Work Text:
>> Erzähler POV<<
„Also, wer kann mir denn sagen, was „pulcher" bedeutet?"
Mike saß nur da und starrte in die Leere. Woher sollte er das denn wissen? Mal wieder meldete sich nur eine, die, die immer nur Einsen schrieb. Natürlich. Wer denn sonst?
„Also wirklich, immer das Gleiche mit euch. Semper idem! Immer dasselbe! Leute, ihr schreibt Latein-Abi. Das ist Stoff der 6. Klasse. Ihr müsst den Grundwortschatz draufhaben, das wird sonst nichts. Ich hab mein Abi schon. Ich mache das für euch."
Bla Bla Bla.
Ja, ja. Semper Idem. Diese Katrin redet doch auch immer dasselbe.
Katrin. Was ein schrecklicher Name.
Mikes Blick wanderte aus dem Fenster. Diese Stunde hatte er keine Nerven mehr für Latein, wenn er das denn jemals gehabt hätte. Er konnte einfach nicht anders, als in den Gedanken schon völligst bei dem Geplanten für heute Nachmittag zu sein.
Heute Nachmittag war noch hin, leider.
Darum starrte er jetzt aus dem Fenster.
Schnaubend sah er Regentropfen bei dem veranstalten von Wettrennen zu, doch als der Regen heftiger wurde, war das zu langweilig geworden. Sein Blick wanderte weiter. Er sah eine Landstraße, befahren von Autos, die ihre Wege fuhren. Er sah einen Kuckuck, wie er sich versuchte vor den Ergüssen zu schützen, und eine Klasse der Unterstufe, wie sie von einer Exkursion, völlig durchnässt, zurückkamen.
Bis auf den Regen war alles dasselbe. Semper idem.
Wenigstens zwei Wörter würde Mike im Latein-Abi nicht nachschlagen müssen.
Er sah weiterhin durch die Glasscheibe nach draußen.
Das war nicht wie immer. Ein Lächeln vor lauter Vorfreude schlich sich auf Mikes Lippen.
Dort unten, im strömenden Regen, stand ein unbeholfener Mann mit Regencape.
Mike hatte ihn sofort erkannt.
Der Mann schien sich zu bemühen, nicht von der Unterstufenklasse bemerkt zu werden. Bewusst versank sein Gesicht in dem übergroßen gelben Mantel.
In der Hand hielt er einen Strauß voller mitgenommener Blumen.
Hugo, das war dieser Mann, der jetzt kläglich versuchte die Blumen irgendwie aufrechtzuhalten.
Das ließ Mike nur noch mehr schmunzeln. Er wusste, dieser Hugo war nur für ihn hier.
Aus seiner Starre wurde Mike wieder von Katrin gerissen: „Also, bis Montag lernt ihr gefälligst den neuen Wortschatz und bitte wiederholt das erste Zehntel des Grundwortschatzes. Über den Lernwortschatz frage ich aus, der Grundwortschatz muss bis nach den Weihnachtsferien sitzen. Verstanden?"
So schnell war Mike noch nie weg gewesen. In Windeseile hatte er alles eingepackt und war aus dem Klassenzimmer gestürmt.
Der Schneeregen wurde ignoriert, als Mike aus dem Schulgebäude herauskam.
Er wollte nur noch zu Hugo.
„MIKEY"
„HUGI"
Sie schrien vor Freude.
Sie fielen sich in die Arme. Mike konnte die harten Enden der Blumen in seinem Rücken spüren, genauso wie die kalten Tropfen, die auf seinem Kopf landeten, doch das war egal. Sie blendeten alles um sich herum aus.
Mike war schnell genug gewesen, so waren die beiden die Ersten vor dem Schulhaus.
Die Umarmung löste sich.
Lange sahen sich die beiden in die Augen. Dann lehnte sich Mike vor und küsste Hugo. Nur ein kurzer Peck, doch es lag genug Gefühl darin. Die beiden Münder sehnten sich nach mehr, lehnten sich einander zu, doch mehr war ihnen nicht vergönnt.
