Work Text:
Hätte Ju vor einem Jahr gesagt bekommen, dass er von der fucking Zahnfee, welche übrigens nicht klein und zart war, sondern aussah, als wäre sie direkt einem Horrorfilm entsprungen, und ihren genauso abgedrehten Brüdern den Auftrag bekommen würde, dem Mann im Mond beizubringen, wie man kocht, hätte sein Vergangenheits-Ich wohl gelacht.
Doch hier stand Gegenwarts-Ju, vor der pompösen Eingangstür zum Hotel zum Zahn und hinterfragte seine komplette Existenz. Jede Entscheidung, die er je getroffen hat und dazu beigetragen hatte, ihn in dieses Fiebertraum Szenario zu befördern.
Er schnaubte und schlug sich eine Hand gegen die Stirn. Wieso hatte er überhaupt zugestimmt? Er hätte auch einfach nein sagen können, dass sie ihren 500 Jahre zurückgeblieben Bruder selbst in die heutige Welt eingliedern sollen.
Zuerst hatte er das auch vorgehabt, er wollte möglichst wenig in Eos' Nähe sein, sein Herz hielt das einfach nicht aus.
Aber gegenüber dem intensiven Blick der Zahnfee, der sich direkt in seine Seele gebohrt hatte, dem ungeduldigen Nasenzucken des Osterhasen, dem überzeugten Gesichtsausdruck von Santa und dem 'ich-weiss-was-was-du-nicht-weisst-Grinsen', welches ihm der Sandmann zugeworfen hatte, war es ihm unmöglich gewesen, sich zu weigern.
Ju stöhnte auf und liess seinen Kopf gegen die Tür knallen. Er zuckte zusammen. 'Scheisse, das war ganz schön laut-', dachte Ju und wollte sich gerade aufrichten, als die Tür plötzlich aufgerissen wurde.
Mit einem peinlich schrillen Quietschen spürte Ju, wie die Gravitation überhand gewann und er mit dem Gesicht voran auf dem Boden landete.
"Oh Gott! Alles in Ordnung?", ertönte eine besorgte Stimme über ihm.
Ju stöhnte nur und rappelte sich langsam auf. Eine Hand, welche nicht seine eigene war, streckte sich aus und klopfte ihm den Staub von seiner Jacke. Er sah hoch und seine Augen trafen auf Minty, welche sich hastig bemühte seine Klamotten vom Dreck zu befreien.
Sanft schob Ju Minty's Hände von sich und setzte ein hoffentlich echt aussehendes Lächeln auf. "Geht schon."
Minty starrte ihn an. "Wenn du meinst. Sag mal, warum hast du mit deinem Kopf angeklopft? Ist das ein Menschen Ding, von dem ich nichts weiss? Oder ist es eher eine Art Brauch den-"
Ju seufzte. Er kannte Minty zwar erst seit ein paar Wochen, aber er wusste, dass sie dazu neigte, viele Fragen zu stellen, wenn es um das Thema Menschen ging. Bei ihrem ersten Treffen hatte sie ihn und Joon haltlos mit Fragen bombardiert.
"Stimmt es, dass Menschen grundsätzlich nach Zwiebeln riechen, wenn sie kein Deo benutzen?"
"Was-"
"Oh und stosst ihr in der Hitze wirklich Wasser ab?"
"Meinst du schwitzen-?"
"Habt ihr wirklich nur ein Herz?"
"Warum sollten wir mehr ha-"
"Oh und..."
Ju schüttelte den Kopf und unterbrach Minty's Kopf-anklopf-Theorie. "Ähm, dein Boss hat mich hier herbestellt. Kann ich reinkommen?"
"Oh! Ja klar, komm rein.", antwortete Minty. Sie trat ein Stück zur Seite und hielt die Tür auf, um Ju eintreten zu lassen. "Zahnfee und die anderen sind im Wohnzimmer. Kennst du den Weg, oder soll ich's dir zeigen?"
"Ich glaube ich schaffe das alleine.", sagte Ju und lächelte schief. Er war bereits oft genug hier gewesen und wusste inzwischen, wie man sich im riesigen Gebäude des Hotel's zurecht fand.
Minty nickte ihm zu und tätschelte seine Schulter. "Viel Glück.", sagte sie, drehte sich um und lief in Richtung der Rezeption, wo schon Ray auf sie wartete.
'Viel Glück?' Glück womit?
Ju schüttelte den Kopf. Würde schon nichts bedeuten.
Er atmete tief durch und setzte sich in Bewegung. Er lief einen langen Gang entlang, vorbei an riesigen Gemälden, welche stolz and den Wänden hingen. Ju hätte schwören können, dass die Augen der Bilder ihm folgten. Warum musste hier auch alles lebendig sein?
Ju seufzte. Er würde sich wohl nie so ganz daran gewöhnen können. Er war überrascht, dass das Hotel überhaupt Gäste hatte, bei all den Horrorfilm artigen Gestalten, welche hier arbeiteten. Und von den unzähligen Zähnen, die hier rumlagen, wollte Ju gar nicht erst anfangen.
Normale Gäste hielten es vielleicht nur für fake Zähne, welche als Deko dienen sollten. Doch Ju wusste mittlerweile, dass es sich um echte Zähne handelte. Ein Schauder lief ihm über den Rücken.
Gedankenverloren ging Ju eine lange Treppe hinauf und bog dann rechts ab in Richtung Wohnzimmer. Ein paar wenige Meter vor ihm konnte er schon die Tür erkennen, welche zu eben dem Raum gehörte. Doch als er davor zum Stehen kam, konnte er laute Stimmen hören, welche durcheinander redeten.
'Ah,', dachte Ju, 'deshalb also viel Glück.' Die Wächter waren wohl dabei sich zu streiten. Er schlug sich eine Hand gegen die Stirn, atmete noch einmal tief ein und drückte dann sanft die Klinke der Tür, um sie leise zu öffnen und einen Blick in den Raum zu werfen.
"Du hast meinen letzten Joghurt gegessen du Pisser!", rief der Osterhase und funkelte den Sandmann böse an. Dieser lachte nur wie ein Verrückter und zuckte mit den Schultern.
"Da stand aber nicht 'Fips' aufm Becher, oder? Wenn's nicht angeschrieben ist, gilt wer's findet darf's behalten." Ju sah zu wie der Osterhase- Fips, sein Name war Fips- sich mit seinen Hasenbeinen vom Boden abstiess, in die Luft sprang und direkt mit voller Wucht auf seinem Bruder landete.
