Actions

Work Header

the kiss you never tasted

Summary:

Fünf Momente, in denen Kai und Jule sich fast küssen und der eine, in dem sie es tun.

Notes:

Hallooo,

ich hatte die Idee für diese Fic vor einer Weile, aber hab mich immer nicht richtig rangetraut, aber jetzt habe ich mich endlich hingesetzt und sie geschrieben und ich muss sagen ich bin sehr zufrieden mit dem was dabei rausgekommen ist.
Soweit ist alles fertig geschrieben, also plane ich daily updates.

Wie immer gilt: Alles was ihr hier lest ist rein fiktional und spiegelt nicht die tatsächlichen Persönlichkeiten und Beziehungen, der realen Personen, auf denen die Geschichte basiert wider.

Viel Spaß beim Lesen <3
-🦔

Chapter 1: Mai 2018

Chapter Text

Jule ist zweiundzwanzig, als es das erste Mal passiert.

 

Schon von dem Tag, an dem er das erste Mal mit ihnen trainiert hat, wusste Jule, dass Kai besonders ist.

Damals ging es dabei natürlich noch darum, wie Kai Fußball spielt, Jule kannte den Jungen ja noch gar nicht. Dass Kai auf jede erdenkliche Weise besonders für Julian ist, das kam erst später. Nachdem Kai fester Bestandteil der Profimannschaft wurde.

Sie haben etwas Zeit gebraucht, um miteinander warm zu werden, es war mehr Kai, der immer wieder den Kontakt zu Jule gesucht hat, aber umso mehr Zeit sie miteinander verbrachten, umso klarer war es auch für Jule, dass das, was sie haben, keine normale Fußballfreundschaft ist. 

Es ist schwer in ihrem Beruf enge Freundschaften aufzubauen, das weiß Jule, auch wenn er erst Anfang zwanzig ist. 

Du verstehst dich mit einem Teamkollegen gut, ihr verbringt bei den Trainings, an den Spieltagen, bei Events viel Zeit miteinander, ihr werdet Freunde, dann wechselt einer den Verein und der Kontakt wird langsam aber sicher weniger und dann fängt das Ganze wieder von vorne an. 

Und es ist nicht so, dass Jule ein Problem mit diesen Umständen hätte, er versteht sich eigentlich immer mit den verschiedensten Charakteren gut und lernt gerne neue Leute kennen, trotzdem hofft er, dass es mit Kai anders wird, weil seine Freundschaft zu Kai irgendwie anders ist.

 

Ja, Jule mag seine anderen Teamkollegen, aber Kai ist eben besonders, mehr als nur einer seiner Kollegen und auch wenn er sich im Moment noch nicht vorstellen kann, dass sich ihre Wege auf sportlicher Ebene bald trennen würden, hat er das Gefühl, ihre Freundschaft würde einen Wechsel gut überstehen. 

Immerhin verbringen sie auch abseits des Platzes fast jede freie Sekunde miteinander. Kai taucht eigentlich ständig unangekündigt bei Jule auf oder sie verabreden sich nach dem Training und an ihren freien Tagen. Und Jule verbringt seine Zeit auch mit niemandem lieber als mit Kai, selbst wenn ihm manchmal auch niemand sonst so sehr auf die Nerven geht wie Kai. 

Irgendwann kommt es sogar so weit, dass Jule, wenn er ausnahmsweise mal vor Kai beim Training auftaucht, direkt danach gefragt wird, wo er den anderen gelassen hat.

 

Es wundert ihn auch nicht, dass Kai “Ist das mein Hoodie?” fragt, als er jetzt wieder aus seinem Schlafzimmer kommt. Sie sind, wie so oft, zusammen nach dem Training zu Jule gefahren und während Jule sich einen frischen Hoodie angezogen hat, weil sie durch den Regen zu Jules Auto laufen mussten, hat Kai seinen einfach ausgezogen und sich im T-Shirt auf Jules Couch breit gemacht. 

Jule zuckt mit den Schultern. “Kann sein.”

Eigentlich ist Kai mittlerweile schon fast bei Jule eingezogen und es tauchen immer wieder Klamotten von ihm in Jules Schrank auf, also ist es nicht unwahrscheinlich, dass er sich aus Versehen einen von Kais Hoodies genommen hat. Irgendwie fühlt er sich jetzt noch ein bisschen kuscheliger an und Jule nimmt sich einen Augenblick Zeit, um die Wärme, die davon ausgeht, richtig aufzunehmen.

Kais Blick bleibt einen Moment an Jule hängen. “Steht dir”, meint er dann und streckt Jule einen Controller entgegen. 

 

Ein paar Runden Mario Kart, die Jule gewinnt, später hat Kai genug. 

“So eine Scheiße”, meckert er und knallt seinen Controller auf den Tisch, als Jule wenige Sekunden vor ihm über die Ziellinie fährt. 

Jule grinst nur selbstgefällig in sich hinein. 

“Grins nicht so blöd”, motzt Kai. “Du gewinnst nur, weil du den besseren Controller hast.”

“Als ob das einen Unterschied macht.” Jule wird sich seinen Triumph nicht so leicht absprechen lassen, besonders nicht von Kai, der einfach nur ein schlechter Verlierer ist.