Sie lösten sich.
Hugo war sichtlich rot, das brachte Mike zum Kichern.
Hugo hielt nun den Strauß Mike hin. Hugo hatte es nicht geschafft, die Köpfe aufrecht zu halten, das brachte Mike noch mehr zum Kichern.
Und als Hugo dann nuschelte: „Hab Blumen für dich", wobei er fast schüchtern wirkte, da gab das Mike den Rest. Er brach in schallendes Gelächter aus. Hugo lachte mit.
Mike nahm ihn bei der Hand und zog ihn in Richtung Hugos Auto, in der Hoffnung, noch halbwegs trocken aus dem Regen zu kommen.
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„KOMM DU BASTARD KOMM ENDLICH! WIR VERPASSEN NOCH DEN ZUG WEGEN DIR!"
Eine tolle Idee war es, uns beiden Vollpfosten zuzutrauen alleine mit dem Zug an den Christkindlmarkt in Frankfurt fahren zu lassen. Einmal wollten wir umweltbewusst sein und den Zug nehmen, und schon waren wir zu spät.
„BROOO, DER ZUG FÄHRT DIR GLEICH NOCH VOR DER NASE WEG, WENN DU FEINER HERR DICH NICHT MAL DAZU ENTSCHEIDEST, AUCH ZU RENNEN!"
Damit überholte er mich. Und ich rannte hinterher.
Außer Atem hatten wir uns in einen Zweierplatz fallen lassen, sobald wir drinnen waren. Ein Vierer war auch frei gewesen, doch ich genoss die angenehme Nähe zu Hugo.
Mein Kopf lag auf seinem und wir atmeten erst mal nur. Das war auch schön, ihn so zu spüren.
„Was machen wir heute?", frage ich ihn.
„Na, auf den Weihnachtsmarkt gehen, du Dulli."
Die Stimmung hatte sich wieder gelegt. Mich richtig zu beleidigen gelang ihm nicht. Er war viel zu lieblich, wenn er mein Haar in seine Finger eindreht.
„Ja, aber was machen wir da?"
„Keine Ahnung, das, was wir immer so machen?"
Ich löste mich genervt aus der innigen Umarmung. Ich hatte mich so gefreut, und jetzt machen wir nichts Außergewöhnliches? Ich will heute mal kein normales Date. Ich will etwas, dass noch nie jemand gemacht hat. Aber was?
Hugo schien meine abrupte Kälte und mein Augenrollen aufgefallen zu sein.
„Hey, mein Liebling, was ist denn los?"
Einen komischen Blick bekam er dafür von der Frau hinter uns sitzend, doch das war uns egal. Jetzt war uns das egal. Mit Schmollen war ich dennoch noch nicht fertig.
Ich überlegte akribisch, was wir denn an einem Weihnachtsmarkt machen könnten, was niemand dort macht, ohne als unerzogen rüberzukommen.
„Mann Hugi, ich weiß doch auch nicht. Weißt du, es ist immer dasselbe, die Schule, die Umgebung, das Gerede. Ich will was machen, was noch nie jemand gemacht hat, checkst du?"
Er lag seine Stirn in Falten. Er überlegte nun auch.
„Ja, ich checke. Aber was?"
„Das hab ich mich auch schon gefragt. Da gibt es einfach nichts!"
„Willst du denn überhaupt auf den Weihnachtsmarkt?"
Er sah niedergeschlagen drein. Ich konnte ihm das nicht antun, nach all der Planung, die er hinter sich hatte.
„Nein, so ist das doch nicht, ich will dort was machen. Es ist ne wirklich gute Idee, wirklich Hugi."
Seine Augen leuchten etwas auf.
Als er nichts mehr erwidert, versinke ich wieder ins Grübeln.
Ich sah ihn an. Und dachte.
