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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2024-11-02
Completed:
2024-11-02
Words:
30,831
Chapters:
8/8
Comments:
9
Kudos:
38
Bookmarks:
2
Hits:
789

Sur le fil

Summary:

Die Jahre vergingen wie die Blätter auf Bäumen, und mit ihnen, gangen Menschen, gang die Geschichte, und vor allem die Gesellschaft. Doch wie ist das genau für jemand der Unsterblich ist und seit Jahrzehnten ein Hotel betreibt?

Notes:

Wie der History nerd der ich bin, konnte ich es einfach nicht dabei lassen mal was zu schreiben das sich so mehr konzentrierte auf Rhuns Hotel. Wir wissen ja nun, da er es vor Jahrzehnten erstellte und es auch wahrscheinlich all diese Zeit lang operierte, also, was wäre besser, als sich mal ein bisschen darin zu vertiefen, welche Erlebnisse er durch die Jahre mit den vielen Menschen hatte.

Small timeline die ich selbst erstellen musste um erstmal ne klare übersicht von den sachen zu kriegen, also:
Geburt und Waisenhaus (ca. 1500 – 1505): Sie landen von klein auf ins Waisenhaus bei den Nonnen.

Das erste Zusammentreffen (1522): In diesem Jahr trifft Eos auf Iris und wir alle wissen wie das ausging, in 1523, r.i.p Iris.

Eos' Rückzug und die Verbannung (1523 – 1529): Nach dem Zwischenfall zieht sich Eos auf seine einsame Insel zurück, das alles geht dann so sechs Jahre, bis schließlich seine Verbannung auf dem Mond kam in 1529.

Ich werde aber nicht weiter an dieses unsterbliche Dilemma rangehen, weil es einfach so kompliziert für mich ist, also sagen wir einfach das, sobald sie alle 20 wurden, wurden sie schließlich unsterblich. Vielleicht ist das auch genau der Punkt, an dem sie ihre Menschlichkeit ablegen und zu einer Art „Symbol“ werden. Ich meine es versteht sich ja, Weihnachtsmann, Osterhase. Vielleicht ist das auch so eine Art Weg, in der sie sich entschieden haben, wie sie mit ihrer Unsterblichkeit umgehen.

Falls jemand eine bessere Idee dazu hat, dann würde ich sie liebend gern hören.

So und genau an dem Punkt wo sie Eos verbannt haben, verteilten sie sich auch über die ganze Welt her und bekammen ihre Titel so, während Rhun, gleich nach der Verbannung, ihr Hotel (1529) errichtet hat.

Also schreiben wir nun das Jahr 1567, wo Rhun nun auch 67 ist, aber man sieht es ihm nicht an wegen seiner Unsterblichkeit.

Gut, und noch einen kleinen Hinweis, jedes Kapitel spielt in einem anderen Jahrhundert ab, natürlich werde ich es auch anschreiben. Erst mal beginnen wir direkt in 1567, viele Jahre später nach Eos Verbannung und der Trennung der Brüder. Ich bin mir ziemlich sicher das sie alle noch total auf edge sind und so richtig keine guten Beziehungen zueinander halten.

Ach und nochwas, ich hab nichts großes für Linguistik aber ich habe trotzdem mein bestes gegeben so viel Frühneuhochdeutsch einzubauen wie es nun ging.

Die jeglichen Ereignisse in der Geschichte übertreten keine echten Handlungen gegenüber Schloss Merode da (das Schloss, wo sie den Zahnfee spin-off gedreht haben). Also sprich, alles was hier verhandelt wird ist rein fiktiv, handelt aber dennoch von realen Ereignissen, hat aber auch zugleich nichts zu tun mit irgendwelche echten historischen Ereignissen, indem Schloss Merode eingewickelt war. Okay? Okay.

Ich hab das jetzt noch schnell geschrieben innerhalb 4 tagen okay? Ich musste es aber dennoch abbrechen bevor ich überhaupt zu den 1950er kommen konnte weil ich einfach durch war okay?? Aber keine sorge, ich mach dies schon in ner Serie sodass noch mehr chapters dazu kommen.

Ich hab noch mein bestes gegeben zu checken, aber es können da noch ein paar Grammatikfehler drinnen sein. Sorry leute..

Erste zwei Chapters bisschen whack aber trust the process leute, bitte

(See the end of the work for more notes.)

Chapter 1: 1567

Chapter Text

Seine Welt blieb still, umhüllt von den Wänden seines Reiches.

Während sich die Jahre draußen änderten, die Blätter sich immer färbten, fielen und dennoch neu wuchsen, und die Menschen um Fortschritt und Macht rangen, hielte er sich zurück.

In seinen Augen war die Welt nur eine leere Hülle, ein kalter Ort, den er miterlebt hatte, von klein auf bis jetzt. Ein dunkler, kalter Ort voller unerbittlicher Bedrohungen, doch nichts fürchtete er mehr als die unstillbare Neugier der Menschen. Es war diese Neugier, ein rastloses Streben nach Wissen, Macht und Bedeutung, das er weder verstand noch teilen wollte.

Er wusste nicht, ob es deutliche Angst war, oder was sonst, aber am meisten verblasste er immer von der unstillbaren Neugier dieser Menschen, dieses rastlose Streben nach Wissen, Macht und Bedeutung, das ihm so fremd und doch so gefährlich erschien. Die Menschen rissen Wände ein, durchbrachen Grenzen und griffen nach Dingen, die sie nicht verstehen konnten, und in dieser Neugier sah er die tiefste aller Bedrohungen.