“Gut, dann macht es dir ja auch nichts aus, wenn wir tauschen”, stellt Kai fest und greift nach dem Controller in Julians Händen. Der hält ihn fest in seinem Griff.

“Doch, weil ich mich jetzt schon eingespielt hab.”

“Dann spielst du dich eben nochmal neu ein”, protestiert Kai und versucht ein zweites Mal, ihm den Controller aus den Händen zu nehmen. Jule rutscht ein Stück von ihm ab. 

Eigentlich hätte er gar kein Problem damit zu tauschen, wenn es nicht Kai wäre, den man einfach zu leicht ärgern kann und bei dem es auch einfach mehr Spaß macht, ihn zu ärgern, als bei anderen. 

“Jetzt gib her, Digga”, befiehlt Kai und greift wieder nach dem Controller. Jule reckt seinen Arm in die Luft, bevor Kai ihn erreichen kann und grinst, als er Kais Gesicht sieht.

“Du hast es so gewollt”, kündigt Kai an und bevor Jule etwas erwidern kann, wirft Kai sich mit seinem gesamten Gewicht auf ihn.

“Kai!”

Eine wilde Rangelei bricht auf dem Sofa aus, bis Kai triumphierend den Controller in die Luft streckt. “Ha! Gewonnen!”

Jule schüttelt den Kopf. “Denkst du wohl”, sagt er und versucht, den Controller wieder an sich zu reißen, wobei sie vom Sofa plumpsen und unsanft auf dem Boden landen. Sie sehen sich einen Moment an, bevor sie in Gelächter ausbrechen. Jule lehnt lachend seine Stirn an Kais Schulter. Was er dabei nicht erwartet, ist, dass Kai die Gelegenheit nutzt, um sie umzudrehen und wieder die Oberhand zu gewinnen. 

Für einen Augenblick ist Jule perplex. “Gib doch einfach zu, dass ich besser bin”, sagt er dann, noch ein wenig außer Atem. 

“Niemals”, sagt Kai. Kurz sieht es so aus, als würde er noch etwas hinzufügen wollen, doch er bleibt still. Stattdessen sieht er Jule an und lässt den Controller sinken, als wäre er auf einmal unwichtig. Es wäre der perfekte Augenblick für Jule ihn ihm wieder wegzunehmen, doch irgendwas hält ihn davon ab. Sein Fokus bleibt auf Kai, der ein Gesicht macht, als würde er gerade angestrengt versuchen etwas zu verstehen. Jule sieht ihn fragend an. 

Die Stimmung ist auf einmal eine ganz andere, aber Jule kann nicht festmachen, wo die plötzliche Spannung herkommt. 

Er fühlt sich seltsam verwundbar unter Kais intensivem Blick. Am liebsten würde er ihm irgendwie ausweichen, doch etwas hält ihn davon ab, sich von seinem besten Freund abzuwenden. Sein Herz schlägt schnell und als Kai sich runterbeugt fühlt es sich an, als würde es gleich aus seiner Brust hüpfen. Wenige Zentimeter vor Julians Gesicht hält Kai inne. Sein Atem geht schwer, Jule kann ihn auf seiner Haut spüren. Er beobachtet, wie Kais Augen an seinen Lippen hängen bleiben und ein Gedanke schleicht sich in seinen Kopf.

Was, wenn er mich jetzt küsst?

Ja, was dann? Die Antwort macht ihm Angst, denn wahrscheinlich würde er es einfach passieren lassen. 

Was Jule noch mehr Angst macht, ist das, was der Gedanke daran, dass Kai ihn jetzt einfach küssen könnte, in ihm lostritt. 

Denn irgendwie will er jetzt, dass Kai es tut. Auf einmal ist er neugierig. 

Neugierig, wie sich Kais Lippen anfühlen. 

Neugierig, wie Kai ihn halten würde, wenn sie sich küssen würden. 

Neugierig, wie es sich anfühlen würde, seine Hände in Kais Locken zu vergraben.

Neugierig, auf jede Einzelheit. 

Also wartet Jule. Er wartet darauf, dass Kai es tut. 

Aber Kai tut nichts, verharrt nur in seiner Position.

Am liebsten würde Jule ihn einfach darum bitten ihn zu küssen, doch es ist, als hätte er vergessen, wie man spricht. Aber vielleicht ist es besser so, denn plötzlich ertönt Kais Klingelton und sie zucken zusammen. Kai sieht Jule mit großen Augen an, dann springt er auf und schnappt sein Handy. Er wirft einen Blick auf das Display, so kurz, dass Jule sich nicht vorstellen kann, dass er irgendwas darauf erkannt haben kann und sagt: “Ich muss da ran.”

 

Erst als Kai den Raum verlässt, kommt die Realisation und es trifft Jule wie ein Meteoriteneinschlag, worüber er gerade nachgedacht hat, worum er Kai gerade bitten wollte. Er fährt sich einmal mit den Händen über das Gesicht, dann steht er endlich vom Boden auf. 

Was zur Hölle. 

 

Als Kai zurückkommt, ist er kurz angebunden, stammelt irgendwas von wegen, er muss nach Hause und ehe Jule sich versehen kann, sagt er “Wir sehen uns im Training” und ist verschwunden.

Jule versteht nicht, was gerade passiert ist. Und er versteht erst recht nicht, wie sehr dieser Moment sein Leben verändern wird.