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Es war das erste Mal, dass die drei Freunde ihren Halloweenabend an ihrem College verbrachten. Genau genommen sogar bei der bekanntesten Sorority-Halloween-Party ihres Campus. Es waren viel zu viele Leute hier, aber die Sorority Villa war groß genug, um einen unvergesslichen Knall in die Halloweennacht zu setzen.
Ebenso war ein Jahr vergangen, seitdem Peter und Bob nach monatelangen gegenseitigen Anschmachten endlich zueinander gefunden hatten. Justus konnte sich an manchen Tagen immer noch nicht entscheiden, ob dies nun eine positive oder negative Entwicklung war. Auch wenn die beiden Turteltäubchen sich wortwörtlich bedeckt hielten, wenn Justus mit ihnen gemeinsam Zeit verbrachte, gab es seltene Tage, da war ein Pärchen eben ein Pärchen.
Und dass Justus mit einem leichten Zynismus daran dachte, lag ganz bestimmt nicht an der neuen Entwicklung seines Beziehungsstatus.
Dieses Jahr hatte das Trio tatsächlich auch kein Kostüm-Konzept zu dritt, was lediglich daran lag, dass sich auf nichts einigen konnten. Während Justus in einem klassisches Sherlock Kostüm mit weißem Hemd, roter Krawatte, einem braunen Anorak mit passender Mütze gekleidet war, war das verliebte Pärchen als Judy Hopps und Nick Wilde gekleidet. Bob trug eine knappe, bläuliche Polizeiweste, an dem die Ärmel fehlten, mit passender knapper, blauer Shorts und einem grauen Häschen-Ohren-Haarreif in seinen blonden Löckchen platziert. Peter hingegen war in einem hellgrünen Hemd mit blau-weiß gestreifter Krawatte und einer lockeren beigefarbenen Anzughose gekleidet. Seine rotbraunen Haare waren mit viel Haarspray zu zwei spitzen Fuchsohren geformt. Die spitzen Enden der Fake-Ohren waren schwarz angesprüht, und das Pärchen hatte jeweils einen bemalten, schwarzen Punkt auf der Nase.
„Vielleicht findest du heute ja dein Watson, Justus.", grinste Bob schelmisch zu seinem Kollegen. Seine Hände krabbelten immer wieder Peters Oberschenkel hoch, welcher auf einem Tisch saß, an dem die anderen beiden aus dem Trio sich anlehnten. Justus ignorierte es gekonnt. Sie hatten sich an den nächstbesten Tisch verzogen, um ihre Drinks zu trinken und ein wenig das Partygeschehen zu beobachten.
Peter stieg direkt in die sanften Sticheleien mit ein. „Wer weiß, jetzt, wo mit Maria Schluss ist, kannst du nochmal eine ganz neue Seite an dir entdecken."
„Wollt ihr mich zu homosexuellen Tendenzen verleiten?" Justus zog amüsiert die Augenbrauen hoch.
„Jup."
„Schon, wäre witzig."
„Ist schön hier, auf der anderen Seite des Ufers.“, gluckste Peter und wanderte mit seiner Hand zu Bobs Nackenhaaren.
Bob verdrehte die Augen, lehnte sich dennoch automatisch in die Berührung rein. „Oh Gott, wie ich diese Analogie hasse.“
„Marc, aus meinem Aerobic-Kurs, hat das zu mir letzten noch gesagt.“
„Ehrlich?“ Bob verzog sein Gesicht.
„Ja!“, Peter war fuchsteufelswild. „Er hatte mich gefragt, wie es mit den Frauen läuft und dann habe ich halt gesagt, dass ich mit dir zusammen bin und er hatte dann nur gesagt: 'Ah, bist du vom anderen Ufer?'"
„Mein Beileid.“, brachte Justus sich mit ein.
