Actions

Work Header

Von Tatorten und T-Shirts

Summary:

Eigentlich wollte sie wirklich dringend wissen, warum Adam Leos Shirt trug. Sie war es ja gewohnt, dass die beiden viel teilten. Das kam wahrscheinlich damit einher, seit Jahren befreundet zu sein. Aber T-Shirts waren selbst für die beiden einen Schritt zu weit.

(Und wenn sie außerdem einen nicht zu ignorierenden Betrag in der bürointernen Wette hatte, dann ging das ja wohl niemanden was an außer sie und Rainer.)

oder

Adam lernt, dass ihm zu kleine Shirts stehen, Pia ist müde und Esther wartet auf ihren Chef (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge).

Notes:

Spatort Shenanigans pt 2 electric bogaloo (alternativ: charlie hat wieder eine endlose Vorlesung, die sie andersweitig nutzt) (by fall out boy)

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Leo und Adam waren immer noch nicht da.

6.30 morgens. Saarbrücken lag noch in tiefem Schlaf, nur die Straßenlaternen und das grelle Licht im Präsidium erleuchteten die Dunkelheit. Irgendwo klapperte eine Tastatur, ein Frühaufsteher hatte es wohl mit ihnen auf die Arbeit geschafft.

Pia neben ihr hatte ihren Kopf auf den Tisch gebettet, und Esther hatte noch kein Wort von ihr vernommen außer ein gestöhntes Guten-Morgen, als sie auf ihren Stuhl geplumpst war.

Adam und Leo waren noch nicht da. Nicht weiter verwunderlich. Esther konnte nur ihren Kopf schütteln und rieb sich die Stirn. Seit Adam da war, ließ Leo sich gehen. Am Anfang hatte sie es nicht verstehen können, und eigentlich konnte sie es immer noch nicht.

Esther Baumann hatte klare Regeln auf der Arbeit. Anders wurde sie nicht ernst genommen. Das hatte sie schnell gelernt, ganz alleine in der Ausbildung und dann später, alleine auf dem Präsidium. Sie konnte es sich nicht erlauben, sich Freiheiten zu nehmen, etwas nicht nach Protokoll zu machen.

Ihre Regeln waren ihr Schutzschild, hinter dem sie sich ducken konnte, wenn es unangenehm wurde.

Sie wusste jetzt, dass Adam in Leo die Seiten herausholte, die er seit fünfzehn Jahren weggesperrt hatte. Sie wusste jetzt, dass mit Adam ein Stück Leo zurückkam, den seit vielen Jahren niemand mehr gesehen hatte.

Für Unpünktlichkeit hatte sie allerdings immer noch absolut keine Toleranz.

Eigentlich war es sogar Leo gewesen, der sie um diese frühe Uhrzeit aufs Präsidium zitiert hatte. Anscheinend ist in der Nacht ein neuer Fall reingekommen- er und Adam waren schon am Tatort gewesen und wahrscheinlich würden sie zusammen noch einmal hinfahren. Warum Adam und Leo nachts um drei zusammen unterwegs waren, wollte sie gar nicht wissen. Sie wollte sich gar nicht ausmalen, in was für eine Katastrophe die beiden schon wieder verstrickt waren.

Pia war noch nicht zu gebrauchen. Irgendwo fand Esther es ja niedlich, wie Pia sie verschlafen anblinzelte und dann verzweifelt versuchte, ihr Gähnen zu verstecken. Aber sie war definitiv noch keine gute Gesprächspartnerin- Esther erhielt nur Brummen als Antwort- und so musste sie sich die Zeit anders totschlagen.

Sie hatte Kaffee gekocht, Brötchen geholt, dem Flurfunk gelauscht. Es war noch nicht viel los, anscheinend waren Adam und Leo in Leo's Auto zum Tatort gefahren, Pia war erst um zwei Uhr nachts gegangen, Beate hatte einen neuen Hund. Nichts besonderes also.

Sie war gerade dabei, eine dösende Pia zu wecken. Wenn sie sich dabei ein wenig mehr Unfug erlaubte als sonst- es würde ja wohl niemand außer Pia erfahren.

Und Pia bot gerade eine so schöne Angriffsfläche. Kopf auf die Arme gebettet, auf dem harten Bürotisch, der sicher nicht bequem war. Ihr Pferdeschwanz erlaubte eine klare Sicht auf ihren Nacken, und Esther hatte sich die Hände extra kalt gewaschen.

Wer im Dienst einschlief, musste mit den Konsequenzen rechnen.

Pia schreckte auf wie eine Katze, die in eine Wasserpfütze getreten war. Ihr Stuhl rutschte quietschend nach hinten, eine Kaffeetasse wankte gefährlich, und japste empört auf.