Dennoch verspürte er, wenngleich nur selten, eine leise Trauer für diese Sterblichen, die wie Getriebene durch das Leben jagten, auf der Suche nach etwas, das sie niemals erreichen würden. Vielleicht war es das scharfe Bewusstsein ihres räuberischen Instinkts, das dieses Verlangen entfachte, das sie zwang, jedes flüchtige Jahr in der Hoffnung auf etwas Großes zu warten, auf einen Sinn, ein Versprechen, das nie gehalten werden kann.

Er konnte es genau sehen, diese Mühe, die sie in vergängliche Ziele investierten, und die Träume, die sie verfolgten, nur um letztlich doch von der Zeit verzehrt zu werden.

Doch er konnte ihre Sehnsucht kaum mehr begreifen. Aus seiner Perspektive waren die Menschen wie Motten, die sich vergeblich an das Licht klammerten, dass sie letztlich verbrennen würden.

Er hatte kein Mitleid mit ihnen.
Fand sie erbärmlich zugleich. 

Und obwohl er einst Teil dieses Volkes war, distanzierte er sich mehr und mehr von der Bedeutungslosigkeit, isolierte sich selbst in seinem Hotel und fokussierte sich lediglich auf Alchemie. Das Hotel dazu brauchte seine Aufmerksamkeit am meisten, er hatte es selbst erschaffen, ein Schloss mitten auf den Grundfesten eines alten Waldes, dessen Magie im Boden seinen Ursprung hatte. 

Eine sehr merkwürdige Art von Energie, doch in seiner Alchemie und seinen Studien fand er diese unerklärliche Magie ebenso anziehend wie befremdlich. Sie war das einzige Geheimnis, das noch unerklärbar für ihn war.

Von sprechenden Bären bis hin zu singenden Schimmel, dieser Ort stand weit entfernt vom Verstand eines normalen Menschen. Wer weiß ob es normale überhaupt ausstehen könnten, sobald sie in solch eine Welt fielen.

Dennoch, warum? Warum wagten es trotz dies, zwei sterbliche dieses Reich zu betreten?

Keine Stimme, kein Laut, kein Blick aus der Außenwelt konnte bis her durchdringen, bis zu jenem regnerischen Tag,

Ein kalter Wind peitschte um die Ecken, und der Regen prasselte gegen die Fensterläden. Die Tür flog auf, und zwei Gestalten, durchnässt bis zu ihrer Haut, stolperten herein und warfen die Tür hinter sich zu.

Rhun hielt sich zu den Schatten des Eingangs, Zepter in Hand, während er diese zwei Sterblichen genauer betrachtete. Die Gestalt des Mannes war schlank, doch kräftig gebaut, sein Gesicht in Sorge verzogen, während die andere, eine Frau, mit zerzausten Haaren, eine Hand auf die Schulter des Mannes hielt. Sie beide wirkten, als hätten sie tagelang nichts anderes getan als zu rennen. 

Ihre Kleidung war schmutzig, zerrissen, und sie warfen ängstliche Blicke überall herum, als wären die Schatten selbst ihr größter Feind. Dies war kein Ort für sie, und das wurde ihnen schnell klar. 

Es schien, als hätten sie jegliche Art von Warnung außerhalb des Waldes einfach ignoriert, oder vielleicht war etwas anderes geschehen, das sie bisher angetrieben und blind vor jeglicher Gefahr gemacht hatte. Sie fielen zittern, in Arm, zu Bode, als sie sich fest gedrückt hielten, zu der Eingangstür.

Um ihre Nerven zu bewahren, trat er schließlich hervor aus den Schatten. Die Luft schien sich förmlich zu verändern, als er seine kühle Stimme erhob. “Ihr traut euch, in meinem Reich zu schreiten?”

Doch der Mann hob sofort die Hände, als Zeichen von Frieden, und sprach hastig mit einer bitterlichen Angst, “Herr, hören Sie uns, wir wollen kein Ärger” sprach er.

"Gnädiger Herr, wir suchen einen Ort des Friedens und des Schirmes…“ Er brach ab, sein Atem stockte sich, die Worte schienen ihm zu fehlen, als er die Gestalt nun genauer betrachtete, wie sie die Treppen mit langsamen Schritten runterging und sich die zwei näherten. Eine Art Person, die eine unerschütterliche Furcht mit sich brachte, nichts, das die zwei vorher je begegnet waren. Während Rhun förmlich die Erschöpfung und das Zittern in seiner Stimme spürte, war seine Geduld nicht endlos. Er blickte sie an wie Insekten, die sich unwissentlich ins Netz eines Jägers verirrt hatten.

“Ihr tragt kein Recht es zu erlangen“ sagte er, und seine Worte hallten wie eine Warnung in dem Eingang wider. “Weicht von hier, verlasst die Schwelle dieses Hauses, diesem beschaulichen Raum, der nicht euer Eigen ist,” Der Mann schwieg zunächst, seine Augen weiteten sich im Angesicht der Herzlosigkeit dieser Gestalt.

Rhun wiederum ließ seine Augen nun auch auf die Frau senken, die ihren Blick bis dahin stumm auf den Boden gerichtet hatte. Und obwohl ihre Augen schon von Tränen längst gerötet waren, sprach sie, “Uns ist das Leben bereits genommen worden ..“ ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch, der dennoch die Luft zwischen ihnen zu teilen schien. 

