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Das Herz auf der Zunge
Crowley legte seine freie Hand auf die Tür zum Speisesaal
„Na gut“, seufzte er. „Zeit, sich zu zeigen.“
Er holte tief Luft und hielt Aziraphale die Tür auf. So war er, beim Eintreten einen halben Schritt hinter seinem Ehemann und er konnte beinahe spüren, wie Hunderte von Blicken, auf der Suche nach jemand anderem, über ihn hinweg und an ihm vorbei strichen. Crowley war so froh wie nie, über die Diskretion, die seine Sonnenbrille ihm in Augenblicken wie diesem bot.
Aziraphale schob ihm im im Gegenzug seinen Stuhl zurecht als sie gemeinsam Platz nahmen. Er bezweifelte, dass die Studenten eins uns eins schon komplett zusammengesetzt hatten und fragte sich, wie viele kleine, platonische Intimitäten es wohl bräuchte, bis sie zum korrekten Ergebnis kommen würden.
So etwas war eigentlich nicht so sein Stil, aber es war Aziraphales, und jetzt mitzuziehen war weitere Möglichkeit seinem Geliebten seine Liebe zurückzugeben. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück, drapierte seinen Arm auf die Rückenlehne von Aziraphale und musterte die jungen Gesichter, bis er den Jungen entdeckte, der die Wetten entgegengenommen hatte.
Der Junge starrte zurück und Crowley grinste ihn an, bis sich der Blick in eine Mischung aus Schock und Freude verwandelte.
Dr. Crowley war nicht der Favorit, nicht einmal annähernd, was bedeutete, dass die Wetten auf den Favoriten die Auszahlung der hohen Quoten mehr als abdecken würden. Es schadete niemandem, außer vielleicht Gabriels Ego.
Er lehnte sich vor und flüsterte Aziraphale ins Ohr: „Oh, sieh mal, sie fangen an zu begreifen.“
Mit dem sanftesten möglichen Lächeln, als wären seine Worte kokette, kleine Liebeleien, belohnte Aziraphale ihn.
„Nicht wahr, gerade so“, antwortete er. Auch seine Augen verfolgten die Flut der Erkenntnis, die die Gesichter um sie herum erfasste, ein Hauch warmer Belustigung in seiner Stimme.
~*~*~
Eve beobachtete beide, von weiter unten am Tisch. Gegensätze ziehen sich an, vermutete sie, und sie hat noch nie ein gegensätzlicheres Paar gesehen als diese beiden. Groß und Klein, Dick und Dünn, Weich und Scharf, Sonnenlicht und Schatten.
Dr. Crowley beugte sich vor und murmelte etwas, was Dr. Fells strahlen ließ. Sie verstand die Worte nicht, auch wirkten beide nicht so entspannt oder offen wie auf der Bank vor Beginn des Semesters. Trotzdem sahen sie aus als stünden sie sich nah, obwohl sie sich kaum berührten.
Man erkannte es an der Art, wie sie sich gegenseitig Dinge reichten, ohne fragen zu müssen. Die Art und Weise in der sie sich ohne hinzusehen aneinander orientierten, ihre Gehstöcke unter ihren Stühlen beisammen liegend. Die Art, wie sie in die Gespräche des anderen eintauchen und wieder aussteigen konnten (Dr. Fell warmherzig und freundlich, Dr. Crowley mit einer kühlen Höflichkeit und trockenem Amusement).
Als der Hauptgang kam, genoss Dr. Fell jeden Bissen. Dr. Crowley hingegen inhalierte beinahe seinen Anteil bevor er sich zurücklehnte und weiter beobachtete. Oder, er versuchte es, denn die anderen Studenten am Tisch hatten Fragen, und er war derjenige, der sich nicht hinter der Entschuldigung den Mund voll zu haben verstecken konnte.
„Wo haben Sie sich überhaupt kennengelernt?“, fragte ein Student.
Dr. Fell lächelte liebevoll. „In einem Garten.“
„Wirklich?“
Dr. Crowley zuckte mit den Schultern. „Er war oben auf der Gartenmauer, als ich mich reingeschlichen habe. Mir war langweilig, also habe ich mich zu ihm hingesetzt, und der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.“
„Warum tragen Sie keinen Ring?“, wollte jemand wissen, eindringlich auf Dr. Crowleys nackte Hände starrend.
„Ich müsste ihn nur abnehmen, wenn ich mit den Pflanzen arbeite.“
„Warum die dunkle Brille?“
„Augenkrankheit“, antwortete Dr. Crowley kurz angebunden.
„Seien Sie nicht unhöflich“, warf Dr. Fells gleichzeitig ein.
Der kurze Blickwechsel zwischen Ihnen, der eine so intime Zuneigung zeigte, dass es unhöflich schien, sich einzumischen, brachte die meisten Studenten dazu sich auf die Desserts anstelle Ihrer Professoren zu stürzen.
Dr. Fell aß sowohl sein eigenes Dessert als auch das von Dr. Crowley, und keiner beschwerte sich darüber. Doch als der Kaffee und die Cracker auftauchten, bemerkte Eve beim aufblicken, dass Dr. Crowley sich irgendwann diskret davongeschlichen hatte.
Zu dem Zeitpunkt, an dem alle nur noch über die schlechten Witze um sich herum stöhnen konnten, war er wieder zurück. Sein Lächeln als schmaleres Gegenstück zu Dr. Fells Fröhlichkeit und vernichtete alle Zweifel daran, dass die beiden ein Paar waren.