Er war bezaubernd. Alles an ihm. Seine langen Wimpern, seine Lachfalten, seine Grübchen, seine kometblauen Augen, seine runde Nase.
Pulcher.
„Du bist wirklich Pulcher." Sage ich ihm.
Fragend schaut er mich an. Das macht ihn noch mehr zum Anbeißen.
„Du Bastard, du weißt, ich habe nie Latein gelernt! Was heißt das? Hast du mich beleidigt?"
Er schlug mir leicht gegen die Brust, spielerisch aufgebracht. Er wusste es nicht, aber er war ein Genie.
Bei dem Wort "lernen", verbunden mit Latein, einer Fremdsprache, war mir eine brillante Idee gekommen.
Ich war kein Muttersprachler in Latein, darum kannte ich nicht alle Wörter. Zumindest nicht die Ungebräuchlichen. Hugo war kein Muttersprachler in Deutsch. Er kannte nicht alle Wörter, zumindest nicht die Ungebräuchlichen.
Während wir durch den Markt laufen würden, könnte ich ihm so manche beibringen.
„Ich hab's!"
„Schnukki, was hast du? Was bedeutet denn jetzt Pulcher?
„Ich hab, was wir machen können!"
„Was denn? UND BRO SAG MIR, WAS PULCHER BEDEUTET!
„Du wirst schon sehen, komm, wir müssen aussteigen!"
Tatsächlich war der Zug gerade im Frankfurter Hauptbahnhof eingefahren.
Ich schnappte mir meinen Rucksack und sprintete aus dem Zug.
Als „HEY DU BASTARD WARTE" hinter mir herkam, musste ich mir ein Kichern unterdrücken. Bei meiner Größe würde der mich schon finden.
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„Sagst du mir jetzt endlich, was wir machen?"
Schrie ich meinen Freund jetzt schon locker zum zehnten Mal an. Den ganzen Weg hinüber hatte ich ihn durchlöchert, doch er wollte mit der Sprache nicht hinausrücken. Ich könnte ihn in Grund und Boden schlagen, genau so wie letzte Woche als er 4 Sechsen hintereinander bei Mario Party gewürfelt hatte. Da hatte ich ihn auch geschlagen, doch irgendwie waren wir am Ende beim Knutschen gelandet, doch darüber will ich jetzt nicht nachdenken. Jetzt will ich ihn schlagen.
Zu sehr in meiner Wut versunken rannte ich auf einmal in ihn rein. Warum war er stehengeblieben?
Ich blickte hoch. Ich sah ein wunderschönes Eingangstor. Das Tor, das direkt in den Frankfurter Weihnachtsmarkt führte.
Mike nutzte meine Bewunderungsphase aus.
Ich spürte einen Finger auf meinen Lippen, und schon sah ich mir sein Gesicht genau gegenüber.
„Shh, jetzt sei doch endlich mal ruhig. Du wirst schon sehr bald erfahren, was ich mit dir vorhabe."
Mein Ärger über ihn war schon wieder verflogen. Es blieb nur noch zu hoffen, dass er nicht dasselbe wie gestern Nacht mit mir vorhat. In der Öffentlichkeit wäre das peinlich.
„Na komm jetzt!"
Sanft nahm er nun meine Hand und zog mich hinein in das Getrubel.
Er führte mich an einen Stand, der Uhren verkaufte.
Die Uhren waren schön, handgemacht und fast schon antik aussehend.
Mit seinem Zeigefinger zeigte mein Freund auf eine große, hölzerne Standuhr.
„Was ist das?"
„Was meinst du? Das ist eine Uhr?"
„Ich meine, was ist das, was da drauf liegt?"
Ich stieg auf die Zehenspitzen, lurrte, doch ich konnte nichts entdecken. War das Teil seines wundervollen Planes?
„Hä? Was ist da?"
„Staub liegt da drauf, du Winzling."