So leise ihre Stimme auch war, drang sie tief in den Raum rein. Der Mann kniete, seine Schultern bebten, und er klammerte sich an die Frau, als könnte seine Berührung sie vor der Kälte und dem unaufhaltsamen Tod schützen, der sie bis hierher verfolgt hatte. Rhuns Blick jedoch war undurchdringlich, seine Gestalt im fahlen Licht des Eingangs kaum mehr als ein Schatten, kalt und distanziert, wie eine Statue, die über die Jahrhunderte hinweg jeden Funken Wärme verlernt hatte.

“Wohl,” sagte er mit einer kaum wahrnehmbaren Neigung des Kopfes, “dann wisset ihr auch schon, wo ihr in der Stille des Grabes ruhen wollet” Ein Schatten eines Lächelns spielte auf seinen Lippen, ein Lächeln ohne Freude und mit einer letzten Warnung, schenkte er ihnen seinen Rücken, “Geht.”

Die Frau brach unter der Last dieser Worte zusammen, ihre Tränen flossen ungehemmt, und das Schluchzen hallte durch den Raum wie das leise Knirschen von Eis, das unter zu großer Last zu brechen drohte. Der Mann umfasste sie fester, sein Blick flehend, und zog sie an sich, während er sich selbst mit zittriger Stimme an Rhun wandte.

“Höret, edler Herr, ich flehe Euch an! Man hat uns Vogelfrei versetzt!” Die Worte schienen ihm aus der Tiefe eines Abgrunds zu entgleiten, ein letzter verzweifelter Ruf. “Nur eine Nacht… wir flehen euch an.“

Rhun hielt inne, und für einen flüchtigen Moment schien etwas wie Zweifel über seine Züge zu huschen. Seine Augen verengten sich, als er den Mann prüfend musterte, “Ihr verlangt nach einem Zufluchtsort, wissend, dass euer Schicksal längst beschlossen steht?” obwohl sein Blick streng blieb, schimmerte für einen kurzen Moment etwas anderes in seinen Augen – etwas, das der Mann bemerkte und sich daran festklammerte, als wäre es ein letzter Hoffnungsschimmer.

“Wir hatten keine Wahl,“ flüsterte der Mann, seine Stimme rau von der Erschöpfung und der Flucht. “Man hat uns gejagt, gleich wie wilde Tiere. Man hat uns verflucht!” 

Er konnte nur lachen über seine absurde Worte. Ein Fluch, was für eine Ironie. Wenn dies nun ein weiterer Versuch sein sollte, sich hier einzunisten, dann konnte Rhun sie mit Freude jetzt schon aus ihrem Leid erlösen.

Doch, blieb die Zahnfee stumm, etwas an dieser verzweifelten Haltung in dem Paar ließ sie zögern. Irgendetwas an diesem Blick, an diesem rohen Schmerz berührte sie. Langsam trat er zur Seite und sagte mit einer ruhigen Stimme. “Eine Nacht, nicht länger”

Die Worte waren kaum verklungen, als der Mann auf die Knie sank, die Hände ineinander und kaum zu fassen schien, dass man ihnen eine Geste solches Erbarmens noch gegenüber zeigen konnte, “Gnade sei mit euch. Gelobt sei euch, Herr.” er bedankte sich, als sich die Erschöpfung wie ein Schleier über sein Gesicht gehoben wurde.

Rhun nickte knapp, als wolle er den Moment so rasch wie möglich hinter sich lassen und antwortete nur mit einem brummenden “Mm.” Er wandte sich ab und führte sie in ein kleines, spärlich möbliertes Zimmer am Rande des Flurs, in dem kaum mehr als ein Bett und ein Stuhl standen. Er ließ sie eintreten, ohne ein weiteres Wort, und schloss die Tür hinter ihnen.

Nun konnte er nur noch bis zum Morgengrauen warten, bis er sie los war.

Am Morgen strahlte die Sonne durch die Fenster hinein und malte so warme Muster über die Holzböden des Flurs. Rhun, der die Nacht über wach verbracht hatte, die Zeit widmete zu einer seiner Experimenten mit Zähnen, stand im Halbschatten des Ganges und lauschte auf das leise Rascheln an Bewegungen, die ihm entgegenkamen.

Kurz, als er auf dem Weg zum Zimmer von dem Paar war, stoppte er in seinen Schritt, und das Geräusch zog ihn in den großen Aufenthaltsraum hin. Er erstarrte förmlich, als er die Dame dort vorfand.

Sie saß in einem der schweren, alten Sessel, die er selbst kaum jemals nutzte. Sie schien unberührt von seiner Anwesenheit, oder vielleicht ignorierte sie ihn absichtlich, als würde sie ihn nicht als Gefahr wahrnehmen. Ihre Finger ruhten sanft auf den Seiten eines Buches, eins von diesem, das er in den staubigen Regalen des Raumes aufbewahrte.

Er hatte sie nicht für eine Nacht eingeladen, um sich hier gelassen und die Annehmlichkeiten seines Heims zu genießen – und schon gar nicht, um ihn zu ignorieren. Der Gedanke, dass sie bereits so vertraut mit seinem Reich war, störte ihn mehr, als er zugeben wollte.

“Herr?” Nun hatte sie ihn bemerkt, als er näher trat, ihre Stimme war leise, fast als spräche sie ein Gebet. Sie wagte es, ihm direkt in die Augen zu sehen, und etwas in ihrem Blick zeigte Dankbarkeit, vielleicht sogar eine Spur Vertrauen, das ihn überraschte.

