo Sprotte die Pygmäen dasselbe gefragt hatte. Einige Jahre waren seitdem vergangen und doch fühlte sich Trude beinahe so wie damals, als sie nur das dickliche Wilde Huhn war, das von niemanden wahrgenommen wurde. Immer auf der Suche nach Liebe und Nähe, die ihr niemand geben wollte. Wie sich ihr Leben doch seitdem verändert hatte.

Fred grinste leicht und warf den glimmenden Stummel zu Boden, um ihn unter seinen Schuhen zu zerdrücken, bevor er sich der Backstagetür zuwandte. Er öffnete diese und hielt sie für Trude auf, die ihm nach einem kurzen Blick zur Straße hin ohne weiter zu zögern ins Innere folgte.

Sofort umhüllten sie die Stimmen der Zuschauer und der Mitarbeiter, die beschäftigt an ihr vorbeieilten. Die Luft fühlte sich zu warm an, im Gegensatz zu der kühlen Abendluft außerhalb des Gebäudes, sodass Trude augenblicklich der Schweiß ausbrach. Hoffentlich würden sich keine allzu auffälligen Schweißflecken unter ihren Armen bilden.

“Na komm. Die anderen warten schon.”, meinte Fred leichthin, während er sich bei ihr unterhakte und sie mit sich zog. Beinahe automatisch folgte Trude ihm, während sie ihm einen prüfenden Blick von der Seite zuwarf.

Helle Bartstoppeln zeichneten seine Wangen und sein Haar war länger, sodass es ihm immer wieder in die Augen fiel. Sprotte hatte mal zu ihr gesagt, dass er es absichtlich machte, damit er es beim Spielen cool zurückwerfen konnte und er sich dadurch wie ein Playboy vorkam. Und wahrscheinlich hatte sie recht. Zumindest schien das auch seine zerrissene Jeans und Lederjacke zu sagen, während er ruhig und mit großen Schritten neben ihr herging. Aber Trude konnte immer noch den Jungen in ihm sehen, der bei ihrem ersten Auftritt nervös hin und her gelaufen und weiß wie eine Wand gewesen war.

“Bist du denn gar nicht aufgeregt?”, fragte Trude unsicher und Fred warf ihr ein Lächeln zu, bevor er leichthin antwortete.

“Natürlich.”

Leicht legte er den Kopf schief und zwinkerte ihr zu, während er verschwörerisch die Stimme senkte und sich zu ihr beugte. “Ich hab mir auch Fluchtpläne zurechtgelegt und in meinem Kopf durchgespielt.”, verriet er ihr mit einem schiefen Lächeln, bevor er sie weiter mit sich zog.

Trude lachte laut auf bei diesen Worten und spürte, wie sich der Druck auf ihre Brust etwas löste. Sie war also doch nicht die Einzige, deren Herz vor Aufregung beinahe aus ihrer Brust sprang. Irgendwie beruhigte sie dieser Gedanke. Vielleicht hatte sich seit ihrem ersten Auftritt doch noch nicht so vieler verändert, wie sie gedacht hatte.

Nun sah sie auch die anderen drei Jungen, die hinter der Bühne bereits auf sie warteten. Steve sah ihr mit grünlichem Gesicht und einem zitternden Lächeln entgegen, während Willi mit grimmigem Gesicht starr zur Decke hinaufblickte und Torte nervös neben ihm hin und herlief. Wenigstens schien er diesmal nicht pausenlos vor sich hin zu reden, wie bei ihrem ersten Auftritt. Trude war sich nicht sicher, ob Willi dies auch an diesem Tag ertragen hätte. Und eine Schlägerei kurz vor ihrem Auftritt war das Letzte, was sie jetzt brauchten.

Trude fühlte, wie sie sich noch weiter entspannte, als sie auf Steve zu ging, wodurch ihr antwortendes Lächeln für ihn um einiges echter ausfiel, als noch Sekunden zuvor.

“Aber du wirst schon sehen. Wenn wir erst auf der Bühne stehen und Musik machen, dann wird sich all unsere Arbeit, all die Aufregung gelohnt haben. Das versprech ich dir.”, beruhigte Fred sie und drückte noch einmal fest ihren Arm, bevor er zu Willi ging und ihm freundschaftlich die Hand auf die Schulter legte.

Trude sah ihm lächeln hinterher und nickte, obwohl er sie gar nicht mehr zu beachten schien. Er hatte recht. Natürlich.

Für diesen Moment hatten sie alle so hart gearbeitet und die Angst gehörte dann einfach dazu.

Trude dachte kurz an Wilma, die ihr mal erzählt hatte, dass sich jeder Auftritt auf der Bühne für sie wie das erste Mal anfühlte und sie immer noch Herzklopfen und schwitzige Hände bekam, bevor sie auf die Bühne trat. Aber sobald sie im Rampenlicht stand, war alles vergessen und nichts als ihre Liebe zum Schauspiel blieb zurück. Trude hoffte nur, dass es bei ihr genau so sein würde.

Sie atmete tief ein und gesellte sich zu ihrem Verlobten, der sie erwartungsvoll beobachtete. Sie blickte Steve mit einem warmen Lächeln an, wobei sie ihre Finger wie selbstverständlich mit seinen verschränkte.

