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Characters:
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Language:
Deutsch
Series:
Part 3 of Just Like Heaven
Stats:
Published:
2024-10-19
Words:
803
Chapters:
1/1
Comments:
1
Kudos:
9
Bookmarks:
1
Hits:
97

Halt mich

Summary:

Nach einem Telefonat mit seinem Vater möchte Noah einfach nur gehalten werden.

Work Text:

Noah zitterte, als er an diesem Abend zu Joel ins Bett stieg.

„Hey“, fragte Joel sanft aber besorgt, „Was ist los?“

„Mein Vater hat angerufen.“

„Oh.“

„Sie wollen schon wieder beide das alleinige Sorgerecht und jetzt muss ich wieder vors Familiengericht.“

Noah seufzte.

„Am liebsten wäre mir, keiner der beiden hätte es. Aber dann könnte ich nicht hierbleiben.“

„Das tut mir leid“, tröstete ihn Joel, „Kann ich irgendwas tun, damit es dir besser geht?“

„Kannst du mich vielleicht einfach nur halten?“

Sachte lang Joel seine Arme um ihn und legte seinen Kopf auf seine Schulter.

„Gut so?“, fragte er.

Noah nickte, aber er zitterte immer noch.

Das Gespräch mit seinem Vater hatte alte Wunden wieder aufgerissen, die Joels Nähe nur teilweise wieder verschließen konnte.

 

Eine Flut an Erinnerungen stürzte auf ihn herab wie ein Tsunami.

Die eisige Stimmung zwischen seinen Eltern, die ihm aber immer wieder versicherten, dass das Liebe war.

Wie er an Freddy gekuschelt auf seinem Bett lag, Stay Together For The Kids von Blink-182 in Dauerschleife hörte und einfach nur darauf wartete, dass sie endlich aufhörten, sich anzuschreien.

Wie sie ihm danach immer sagten, sie hätten nur eine kleine Meinungsverschiedenheit gehabt.

Eine kleine Meinungsverschiedenheit bei der Türen knallten und bei denen er selbst im ersten Stock noch jedes Wort mitbekam.

Und dann immer wieder diese Lüge.

Wir lieben uns noch. Ist nur ne schwere Zeit gerade.

In Wirklichkeit hatten sie sich schon seit Noah denken konnte nicht mehr geliebt.

Angeblich waren sie ihm "zuliebe" zusammengeblieben, aber weil ihnen die Liebe längst abhandengekommen war, war keine mehr für ihn übrig.

 

 

„Mama, Mama, ich hab ne 1 in Deutsch! Frau Schröder sagt, ich hab ne ganz tolle Geschichte geschrieben!“

„Schön.“

Sie hatte ihn nicht mal angesehen.

„Kannst du mir bei den Hausaufgaben helfen?“

„Ich hab jetzt keine Zeit.“

Keiner der beiden hatte jemals Zeit.

Keine gemeinsamen Ausflüge. Keine gemeinsamen Urlaube. Keine Filmabende, keine Spieleabende.

Die meiste Zeit verbrachte Noah in seinem Zimmer vor dem Fernseher.

Und da entwickelte sich seine Liebe für Filme.

So konnte er all dem entfliehen, in eine Welt, in der am Ende alles gut wurde.

In der Harry an seinem 11. Geburtstag endlich weg von den Dursleys durfte.

In der Matilda am Ende von der netten Fräulein Honig adoptiert wurde.

In der Annie und Hallie feststellen, dass sie Zwillinge waren und ihre Eltern wieder zusammenbrachten.

Später kamen dann die Horrorfilme.

Sie waren zwar gruselig, aber gleichzeitig wusste man, dass es nicht real war.

Dass die Monster computeranimiert waren und die Schauspieler nicht ermordet wurden.

Und wenn man doch zu viel Angst hatte, konnte man jederzeit abschalten und einen fröhlicheren Film gucken.

 

„Shhh“, machte Joel und malte kleine Kreise auf seinen Rücken, „Ich bin da.“

Noah hatte gar nicht gemerkt, dass er weinte.

„Kommt gerade alles wieder hoch?“, fragte Joel.

Noah nickte nur.

Joel könnte spüren, wie schnell Noahs Herz schlug. Nur war der Grund dieses Mal kein schöner, so wie sonst.

Langsam strich er über Noahs Rücken.

„Ist das okay?“, fragte er, „Oder ist das zu viel?“

„Gut so“, antwortete Noah mit zittriger Stimme. Trotzdem machte Joel langsamer, konzentrierte sich wieder mehr darauf, Noah einfach nur zu halten.

Er kannte das selbst gut genug.

Wie er sich früher beim Gedanken daran, dass er am nächsten Tag wieder in die Schule gehen musste, in den Schlaf geweint hatte.

Nur, dass seine Familie, im Gegensatz zu Noahs, immer hinter ihm stand und der Wechsel aufs Einstein für ihn kein „Abschieben“ war, sondern eine Chance.

„Das geht vorbei“, sagte er sanft zu Noah, „Ich bin hier und dir kann nichts passieren, okay?“

Noah weinte ihm zwar gerade sein Oberteil nass, aber das war ihm egal.

Er würde so gerne in der Zeit zurückreisen und einfach mit ihm wegrennen.

Weg von Noahs Eltern und weg von den Leuten aus seiner Schule.

Weg von den Dämonen, die sie beide verfolgten.

Doch während Colin ihm geholfen hatte, seine Dämonen zu zähmen, war jetzt Joel zu Noahs Dämonenbändiger geworden.

Er zog Noah noch näher an sich ran.

„Geht’s oder ist das zu fest?“

„Ist gut so.“

Noah legte seinen Kopf auf Joels Schulter und so lagen sie einfach nur da.

Noah in seinen Armen und Joel, der ihm immer wieder versicherte, dass er da war und er keine Angst haben musste.

Allmählich wurde Noah ruhiger, sein Zittern verschwand, seine Anspannung wurde weniger.

„Besser?“, fragte Joel.

Noah nickte.

„Joel?“, fragte er schließlich, „Kann ich die Weihnachtsferien bei dir verbringen?“

„Natürlich“, antwortete Joel, „Wir machen dir das schönste Weihnachtsfest, das du dir vorstellen kannst, okay?“

Noah kuschelte sich enger an Joel.

Zum ersten Mal in seinem Leben freute er sich auf Weihnachten.

Vielleicht konnte es bei ihm genauso sein wie bei Io und Joyce.

Vielleicht bestand Familie nicht nur aus den Leuten, in deren Mitte man geboren wurde. Sondern aus denen, die einen freiwillig darin haben wollten.

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