„Und was soll ich jetzt sagen?"
„Na, wie man speziell diesen Staub nennt."
„Bro, woher soll ich das wissen, keine Ahnung, Uhrenstaub?"
Halb zufrieden, halb unzufrieden kam er rüber, wie auch immer er das schaffte. Anscheinend hatte ich recht gehabt.
„Ok, komm mit."
Er zog mich weiter an einen nächsten Stand. Was hatte er jetzt schon wieder vor?
Es war ein schöner Stand. Einer mit natürlich dekoriertem Handwerk. Die Verkäuferin grüßte freundlich, ich versuchte das ebenfalls. Ein gewisser überdrehter Mike an meinen Händen wusste das jedoch zu verhindern.
Mit den hoffnungsvollen Augen eines Kindes blickte er mich an und lenkte, als ich seinen Blick aufgegriffen hatte, unser nun geteiltes Sichtfeld in Richtung einer am Boden stehenden Lampe.
„Und das Hugi, wie nennt man das?", flüsterte er in mein Ohr.
Obwohl wir schon seit einem halben Jahr zusammen waren, ließen mich solche kleinen Gesten immer noch rot werden. Dieser Hund schaffte es doch immer wieder! Er sollte sich aber nichts darauf einbilden! Ich kniete mich hin, um angeblich die Laterne besser zu inspizieren. Eigentlich wollte ich nur nicht, dass er meine Verlegenheit bemerkt.
Es war Moos auf der Lampe.
„Ist es eine Mooslampe?"
Ich stand wieder auf und sah ihn an, diesen wunderschönen Mann.
Er schlug mich leicht.
„Du bist zu gut." Flüsterte er und fing danach an zu kichern.
An sich ist daran nichts falsch, doch dieser Bastard hatte das im selben Ton wie gestern Nacht gesagt. Er spielte offensichtlich darauf hin.
„Ich hasse dich."
Flüsterte ich zurück. Ich tat das wirklich, vom ganzen Herzen.
„Ich hasse, dass du diese tolle Spielidee langweilig und kaputt machst!"
Ey, der hatte doch nicht die Eier gehabt, MIR das ins Gesicht zu sagen?
„Ich mach die Idee kaputt? Was war das überhaupt für ne scheiß Idee?"
Sauer schlug ich meinen Kopf in seine Brust.
Der Ärger war verflogen, als ich diese außergewöhnlichen Bauchmuskeln spürte.
Er nahm meinen Kopf in die Hände, hatte gemerkt, ich war nicht mehr wütend. Er lehnte sich schon näher. JAA ENDLICH WIEDER!
-Knarz-
Er schrak zusammen.
Verwirrt sahen wir uns um.
„Muss wohl das Dach der Holzbude gewesen sein", sagte er.
Tatsächlich war dort eine Katze am Klettern.
„Hat ganz schön geknarzt." Fügte er noch hinzu.
„Holzbudenkrachen." Das sagte ich dieses Mal.
Lächelnd sah er mich an.
„Warum ist mir so ein magischer Mensch gegenüber? Diese Laterne ist mindestens so magisch wie du. Mosslaternenmagie."
Ich machte weiter, weil es ihm zu gefallen schien.
Er stimmte mit ein.
„Warum ist es hier so angenehm zauberhaft? Überall hängen Lichterketten. Lichterkettenzauber."
„Ich habe Hunger. Es duftet so lecker nach Lebkuchen, lass uns dem Lebkuchenduftpfad folgen!", so gab ich den Anlass, uns in Bewegung zu setzen.
Wir erfanden viele Wörter, als wir in der Schlange für Glühwein und Süßes standen.
Wir flüsterten einander ununterbrochen zu. Glühweinflüstern.
Es fing an zu schneien, wir teilten uns eine Tüte Marzipan, 100 g. Marzipanschneegestöber.
Die Zimtsterne auf unseren Tassen glitzerten im Mondlicht, Zimtsternfunkeln.