Ju zuckte zusammen und betrachtete das Chaos, während keiner der Wächter ihm Aufmerksamkeit schenkte.
Fips war dabei Zeke am Kragen zu schütteln, während Klaus verzweifelt, versuchte die beiden voneinander zu lösen. "Kommt schon ihr zwei, hört auf zu streiten! Ich kauf dir so viel Joghurt, wie du willst, Fips!"
"Damit das Sandmännchen hier wieder alles wegfressen kann!?"
"Ey! Wen nennst du hier Sandmännchen!? Kika kann mich am Arsch lecken, du übergrosse Ratte!"
"Ich bin ein Hase, du zurückgebliebener Sand Kopf!"
Auf dem Sessel gegenüber, sass die Zahnfee - Rhun - und starrte seine Brüder nur mit einem zuckenden Auge an, seine Hand verkrampft am Zepter festhaltend.
Ju musste fast lachen bei dem Anblick. Als er von Rezo losgeschickt worden war, um mächtige Wächter zu finden, hatte er nicht erwartet, dass diese Wächter die Fabelfiguren seiner Kindheit waren.
Allerdings waren eben diese Fabelwesen in der Realität komplett anders als in den Erzählungen, welche Eltern ihren Kindern erzählten und hatten sogar menschliche Namen.
Der Osterhase war nicht ein kleines süsses Hoppel Häschen, sondern ein Menschen-grosser Hase mit Aggressionsproblemen.
Der Sandmann war nicht ein winziges Männchen mit roter Zipfelmütze. Zwar war er der kleinste der Brüder, doch anstelle eines gutmütigen Heinzelmännchens, war er ein Durchgeknallter namens Zeke mit Hexenlache.
Die Zahnfee hiess Rhun und war nicht eine kleine zarte Fee, stattdessen sah sie aus, wie ein Halloween Monster und konnte mit ihrem Blick fast schon töten.
Santa, oder auch Klaus, war tatsächlich der Einzige, der etwas Ähnlichkeit mit den Geschichten hatte. Doch ein dicker Opa war er nicht.
Schon seltsam. Die Wächter waren so mächtig und konnten recht furchteinflössend wirken.
Doch im Kern waren sie menschlich, Geschwister. Sie stritten über belanglose Dinge, hatten Macken und waren weit weg von fehlerlos. Und schlussendlich, wenn alles auseinander fallen zu schien, hielten sie zusammen und wichen einander nicht mehr von der Seite.
Selbst Eos hatte es geschafft, langsam aber sicher wieder einen Platz in ihrer verrückte Familiendynamik zu finden. Dabei hatte er sich manchmal sehr blöd angestellt.
Er schien keine Ahnung zu haben, wie man mit anderen umging, verstand die Hälfte von dem Gesagten seiner Brüder nicht und hatte sich nicht mehr als zwei Meter in ihre Nähe getraut. Doch er hatte sich sichtlich Mühe gegeben, das Vertrauen seiner Brüder zurück zu gewinnen.
Ju hatte das Ganze von der Ferne beobachtet und fand, dass Eos' Bemühungen irgendwie niedlich waren...
Vor ein paar Monaten, hatte er versucht Kekse für Klaus zu backen, was zu einem angepissten Rhun geführte hatte, welcher Eos eine sicher 2 Stunden lange Standpauke gehalten hatte und schwor ihn nie wieder ohne Aufsicht in seine Küche zu lassen.
Verständlich, wenn man bedenkt, dass die Hälfte besagter Küche abgebrannt war.
Dennoch war Ju damals dazu gezwungen gewesen, sich davon abzuhalten, Eos einen Kuss auf die Wange zu drücken.
Nachdem dieser ihm nämlich stolz, oder so stolz wie ein Eos eine positive Emotion eben ausdrücken konnte, seine selbstgemachten, wenn auch etwas angekokelten, Kekse präsentiert hatte, konnte Ju spüren, wie sein Herz einen Schlag ausgesetzt hatte.
Ju seufzte verzweifelt. Ihm gefiel nicht, in welche Richtung sich seine Gefühle für Eos entwickelten. Erstens, hätte dieser beinahe die Welt zerstört und zweitens, war er offensichtlich nicht über Iris hinweg.
Und als ob Ju's Gedanken ihn heraufbeschworen hatten, unterbrach Eos' tiefe Stimme das laute Geschrei seiner Brüder.
"Was geht hier vor?", fragte er ruhig. Augenblicklich hörte der Osterhase auf, mit Kissen auf den Sandmann einzuschlagen. Wann hatten sie denn eine Kissenschlacht gestartet?
Und als wären sie alle von Dämonen besessen, drehten sich Klaus, Rhun, Zeke und Fips gleichzeitig in die Richtung, wo Eos hinter Ju stand und starrten mit weit offenen Augen.
'Creepy.', dachte Ju.
Langsam drehte er sich ebenfalls um und sein Blick traf auf eine starke Brust, welche sich mit ruhigen Atemzügen langsam hob und wieder senkte.
Ju schluckte. Vorsichtig hob er seinen Kopf und fühlte seinen Atem stocken. Scheisse, war das nah.
Er konnte spüren, wie sich sein Gesicht beim Anblick Eos' erwärmte und wusste, dass er rot wie eine Tomate war.
Bevor Ju jedoch zu sehr in seiner bi-panic versinken konnte, pinnte Eos seinen Blick auf ihn und nickte ihm zu. "Julien.", sagte er zur Begrüssung und Ju hätte schwören können, dass für einen kurzen Moment, ein Lächeln über Eos' Lippen gehuscht war.
'Seine Lippen sehen echt weich aus- Nein, Ju! Nicht der richtige Zeitpunkt für sowas!'
"Ähm, ja. Hallo, Eos.", presste Ju nach kurzem Zögern heraus. Eos nickte daraufhin erneut, aber anstatt wegzuschauen, blieben seine Augen auf Ju fixiert, als würden sie sein Gesicht scannen.
Fuck.
Ju konnte spüren, wie sich ein weiteres Mal Hitze auf seinem Gesicht breit machte. Wie erstarrt, blickte er direkt in Eos' eisblaue Augen und schluckte den Kloss in seinem Hals herunter.
Und gerade als Eos seinen Mund öffnete, um etwas zu sagen, landete ein Kissen in seinem Gesicht und unterbrach den, Ju's Meinung nach, viel zu intensiven Moment der beiden.