"Du Sadistin!“

Dann schwang die Türe auf.

Esther erstarrte mit ihren Händen in Pias Nacken.

Adam und Leo hatten offensichtlich nicht geschlafen. Das war das erste, was ihr auffiel. Irgendetwas musste am Tatort passiert sein, war das zweite. Beide waren verschwitzt, an Leos Hose klebte Dreck und Staub. Adams Fingerknöchel waren rot angelaufen und unter seiner Nase klebte immer noch ein wenig Blut.

“Schön, dass wenigstens ihr beide Spaß habt”

“Adam”, warnte Leo seinen Begleiter. Esther konnte Adam diesmal nicht einmal böse sein für seinen rauen Ton. Sie schienen eine schlimme Nacht gehabt zu haben.

Trotzdem ließ sie sich betont Zeit, ihre Hände von Pias warmen Nacken zu lösen. Dann lächelte sie die beiden an, ihre gespielte Freundlichkeit perfektioniert

“Euch auch einen guten Morgen." Stille. Dann ließ sie das Lächeln fallen und fragte mit besorgtem Blick, "Geht es euch gut?”

Die beiden nickten stumm und Esther spürte, wie sich die Spannung aus ihren Schultern verzog und sie in sich zusammensackte. Es waren Momente wie diese, in denen sie sich schlagartig wieder bewusst wurde, wie gefährlich ihr Job war.

Pia hatte ihren Kopf leicht angehoben und spähte zu den beiden hoch. Anscheinend war sie immer noch nicht ganz unter den Lebenden angekommen, denn sie murmelte ihre Frage nur vor sich hin. Wahrscheinlich war sie sich nicht einmal bewusst, dass sie diese laut ausgesprochen hatte.

Hören tat man sie durch den leisen Raum trotzdem glasklar.

“Sagt mal, habt ihr T-Shirts getauscht?”

Wäre nur Leo da gewesen, wäre es Esther vermutlich nicht einmal aufgefallen. Er trug meistens enge Shirts, ja, aber ihn in einem größeren Shirt zu sehen, war besonders im Sommer nicht ungewöhnlich. Ein weißes, luftiges Shirt, welches nur oben von seinem Schulterholster eingeengt wurde, war nicht weiter seltsam. Dass Leo gar keines solcher Shirts besaß, musste nix heißen. Schließlich hätte er sich ja eins kaufen können.

Aber Adam- Adam, der größer war als Leo- Adam, sah aus, als sei sein grünes T-Shirt drei Nummern zu klein. Seine Jeansjacke konnte nicht verbergen, dass ihm das Shirt beinahe in die Haut schnitt.

Vor allem aber kannte Esther das Shirt. Esther kannte das Shirt, weil Leo es ständig anhatte und der Saum sich langsam abnutzte. Weil es kleine Löcher hatte, von einem Einsatz, in dem er sich im Kies gewälzt hatte. Weil es einen Fleck hatte, der sich nicht mehr auswaschen ließ.

Und Adams grünes Shirt hatte einen kaputten Saum, die Löcher, die sich mit der Enge spannten und den Fleck an genau derselben Stelle wie auch auf Leos Shirt.

Das war Leos Shirt, und Esther sah zu einer immer noch schläfrigen Pia, die ihre Augenbraue hob und ihr Mundwinkel zuckte. Das war Leos Shirt und Pia wusste das genau so gut wie Esther.

Adam zog eine Augenbraue hoch.

„Ich wusste nicht, dass Klamotten-Analysen jetzt Teil der Polizeiausbildung sind.“, fauchte er Pia an und die hob nur beschwichtigend ihre Hände.

“Ich will's gar nicht wissen.” seufzte Esther und wiegelte damit jeden Erklärungsversuch ab.

Das war eine Lüge.

Eigentlich wollte sie wirklich dringend wissen, warum Adam Leos Shirt trug. Sie war es ja gewohnt, dass die beiden viel teilten. Das kam wahrscheinlich damit einher, seit Jahren befreundet zu sein. Aber T-Shirts waren selbst für die beiden einen Schritt zu weit.

(Und wenn sie außerdem einen nicht zu ignorierenden Betrag in der bürointernen Wette hatte, dann ging das ja wohl niemanden was an außer sie und Rainer. Sie war vielleicht regeltreu, aber keine Langweilerin).

”Was ist passiert?”

“Der Täter ist immer noch auf Flucht. Hat Adam und mich auf dem Weg zum Auto angegriffen. Hatte sich wohl vor der Streife versteckt und wir kamen ihm zu nahe. Phantombilder werden gerade gezeichnet und die Fahndung ist schon gesetzt.”