“Ihr seid hier nicht willkommen, das wisst ihr,” erwiderte Rhun, ohne den Blick abzuwenden, seine Stimme kühl und zurückhaltend. “Dies war eine Ausnahme, kein Versprechen.”

Die Dame hob den Blick, ruhig und keineswegs schockiert von seiner Kälte. Sie wirkte wie jemand, der das größte Chaos seines Lebens bereits überstanden hatte, und sich in eine Art Frieden zurückziehen konnte, die Rhun fremd war. Das Feuer flackerte schwach im Kamin.

“Wir begreifen das, Herr,” antwortete sie sanft. Sie schloss das Buch langsam, wobei sie den Finger zwischen die Seiten legte, als wollte sie die Stelle markieren. Sie sprach nicht weiter, sondern betrachtete ihn nur, das Rhun nur weiter irritierte.

Diese Einfachheit, die sie zeigte, konnte er sich kaum erklären, wobei ihr Tod schon beschlossen war. Es gab nur selten Menschen, die so ruhig in seiner Gegenwart zugleich waren, als er noch jünger war und im Dorf des Klosters frei rumlaufen konnte, zitterte jeder nur durch seine Präsenz. Aber diese Frau, sie begegnete ihm mit etwas anderem. Fast wie eine Art Wärme.

“Euer Mann?”, fragte Rhun schließlich, und sein Tonfall verriet, dass seine Geduld bald zu Ende war.

“Schläft noch,” antwortete sie leise und legte das Buch auf ihren Schoß, während sie ihn ansah. “Ich hielt es nicht für recht, jemanden zu wecken, der die Nacht über kaum Schlaf gefunden hat.”

“Dann nehmt euch das Buch und geht,” er blieb dennoch unberührt, "Ich hab euch des Nachts Schutz gewährt, sonst nichts dergleichen."

Die Dame nickte. Doch sie zeigte keine Spur von Eile, sich zu erheben. Stattdessen sah sie ihn weiterhin mit einem Ausdruck an, den er nicht deuten konnte. Da war ein seltsames Funkeln in ihren Augen, fast als würde sie versuchen, den Unsterblichen zu verstehen – ein Umstand, der ihn nur noch mehr ärgerte.

“Verzeiht,” sagte sie schließlich, und ihre Stimme klang gedämpft, “Wohl besitze ich das Gefühl, dass wir euch stören, Herr. Doch frage ich, Warum habt ihr uns nicht schon längst aus euren Hallen verstoßen?” Sie neigte den Kopf ein wenig zur Seite, musterte ihn, und die leise, ungezwungene Art, in der sie sprach, ließ ihn innehalten.

Rhun öffnete den Mund, aber kein Wort kam ihm über die Lippen. Es war eine Frage, die er nicht erwartet hatte und auf die er, wie er nun feststellte, keine klare Antwort wusste. War es Mitleid? Gewiss nicht. Doch irgendetwas in ihrer Gegenwart rührte ihn an, vielleicht ein altes Gefühl, das er längst verbrennen ließ.

Er nickte kaum merklich, als wollte er diesen Moment schnell vorbeiziehen lassen, ohne die Verbindung zu vertiefen. “Ich dulde hier keinen, der mir Kummer und Not bringt,” antwortete er schließlich, seine Stimme fest, als wollte er sowohl die Dame als auch sich selbst davon überzeugen. “Euer Aufenthalt sei eine Ausnahme.”

“Vielleicht nicht,” antwortete sie. Doch ihre Augen blieben warm und ungerührt. “Doch gar die Stärksten, so sie es wollen oder nicht, bedürfen ein Stückchen Gesellschaft, da das Herz oft einsam leidet.”

Rhun hätte lachen können. Die Arroganz, die in ihren Worten mitschwang, wie typisch gesprochen von diesen Sterblichen. “Ihr irrt euch,” erwiderte er, setzte seine Worte fast wie Hieb um Hieb. “Ich habe kein Bedürfnis nach Gesellschaft. Ich habe keinen Platz für euch sterblichen.”

Katharina lächelte nur leise. “Und dennoch seid ihr hier”

“Jedes Geschöpf bedarf ein Heim,” Er blieb still, mit der Kälte, die ihm vertraut war und mit einem unerwarteten Kribbeln in seinem Inneren, das er nicht einordnen konnte.

Und dann geschah etwas, das er nicht für möglich gehielt hatte. Er stand regungslos und starr, als Katharina ihre Hand in seine Richtung hob. Ihre Bewegung war vorsichtig, beinahe zögerlich, als wollte sie eine wilde Kreatur beruhigen. 

Ihre Augen blieben auf sein Gesicht gerichtet, und trotz der Furcht, die ihn umgab und die sie sicher spüren musste, zeigte sie kein Anzeichen von der selben Angst. Er erkannte den Hauch eines Lächelns in ihren Augen, wahrscheinlich ein Ausdruck von Neugier und vielleicht auch von einem Mitgefühl, das er nicht begreifen konnte.

“Darf ich?” Ihre Stimme klang sanft, kaum mehr als ein Flüstern, und dennoch durchdrang sie die Stille zwischen ihnen wie ein Klingen. Er trat näher, und ohne seine Erlaubnis zu bekommen, ließ sie ihre Finger sich weiter nähern, bis sie sanft an der Seite seines Gesichts verweilten. Rhun hielt den Atem an – ein unwillkürlicher Reflex, den er lange vergessen glaubte. Seine Hand zuckte, als wollte er sie von sich wegschieben, doch etwas an ihrem Ausdruck ließ ihn verharren.