Das Kissen fiel zu Boden und langsam drehte Eos seinen Kopf, sein Blick auf seinen Brüdern. Ju sah ebenfalls rüber zur Couch.
Als hätten sie einen Geist gesehen, verharrten Fips und Zeke in einer Starre. Für einen Augenblick war es still und im nächsten bewegten sich alle ruckartig. Blitzschnell zeigten Klaus, Rhun und Fips auf Zeke.
"Er war's!", riefen alle drei.
Das schien Zeke endlich aus seiner Panik zu reissen. Empört sah er seine Brüder an und fluchte, "Ihr Petzen! Fips hat doch auch mitgemacht!"
Fips schnaubte und verpasste Zeke eine Kopfnuss. "Ich hab aber nicht das letzte Kissen geworfen! Und auch nicht in Eos' Richtung! Schieb das jetzt nicht auf mich, Zecke!"
"Zecke?! Ich geb dir gleich Zecke, du Abklatsch eines Känguru's!", fauchte der Sandmann und war gerade dabei sich aufzurappeln, um Fips eine zu verpassen, als die Zahnfee endlich aus ihrem Sessel aufstand und Zeke ihr Zepter über den Kopf donnerte.
"Jetzt haltet doch mal die Fresse, ihr Evolutionsbremsen! Seid ihr 7 Jahre alt?! Benehmt euch mal! Ausserdem haben wir einen Gast, verdammt noch mal!", rief sie aus, starrte ihre zwei jüngeren Brüder in Grund und Boden und zeigte auf Ju.
Und zum ersten Mal, seit Ju angekommen war, schenkten die vier Wächter ihm ihre Aufmerksamkeit. Vorsichtig hob er seine Hand und winkte ihnen zu. "Hi."
Santa lächelte ihn an. "Oh! Hallo, Eos' boyfr-" "Julien!", unterbrach Zeke schnell und hielt Klaus den Mund zu, welcher ihn darauf verwirrt ansah und die Hand von seinem Gesicht löste.
"Hey, was sollte das denn?", fragte er empört, bekam aber als Antwort nur eine Kopfnuss von Fips und einen Blick von Rhun, den Ju als "halt jetzt deine Fresse, sonst knallt's" deuten konnte.
Zeke ignorierte seine Brüder und grinste Ju an. "Na, Julien, wie geht's? Was machste hier? Bist du wegen Eos zu Besuch? Ach und ähm, sorry wegen dem Kissen, Eos."
Ju konnte spüren, wie Eos sich endlich bewegte und sich näher zu seinen Brüdern stellte. Er nickte. "Alles in Ordnung, Bruder.", sagte er sanft und man sah wie sich Zeke's Schultern entspannten. Die Wächter schienen Eos wohl immer noch nicht zu 100% vertrauen. Verständlich.
Ju räusperte sich und wagte es, auf Zeke's Fragen zu antworten. "Mir geht's gut. Ich bin hier, weil ihr wolltet, dass ich Eos beim Kochen helfe. Zahnfee- äh, ich meine Rhun, meinte, ich soll heute hier herkommen."
"Ach ja, stimmt! Fast vergessen.", sagte der Sandmann.
Das schien Eos zu überraschen. Er sah rüber zu Rhun und hob eine Augenbraue. "Julien soll mir beim Kochen helfen? Ich brauche doch keine Hilfe."Eos wusste nichts davon? Ju legte den Kopf schief.
Rhun's Blick verdunkelte sich. Er ging auf Eos zu und drückte diesem seinen Zeigefinger in die Brust. Eos mochte vielleicht einen Kopf grösser sein als Rhun aber wenn die Zahnfee einem die Leviten las, wurde sogar dem grössten und kräftigsten der Brüder mulmig. Zumindest sah Eos so aus.
Eindringlich sah die Zahnfee ihren älteren Bruder an und hisste mit dunkler Stimme "Und wie du Hilfe beim Kochen brauchst, Holzkopf. Muss ich dich daran erinnern, was das letzte Mal passiert ist, als du in meiner Küche rumexperimentiert hast?"
Ju sah wie Eos leicht schluckte, den Mund öffnete um was zu sagen, aber ihn dann direkt wieder schloss. Langsam bewegte Ju sich um neben Klaus stehen zu bleiben und ihm einen fragenden Blick zuzuwerfen. Dieser zuckte nur mit den Schultern.
Auf Eos' Schweigen hin entspannte sich Rhun wieder. "Nein,", antwortete Eos schliesslich sichtlich beschämt, "du musst mich nicht daran erinnern."
"Dann wirst du dir verdammt noch mal von Julien hier zeigen lassen wie man mit einer modernen Küche umgeht. Und ich schwöre bei allem was dir lieb und wert ist, wenn meiner Küche nochmal was passiert, werde ich dir die Zähne eigenhändig ohne Magie ausreissen. Klar?"
"Ja…"
"Gut."
Ju schauderte. So viel zur kleinen zarten Fee. Santa war der Erste, der das Ganze endlich unterbrach. Er legte eine Hand auf Rhun's Schulter. "Komm Rhun, beruhig dich mal. Deiner Küche wird schon nichts passieren und wenn doch, bezahl ich die Reparaturen, ja?"
Rhun schnaubte. "Du bist ein materialistisches Stück Scheisse, Klaus." Santa zuckte nur mit den Schultern.
"Tjaaaa, wenn das dann geklärt ist, können Julien und Eos ja loslegen! Freu dich doch, Bruder. Julien dies, Julien das, jetzt isser hier also zack, zack! Auf geht's!", rief der Sandmann und schob die beiden in Richtung Tür. "Wir sind schon 2k Wörter in, die Leser wollen endlich Moonbean interactions sehen!"
"Hey-! Warte mal-!", doch Ju wurde gekonnt ignoriert.
'Julien dies, Julien das? Redet Eos über mich?'
"Ach und hier, die sind für euch. Haben Fips und ich extra für euch anfertigen lassen!" Zeke warf Ju etwas aus Stoff zu und bei genauerem Hinsehen, konnte Ju erkennen worum genau es sich handelte.
Kochschürzen.
"Viel Spass euch beiden!", grinste der Osterhase und schlug mit Zeke ein.
Bevor Ju noch irgendwelche Einwände bringen konnte, schlug Fips die Tür vor seiner Nase zu. Auf der anderen Seite konnte Ju nur schadenfrohes Gelächter hören.