Man konnte alle Punschgläser besonders gut von den anderen unterscheiden, Punschbecherglühnen.
Die Stimmung war ausgelassen wie sonst was.
Kaum mit dem Essen fertig, wollte klein Mike schon wieder eine Zuckerwatte haben.
Bekam er natürlich. Das große Grinsen auf seinem Mund war es wert. Und der kleine Kuss, den ich mir als Dankeschön abholte, schmeckte auch nicht schlecht.
Leider hatte Mike keine Geduld, und wollte unbedingt mit der Zuckerwatte auf so ein Himmelkarussel. Wir sahen also zusammen dort, er vor mir, Zuckerwatte essend, Brust an Brust.
Mal wieder flüsterte ich ihm etwas zu. Von hinten, in sein Ohr: „Zuckerwolkenkarussel."
Er lachte. Das schönste Geräusch dieses Universums.
Damit ging der ganze Spaß weiter.
Ihm war kalt, er hauchte mich an, Frosthauchfunkeln, denn er funkelt immer.
Weil ihm kalt war, holte er sich einen Kakao, der warm war. Er dampfte, ich bezahlte, zurückbezahlt bekam ich eine Umarmung. Kakaodampfumarmung.
Es ging den ganzen Tag so. Es war der beste Weihnachtsmarktstag aller Zeiten.
Auch dieser musste leider zu Ende gehen.
Beim Rückweg sahen wir einen kleinen, süßen Modellzug. Mit Fenster.
„Zugfenster!"
Sagte Mike enthusiastisch.
Ich lachte sehr laut los.
„Das gibt's doch schon, oder?"
„Gibt's die Anderen sicher nicht?"
„Safe."
Niemals hatte je ein Mensch schon mal so was Blödes gesagt.
„Willste wetten?"
„Wieso nicht? Du wirst verlieren!"
„Wer's glaubt."
„Worum wetten wir?"
Es schneite. Wir überlegten und waren still. Schneestillschweigen.
Mir kam etwas in den Sinn.
„Wenn ich gewinne, sagst du mir, was pulcher bedeutet. Wenn du gewinnst, kriegst du einen Kuss."
„Krieg ich den nicht auch so?", fragte Mike hoffnungsvoll.
„Nee, heute nicht, du warst unartig!", war meine Antwort darauf.
„Ok, dann haben wir einen Deal."
Er gab mir die Hand, wie einem Businesspartner, als hätte er nicht schon ganz andere Dinge von mir angefasst.
„Deal." Sagte ich trotzdem.
Wir liefen weiter Richtung Ausgang, kamen dabei noch einmal bei dem Stand vorbei, als alles begann.
Ich hatte einen Einfall.
„Eyy, Mikey, kannst du mir vielleicht noch gebrannte Mandeln kaufen? Ich gehe solange noch aufs Klo."
Er schluckte die Ausrede sofort und ging los. Kaum war er außer Sichtweite, ging ich direkt auf die Verkäuferin zu.
Ich zahlte, das würde sein Weihnachtsgeschenk werden, zumindest eines davon. Für mich wäre es auch ein Geschenk, mich immer wieder an diesen Tag zurückerinnern zu können. Sie war nicht allzu groß, behutsam verstaute ich sie in meinem Rucksack.
Ich sah Mike schon, und wollte losgehen, da sagte die Dame hinter dem Tresen:
„Ein schön frohliches Paar seid ihr beiden. Ich wünschte, ich hätte je den Mann meiner Träume gefunden. Ihr seid richtige Topweihnachtsseelenverwandte."
Ich lächelte freundlich zurück. Eine nette Frau.
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>> Mike POV <<
Wir saßen wieder im Zug. Er schlief halb auf meiner Schulter ein. Ich war auch müde, es war ein verdammt schöner und außergewöhnlicher Tag gewesen.
Aber ich konnte jetzt nicht schlafen. Ich holte mein Handy heraus und begann pragmatisch zu googeln.