Die Finger der Dame glitten vorsichtig über seine Haut, über die scharfe Kante, wo die Linien seines Gesichts an eine Stelle übergingen, die glatt und hart wie blanker Knochen war. Es war, als sähe sie durch ihn hindurch, bis in das, woraus er bestand, sein eigenes Skelett.

Diese Berührung zugleich hätte ihn verärgern müssen, hätte ihn zurückweichen lassen sollen, doch er blieb reglos. Sein Gesicht war kühl wie Marmor unter ihrer Hand, und das Kribbeln in seinem Inneren wurde intensiver, eine fremde, unwillkommene Wärme, die ihn verwirrte und beunruhigte.

“Euer Gesicht…” Sie zog die Hand nicht zurück, obwohl sie die kantige Härte der knöchernen Struktur spüren musste. “Es ist wie eine Maske und doch… echt.”

Er konnte genau die winzigen Schwankungen in ihrem Blick sehen, während sie ihn studierte, nicht mit Schrecken, sondern mit einer seltsamen Ehrfurcht, als wäre er ein lebendes Relikt, etwas, das man bewahren und verstehen musste. Die Ränder ihres Lächelns erloschen zu einem Ausdruck fast mitleidiger Neugier. Er erkannte, dass sie ihn nicht mit den Augen der Furcht ansah, sondern ihn so betrachtete, wie man einen Menschen ansieht, dessen Geheimnisse tief und verwoben mit Schmerz sind.

"Ihr seid in der Wahrheit allein lebend, so ist es recht?” flüsterte sie, ihre Finger hielt sie nun zu sich selbst, als ihre Worte ihn trafen wie ein scharfes Messer.

“Ich bin geweiht einem Leben ohne Ende, das genügt mir völlig", antwortete er kalt, seine Stimme so rau wie die verborgene Skelettstruktur, die ihre Finger gerade eben gestreift hatten. Doch seine Worte wirkten hohl, und er spürte, dass die Dame sie als solche erkannte. 

“Ewige Unsterblichkeit.” erwiderte sie, ihre Stimme so sanft und unverändert wie zuvor. “Für solche, die eures Wertes sind, ist das nicht eine klagende Ewigkeit?”

Rhun erstarrte, ihr Blick drang tiefer in ihn ein, als ihm lieb war. Wer war diese Dame, die es wagte, solche Fragen zu stellen? Es schien, als hätte sie die Fähigkeit, durch ihn hindurch zu schauen. Als würde sie den Schmerz und die Bitterkeit erkennen, die er sich nicht einmal selbst zugestehen wollte. 

“Ihr vergeudet nur eure Zeit, mich zu begreifen", schwor er schließlich, fast wie ein Zischen. “Ihr seid naiv, Sterbliche.”

“Vielleicht bin ich das,” antwortete sie. Noch bevor sie sich weiter unterhalten konnten, stand sie auf, das Buch legte sie auf dem Tisch neben der Couch nieder und wandte sich zum Gehen.

Er hatte den Mut, nicht mehr in sich ein weiteres Wort zu sagen, und verfolgte sie nur stumm während sie den Raum verließ. Das knisternde Feuer und der schwache Lichtschein warfen Schatten, die sich über den verlassenen Raum legten, und für einen Moment fühlte sich die Stille fast bedrohlich an. Doch obwohl die Frau fort war, hallten ihre Worte in Rhuns Gedanken wider, wie ein Echo, das sich tief in ihm bohrte.

Er sah das Buch an, ein einfaches über Botanik. So unerklärbar die Dame auch für ihn schienen mag, hielt sie dennoch kein solches Abbild wie die von einem typischen Verbrecher. Die Worte des Mannes zog ihn nochmal durch, sodass er seine Augen für einen Moment schloss, worauf hatte er sich nur eingelassen mit diesem Paar?

“Was machst du nur, dass du solch Sterbliche einfach so reinlässt?” schallte die Stimme durch seinen Kopf, scharf. Zu dem er nur seufzen konnte, Dark hatte ihn gerade noch gefehlt, “Ich versichere dir, mir ist dies genauso unangenehm wie dir.”

Er hatte schon geahnt, dass Dark selbst ihn für schwach hielt, diese beiden Menschen im Schloss so zu dulden, und doch, ein kleiner, sturer Teil in ihm wollte herausfinden, ob diese Sterblichen tatsächlich so hilflos und verloren waren, wie sie sich gaben. Das Feuer knisterte weiterhin.

“Ich erkenne, dass du nicht der Seiende bist, der das Wohl der sterblichen Wesen behütet. Welcher umso weniger um diejenige, die offenbar in notlichem Schwierigkeiten stecken." fuhr Dark dennoch fort, “Vogelfrei, also wirklich,” beinahe höhnisch als er lachte, typisch von ihm auch, “Diese zwei sind wahrscheinlich nur Verbrecher, die dich ausgenutzt haben”

Rhun kniff die Augen zusammen, weigerte sich, auf die Provokation zu reagieren. Er hielt inne, sein Blick wanderte zu den Flammen von ein paar Kerzen, die träge im kalten Zug flackerten, er konnte dennoch nicht leugnen, dass Dark eine gewisse Art recht hatte. Trotzdem, “Wenn sie es wären” antwortete er knapp, “Dann wären sie wahrlich gute Schauspieler.”