„Danke.“
Sie plauderten ein wenig weiter, bis Bob auf einmal an seinen Kollegen vorbeischaute, sein Grinsen wurde dabei größer und größer. Justus ahnte Schlimmes. „Ich glaub, dein Watson ist da.“
„Was meinst du?“, fragte Justus angespannt.
Bobs Grinsen war so breit, dass er mehr wie ein Honigkuchenpferd als ein Hase aussah. „Wenn du dich jetzt Richtung Eingang umdrehen würdest, würdest du einen Skinner Norris im Watson Kostüm sehen.“
Ungläubig drehte sich Justus ruckartig um und machte direkten Augenkontakt mit Skinny Norris. Dieser trug einen beigefarbenen Anzug, mit weißem Hemd und schwarzer Fliege sowie einem passenden Melonenhut. Von Weitem war Justus sich unsicher, ob der Schnauzer echt oder echt gut aufgeklebt war. Skinnys Blick war wild, aber auf eine besondere Art und Weise, die Justus bisher beim vorherigen Aufeinandertreffen nur in Bruchsekunden gesehen hatte. Sein Mund wurde trocken.
Skinny sah… echt gut aus? Also noch besser als sonst. Er sah sogar sehr heiß aus.
„Justus, bitte mach nicht mit unserem Erzfeind rum.“, jaulte Peter. Bob streichelte ihm beruhigend über das Knie, konnte sich das Lachen aber nicht verkneifen.
„Wo denkst du hin, Zweiter!“, äußerte sich Justus lautstark. „Natürlich werde ich nicht mit Skinny in eine intime Sphäre treten.“
? ? ?
Etwa eine Stunde später saßen Peter und Bob wieder auf demselben Tisch. Kurz nach ihrem letzten Gespräch hatte sich das Trio aufgeteilt, um die Party etwas für sich selbst zu erkunden. Das Pärchen saß nebeneinander, nun erstarrt durch den Anblickm der sich ihnen bot.
„Bob. Siehst du auch, was ich sehe?“
Auf einer roten Samtcouch, in der hintersten Ecke, saßen Justus und Skinny. Sie waren nicht ganz untätig, doch anstatt sich wie üblich zu streiten, knutschten sie wild miteinander rum.
Bob sah noch eine Minute länger hin, weil er nicht ganz verstehen konnte, wie das passieren konnte – auch wenn er zuvor drüber gescherzt hatte. Dass er die beiden schon eine längere Zeit heimlich geshippt hat, erwähnte er am besten nicht gegenüber Peter.
„Ja und ich weiß nicht so recht, was ich damit anfangen soll.“
Sie schauten weiterhin auf das ungewöhnliche Geschehen. Mit einem Mal rutschten Justus‘ Hände zu Skinnys zusammengedrückten Beinen und zog ihn auf seinen Schoß, küssten und grabschten einander heftiger als zuvor. Peter und Bob blickten sich an.
„Wie konnte das passieren?“ Peters Gesicht verzog sich und er blinzelte Bob verzweifelt an.
„Wenn du ganz genau darüber nachdenkst, hatte unser Erster schon immer einen weichen Punkt für Skinny.“
„Ich fass es nicht.“
„So schlimm ist Skinny nicht.“, schmunzelte Bob. Sein Freund war selbst in diesen Situationen einfach süß. „Gib ihm mal ne Chance, er kann sich ja auch verändert haben.“
Peter riss seine Augen weit auf und er fragte sich, was mit seinem Freund nicht stimmte. „Reden wir gerade von der gleichen Person?“
Noch bevor Bob antworten konnte, kam Jelena in ihrem Rollstuhl an ihnen vorbei.
„Seid ihr unter die Furries gegangen oder was ist das?", Jelena schaute sie abschätzig an. Sie selbst hatte einen knallroten Rock und denselben orangen Pulli an, wie Velma von Scooby Doo. Heute hatte sie sogar ihre Brille auf, wofür sie sonst die meiste Zeit zu eitel war, um sie zu tragen. Nicht Bobs Worte, im Übrigen, das hatte Jelena selbst so gesagt.
