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Darf ich fragen...?

Summary:

„Orion kommt gerade über die Bäume, sehen Sie?“ Ein dunkel gekleideter Arm hob sich und deutete mit blasser Hand gen Himmel. Tom folgte der Geste zurück zu den Sternen.

Notes:

Übersetzt aus dem Englischen.
Originalautor: Ghostinthehouse
Can I Ask...? ist Teil 15 der Serie Demon and Angel Professors

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Beachtet bitte, dass Sprachen sich in vielen Weisen voneinander unterscheiden. Es gibt Formulierungen und Begriffe im Englischen, für die es keine direkte Übersetzung ins Deutsche gibt. So kann es sein, dass ein englisches Wort, zu einem deutschen Satz werden musste, um den Sinn beizubehalten.

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Work Text:


Darf ich fragen…?


In dem Moment, in dem der Cracker vor ihm landete, murmelte Tom etwas unverständliches von Toilette und schnell und floh. Anstatt zur nächsten Toilette, floh er jedoch nach draußen, in die Dezembernacht, und legt den Kopf in den Nacken, um die Sterne zu betrachten.

„Von der Bank aus ist es einfacher“, ertönte eine tiefe Stimme von links.

Hastig drehte er sich um. Dort wo die Bank sein müsste erkannte er ein blasses, verschwommenes Gesicht. Ein Mann. Der Rest des Körpers bestand nur aus Schatten und Dunkelheit und selbst besagtes Gesicht war nur zur Hälfte erkennbar.

„Hey. Wollte dich nicht erschrecken.“

Tom zwang sich, wieder zu atmen, während er sich vorsichtig seinen Weg zur Bank bahnte und sich auf dem anderen Ende nieder ließ.

„Schöne klare Nacht.“ Klar und kalt. Und noch wichtiger: ruhig.

Der andere Mann gab einen unverbindlichen Laut von sich und das blasse Gesicht neigte sich nach hinten, zurück zu den Sternen. Ohne sich zu bewegen, fragte er ganz beiläufig: „Veteran?“

Leise erwiderte Tom: „Ja.“
Er wappnete sich gedanklich für die übliche Flut von Fragen über was und wo und wann und wie lange… aber sie kamen nicht.

Der Mann nickte nur: „Dachte ich mir“ und ließ die Sache auf sich beruhen.

Nach einem langen Moment für sich wagte Tom zu fragen: „Sie?“

„Nicht unbedingt.“ Ein Atemzug, dann: „Wenn Sie ‚Unangenehm vertraut mit Schüssen?‘ meinten, dann wäre das allerdings ein Ja.“

Und plötzlich verstand Tom den Drang, zu fragen, was und wo und wann und wie lange. Er verkniff sich die Fragen. Allerdings würde er alles darauf wetten (und er wettete nie), dass sie beide nur hier draußen waren, um diesen verdammten Crackern zu entgehen. Und wenn es hier nur einen einzigen anderen Studenten gab, der das versteht – nun, dann würde er diesen gerne besser kennenlernen. Ihm fiel nur kein eleganter Weg ein, damit anzufangen.
Die Stimme des Anderen unterbricht seine Gedanken.

„Orion kommt gerade über die Bäume, sehen Sie?“ Ein dunkel gekleideter Arm hob sich und deutete mit blasser Hand gen Himmel. Tom folgte der Geste zurück zu den Sternen.

„Ja“, sagte er leise. „Ja, ich sehe ihn.“ Dann: „Darf ich fragen...?“

„Lieber nicht.“

Ein leises Klingeln ertönte, und der fremde Mann zog ein Telefon aus seiner Tasche. Er warf einen Blick darauf. Der blasse Schimmer des Displays beleuchtete schlanke Finger und ein fast zärtliches Lächeln, bevor das kleine Gerät wieder weggesteckt wurde und er aufstand.

„Offenbar sind alle Cracker gezogen. Bleiben Sie nicht so lange draußen, dass Sie frieren.“

Er öffnete die Tür gerade weit genug, um hindurch zu schlüpfen, dabei hinterließ er einen Eindruck von groß und schlank (und vergeben, verdammt).

Die letzten Worte hatten eine eindrückliche Wirkung. Sie trafen Tom hart. Sie sagten:
„Ich weiß, warum du hier draußen bist“
„Du bist nicht allein“
„Du kannst sicher zurückgehen, wenn du willst“
„Hier hast du all die Informationen, die du brauchst, um selbst zu entscheiden“

und
„Ich vertraue darauf, dass du deine eigenen Entscheidungen triffst.“
Sie bauen ein Floß unter seinen Füßen und geben ihm einen Platz zum Stehen.

Sie sagten:
„Du kannst das durchstehen“
„Es ist möglich, jemanden zu finden, der auf dich aufpasst und dich wissen lässt, wenn es vorbei ist“
„Ich kann nicht diese Person für dich sein, aber es gibt sie“

und
„Obwohl ich das alles weiß, sind Sie mir wichtig genug, um nicht zu wollen, dass Sie verletzt werden.“

Die Worte waren ein Seil, das vom fernen Ufer geworfen wurde und dass er verwenden konnte, um sich in Sicherheit zu bringen.

Sie sagten „Ich verstehe“ und „Ich weiß“.

Tom erkannte sie für die wertvollen Worte, die sie sind. Der Fremde hatte nicht ein einziges Mal gefragt. Das bedeutete mit ziemlicher Sicherheit, dass er es aus eigener Erfahrung um die Wirkung Worte wusste, und trotzdem gab er sie, wie ein Geschenk, an einen Fremden weiter.

Als Tom sich endlich so weit gefasst hatte, ihm zu folgen, war er verschwunden, als wäre er ein Schutzengel und kein echter Mensch. Drinnen waren alle zu sehr damit beschäftigt, sich darüber zu freuen, dass Dr. Fells Ehemann sich als Dr. Crowley entpuppt hatte, als dass sie Toms Abwesenheit bemerkt hätten.

Er warf dem Paar einen Blick zu, gerade als sich Dr. Crowley in seine Richtung dreht und den Raum absucht, die Augen von dunklen Gläsern verdeckt. Ihre Blicke trafen sich für einen Moment. Dann lächelte Dr. Crowley leicht und ging weiter.