-
'Was zum fick war das denn-' er sah runter auf die Schürzen in seiner Hand und dann wieder hoch zu der geschlossenen Tür.
"Julien." Eos Stimme riss Ju aus seinen verwirrten Gedanken. Er sah hoch und lächelte gezwungen. "Ähm, ja?"
"Was haben meine Brüder wieder ausgeheckt? Wann haben sie dir gesagt, dass du mir Kochen beibringen musst?", fragte er mit zusammengezogenen Augenbrauen und verschränkten Armen. Ju spielte mit dem Stoff der Schürzen und überlegte. "Letze Woche als ich mit Joon und Julia hier war. Du wusstest also nichts davon?"
"Nein. Sie weihen mich nur selten in ihre Pläne und Spässe ein.", antwortete Eos und fing an zur Treppe zu laufen, welche Ju eben noch hochgekommen war. Hastig lief Ju ihm hinterher und passte sich seiner Gehgeschwindigkeit an um mithalten zu können.
"Achso...", murmelte Ju.
Stille und dann: "Ich nehme es ihnen nicht übel."
Eos Stimme war sanft, leise, als er dies sagte. Ju sah ihn an und hätte fast gesagt, dass er betrübt aussah. Schuldbewusst? Traurig? Schwierig zu deuten bei jemandem wie Eos. Gemeinsam stiegen sie die Stufen der langen Treppe hinunter.
"Ich dachte es läuft inzwischen gut mit dir und den anderen. Ist etwas passiert?", fragte Ju zögerlich.
Eos schüttelte seinen Kopf und lies ein kleines, verzweifelt klingendes Geräusch entweichen. "Nein, nichts ist geschehen. Vieles hat sich zum Guten gewendet für unsere Beziehung. Doch Klaus, Rhun, Zeke und Fips hatten 500 Jahre Zeit, ein eingespieltes Team zu werden. 500 Jahre, in denen ich nicht bei ihnen war und 500 Jahre, die ich damit verbracht habe, ihren Tod zu planen."
Ah stimmt, da war ja was.
"Naja du konntest ja auch nicht da sein, oder? Ich mein, sie haben dich zu Mondarrest verdonnert..."
"Sie hatten keine andere Wahl. Ich war geblendet von Wut, Hass und Trauer. Ich hätte damals nicht auf sie gehört. Ich habe ihnen weh getan, Fips schrecklichen Qualen unterzogen und verstehe nun, dass Zeke mich damals beschützt hat. Meine Brüder trifft keine Schuld.", Eos' Stimme hallte durch den langen Gang, den sie entlang gingen.
Ju konnte die Schwere seiner Worte bis auf die Knochen spüren. Schuldgefühle und Reue. Seinen Brüdern gegenüber. Dinge, die Eos vor knapp einem Jahr nie gesagt oder gefühlt hätte. Der Eos von damals hätte auch nicht mit Ju über seine Gefühle gesprochen. Gespräche wie dieses, hatten sich über die letzten paar Monate immer mehr angehäuft.
Und für Ju's Herz war das gar nicht gut. Doch er konnte Eos kaum etwas abschlagen. Ihm dabei zuhören, wie er über die verschiedenen Arten von Mondgesteinen redete, eingeschlossen.
Und obwohl Eos sich immer noch schwer tat Menschen zu mögen und ihnen zu vertrauen, schien er Ju sehr schnell akzeptiert zu haben. Von all den Menschen, die es gab, hatte er sich Ju ausgesucht um sich zu öffnen. Wenn er es nicht besser wüsste, würde Ju fast sagen, dass er besonders war.
Doch er wusste es sehr wohl besser. Eos tolerierte ihn. Nicht mehr.
Ju schlug sich innerlich selbst. Es ging gerade nicht um ihn, sondern um Eos. Er zwang sich erneut ein Lächeln auf und wagte es, seinem Begleiter sanft auf den Oberarm zu tätscheln.
"Du hast da recht, ja. Und es ist super, dass dir das alles bewusst geworden ist. Allerdings glaube ich, dass du etwas zu streng mit dir selbst bist und so. Ich kenne deine Brüder lange nicht so gut wie du aber, wenn du mich fragst, dann bist du der Einzige, der dir noch nicht vergeben hat. Und all der andere kitschige Scheiss, den Leute sonst noch so sagen..."
Eos stoppte. Er drehte sich so, dass sie sich gegenüber standen und blickte auf Ju herab. 'Fuck. Warum bist du nur so gross?'
"Das… klingt sehr weise."
"Hab ich von Zeke gelernt."
"Oh…"
"Ja…"
"Hm."
Ein kleines Lächeln schlich sich auf Eos' Gesicht und Ju stockte der Atem. Sanft legte Eos seine Hand über Ju's. Ach du Scheisse. "Danke, Julien.", sagte er in die Stille. Reflexartig zog Ju seine Hand zurück und steuerte in schnellem Tempo auf die Küche zu. "Kein Problem, haha. Komm, wir haben noch viel zu tun!"
-
Die Küche des Hotel's war gross und geräumig, genug Platz um sich auszutoben. Ohne dabei was zu zerstören natürlich. Ju kannte Rhun's zwei goldene Regeln für seine Küche. Eine Liste wurde genau dafür an die Eingangstür der Küche geklebt, ein fettbedrucktes A4 Blatt, welches von Minty laminiert und aufgehängt worden war:
Rhun's goldene Küchen Regeln:
1. Eos ist es ohne Aufsicht eines Erwachsenen nicht erlaubt die Küche zu betreten.
(Nein, Zeke gilt nicht als Aufsicht eines Erwachsenen.)
2. Zeke ist es ohne Aufsicht eines Erwachsenen nicht erlaubt die Küche zu betreten.
(Nein, Eos gilt nicht als Aufsicht eines Erwachsenen.)
(Keiner meiner Brüder gilt als Aufsicht eines Erwachsenen.)
(Nein, nicht mal Klaus.)
(Julien gilt als Aufsicht eines Erwachsenen. Vorerst. Vergeig's nicht, Julien.)
Ju legte seine Tasche und die Schürzen auf der grossen Kücheninsel ab und drehte sich zu Eos um, welcher die Liste der Regeln ansah, als hätte sie seine komplette Existenz beleidigt. Schmollte Eos etwa? Ju musste lachen.