„Mosslatenenmagie", „Zuckerwolkenkarussel", „Holzbudenkrachen", dazu geschrieben: „Gibt es diese Wörter irl?"
Die Antwort war Ja. Hatte ich doch recht gehabt. Komposita nennen sie sich. Ein anderer Mensch dieser Erde hatte diese Begriffe also schon mal verwendet. Also doch, Semper Idem, immer dasselbe. Menschen sind zu unkreativ, um sich etwas Neues auszudenken. Alles ist immer gleich.
Doch dann sah ich ihn an, diesen unfassbar tollen Mann, und mir war klar, es war nicht „Semper Idem", wenn er bei mir war. War es nicht heute nur ein ganz normales Date gewesen? Ja. Dennoch war es so schön wie nie zuvor, weil Er da war.
Meine Idee hat nicht geklappt, auf Krampf etwas Besonderes zu machen, doch am Ende hatten wir Spaß gehabt, und das ist, was zählt.
Ich sage es ihm, obwohl er verloren hat. Er ist der beste Mensch auf diesem Planeten.
„Hugo, Schatz, pulcher bedeutet schön. Ich hab dich nie beleidigt."
Er brummte nur. Ich hatte ihn geweckt. Lächelnd strich ich ihm bloß eine Haarsträhne aus dem ruhigem, schönem Gesicht.
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-Extracut: 2 Wochen Später, Weihnachten-
>> Mike POV <<
Alles war festlich und schön geschmückt. Unser erstes Weihnachten, zusammen, als Paar.
Ja, ja, leckeres Essen gab es und so, aber jetzt kommt es auf das Beste an: GESCHENKE!
„Hugo, Hugo, BITTE BITTE darf ich als Erstes auspacken?"
Er lachte nur, als wäre ich ein kleines Kind, welches keine Geduld zum Warten hat.
„Bei uns ist Tradition, der Jüngste darf zuerst auspacken. Wer ist wohl der Jüngste?"
Er grinste. Meine Zahnräder ratterten kurz, dann sprang ich auf. Mein Haufen war kleiner als der der Anderen, normal, denn ich gehörte ja (noch) nicht offiziell zur Familie. Es war aber schon eine beträchtliche Menge. Wegen diesem fickreichem Hurensohn.
Als erstes griff ich zu einem kleinen, quadratischen Päckchen. Schüttelte es kurz und riss das Papier herunter.
Normal bin ich ja kein Deko-Fan, aber das, das war wunderschön. Die Mooslampe, die wir an unserem Weihnachtsmarkt-Date gesehen hatten.
Ich bekam noch viel Anderes, Teureres von Hugo, aber diese Lampe war am wichtigsten für mich.
Als ich schon alles außer einem Umschlag geöffnet hatte, fiel ich ihm um die Arme.
„Ich liebe dich so sehr", sage ich ihm, und ich meine es.
„Ich liebe dich auch, Mikey." Und er meint es.
„Weißt du was?", flüstere ich ihm nun mal wieder ins Ohr.
„Was?"
„An diesem Tag, wo wir die Laterne gesehen haben, die Wörter, die gab's schon. Du bist mir noch meinen Wetteinsatz schuldig."
„Und was war das?", hauchte er. Dieser Bastard wusste es ganz genau.
„Ein Kuss." Hauchte ich.
Und das bekam ich.
Einen Richtigen. Die Lichter hinter uns verschwommen, die Geräusche vom raschelnden Geschenkpapier verstummten. Es gab nur noch ihn und mich. Hugo und Mike.
Zwei Verliebte, die sich hielten.
Später öffnete ich noch den Umschlag, der noch übriggeblieben war. Eine handgeschriebene Weihnachtskarte von ihm.
Unterschrieben mit: -dein Topweihnachtsseelenverwandter <3
Ich hasse und liebe diesen Bastard zugleich.
