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Segen

Summary:

Megumi bedeutet Segen. Doch es ist ein tradioteneller Mädchen-Name. Und Fushiguro Megumi wurde als Junge geboren. Megumi-Charakterstudie.

Notes:

Disclaimer: JJK ist nicht mein geistiges Eigentum und ich verdiene kein Geld damit.

Spoilerwarning: Vage Manga-Spoiler, sowie Spoiler für Staffel 3

Pairing: Itafushi

Warnings: Gender-Disphoria, Erw. von Transsexualität und Non-Binärer Geschlechteridentität, Angst, diese Fic hat kein Happy End

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Segen

 


 

Sein blöder Vater hatte beschlossen, dass sein Kind Megumi heißen würde, noch bevor dieses Kind geboren war, noch bevor es einen Ultraschall gab, noch bevor feststand welches Geschlecht dieses Kind haben würde. Megumi bedeutete Segen, vielleicht wollte sein Vater damit ausdrücken, dass Megumis Existenz ein Segen für ihn war. Doch Megumi war ein traditioneller Mädchen-Name. Und Fushiguro Megumi war kein Mädchen.

Auf seiner Geburtsurkunde stand männlich, seine Geschlechtsorgane wiesen darauf hin, dass er männlich war, alles in allem gesehen wurde Fushiguro Megumi als Junge geboren. Und wuchs als Junge auf. Als Junge mit einem Mädchennamen.

Megumi konnte sich nicht mehr an seine Mutter erinnern, wusste nicht, ob sie mit dem Namen einverstanden gewesen war, ob sie seinen Vater geliebt hatte, ob sie ihren Sohn geliebt hatte. Er konnte sich an Tsumikis Mutter erinnern. Die hatte ihn geliebt, das wusste er.

Sie hatte bereits eine Tochter und sie schien sich darüber zu freuen nun auch noch einen Sohn zu haben. Allerdings  nicht so sehr wie sein Vater aber, der sich über seinen Erben zu freuen schien, kaum, dass klar wurde was dessen Technik war. Seine Fluchtechnik machte Megumi wertvoll.

„Gewöhn dich nicht zu sehr an ihn“, hörte er seinen Vater eines Tages zu Tsumikis Mutter sagen, „Er ist zu wertvoll um ihn einfach zu behalten. Megumi ist wirklich ein Segen für uns; er kann uns viel Geld einbringen. Wenn wir ihn an die Zen’ins verkaufen…“

Megumis Herz schlug schneller, als er diese Worte hörte.

„Was redest du da?!“, empörte sich Tsumikis Mutter, „Megumi ist dein Sohn! Dein Fleisch und Blut! Hast du dich nicht von der Jujutsu-Gesellschaft abgewandt, weil du alles verachtest was sie so tut, inklusive Kinderhandel um die Clans zu stärken?!“

„Schon, aber wir haben Schulden; Schulden, die ich nicht bezahlen kann. So viele kann ich gar nicht umbringen, es sei denn ich würde das Sechsauge töten, und das … nun das könnte auch nach hinten losgehen, also besser das Kind zu verkaufen“, erwiderte sein Vater.

Er liebt mich nicht, wurde Megumi klar, Er hat mich nie geliebt.

„Toji, Megumi ist dein…“, setzte Tsumikis Mutter wieder an.

„Er sollte ein Mädchen werden, mein kleiner Segen. Aber Jungs… In meiner Familie sind die im besten Fall problematisch. Immer Rivalen nie etwas anderes“, erklärte Fushiguro Toji, „Es ist besser so. Und immerhin haben wir bereits eine Tochter.“

Tsumiki war der Liebling. Das hatte Megumi immer gewusst, aber es tat trotzdem weh das so deutlich zu hören. Wenn Megumi als Mädchen geboren worden wäre, wie es hätte sein sollen…

Sein Vater verschwand kurz darauf und kehrte nie mehr nach Hause zurück. Megumi redete sich ein, dass ihre kleine Familie ohne den Loser besser dran war. Niemand redete mehr von Schulden oder davon Megumi zu verkaufen.

„Du hast sehr schöne Haare, Megumi“, erklärte ihm Tsumikis Mutter, „Wenn du willst, dann kannst du sie wachsen lassen. Längere Haare würden dir gut stehen…“

Megumi starrte sich im Spiegel an und nahm an, dass sie recht hatte. Er war als Junge geboren worden, doch er sah nicht aus wie ein Junge. Er sah aus wie ein Kind, das nicht wusste wer oder was es eigentlich war.

Und dann kam auch Tsumikis Mutter irgendwann nicht mehr nach Hause.

Was sollte aus ihnen werden? Sie waren nur zwei Kinder ohne Eltern, ganz alleine auf dieser Welt. Tsumiki ersetzte ihm die Mutter so gut sie konnte. Megumi hatte in seinem Leben drei Mütter gehabt, an die erste konnte er sich nicht erinnern, die zweite hatte ihn geliebt, war aber im Grunde nutzlos gewesen und ihrem Ehemann verfallen, und die dritte war die beste von ihnen, seine große Schwester, die ihn aufzog, obwohl sie selbst noch ein Kind war.