Sofort drehte Eos sich zu Ju und sah ihn verwundert an. "Weshalb lachst du?" Ju konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und zeigte auf Eos' Gesicht. "Du hättest die Liste da beinahe mit deinem Blick durchlöchert."
Eos legte den Kopf schief und zog seine Augenbrauen verwirrt zusammen. "Die Liste mit meinem Blick durchlöchert? Julien, gewiss weisst du, dass so etwas nicht möglich ist." Ju schlug sich eine Hand vor die Stirn.
"Alter. Doch nicht wortwörtlich. Das sagt man nur so, ist ein Sprichwort. 'Wenn Blicke töten könnten' und so.", erklärte Ju. "Und wer sagt, dass du vielleicht nicht wirklich mit deinem Blick Löcher verursachen kannst? Du hast 500 Jahre auf dem Mond überlebt, Löcher in Wände zu starren klingt nicht allzu abwegig."
Eos nickte und bevor er noch mehr seiner Eos-haftigkeit an den Tag legen konnte, wechselte Ju das Thema. "Also. Ich soll dir zeigen wie man kocht, also hab ich für den Anfang was simples geplant. Wir werden Pfannkuchen machen."
Pfannkuchen waren was sehr einfaches wobei man nichts falsch machen konnte. Etwas, was kein Chaos und keine Unfälle verursachen sollte. Zumindest dachte das Gegenwarts-Ju.
Zukunfts-Ju würde das ganz anders sehen.
"Pfannkuchen.", wiederholte Eos und sah Ju interessiert an, während er das Rezept aus seiner Tasche fischte.
"Jap, Pfannkuchen. Da kann man nichts falsch machen. Sogar du solltest das hinbekommen.", grinste Ju und drückte Eos den Zettel mit dem Rezept in die Hand.
• 300g Mehl
• 1 TL Salz
• 600ml Milch
• 6 Eier
"Klingt simpel, oder?", fragte Ju. Eos nickte. Eos nickte viel. Eos eben.
Ju klatschte in die Hände und drehte sich wieder zu seiner Tasche um die Zutaten, welche er zuvor eingekauft hatte - denn auf keinen Fall würde er in der Öffentlichkeit mit Eos einkaufen gehen - auf ihrer Arbeitsfläche auszubreiten.
Er spürte wie Eos hinter ihm stand und fast schon neugierig, über seine Schulter schielte. Er war echt warm für jemanden, der so einen kühlen Charakter hatte. Ju konnte Eos' Wärme doch etwas zu sehr spüren. Er verspannte sich und trat schnell einen Schritt zur Seite.
"Wie wär's wenn du uns mal ne Schüssel und ein Litermass aus den Schränken kramst?", wies Ju an und zeigte hinter Eos, wo sich grosse Schränke befanden, welche er bereits letzte Woche durchstöbert hatte um sicher zu gehen, dass sie alles da hatten.
"Natürlich.", sagte Eos - etwas zu ernst - und drehte sich weg. Ju entspannte sich und seufzte erleichtert.
Während sein…Partner damit beschäftigt war seine Aufgabe zu erfüllen, schnappte Ju sich die Küchenwaage, welche Julia ihm heute Morgen mitgegeben hatte.
"Warum gibts du mir eine Küchenwaage? Die Zahnfee hat doch bestimmt eine eigene.", hatte Ju mit verwirrtem Blick gefragt.
Julia hatte nur gelächelt und ihm die Waage gegen die Brust gedrückt. "Die bringt Glück! Durch sie bin ich mit Rose zusammen gekommen!"
"Was-?"
"Ach nicht so wichtig. Los, geh schon!"
Ju wusste immer noch nicht was Julia damit hatte sagen wollen. Wie half den eine Waage dabei, zwei Menschen zusammen zu bringen? Und weshalb brauchte Ju das Glück?
Er seufzte leise. Julia hatte sich seit dem er sie kennengelernt hatte, kein Stück verändert. Sie war seltsam wie eh und je und erzählte die wirrsten Dinge.
Doch Ju wusste inzwischen, dass Julia nie log und eine Verrückte war sie auch nicht. Wenn sie was erzählte, stimmte das auch. So war die Wahrscheinlichkeit, dass eine Küchenwaage Julia mit ihrer geliebten Miami Rose verkuppelt hatte, tatsächlich höher als man es vielleicht dachte.
'Vielleicht hilft die Waage mir ja mit Eos? Bullshit. Das ist nur Wunschdenken…'
Ju biss sich auf die Lippe. Was für ne Scheisse.
Ein lautes Krachen holte Ju aus seinen Gedanken. Erschrocken drehte er sich um und stellte fest, dass Eos eine Schüssel fallen gelassen hatte und frustriert zu dieser Schüssel hinab sah. Als hätte das Teil seine Mutter beleidigt.
"Alles okay bei dir?", erkundigte er sich und unterdrückte ein Lachen.
Eos' Blick riss sich weg von der Schüssel und landete auf Ju. Er nickte langsam. "Ja, ich habe nur etwas fallen gelassen. Entschuldige, falls ich dich erschreckt habe, Julien."
Ju's Knie fühlten sich etwas wabbelig an. Wie immer, wenn Eos seinen Namen aussprach. Verdammt.
Ju winkte seine Sorgen ab. "Ne alles gut. Hast du alles? Komm her, dann zeig ich dir mal, wie man Pfannkuchenteig macht." Schnell hob Eos die Schüssel vom Boden auf, nahm das Litermass noch aus dem Schrank und trat neben Ju.
"Was ist mit den Schürzen, die Fips und Zeke für uns gekauft haben?", fragte er. Ju zuckte zusammen. Ach ja. Die Schürzen. Peinliche Schürzen. Es waren Partner Schürzen, auf denen fett bedruckt 'Husband' & 'Malewife' draufstand.
Erstens, war Ju keine Malewife und zweitens, wollte er sich auf keinen Fall solch eine Peinlichkeit antun. Er hatte schon genug mit seinen Gefühlen zu kämpfen. Eos als seinen Ehemann zu bezeichnen, wenn auch nur über dumme Schürzen, wäre sein Todesurteil.
"Ach, die brauchen wir nicht unbedingt.", sagte Ju hastig. Eos zog die Augenbrauen zusammen und verschränkte die Arme. Och ne. Nicht den grossen Bruder Blick jetzt.
