Work Text:
Oh, Sie sind ein Engel
Jess wand sich in Jos Armen, während dey versuchte, Kleinkind, Papiere, Taschen und Telefon mit nur zwei - und damit zu wenigen Händen, für die Aufgabe - zu jonglieren. Zum Tag der offenen Tür der Universität zu gehen, hatte nach einer wundervollen Idee geklungen, als Mary es vorschlug. In der Theorie… aber in der Praxis…
Ein schlanker rothaariger Mann erschien neben ihnen beiden.
„Hier, lassen Sie mich…“ Er streckte seine Hände aus und hob, als Jo nickte, das zappelnde Kind aus ihren Armen in seine eigenen, was demm die Chance gab, sich und die eigenen Sachen zu ordnen.
„Oh, Sie sind ein Engel.“
Er lachte auf. „Soweit würde ich wirklich nicht gehen.“
Jo konnte nicht anders, als zurück zu lächeln. Jess griff nach seiner Sonnenbrille und er drehte mit einem geübten Ausweichmanöver den Kopf weg.
„Nein, das tust du nicht. Die bleiben da, Kleines.“ Er legte Jess an seine Schulter und drehte sich wieder zu Jo um, die Augenbrauen besorgt bis über die Brillengläser herüber gezogen. „Sind Sie allein?“
„Meine Frau ist irgendwo hier“, murmelte dey, stopfte Papiere in eine Tasche und räumte sie aus dem Weg.
„Ah.“ Er nickte und legte eine Hand beruhigend auf Jess‘ Rücken, während sie sich in seinem Griff beruhigte.
Dey sah auf das Telefon hinunter. „Sie sagt, sie ist in der Literaturabteilung …?“
„Da unten, zweite Tür links“, sagte er und nahm seine Hand von Jess‘ Rücken, um die Richtung anzuzeigen.
Dey lächelte ihn an und streckte die Hände aus, um Jess zurückzunehmen. Er nickte erneut, reichte sie demm und war weg, bevor dey daran denken konnte, ihm zu danken oder nach seinem Namen zu fragen.
~*~*~
„Haben Sie Kinder?“, fragte Jo schließlich den Literaturprofessor, während Jess sich an dem altmodischen Mantel festklammerte und zum zweiten Mal an diesem Tag in die Arme eines Fremden kuschelte.
Er lächelte mit leuchtenden Augen unter einem fluffigen Haarschopf weißer Locken hervor.
„Nur die Patenkinder. Mein Mann ist derjenige, der wirklich gut mit Kindern umgehen kann.“
Er beruhigte Jess mit einem Murmeln und fuhr dann ohne mit der Wimper zu zucken mit der Erklärung der Kurse fort.
Jo spürte, wie sich bei seinen Worten etwas in demm entspannte. Es entspannte sich noch weiter, als eine verwirrte Ecke ihres Gehirns, die Ecke, die die seltsam anmutenden Eingaben sortierte, erkannte, dass es nur daran lag, dass er eine Weile geredet hatte und zu keinem Zeitpunkt irgendjemanden aus ihrer Familie falsch geschlechtlich angesprochen hatte. Nicht einmal dey selbst. Das war – selten und unerwartet.
Mary schien es auch bemerkt zu haben, denn sie nahm die Hand ihrer Partner:in Jo und fragte: „Dr. Fell, wie stehen Sie zum Singular 'they'?“
Er hob leicht die Augenbrauen.
„Wie von Chaucer, Shakespeare und unzähligen anderen verwendet, bevor die Reaktionisten erfolglos versuchten, es durch 'er' zu ersetzen? Eine vollkommen gültige Option, meine Lieben, obwohl mir bewusst ist, dass einige der anderen Professoren hier anderer Meinung sind. Wir haben hier eine Reihe von Studenten, die offen nichtbinäre Pronomen verwenden, einschließlich des singularen 'they' oder 'dey'. Sie wären damit nicht allein, wenn Sie das tun wollten.“
Jo war sprachlos. Mary drückte deys Hand, bot Trost und Zuspruch an, bis dey herausstammeln konnten: „Wie haben Sie … Was … Warum …?“
Sein Gesicht war sanft, fast unschuldig und engelsgleich.
„Meine Liebe“, sagte er, „ich habe ausgezeichnete – Instinkte –, was solche Dinge betrifft. Ich versuche, geschlechtsneutral zu sprechen, und obwohl ich es vorziehe, nichts anzunehmen, konnte ich nicht anders, als zu bemerken, dass Sie sich entspannten, als ich Ihnen kein Geschlecht zuordnete.“
„Oh.“ Jo klammerte sich wie ein Anker an Marys Hand. „Ich dachte nicht, dass ich so offensichtlich bin.“
Er lächelte erneut.
„Machen Sie sich keine Sorgen. Das waren Sie nicht. Überhaupt nicht. Mein Mann und ich haben da einen unfairen Vorteil – Sehr oft sind wir das erste, ältere, queere Paar, denen die Studenten begegnen, während wir im Gegenzug so viele jüngere Menschen aller Geschlechter unter unsere Fittiche genommen haben.“
Jo und Mary sahen sich an, dann Jess, die in seinen Armen eingeschlafen war, während sie alle redeten.
Endlich sagte Mary: „Danke. Wir werden darüber nachdenken“, und befreite ihre Arme, um Jess zurückzunehmen.