“Sie scheinen mehr Mut zu haben, als ich ihnen zugestanden hätte,” murmelte er, mehr zu sich selbst als Dark, und bemerkte, wie sich eine schwache Spur von Zuneigung in seiner Stimme einschlich. Diese Menschen hatten nur noch einander, sie suchten lediglich Schutz, obwohl die Welt sie verstoßen hatte. Sie mochten vogelfrei sein, sie mochten Verbrecher sein, doch in diesem Moment waren sie nichts außer hilflosen Menschen.

Rhun atmete tief durch den Widerstand, sich von Darks höhnischen Worten treffen zu lassen. Etwas hielt ihn zurück, ein Gefühl, das er kaum ertragen konnte, doch ebenso wenig wollte er es loslassen. Vielleicht war es der Blick der Dame gewesen, ihr Hauch von Wärme, der eine Seite in ihm berührt hatte, die so lange unbespielt geblieben war.

Unhörbar und unsichtbar, als er eins mit der Schattenwelt selbst war, glitt er durch die dunklen Korridore. Er wandte sich zum Schlafzimmertür des Zimmers, eine Hand an die kühle Wand und konzentrierte sich genau darauf.

Im Inneren hörte er das leise Rascheln, der Mann schien also nun wach zu sein, wie er erwartet hatte. Und doch konnte er die angespannte Stimmung in der Luft fühlen. Durch die Wand hörte er leises Flüstern, gedämpft von den dicken Mauern, aber deutlich genug, um die Schwere ihrer Stimmen zu spüren. Sie sprachen kaum laut, und dennoch trugen die Worte, die Rhun auffing, eine Art von Zerbrechlichkeit in sich.

“Was mag geschehen, so sie uns auffinden?" flüsterte die Frau, total aufgeregt und erfüllt von ihrer Furcht, die sie vorhin tief vergraben hatte. Rhun spürte förmlich die Erschütterung ihrer Worte, als sie sich an ihren Mann klammerte.

“Ich lasse nicht zu, dass uns noch mehr entnommen werde,” antwortete er leise, eine Mischung aus Trost in seinen Worten, als ob er selbst nicht wusste, wie sie nun weiter voran gehen sollten aber wollte dennoch das seine Frau nicht noch mehr beunruhigen. Seine Stimme bebte, als er fortfuhr. "Der Herr segnet uns, Katharina.” Die Frau hieß also Katharina, dazu konnte er nur seinen Kopf schütteln von wenn sie sprachen. Die Menschen hatten schon immer ihr eigenes Glück und Hoffnung in jemanden gesetzt, der sie nie erhören würden.

“Er wird uns beschützen” Doch die Hoffnung schien in dem Mann wie ein fester Glauben.
“Das verspreche ich.” direkt nach dem herrschte eine gewisse Stille, unterbrochen nur von dem Geräusch von Katharinas leisen, zittrigen Atemzügen. Sie weinte wahrscheinlich immer noch.

Darin spürte er ein unbekanntes Stechen in sich. Er schlich zurück in den Schatten, die ihn bis hierhin in die verbotene Szene geschlichen hatte, eine, die nicht für seine Ohren bestimmt war. Dies war ihre Angelegenheit, nicht seine Verantwortung.

Diese unbehagliche Stille, die sich wie eine Decke über das alte Gebäude legte. Worauf hatte er sich nur eingelassen?

Der Raum umhüllte sich in einem bitteren Sturm, der lila-gefärbte Rauch ließ sich schnell nieder, als Rhun inmitten dieser stand. Er huste, um seine Lungen wieder klar zukriegen, er hätte wohl besser achten sollen, als das Licht plötzlich im Raum flackerte und daraufhin die Explosion folgte.

Ein weiterer gescheiterter Versuch. Jedes Mal, wenn er einen Schritt voran kam, schien etwas anderes falsch zu gehen, und dafür konnte sich Dark’s ätzendes Lachen verkneifen.

Der Schutzschild musste klappen, wenn jetzt noch mehr ankamen, wie das Paar könnte es Zimmer Nummer vier nur noch mehr gefährden. Er wusste genau, dass er sie bis jetzt schon längst rauswerfen sollte, doch er zögerte immer wieder.

Mit einem tiefen Seufzer verließ er das Labor und wandte sich dem langen Flur des Hotels zu. Die Stille des Schlosses war bedrückend, das Paar hauste weiterhin, obwohl er sie immer noch nicht ganz vertraute.
Doch er sprach kein Wort, keine Erwähnung. Er drohte, sie noch nicht einmal das Hotel zu verlassen. Warum hatten sie solch einen Griff auf sein Mitgefühl? Die nagende Theorie, dass er mehr für solch Sterbliche empfand, konnte er so nicht einfach zugeben. Er kam immer zurecht allein, und das sollte so bleiben. Und doch war er gefangen im Verstand seines Herzens.

Das Schloss schien ihn mit seiner kühlen Stille zu erdrücken, und so wanderte er ziellos durch die Gänge, bis er schließlich zu einem der Fenster trat.

Dort entdeckte er den Mann wieder, der mit dem Blick nach draußen ins Grüne starrte, den Kopf leicht geneigt, als wäre er in Gedanken verloren. Rhun war überrascht, ihn hier so allein zu sehen, sonst waren die zwei nicht zu trennen, “Warum steht ihr hier?”