Bob lachte. „Ne ist von Zootopia.“
Jelena nickte verstehend. „Ah, also so Animal Play, mit Prey und Hunter?“
„Was?“ Peters Stirn krauste sich in Verwirrung.
„Äh, ich geh dann wohl besser.“ Jelenas Gesicht nahm dieselbe Farbe wie ihr Rock an.
„Weißt du, was sie damit gemeint hat?“
„Keinen blassen Schimmer. Sollen wir es googeln?“
Eine Google-Suche und BDSM-Test später waren die beiden etwas schlauer.
? ? ?
Was hatte Justus bloß gemacht? Mit Skinny Norris rumzumachen war nicht ein Teil seiner abendlichen Kalkulationen gewesen und schon gar nicht, dass es ihm auch noch gefallen würde!
Er musste unbedingt mit Peter und Bob darüber sprechen – auch wenn sie wahrscheinlich die Ernsthaftigkeit der Situation zunächst nicht wahrnehmen würden. Aber wo steckten die beiden denn?
Justus war mittlerweile im dritten Stock der Villa angelangt, wo die Musik deutlich ruhiger und abgedämpfter war, und suchte weiter umher. Er ging gerade an einer der tragenden, riesigen Marmorsäulen vorbei, als er Wortfetzen aufschnappte.
Das klang doch verdächtig nach Peter.
Justus blieb kurz stehen und schaute um die Säule herum. Dort standen seine beiden Kollegen, nur schienen sie ihn bisher nicht bemerkt zu haben, dafür waren sie genug mit sich selbst beschäftigt.
Peter lehnte sich lässig mit dem Rücken gegen die Säule, seine Hände um Bobs Taille. Justus konnte sein Gesicht nicht sehen, dafür aber Bobs, welcher wieder sein typisches schelmisches Grinsen draufhatte, welches er immer trug, wenn er Unfug im Kopf hatte. Bobs Hände wuselten irgendwo zwischen Peter Schulten und seinem Hinterkopf umher.
„Booob, du weißt doch, wenn du mir an den Haaren ziehst, dass ich ein Boner bekomme.“, hörte er Peter klagen. Justus spürte, wie seine Wangen warm wurden. Das wollte er nun nicht wirklich hören.
„Ich weiß nicht, wovon du sprichst.“, säuselte Bob, kicherte gemein. Justus sah, wie Bobs Hände in Peters Haare griffen. Er drehte sich weg und beschloss, mit seinen beiden Kollegen zu reden, wenn sie weniger beschäftigt waren.
„Booooob, bitte.“, war noch von Peters Winseln zu hören. Danach bahnten sich Schmatz Geräusche in Justus‘ Ohr. Er sollte schnell hier weg.
Vielleicht sollten die beiden nächstes Jahr als Remy und Linguini von Rataoullie gehen, dachte Justus sich, während er die Treppe hinunterraste.
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Es war ungefähr 1 Uhr, als die Uni-Basketballmannschaft sich im großen Aufenthaltsraum versammelt hatte, die meisten Leute der Party, die nicht gerade anderwärtig beschäftigt waren, schauten neugierig auf das Geschehen.
Ganz vorne in der Mitte der dreieckigen Formation, in der sich die Sportler aufgestellt hatten, stand Jeffrey in seinem knappen Jack Sparrow Kostüm, das gar nichts wirklich mit dem versoffenen Jack Sparrow zu tun hatte, sondern eher wie ein slutty Piraten Kostüm aussah. Links neben ihn stellte Peter sich bereit, er hatte sein konzentriertes Gesicht drauf, wie er es immer vor einem Spiel hatte. Für die anderen Spieler interessierte sich Bob nicht wirklich und beachtete sie deshalb auch nicht.