Esther nickte. Ähnliches hatte sie schon vermutet.

Leo ging dazu über, ihnen von dem Mordfall zu erzählen, der die beiden überhaupt in so eine Situation gebracht hatte. Soweit Esther verstand, schien es ein typischer Eifersuchtsmord zu sein. Dass der Täter zwei Beamte angegriffen und verletzt hatte und jetzt auf der Flucht war, sprach nicht für seine Unschuld. Trotzdem mussten sie allen Spuren nachgehen, und so teilten sie sich ihre Arbeit.

Während Leo seine Jacke über sein (zu großes Shirt) gezogen hatte und schon halb durch die Tür war, drehte er sich noch einmal um. Seine Augen funkelten gefährlich, und Esther schoss das Bild eines kleinen Kindes durch den Kopf.

“Und Pia?”

Leo klang ganz unschuldig. Es passte nicht in das Bild vor ihr, seine verstaubte Hose, das Blut an seiner Wange.

Pia saß inzwischen aufrecht, und blinzelte ihn misstrauisch an. “Ja?”

“Du hast da noch Sabber.”

Damit drehte er sich um und ging Adam hinterher, mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Pia ließ ihren Kopf wieder fallen und stöhnte. Esther konnte ihr nur zustimmen.

“So ein Arschloch”

Der Rest des Tages verging im Flug. Sie und Pia überprüften offene Fragen, fuhren gegen Mittag noch einmal zum Tatort, warteten auf die Fahndungsergebnisse. Leo und Adam trugen immer noch das Shirt des Anderen. Jetzt, wo sie es einmal gemerkt hatte, war es unmöglich, das Ganze zu ignorieren.

Vielleicht waren die beiden wirklich nur im Stress gewesen und hatten ihre Shirts verwechselt. Vielleicht war rein gar nix passiert zwischen den beiden, und sie hatten sich nur zu einem Bierchen getroffen und Adam hatte bei Leo gepennt. Vielleicht nicht.

Esther wusste es nicht. Das Büro wusste es auch nicht. Aber als sie vom Tatort wiederkamen, hatte es sich schon im Büro rumgesprochen und sie öffnete ihren Posteingang zu einer Mail von Rainer, der sich zum Kaffee trinken treffen wollte. Was auch immer vorgefallen war, der Flurfunk hatte bereits eine eigene Idee entwickelt.

Und es bot ihr eine perfekte Möglichkeit für Rache. Und weil sie wusste, dass Rache am süßesten war, wenn sie wartete, ließ sie den Tag verstreichen. Sie waren produktiv gewesen, hatten echte Fortschritte gemacht, deswegen hatte Leo entschieden, sie alle früher nach Hause zu schicken.

Bevor sie die Bürotür hinter sich schloss, drehte sie sich noch einmal um. Pia war schon vor einer halben Stunde gegangen, nur Adam und Leo saßen noch um den Tisch herum, in irgendeine hitzige Diskussion vertieft.

Adam gestikulierte wild mit den Händen, während Leo sich entspannt zurücklehnte, die Ellbogen auf die Stuhllehne gelegt, ein amüsiertes Schmunzeln auf den Lippen. Esther seufzte innerlich. Egal, worüber sie redeten– es war bestimmt eine Mischung aus Arbeit und persönlichem Unsinn.


Aber dann wurden seine Züge ganz sanft, und seine Augen verloren die Härte, die er durch den Tag trug. In ihrem Kopf hatte Esther es das “Adam-Lächeln” getauft.

Sie lehnte sich an den Türrahmen, und warf den beiden noch einen Blick zu, bevor sie sich räusperte.

“Schönen Feierabend. Und Adam?”

“Ja?”

Adam hielt inne und guckte zu ihr hoch. Sie musterte ihn einen Augenblick und zog eine Augenbraue hoch.

“Leos Shirt ist zu klein für dich”

Esther lachte, schloss die Tür hinter sich und hörte noch ein “Steht dir aber gut”, gefolgt von Adams genervtem „Oh, halt die Fresse, Leo!“ durch den Flur hallen, bevor sie sich endgültig in den Feierabend verabschiedete.

Notes:

Man könnte diese Szene in eine undefinierte Zeit vor Knutschflecken und Kollegen ansiedeln, wenn man möchte. Für mich ging es viel eher darum, die Dunkelheit von EdN durch ein bisschen Leichtigkeit zu vertreiben, und wenn mir das gelungen ist, freut mich das :)

Wenn es euch gefallen hat, freue ich mich immer rieeeßig über Kudos und Kommentare! Ich bin echt bisschen überwältigt von den Fandom- Passt alle auf euch auf Mausis, ihr habt nur das beste verdient <3