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Cotta hielt den Anblick kaum noch aus. Und er hasste sich dafür.
Das Gefühl, das ihm beißend und kratzend im Magen saß, ihm den Hals zuschnürte, seine Augen brennen ließ und in seiner Brust stach, ging weit über das hinaus, was er normalerweise als Sorge oder Angst bezeichnen würde. Er hatte keinen Namen dafür.
Und er hatte es leicht. Er saß nur am Schreibtisch in seinem Büro und sah auf den Bildschirm, wo der Live-Stream lief.
Nichts von dem, was er spürte, war auch nur ansatzweise mit dem vergleichbar, was Justus ertragen musste.
In einem kahlen Raum war Justus an einen Stuhl gefesselt, sein Oberkörper von Wunden übersät, sein Gesicht sah nicht viel besser aus.
„Wir können einen Pause machen, du musst nur zugeben, dass es wehtut.“ Blechern klang die verzerrte Stimme des maskierten Mannes aus dem kleinen Computerlautsprecher.
Anstatt das Angebot anzunehmen, starrte Justus weiter unbeirrt in die Kamera. Starrsinnig wie er eben war.
Der Teil von Cotta, der ihn nicht stumm anschrie, es sich nicht schwerer zu machen als notwendig, war schmerzhaft stolz auf Justus’ Willensstärke.
Ein Klopfen, nur zur Vorwarnung, ehe die Tür geöffnet wurde. Auch ohne den Blick vom Bildschirm zu wenden konnte Cotta schon aus Goodweens Art, den Raum zu betreten, die Nachricht lesen.
„Kein Erfolg?“, fragte er trotzdem.
Knapp über dem Monitor sah er Goodweens enttäuschtes Kopfschütteln. „Niemand da. Wir haben das ganze Gelände auf den Kopf gestellt.“
Abwesend nickte Cotta. Biss die Zähne zusammen, während er zusah, wie die glühende Metallspitze in Justus’ Haut drückte. Beinahe konnte er das verbrannte Fleisch riechen.
„Musst du dir das wirklich anschauen?“ Goodweens Stimme war leise, geradezu sanft.
Cotta antwortete nicht. Wusste nicht, wie er erklären sollte, dass er das Gefühl hatte, Justus im Stich zu lassen, wenn er nicht zumindest auf diese Weise bei ihm blieb.