Die ersten Bassgeräusche von The Bad Touch erklangen durch das Haus und Bob wusste bereits was kommen würde. Die Basketballer standen breitbeinig, die Hände verschränkt vor ihrem Schritt und bewegten sich mit ihrem Oberkörper passend zum Takt von links nach rechts. Bob war erstaunt, dass sie einigermaßen synchron waren, auf der anderen Seite hatte Jeffrey das Team wahrscheinlich sehr gedrillt, damit alle die Choreo draufhatten.
Sweat, baby, sweat, baby sex is a Texas drought
Me and you do the kind of stuff that only Prince would sing about
So put your hands down my pants and I'll bet you'll feel nuts
Die jungen Männer überkreuzten ihre Arme über der Brust, mit einer Hand auf jeweils einer Schulter, ließen dann ihre Hände sinnlich ihren Oberkörper hinuntergleiten. Sie schlugen mit ihren Händen auf ihren Lendenbereich, bewegten ihre Hüfte rhythmisch nach vorne. Die Menschenmenge jubelte. Bob musste ein wenig cringen.
Yes, I'm Siskel, yes, I'm Ebert
And you're getting two thumbs up
Sie hielten ihre Hände an die Stirn, als ob sie salutieren wurde, bewegten locker ihre Schultern dabei. Dann zeigten sie mit beiden Händen den Daumen nach oben.
You've had enough of two-hand touch
You want it rough, you're out of bounds
I want you smothered, want you covered
Like my Waffle House hash browns
Comin' quicker than FedEx, never reaching apex
Just like Coca-Cola stock, you are inclined
To make me rise an hour early just like Daylight Savings Time
Es folgten weitere einfache Tanzschritte, die für Bob nicht weiter bemerkenswert waren. Denn um ehrlich zu sein beobachtete er allein nur Peter und nahm nur halb seine Bewegungen wahr, sein verführerisches Grinsen ließ Bob nämlich ganz warm werden. Peter hatte sowieso schon im Laufe des Abends mehr und mehr Knöpfe seines Hemds geöffnet, sodass Bob sie kaum zurückhalten konnte. Und dann das noch? Gott, wie lange würde der Song nochmal gehen? Er würde Peter am liebsten an seiner Krawatte in die nächste Ecke ziehen.
You and me, baby, ain't nothin' but mammals
So let's do it like they do on the Discovery Channel
(Do it again now)
You and me, baby, ain't nothin' but mammals
So let's do it like they do on the Discovery Channel
Sie zeigten mit dem Finger auf die Menschen und dann zurück auf sich, schlugen dann auf einen unsichtbaren Arsch vor sich. Mit ihren Armen und Hüften übten sie eine vor- und zurück Bewegung aus, als ob sie den genau besagten unsichtbaren Arsch zu sich ziehen würden. Diesen Bewegungsablauf führten sie zweimal aus.
(Gettin' horny now)
Die jungen Männer brachen in Freestyle Tanz aus, was auf der einen Seite wild und auf der anderen Seite irgendwie doch koordiniert wirkte.
Bob fragte sich kurz, wie es möglich war, dass er Peter immer noch total heiß fand und ihm am liebsten sofort die Klamotten vom Leib reißen wollte.
Ein Grüppchen von jungen Frauen, gekleidet als Totally Spice, ging an Bob vorbei. Das Einzige, was er von ihnen hörte, war: „Ich bin eindeutige eine Lesbe.“ und „Ich bin so froh, dass ich nicht auf Männer stehe.“ und verschwanden dann irgendwo in der riesigen Villa.
Der Song neigte sich langsam dem Ende zu, als Jeffrey eine große Tasche hervorholte, in der er mit einer Hand reingriff und ein paar kleinere, knallgelbe Fläschchen mit roter Schrift hervorholte.
„Free Poppers für alle!“, rief er und die Leute jubelten.
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Zum Glück hatte Justus überraschenderweise ein paar Leute aus seinem Introduction to Theoretical Plasma Physics Kurs angetroffen, so konnte er zwar nicht über seine mittlere Sexualitätskrise sprechen, aber sich immerhin davon geschickt ablenken.