"Meine Brüder haben sich extra die Mühe gemacht, diese Schürzen für uns anfertigen zu lassen. Ich möchte sie nicht enttäuschen.", meinte Eos bestimmt und sah ihn eindringlich an. Ju seufzte.
Gegen Big Brother Eos hatte er keine Chance. Eos war erstaunlich hartnäckig, wenn es um das Glück seiner Brüder ging. "Na schön.", gab Ju schliesslich nach und warf Eos die Schürze mit 'Malewife' zu. Ju weigerte sich, das selbst anzuziehen.
Eos lächelte zufrieden und nahm die Schürze entgegen. "Mahleewiifee? Was bedeutet das, Julien?"
"Malewife. Ist Englisch und bedeutet ähmmm… Bester grosser Bruder. Ja, genau!"
Er sah zu, wie Eos' Augen sich weiteten. Geradezu hoffnungsvoll sah er Ju an und strich sanft über den Aufdruck auf dem Stoff. "Wirklich?"
Oh fuck. Er glaubte ihm. Vielleicht war es etwas gemein, Eos' so anzulügen aber das musste er ja nicht wissen. Ausserdem, mochte Ju den Anblick eines glücklichen Eos'. Er sah niedlich aus. Win win, wenn man Ju fragte.
"Ja, wirklich.", murmelte er und wandte seinen Blick ab. Ob Eos genauso glücklich über die wirkliche Bedeutung gewesen wäre? Wahrscheinlich nicht.
"Und was bedeutet 'Huusband'?"
"Ähmm… das bedeutet… Aufsichtsperson?"
"…"
Ju lächelte schief, zog sich die Schürze über und wechselte schnell das Thema. "Lass uns einfach loslegen."
Eos nickte zustimmend und stellte sich neben Ju. Sehr nahe neben Ju. Verdammt. Nein. Entspann dich Ju. "Also, du kannst ja mal 300g Mehl abwiegen.", erklärte Ju, drückte Eos die Packung Mehl in die Hand und schob die Waage und die Schüssel zu ihm.
"Ich messe die Milch ab. Alles klar?" Eos gab ein bestätigendes Geräusch von sich und machte sich daran, die Packung aufzumachen.
Währenddessen nahm Ju sich das Litermass und die Milch - natürlich Laktose frei - und mass sorgfältig 600ml ab. Er hatte vergessen, wie schnell es ging Pfannkuchenteig zu machen. Er hatte es sich etwas komplizierter vorgestellt. So mit Eos' Hilfe.
Ju schielte rüber zu Eos, welcher behutsam und sehr langsam Mehl in die Schüssel gab. Er musste schmunzeln. Eos' Augenbrauen waren vor Konzentration zusammengezogen, seine Zungenspitze hing aus seinem Mundwinkel und seine Augen waren fixiert auf die Anzeigetafel der Waage.
Er gab sich alle Mühe. Der Anblick tat Ju's Herzen nicht gut.
Eos schien sein Starren nicht zu bemerken, zu konzentriert darauf, keinen Fehler zu machen. Ju spürte wie sich sein Gesicht wieder erwärmte. Zu gerne hätte er seinem Gegenüber einen Kuss auf die Wange gedrückt. Oder auf seinen Mund. Ju war nicht wählerisch.
Wieder nur Wunschdenken. Ju hielt sich davon ab einen frustrierten Seufzer von sich zu geben. Stattdessen hielt er sich mit beiden Händen an der Platte ihrer Arbeitsfläche fest. Vielleicht etwas zu fest, denn seine Knöchel wurden weiss.
"Julien?"
Ruckartig wurde Ju wieder in die Realität geholt. Eos sah ihn mit besorgtem Blick an. Scheisse. Hatte Ju vergessen ein fake Lächeln aufzusetzen? "Ja?"
Eos stellte das Mehl ab und drehte sich mehr zu Ju. "Ist alles in Ordnung? Du schienst abwesend." Fuck. Ju sah in Eos besorgtes Gesicht und hätte am liebsten geschrien. Er zwang sich ein Lächeln auf und nickte eifrig.
"Jep! Alles gut!"
Ju drehte seinen Kopf weg von Eos, nahm sich die Schüssel mit dem Mehl - 300g auf das Milligramm genau abgemessen - und wollte gerade die Milch hinzugeben, da spürte er warme Finger, die sich um sein Kinn schlossen und seinen Kopf zur Seite neigten.
FUCK.
"Bist du dir sicher? Du bist sehr rot im Gesicht. Hast du Fieber?" Eos Stimme war sanft, besorgt. Sein Daumen strich leicht über Ju's Kiefer. Ju's Gehirn brannte durch. Panisch schlug er Eos' Hand weg und stellte etwas Abstand zwischen ihnen her.
"Ja!", krächzte Ju, "Mir geht's gut. Lass uns einfach den Teig fertig machen, okay?" Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder der Schüssel zu und kippte die Milch zum Mehl. "Gib mir mal nen Teelöffel."
Eos zögerte. Es schien als wollte er noch etwas sagen, entschied sich aber dagegen. Ju sah zu wie er eine der Schubladen öffnete und einen Löffel heraus holte. "Danke.", murmelte Ju und schüttelte etwas Salz auf den Löffel.
Scheisse, war das awkward. Er konnte Eos' Blick auf sich spüren. Eindringlich und fragend. Lass das mal unterbrechen.
"Und?", fragte Ju in die Stille, "Hast du schon was für's Wochenende geplant?"
Eos löste sich aus seiner Starre und schüttelte den Kopf. "Nein."
"Echt? Was ist mit dem Weihnachtsmarkt am Samstag? Gehen du und deine Brüder nicht dahin? So als Familie."
"Was ist ein Weihnachtsmarkt?"
Ju stoppte und sah Eos verwundert an. "Du weisst nicht was ein Weihnachtsmarkt ist? Du weisst aber was Weihnachten ist, oder?"
Eos nickte und sah zu, wie Ju sechs Eier aus dem Karton nahm und ihm drei davon übergab. "Ja, Klaus hat mir die modernen Traditionen erklärt. Er hat jedoch nie von einem Weihnachtsmarkt gesprochen."
"Hier, brich mal die drei Eier auf und misch sie mit dem Rest in der Schüssel.", wies Ju ihn an und machte das Selbe mit den drei anderen Eiern.
Mit den Eiern beschäftigt, sprach Ju weiter.