Das Gesicht des Mannes verzog sich leicht, als er sich rasch umdrehte zu der Gestalt.

“Stört es ihn, wenn ich frage, was sie tun?“, brach Rhun schließlich das Schweigen, und seine Stimme hallte in dem leeren Raum wider. Der Mann zuckte zusammen “Herr..“, stotterte Johann, seine Unsicherheit war unübersehbar. “Ich wolte euch nicht in Zweifel ziehen. Ich… habe nur im Herzen nachgesonnen.”

Rhun trat näher, Zepter fest in der Hand. Wenigstens schien der Mann sich immer noch in seiner eigenen Angst zu verstecken, nicht wie die Dame es tat – Katharina. “Verloren im Gedanken über was?”

Der Mann, der jedoch größer als Rhun selbst war, hatte sich so klein wie möglich gemacht, dass Dark es selbst amüsierend fand. Seine Augen weit geöffnet, “Es ist nichts – nur..” sein Blick wandte sich nach draußen, den Rhun folgte und den Hof entdeckte, der von wildem Gestrüpp und hohem Gras überwuchert war. “Dort, der Hof..” murmelte er, seine Stimme fast verloren, als würde er sich in seiner Vergangenheit verlieren.

“Kathi hegt seit jeher den Wunsch in ihrem Herzen nach einem eigenem Garten, solchem, wie dieser...” 

Rhun betrachtete den verwilderten Platz draußen, verwirrt. “Ihr träumt von einem Garten?” entgegnete er. “Nur Kathi, Herr.” antwortete er mit einem zarten lächeln.

Er musste nur für einen Moment nachdenken, als er schon ihn befahl, “Kommt mit.” und ihn so nach draußen führte. Das Sonnenlicht fiel sanft durch die Bäume und ließ die sonst furchterregende Fassade vergessen, brachte so die innere Schönheit des Ortes heran.

Rhun ließ seinen Blick über den vernachlässigten Hof gleiten, der von wilden Pflanzen überwuchert war. Die hohen Gräser, die Dornensträucher. Die Natur hat die Kontrolle über diesen Ort übernommen, und sie trug zugleich kein Interesse, dies zu räumen. Doch, der Mann schon.

“Kathi könnte an diesem Orte all die gar liebreizenden blümen sät, von denen sie oft zu erzählen pflegt.”, murmelte der Mann leise und berührte vorsichtig einen der stacheligen Sträucher. “Vielleicht sogar ein paar Beetlein,”

Rhun beobachtete Johann und bemerkte das Leuchten in seinen Augen, das fast unwirklich schien angesichts der Kälte, die überall herrschte. Diese Begeisterung eines Mannes, der eigentlich auf der Flucht war, verwirrte ihn. Genau wie von Kathrina.

Rhun betrachtete den Mann, dessen Augen vor Begeisterung leuchteten. “Seid ihr wahrhaftig an diesem Orte interessiert?"

“Ja, Herr.” war das einzige, was er sagte, seine Stimme voller Überzeugung.

Rhun schüttelte leicht den Kopf, als könne er die Gedankengänge dieses Menschen nicht nachvollziehen. “Warum sinnt ihr über solche seltsamen Dinge nach? Ihr seid schon dem Tode geweiht.”

Der Mann wich nicht zurück. “Selbst so uns die Freiheit entzogen ward, verbleiben wir gleichwohl Menschen von edler Art. Ein Leben, das uns zusteht, sei uns gegeben.”

Rhun blieb stumm, schaute den Mann nur prüfend an. Es war eine Antwort, die ihn gleichzeitig beeindruckte und irritierte. “Wie lautet euer Name?”

“Johann, Herr. Und meine Frau Katharina.”

Rhun nickte, der Name war ihm bereits vertraut, und doch entlockte ihm die formale Vorstellung. “Welches Unrecht habt ihr euch nun zuschulden kommen lassen?"

Johann sah zu Boden, und einen Moment lang schien es, als würde er zögern. “Keins, Herr”, beantwortete er mit leiser Stimme. “Glaubt uns, wir wurden beschuldigt”

“Ich kann dies sehr gut glauben.” Er war mehr als bewusst über die herzlose Seite des Volkes, bei den sterblichen hieß, es immer nur Auge um Auge, erbärmlich waren.

Johann blickte auf, mit einem Hauch Hoffnung. “Herr, ich bin mir wohl bewußt, dass wir nicht das Recht haben, an diesen Ort zu verweilen. Doch –”

Ein lauter Schuss hallte über den Hof, und eine Kugel schlug mit einem dumpfen, knackenden Geräusch in den Baum direkt neben Johann ein, sodass die Rinde absplitterte und Späne umherflogen. Der Mann zuckte erschrocken zurück, doch Rhun reagierte blitzschnell und stellte sich zwischen Johann und die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. Seine Augen verengten sich, und ein kaltes Funkeln trat darin zutage als er eine Silhouette auf dem Hügel sah.

"Kehrt unverzüglich ins Schloss, sofort!” Seine Stimme war scharf und ohne Raum für Widerspruch. Der Mann zögerte nur für eine Sekunde, bis er gehorchte. Mit einem letzten Blick auf Rhun und mit tiefer Verunsicherung lief er in Richtung der steinernen Treppe, die zurück ins Schloss führte.