Er wollte gerade wieder in die Villa reingehen, als er seinen Namen rufen hörte.
„Jonas!“ Das war doch…
Justus erstarrte kurz, besonnte sich schnell und ging weiter.
„Justus Jonas, das ist nicht gerade ein sehr gentlemanhaftes Verhalten von dir.“ Skinnys Stimme war direkt hinter ihm zu hören, ausweichen konnte er ihm nicht. Was auch normalerweise nicht seine Art wäre, aber sonderbare Situationen rufen manches Mal sonderbare Verhaltensweise hervor.
Weglaufen würde aber nichts mehr bringen. Justus blieb mit rasenden Herzen stehen und drehte sich widerwillig um, vermied aber dabei Skinny anzuschauen.
„Skinny…“
„Was ist, Jonas? Erst küsst mich besinnungslos und dann haust du ab?“ Skinny klang eher belustigt als alles andere, dennoch spürte Justus, wie ihm die Hitze ins Gesicht stieg.
„Das war-“
Skinny kam ein Stück näher, Justus konnte sein herbes Parfüm riechen. Gemeinerweise beugte sich Skinny vor und hielt sein Gesicht direkt vor Justus‘, sodass Justus Skinnys Blick gar nicht mehr ausweichen konnte. „Ich wusste gar nicht, dass das in dir steckt, Jonas. Da frag ich mich doch, was du sonst noch zu bieten hast.“
„Wie stellst du dir das genau vor?“ Fast schüchtern erwiderte Justus Skinnys Blick.
Dieser konnte nur grinsen. „Glaub mir, da fallen mir schon ein paar Dinge ein.“
Skinny zog fragend eine Augenbraue hoch und schaute auf Justus‘ Lippen. Er verstand sofort und nickte zustimmend. Im nächsten Moment waren Skinnys heiße Lippen wieder auf seinen. Justus war sehr sehr verwirrt, aber gerade war ihm das auch sehr sehr egal, denn er war sehr sehr angeturnt. Er ließ sich das erste Mal richtig von seinen Gefühlen treiben und genoss es mit vollem Munde. Ähh, in vollen Zügen, natürlich.
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Peter bahnte sich mit strahlendem Gesicht zu Bob zurück. Er war so zufrieden mit der Performance gewesen, er wusste aber auch, dass er wahrscheinlich nicht ein weiteres Mal Jeffrey als Choreolehrer haben wollte. So streng hatte er seinen langjährigen Freund selten gesehen.
Bob winkte ihm bereits zu, um auf sich aufmerksam zu machen. Peter wurde beim Durchquetschen der feiernden Menschen hier und da mal angelabert, aber das war ihm alles egal. Er wollte wieder zu seinem Bob zurück und wissen, wie es ihm gefallen hatte. Die Choreo zu üben, hatte Peter gleich mehr Spaß gemacht, weil er wusste, dass Bob das Endergebnis sehen würde.
Kaum war er bei Bob angekommen, schloss er ihn in eine feste Umarmung, hob ihn leicht hoch und wirbelte ihn umher. Bobs Lachen zu hören, ließ Peters Herz noch höher schlagen, als es sowieso schon durch den erfolgreichen Auftritt tat.
Zum Fragen kam Peter gar nicht erst, denn jemand anderes wollte ihre Aufmerksamkeit. „Bob! Peter! Mensch, ich hab euch ja lange nicht mehr gesehen.“
Peter blinzelte überrascht auf. „Finnley! Schön, dich wiederzusehen.“ Er begrüßte seinen Surferkollegen wie üblich mit Handschlag und einer Halbumarmung. Bob und Finnley nickten sich zu.
In seinem Blaubarschbuben Kostüm sah Finnley sehr gediegen aus, gerade wenn er sich die Hände in die Hüften stemmte, so wie jetzt gerade. „Sag mal“, begann er und schaute argwöhnisch zwischen den beiden Detektiven, „Ich hab gehört, dass ihr ein Pärchen seid?“
Bob und Peter grinsten sich kurz aneinander an, dieses Szenario hatten sie bereits ein paar Mal durch.