"Ein Weihnachtsmarkt ist so ne Art Weihnachtsfest auf offener Strasse. Da gibts einen Stand für alles. Essen, Getränke, Geschenk Ideen… manchmal gibt's da auch Musik und Tiere. Und ganz viel Deko. Ist echt schön und die Atmosphäre ist geil."
Eos summte interessiert. "Das klingt wundervoll. Ich glaube jedoch, dass meine Brüder und ich nicht daran teilnehmen können. Rhun und Fips würden zu sehr auffallen, Zeke würde den Ort unsicher machen und Klaus ist sehr beschäftigt mit Vorbereitungen für das Fest.", sagte er mit den Augen fixiert auf seine Arbeit.
"Und warum gehst du dann nicht selbst hin?"
"Ich… tue mich schwer im Umgange mit Menschen und der modernen Sprache." Er lies das letzte Ei in die Schüssel plumpsen und nahm den Schwingbesen, den Ju ihm gab entgegen.
"Rühr die Suppe mal gut um." Eos nickte.
Ju grinste in seine Richtung und lies ihre Schultern streifen. "Also ich finde du machst das mittlerweile echt gut. Du musst ja nicht gleich Gen-Z Slang beherrschen."
Ju lächelte schief und sah wie Eos' Wangen sich langsam rosa färbten. Warte was-
"Wirklich?"
"Ja, wirklich."
"Danke, Julien."
Ju's Gehirn hatte wohl wieder einen Kurzschluss. Ohne nachzudenken, platze es aus ihm heraus.
"Ju."
"Was?"
"So nennen mich meine Freunde. Ju. Du kannst mich auch so nennen, wenn du willst."
Eos stoppte das Rühren und sah Ju nachdenklich an. "Ju.", sagte er langsam. In dieser tiefen, ruhigen Stimmlage, welche Ju zum schmelzen brachte. Das war eine dumme Idee gewesen.
Er schluckte. "Ja, Ju. Wir kennen uns jetzt schon ein Jahr. Ich würde sagen wir sind Freunde geworden, oder?" Er wollte mehr als nur Freundschaft aber das musste Eos ja nicht wissen.
"Freunde.", wiederholte Eos. Seine Augenbrauen zogen sich wieder zusammen. Er sprach das Wort noch einmal aus, sein Gesichtsausdruck frustriert, als ob er den Begriff nicht mochte.
Ju fühlte Nervosität in sich aufkommen. Hatte er sich getäuscht? Konnte Eos ihn in Wirklichkeit nicht leiden? "Äh, also wenn du nicht mit mir befreundet sein willst, dann ist das auch okay, weisst du? Ich verstehe dass du Menschen nicht sonderlich magst und-"
"Das habe ich nicht gesagt. Ich mag dich sehr gerne, Juli- Ju."
"Oh. Na dann. Das ist super. Ich mag dich auch, Eos. Du bist seltsam, aber du bist echt in Ordnung. Ähm. Wollen wir mal zum Herd? Den Teig haben wir ja fertig." Lieber schnell das Thema wechseln, bevor Ju's Gehirn noch einen weiteren Kurzschluss bekam.
Eos nickte, nahm die Schüssel mit Teig und folgte Ju zum Herd. Dort erklärte Ju ihm wie man einen modernen Herd sicher und korrekt bediente. Die ganze Zeit über, stand Eos mal wieder etwas zu nahe und Ju konnte sich kaum auf seine Erklärung konzentrieren. "Alles gecheckt?"
"Ja.", sagte Eos. Er nickte dabei und die Bewegung brachte etwas vom Teig dazu, über den Rand der Schüssel zu schwappen und auf dem Boden zu landen. "Oh, entschuldige."
Ju winkte ab. "Ach, kein Problem. Das können wir nachher aufwischen.", sagte er und holte eine Pfanne, eine Kelle, einen Pfannenwender und Öl aus den unteren Schränken. Er stellte die Pfanne auf den Herd, gab etwas Öl hinein und wartete darauf, dass es mit der Pfanne zusammen warm wurde.
"Also gut. Dann zeig ich dir mal, wie Pfannkuchen gemacht werden.", grinste Ju und tat genau das. Schritt für Schritt erklärte er Eos, wie man den Teig gleichmässig in der Pfanne verteilte und woran man erkennen konnte, dass die eine Seite braun war und man das ganze umdrehen konnte.
Er versuchte sich möglichst nicht von Eos' Nähe ablenken zu lassen. Er war so nah. Und warm. Und gross. Und Eos. 'Fuck. Konzentriere dich, Ju.'
Er zeigte Eos wie man einen Pfannkuchen in der Luft wenden konnte, ein Trick den Julia ihm beigebracht hatte. Dieser sah beeindruckt zu. Fast schon wie ein kleines Kind. Niedlich.
Behutsam legte er einen weiteren fertigen Pfannkuchen auf dem bereitgestellten Teller und fing den nächsten an. Allerdings spritze dabei etwas Öl aus der Pfanne auf Ju's Hand. "Fuck-!", fauchte Ju und zog die Hand weg.
Besorgt wandte Eos seinen Blick zu Ju und nahm seine Hand in seine. "Hast du dich verletzt?" Ju's Atem stockte. Eos' hand war warm und etwas grösser als seine. Verdammt, nicht schon wieder.
"Ähm nein. Alles gut, war nur ein bisschen Öl, nix passiert.", sagte Ju und wollte seine Hand wieder wegziehen. Doch Eos hielt sie fest und strich behutsam über seinen Handrücken, der besorgte Blick immer noch auf seinen Gesichtszügen.
"Echt, Eos. Mir geht's gut. Versprochen.", versuchte es Ju. Endlich schien Eos ihm zu glauben. Doch anstatt seine Hand loszulassen, hob er sie etwas höher zu seinen Lippen und drückte einen sanften Kuss auf die Haut dort.
Und das, meine lieben Leser, war Ju's Todesurteil. Sein Gehirn setzte total aus. Sein Gesicht färbte sich augenblicklich so rot wie eine Tomate, sein Herz schlug schneller, als die Zahnfee ihre Launen wechselte und seine räumliche Wahrnehmung löste sich in Luft auf.
Ohne nachzudenken wich er einen Schritt zurück, knallte mit den Ellenbogen gegen die Schüssel mit dem Restteig und brachte sie zu fall.
Alles schien in Zeitlupe zu geschehen. Im einen Moment hatte Eos nach ihm gerufen und war auf ihn zu gelaufen und im nächsten, rutschte er auf dem Teig aus und fiel nach vorne. Gegen Ju. Dieser knallte mit dem Rücken gegen den Rand nahe am Herd und konnte sich gerade noch so aufrecht halten.