Rhun ließ seinen Blick auf den Hügel. Ein Jäger. Sein Gewehr hielt er bedrohlich in seinen Händen, als er sich Rhun näherte, als ob er ihn so einschüchtern wollte. Die Augen des Mannes blickten wachsam und verächtlich in Richtung Schloss, und dann zurück zu der Gestalt vor ihm.
“Mein geschätzter Freund, so ungern ich sprechen mag, doch solch schändliches Gesindel, in deinen schützenden Schoß zu nehmen, könnte sie gleichfalls in großes Unheil stürzen" sprach der raue Mann hastig, sein Gewehr angespannt in seinen Händen.

Rhun hob nur sein Kinn als er diesen Jäger mit Verachtung betrachtete. “Ihr macht euch schuldig, sich so tief in solcher heimischen Sachen zu verkehren.”

Er ließ sein Zepter über den Boden gleiten, als er schließlich anfing zu schweben. “Ihr seid mutig, das gebe ich zu,” sprach Rhun ruhig, doch seine Augen hielten kein Anzeichen von Trost. “Vernehmt, dies ist mein Hoheitsgebiet. Ihr begehrt, etwas zu jagen, in meinem Gefilde.”

Der Jäger hielt inne, ein Zögern, das er kaum versuchte zu verbergen, lag in seinen Augen, als er Rhuns wahre Natur erfasste. Wie er sich vom Boden erhebte, ließ ihn fallen, sein Gewehr lag nun neben ihn als er dieses Wesen betrachtete. 

Er selbst war nicht jemand der schnell wütend wurden, doch dieser Sterbliche hatte ihn zu weit provoziert, so dass seine Wut förmlich durch seine Adern fließte. Der Mann schluckte schwer, seine Hände umklammerten das Gewehr nun wieder, doch die Knöchel wurden weiß unter dem Druck. “Was... was seid ihr?“ murmelte er, seine Stimme ungewollt brüchig, während ein Teil seines Mutes mit jeder Sekunde bröckelte. 

Er hob das Gewehr leicht an, um sich bereit zu machen, auf ihn zu schießen, doch bevor er den Abzug ziehen konnte, hebte Rhun sein Zepter, und ein unsichtbarer Druck legte sich auf den Mann, zwang ihn zu Boden und entriss ihm die Waffe, die klirrend einige Meter entfernt landete.

Mit einer knappen Bewegung hob er die Hand, er kam wieder zu Boden, als er sich nun über den Mann beugte.

“Teufel!“ flüsterte der Jäger entsetzt, seine Stimme rau und erstickt vor Panik, die sich wie ein brennendes Feuer in ihm ausbreitete. Rhun ließ nur ein kaltes, leeres Lächeln sehen, das keinerlei Erbarmen verriet, “Solch ein winselnder Hund” 

Mit einer langsamen Bewegung streckte Rhun die Hand aus, seine Augen glitten zu den gelben Zähnen des Mannes, der verzweifelt versuchte, sich gegen seiner Macht anzukämpfen. Nun wusste er, was ihm fehlte.

“Oh dank dem Vater, ihr seid unversehrt!” Johann konnte seine Glück nicht unterdrücken als er den Herr des Hauses näherte, doch er hielt inne, und fiel plötzlich über seine Wörter, zugleich wusste er noch nichtmal wie sie ihn bedanken sollten das er sie von solch einen Jäger beschützt hatte, “Herr-”

“Rhun.” unterbrach er sanft, und eine leichte Überraschung glitt über die Gesichter des Paars.

Johann blinzelte überrascht, “Wie?”
“Mein Name ist Rhun,” wiederholte er, und das erste Mal schien es, fast als wäre es ihm selbst ungewohnt, seinen Namen so preiszugeben.
“Ein schöner Name.” lächelte Katharina.

Doch für jetzt wandte er sich von den zweien ab, als wolle er das Gespräch rasch beenden. Die Stille wog schwer zwischen ihnen, und als er wieder sprach, schien etwas Unerwartetes die Kontrolle über ihn zu nehmen, “Ich habe es mir erneut in das Gemüte gefasst und in tiefem Sinne bedacht..” fing er langsam an. Die Hand fest um sein Zepter, er wählte seine Worte mit Vorsicht.

“Ich könnt noch für eine Nacht harren, so lange ihr des Weges noch nicht gewiss seid."

Ein Anflug von Erleichterung glitt über ihre Gesichter, und sie nickten stumm als sie zusammen in den Armen fielen. Er ließ sie stehen und ging den Flur hinunter, die Zähne des Jägers fest in seiner Faust geschlossen, obwohl die Worte schwer auf ihn wogen, wusste er dennoch, dass dies das Beste wäre.

Eine Nacht wurde zu einer weiteren, und sobald er es wusste, war das Paar nun Teil seines Schlosses.

Überraschenderweise ließen sie sich auch nicht so sehr zu erschrecken lassen von der Magie, die durch diesen Ort pulsierte, sie waren wahrlich ein interessantes Paar, das sich vor nichts scheuen ließ, das sonst so ungewohnt ist für den normalen menschlichen Verstand. Dazu störte es ihnen kaum, zu wissen, dass sie es mit einem echten Unsterblichen zu tun hatten. 

Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, ließ Rhun die Suchenden in sein Hotel. Vielleicht war es Mitleid, das ihn dazu trieb, oder die Erkenntnis, dass er selbst, obwohl er die Welt verachtet hatte, einst auch ein Suchender gewesen war. Er öffnete ihnen seine Türen, gab ihnen Raum und Zeit und sah zu, wie sie versuchten, ihr neues Leben zu gestalten.