„Was? Nein!“, gab Peter empört von sich, schüttelte ungläubig den Kopf.
„Woher hast du das denn gehört?“, stieg Bob in die Empörung mit ein.
„Wir sind einfach richtig gute Freunde! Nicht wahr, Bob?“ Peter drehte sich wieder zurück zu Bob und zog ihn an sich ran, grinste schelmisch, was er von seinem Freund abgeschaut hatte. Bobs amüsierter Gesichtsausdruck ließ seinen Bauch ganz verrückt kribbeln, sie wussten beide, was nun kam.
„Jap, supergute Freunde!“, bestätigte Bob, beachtete Finnley schon gar nicht mehr, sondern war voll und ganz auf Peter fokussiert.
Und dann küsste Peter Bob. Er küsste so, wie er ihn jedes Mal küsste, wenn er ihn im nächsten Moment auseinandernehmen möchte. Als er wieder von ihm abließ, wirkte Bob etwas desorientiert, mit seinen glasigen Augen und unklarem Blick. Bobs Hand ging zu Peters loser Krawatte und tauchte dann mit den Fingern unter das halb geöffnete Hemd.
Ein Räuspern ließ das Pärchen aus ihrer Bubble platzen. Finnley sah etwas Rot im Gesicht aus und schunkelte von einem Bein aufs andere.
„Und, äh, wie lange seid ihr, äh, eigentlich schon zusammen?“
Peter hatte weiterhin nur Augen für Bob, strich sanft durchs Haar, während Bob ihn mit seinem Blick anschmachtete. „365 Tage, 21 Stunden und 54 Minuten. In knapp als 2 Stunden haben wir unser Einjähriges.“
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Etwas später saßen die beiden Verliebten in ihren Briefs auf Peters schmalen Bett im Wohnheim. Bob trug noch seine knappe Polizeiweste sowie die Hasenohren, Peter hatte noch seine Krawatte um. Die Uhr schlug 3:30 Uhr, als Peter und Bob ihren innigen Kuss lösten. Bob stoppte jedoch nicht und verteilte weitere Küsse auf Peters Gesicht.
"Alles Gute zum Einjährigen“, hauchte er, „Ich liebe dich."
"Ich liebe dich auch, mein Schatz."
Mit einem Schwung zog Peter Bob auf seinen Schoß, sie kicherten glücklich und verliebt. Peter spürte, wie Bobs Hand sich wieder den Weg in Richtung seiner Haare machte. Er konnte sich also von seinem Verstand für den Rest der Nacht schonmal verabschieden. Bevor das aber passieren würde, hatte er noch eine Bitte an Bob.
„Magst du vielleicht die Häschenohren anbehalten?“
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Es war bereits mittags des ersten Novembers, Peter und Bob hatten gerade ausgiebig gefrühstückt und das Wetter war zu usselig, um irgendwas zu unternehmen. Während Bob auf seinem Handy rumtippte, kümmerte sich Peter um das Geschirr. Leise im Hintergrund lief All I Want for Christmas Is You, schließlich war bereits November, duh.
„Hat sich Justus eigentlich gemeldet?“, fragte Peter über das Geräusch des laufenden Wassers.
„Ne, bisher noch nicht.“
„Der denkt auch, nur weil er 21 ist, dass er sich nicht mehr melden müsste.“
„Ich ruf ihn mal an.“
Justus‘ Nummer war natürlich unter Bobs Favoriten. Der Anruf brauchte etwas länger, bis dieser durchging und noch etwas länger, bis er angenommen wurde. Mh. Ungewöhnlich für Justus.
„Hey Justus, wir wollten fragen, ob alles okay bei dir ist?“
Stille. Dann kam nach ein paar Sekunden ein herzhaftes Gähnen.
„Was willst du, Andrews?“
„Skinny?!“