Die Zeit lief wieder normal. Langsam öffnete Ju seine Augen - wann hatte er sie geschlossen?- und sah hoch. Ach du scheisse-
"Alles in Ordnung, Julien?", fragte Eos.
Eos, welcher viel zu nahe stand. Eos, welcher sich mit beiden Armen auf beiden Seiten von Ju auf der Kücheninsel aufrecht hielt und ihn somit eingekesselt hatte. Eos, welcher unmenschliche - haha, get it? - Wärme von sich gab and sehr gut roch.
Eos, in welchen Ju sich wohl oder übel verliebt hatte. Fuck.
War Ju in einem K-Drama gelandet? Oder einer Fanfiction? Das war doch wohl ein schlechter Scherz.
"Julien.", wiederholte Eos. "Ist alles in Ordnung?"
Ju schluckte. Er brachte kein Wort heraus. Wie auch? Eos war so nahe. Seine Lippen auch. Wenn er es wollte, hätte er ihn jetzt küssen können. Aber das ging nicht. Eine sanfte Berührung auf seiner Stirn riss ihn aus seinen Gedanken.
Eos hatte seine Stirn gegen seine gelegt und sah ihm in die Augen. Ach du Scheisse. "Ju.", sagte er besorgt. "Geht es dir gut?"
"Ich äh-" Die Tür öffnete sich und in ihr stand der Sandmann. Dieser starrte die beiden eine Sekunde lang an. Dann brach er in hysterisches Gelächter aus. „Alter! Das glaubt mir kein Schwein!", grölte er.
Zeke lachte für eine gute Minute durch bis er es schliesslich schaffte, sich genug zu beruhigen um vernünftige Sätze zu bilden. "Ich bin also der cockblocker der Geschichte? Die Autorin hat Geschmack, muss man sagen. Tja, euch noch viel Spass, ja? Aber nicht zu viel!"
Lachend verliess Zeke die Küche wieder. "Fips!", hörte Ju ihn schreien, "Du schuldest mir 50 Tacken!"
Was zum- Und da öffnete die Tür sich erneut. Diesmal stand die Zahnfee da und sah Ju direkt in die Augen. Ihr Blick wanderte zum Boden, welcher mit Teig verschmiert war und dann wieder zu Ju und Eos.
"Rhun-", versuchte es Eos.
"Nein.", sagte Rhun und verliess ohne ein weiteres Wort die Küche.
Stille.
Vorsichtig wagte Ju es Eos anzusehen. Sanft drückte er eine Hand gegen seine Brust um ihn von sich zu schieben. "Ähm, wir sollten wohl den Boden sauber machen." Doch dann roch er es. Rauch. Fuck, der Pfannkuchen.
Ju drehte sich zum Herd und stellte frustriert fest, dass der Teig in der Pfanne komplett verbrannt war und rauchte. "Scheisse!", rief er aus und nahm die Pfanne schnell vom Herd.
"Das war's dann wohl mit Kochen für heute, was?", sagte Ju. Eos nickte betrübt. Betrübt? "Ach komm, wir versuchen's einfach ein anderes Mal."
Eos sah Ju überrascht an, fast schön glücklich. "Du würdest wieder mit mir kochen?"
Ju nickte. "Klar. Ich hatte Spass."
Eos lächelte. "Ich auch."
"Gut. Aber lass uns lieber aufräumen, sonst bringt uns dein Bruder noch um."
-
Ju atmete erleichtert aus und liess sich gegen die Eingangstür des Hotel's fallen. Was für ein wilder Tag. Nach dem Fiasko mit dem Teig, hatten er und Eos die Küche blitzeblank geputzt. Was sehr viel besser verlief, als das Kochen.
Die gelungenen Pfannkuchen hatten sie den Wächtern gegeben, welche sich darüber gefreut hatten. Zumindest hatten sie was leckeres gemacht.
Dennoch hatte Rhun ihnen, mit auf den Hüften gestemmten Händen, einen Vortrag zum Thema Vorsicht in einer Küche gehalten. Ju hatte eine Verwarnung bekommen. Nochmal Glück gehabt.
Fips und Zeke hatten die beiden nur ausgelacht bis Eos die beiden fest umarmt hatte und sich bei ihnen für die 'tolle Schürze' bedankte. Die beiden jüngsten hatten Ju verwirrt angesehen, welcher nur mit den Schultern gezuckt hatte.
Nun konnte Ju endlich nach Hause. Er war müde und erschöpft. Zu viele Emotionen an einem Tag.
"Ju."
Eos. Nicht schon wieder. Ju öffnete seine Augen und sah ihn an. Er sah nervös aus? "Eos.", sagte er.
"Du gehst nach Hause?."
"Ja. Bin echt müde."
"Ich verstehe. Ich möchte dich noch etwas fragen, bevor du gehst."
Ju liess seinen Hinterkopf wieder gegen die Tür fallen und schloss die Augen. "Schiess los."
"Würdest du mir sie Ehre erweisen und mich am Samstag zum Weihnachtsmarkt begleiten?"
Ju's Augen öffneten sich schlagartig und überrascht sah er Eos an. "Was? Ich soll mit dir auf den Weihnachtsmarkt? Du und ich? Zusammen?"
Eos schien von Ju's Antwort verunsichert zu sein. "Du musst natürlich nicht, wenn du das nicht möchtest-"
"Doch! Möchte ich. Sehr gerne sogar, Eos.", Ju lächelte zögerlich.
Eos lächelte zurück. "Das freut mich."
"Cool. Na dann. Man sieht sich."
"Auf wiedersehen, Julien."
"Ju."
"Ju."
Ju lächelte nochmal. Er öffnete die Tür und wollte verschwinden. Doch etwas in ihm hielt ihn davon ab. Fuck it. Er drehte sich um, stand auf seinen Zehenspitzen und drückte Eos einen schnellen Kuss auf die Wange.
Kaum war es geschehen, war es auch schon vorbei und Ju wartete nicht auf Eos Reaktion. Schnell drehte er sich wieder weg, schritt durch die Tür und schloss sie hinter sich.
Okay er hatte eben Eos einen Kuss gegeben. No big deal. Er würde am Samstag mit dem selben Eos auf den Weihnachtsmarkt gehen.
Fuck.