Einen kurzen Augenblick lang wollte sie in den Zuschauerraum schauen, ob sie vielleicht die anderen Wilden Hühner entdecken konnte, die einen Ehrenplatz ganz vorne bekommen sollten. Sie alle hatten versprochen, dabei zu sein, wenn Trude ihr erstes richtiges Konzert geben würde. Und Trude zweifelte keinen Moment daran, dass sie ihr Versprechen auch gehalten haben, auch wenn sie bisher nur von Melanie und Wilma Nachrichten bekommen hatte, um ihr Glück zu wünschen. Aber ein Versprechen zwischen den Wilden Hühnern war bindend, egal wie alt sie waren.

Ob sie wohl einen Blick riskieren könnte, fragte sich Trude, während sie ihren Kopf leicht auf Steves Schulter legte. Sie spürte, wie sich ihr Herz langsam beruhigte, während sein Daumen sanfte Kreise auf ihre Hand malte.

Lächelnd blickte sie in sein Gesicht, das Gesicht ihres Verlobten, der sie mit großen Augen und einem noch zärtlicheren Lächeln ansah, dass ihr Herz sofort wieder zum rasen brachte. Für einen Moment stellte sie sich vor, wie er sie fest an sich ziehen, sich zu ihr runterbeugen und sie vor ihren Freunden und den fremden Menschen küssen würde. Voller Leidenschaft und Liebe. So wie sie es schon hunderte Male in Filmen gesehen hatte. Ein Kuss, um ihr Glück zu wünschen und ihr die Angst zu nehmen.

Aber da kam schon das Zeichen für den Beginn der Show und widerwillig löste sie sich von Steve, um das von einer Mitarbeiterin dargebotene Mikrofon entgegenzunehmen.

Sie stellten sich wie vorher abgesprochen auf. Trude in der Mitte, die Jungs wie eine Wache um sie herum aufgestellt.

Für einen Moment streifte sie noch Steves Hand, bevor sie gemeinsam auf die Bühne gingen und sich an die vorher einstudierten Plätze mit ihren Instrumenten stellten.

Nur Trude stand ganz allein im Mittelpunkt der Bühne mit dem Mikrofon fest zwischen ihren klammen Händen. Der Scheinwerfer blendete sie, während sie in den Zuschauerraum vor sich blickte, der im Halbdunklen lag und so die anwesenden Zuschauer vor ihr verbarg. Wie viele es wohl waren? Die sie anstarrten, verurteilten und ...

Sie konnte es nicht.

Sie wusste kein Wort, wusste keinen Ton und würde beim nächsten Schritt sicher hinfallen und alles Equipment mit sich in den Abgrund vor sich reißen. Oder sich übergeben. Oder einfach umfallen und sterben.

Bis ihr Blick plötzlich Fred traf, der neben sie getreten war, die Gitarre fest in den Händen und sie anlächelte. Beinahe spielerisch warf er sein Haar zurück und plötzlich waren sie wieder in dem vollgestopften Musikraum ihrer Schule, im Baumhaus, am Wohnwagen. Wo sie zusammen gesungen, geprobt, gelacht und Zeit miteinander verbracht haben. Wo ihre Freundinnen, ihre Hühner und die Waldbewohner ihre einzigen Zuschauer gewesen waren. Wo alles begonnen hatte.

Wie von selbst führte Trude das Mikro an ihren lächelnden Mund, streckte ihre beringte Hand den Zuschauern entgegen und leitete ihr erstes Konzert ein. Das erste von hunderten, tausenden weiteren.

Und während ihre Stimme den Raum ausfüllte, begleitet von den Instrumenten der Pygmäen und untermalt durch die Menge zu ihren Füßen, wusste sie, dass sie genau hier sein wollte. 

Notes:

Ich weiß, dass mir bei meiner Geschichte mit den 30 Prompts nicht mehr viele fehlen. Warum beende ich sie also nicht?
Ich kann es nicht sagen, aber überhaupt etwas zu schreiben war in den letzten Monaten beinahe wie eine Qual für mich. Und ich weiß nicht direkt warum. Ich glaube, dass ich mir selber sehr viel im Weg stehe und mich fertig mache. Warum auch immer, denn das hier liest ja sowieso kaum jemand.
Aber da ich diese kleine Story schon vor einiger Zeit geschrieben habe, wollte ich sie auch mal irgendwo unterbringen.
Mit einem Charakter, der meiner Ansicht nach, nur sehr wenig Aufmerksamkeit und Liebe erhält. Und eine Freundschaft zwischen Trude und Fred oder auch nur den Pygmäen ist mehr als nur eine Seltenheit (im Canon und Fanon wie es scheint).
Aber ich möchte alle Mädchen etwas näher beschreiben und ihre Gedankenwelt erkunden und so ist das hier entstanden. Auch wenn diese Angst vor Auftritten sehr von mir selbst herrührt, da ich mich vor so etwas schrecklich fertig mache.
Hoffentlich ist die Story kein vollkommenes Disaster, so wie es sich für mich anfühlt und jemand wird es trotzdem lesen und es irgendwie mögen.
Und ich geb mir Mühe, die fehlenden Prompts noch zu beenden, versprochen. bye, bye ^^