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Fandom:
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Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Series:
Part 12 of Spatort Oneshots
Stats:
Published:
2025-08-14
Words:
834
Chapters:
1/1
Kudos:
16
Hits:
229

Diese Augen

Summary:

"Dumpf spüre ich das Gewicht seines Kopfes auf meiner Schulter und höre seinen leisen, gleichmäßigen Atem neben meinem Ohr."

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Während einer gemeinsamen Nachtschicht döst Adam ein und Leo kann gar nicht anders, als ihn einfach nur anzusehen...

Work Text:

Dumpf spüre ich das Gewicht seines Kopfes auf meiner Schulter und höre seinen leisen, gleichmäßigen Atem neben meinem Ohr.

Es muss schon eine Weile her sein, seit er eingeschlafen ist, ich mache jedoch keine Anstalten, ihn zu wecken. Wäre er doch lieber zuhause geblieben. Aber er wollte mich die Nachtschicht einfach nicht allein machen lassen, egal was ich ihm auch gesagt habe. Dabei sollte er sich eigentlich ausruhen, seine gebrochenen Finger sind ja kaum richtig abgeheilt…

Stumm betrachte ich den Mann neben mir aus dem Augenwinkel. Bequem sieht das ja nicht aus, wie er sich über zwei Armlehnen hinweg auf meiner Schulter platziert hat. Nur einen Moment die Augen zu machen, hat er gesagt. Aus dem Moment wurde natürlich eine halbe Stunde. Und dann eine ganze. Danach habe ich aufgehört, zu zählen, diese Nachtschicht wird ja doch nicht so bald enden, da soll mich eine Stunde mehr oder weniger Gesellschaft auch nicht weiter stören.

Selbst im Schlaf sieht er gestresst aus. Diese Falte zwischen seinen Augenbrauen scheint dort bereits zu sein, seit ich ihm mit 16 das erste Mal begegnet bin. Und sie wird dort wahrscheinlich auch noch eine ganze Weile lang bleiben. Ich glaube nicht einmal, dass es für ihn einen Unterschied macht, dass er jetzt weg ist. Denn das, was er ihm damals angetan hat, wird ihn wahrscheinlich bis zu seinem letzten Atemzug verfolgen. Selbst ich werde diese verdammten Erinnerungen von damals nicht mehr los, obwohl er mir ja gar nichts angetan hat. Wie muss es ihm dann gehen, ich kann es mir gar nicht ausmalen. Besonders gut mit Sicherheit nicht, schließlich müssen die dunklen Ringe unter seinen Augen ja einen Grund haben.

Unter diesen wunderschönen, blauen Augen. Ich könnte ihm den ganzen Tag lang in die Augen schauen, so sehr fesseln sie mich jedes Mal, wenn sein Blick meinen trifft.

Mit größter Mühe wende ich meine Augen von dem schlafenden Mann neben mir ab und richte ihn auf den Bildschirm vor mir, auf den wir bis vor einigen Stunden noch gemeinsam geschaut und nach Hinweisen gesucht haben. Auch wenn ich die Arbeit jetzt allein machen darf, allein seine Wärme neben mir macht das alles schon erträglicher.

Kaum merklich spüre ich, wie sich sein Atem neben mir beschleunigt, was er wohl träumt?

Etwas unsanft reißt Pia mich aus meinen Gedanken, als sie, zum Glück wenigstens leise, zur Tür rein kommt.

„Ihr seid ja so süß, das tut fast schon weh.“ Mit einem Grinsen blickt sie mich an, ich jedoch werfe ihr nur einen Todesblick zu, als sie kurzerhand ihr Handy zückt, um diesen Zustand fotografisch festzuhalten. Und ich weiß ganz genau, dass meine Gesichtsfarbe dank ihrem Kommentar einer Tomate gleicht. Toll…  

Ohne weitere Worte macht sie sich wieder auf den Weg zu ihrem Schreibtisch, stellt den Kaffee darauf ab und macht sich daran, den nächsten mit Dokumenten vollgestopften Ordner zu durchforsten. Hätte man uns mal früher erklärt, dass Polizeiarbeit größtenteils darauf besteht, Akten zu wälzen…

„Nein, bitte –“ Nach eine Weile nehme ich Adams leise Stimme neben mir wahr, ein Blick zu ihm verrät mir jedoch, dass er noch immer schläft. Er ist seit den letzten Minuten jedoch immer unruhiger geworden und diese Gesichtsausdruck macht mir langsam Sorgen. Auch Pia blickt mich mit einem unsicheren Blick an, will mir wahrscheinlich signalisieren, ihn aufzuwecken, womit ich jedoch zunächst warte. Vielleicht ist es ja nichts Schlimmes und er kann den Schlaf wirklich brauchen.

Doch keine zehn Sekunden später schreckt er schon von selbst auf.

„Leo…nein…NEIN-“

Mit angsterfülltem Blick reißt er seinen Kopf von meiner Schulter empor und seine Augen füllen sich mit Tränen, während er sich hektisch, offenbar nach mir, umsieht.

„Adam, ich bin da, ich –“ meinen Satz kann ich kaum zu Ende bringen, da schließt er mich schon stürmisch in seine Arme und stürzt uns beide samt Stuhl dabei zu Boden.

„Leo, er hat dich geschlagen und ich konnte nichts tun und du, du lagst einfach so da und hast dich nicht bewegt. Ich hatte solche Angst um dich, ich dachte du–“ Bei seinen schmerzerfüllten Worten kommen mir fast selbst die Tränen, sodass ich ihn noch etwas näher an mich ziehe, trotz der Stuhllehne, die sich schmerzhaft in meine Wirbelsäule drückt.

„Es ist alles gut, ich bin hier und mir geht’s gut, und er ist nicht mehr da. Er kann mir nichts mehr tun und dir auch nicht.“ Bei meinen Worten entspannt er sich merklich und scheint endlich in die Realität zurückzufinden. Nachdem er mich noch einmal ansich gedrückt hat, lässt er von mir ab und befördert sich etwas unbeholfen wieder auf die Füße. Mich zieht er vorsichtig ebenfalls wieder vom Boden hoch und scheint sich offensichtlich etwas für seinen Ausbruch zu schämen.

Ich ziehe ihn jedoch ohne zu zögern und ohne auch nur einen Blick an die offensichtlich verwirrte Pia zu verschwenden erneut in eine dieses mal bedeutend bequemere Umarmung. Er nimm sie dankend an und vergräbt sein Gesicht in meiner Halsbeuge, sodass ich meinen Kopf leicht auf seinem ablegen kann, er scheint diese Wärme wohl genauso zu genießen, wie ich.

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