Und dann trat Gojo in sein Leben. „Willst du vom Zen’in-Clan aufgezogen werden?“, wollte der junge Mann von Megumi wissen, als ob Megumi alt und reif genug wäre um so eine Entscheidung zu treffen.

Megumi dachte an Tsumiki und alles, was sie täglich opfern musste, um ihnen beiden ein Leben zu ermöglichen. „Hätte Tsumiki dort ein gutes Leben?“, wollte er also wissen.

„Definitiv nicht“, erwiderte Gojo sofort ohne zu zögern.

„Dann nicht“, erklärte Megumi, „Ich will, dass Tsumiki ein glückliches Leben führen kann.“ Tsumiki war der Liebling. Am Ende vom Tag war sie auch sein Liebling.

„Also gut, ich werde mich darum kümmern. Keine Sorge, du wirst bekommen was du willst“, versprach Gojo, als ob er mehr wäre als nur ein dahergelaufener Punk.

Mädchen waren im Zen’in-Clan nichts wert, fand Megumi später heraus. Tsumiki hätte dort einer Sklavin gleich leben müssen. Wenn Megumi als Mädchen geboren worden wäre, dann hätte sich der Zen’in-Clan nie für ihn interessiert.

Doch weil er als Junge geboren worden war, war er wertvoll für den Zen’in-Clan. Er erfuhr nie was Gojo tat um den Kaufvertrag aufzulösen und Megumi ein Leben außerhalb des Clans zu ermöglichen. Vermutlich zahlte er selbst viel mehr für Megumi als sein Vater ursprünglich verlangt hatte. Gojo, nahm er an, wollte ihn ebenfalls wegen seiner Fluchkräfte haben. Um sich als würdig zu erweisen und Tsumiki ein gutes Leben zu ermöglichen tat Megumi sein Bestes um ein großartiger Jujujist zu werden. Er wusste, dass es keine andere Möglichkeit gab Gojo zurückzahlen, was er ihm schuldete.

„Deine Haare werden lang“, stellte Gojo eines Tages fest, „Steht dir.“ Der Mann trug seine Haare selbst immer wild und länger als üblich für Männer, aber nicht lange genug um damit wieder elegant auszusehen. Er kam immer wieder in der Wohnung vorbei, brachte ihnen manchmal Einkäufe vorbei, zahlte ihr Schuldgeld und für ihre Kleidung, aber er lebte nicht bei ihnen, nicht wirklich. Manchmal fragte sich Megumi warum, an anderen Tagen war er ganz froh darüber.

„Was weißt du schon!“, schnappte Megumi und hätte sich die Haare am liebsten sofort geschnitten, „Ich muss sie schneiden, sie sind zu lang, ich sehe aus wie ein Mädchen.“

Gojo musterte ihn einen Moment lang nachdenklich. Dann meinte er nur: „Du siehst besser aus als die meisten Mädchen in deinem Alter.“

Megumi funkelte ihn wütend an und stürmte aus dem Zimmer. Aber er schnitt sich die Haare nicht.

An der Mittelschule wurde er ein Schläger, ein Schläger, der andere Schläger verprügelte. Niemand wagte es sich über sein Aussehen lustig zu machen, vielleicht war es deswegen so wie er war. Es war ihm ganz recht von allen in Ruhe gelassen und gefürchtet zu werden.

„Für die Jujutsu-Akademie kannst du dir deine Schuluniform selbst aussuchen“, sagte Gojo, „Hast du besondere Wünsche? … Farbe, Schnitt oder … vielleicht das Modell ohne Hosen…?“

„Das Mädchenmodell? Warum sollte ich das tragen wollen?“, schnappte Megumi, „Ich bin kein Mädchen.“

„Ich weiß, aber ich dachte nur, dass du vielleicht…“

„Nein, ich habe keine besonderen Wünsche“, betonte Megumi.

Später sah er Kugisaki in ihrer Uniform und beneidete sie ein wenig. Sie sah gut in ihrer Uniform aus, er aber … er sah aus wie ein Kind, das sich verkleidete. Er sah aus als würde er sich in seiner Uniform verstecken. Er hasste seine Uniform. Itadori hatte wenigstens einen Hoodie für seine dazu bekommen.

Itadori. Itadori mochte Mädchen mit großen Hintern, die aussahen wie Jennifer Lawrence. Megumi sah kein bisschen so aus. Er wünschte er würde wenigstens ein bisschen so aussehen.

Manchmal sah er Kugisaki beim Makeup-Einkaufen zu und wünschte sich er würde sich wenigstens ein bisschen dafür interessieren und ebenfalls Makeup kaufen können und wollen.

Er war alles in allem sehr unglücklich und nicht nur wegen dem, was mit Tsumiki passiert war. Und nicht nur weil Itadori ihn niemals so ansehen würde wie er seine Poster von Jennifer Lawrence ansah.

Und dann an Halloween passierte der Shibuya-Zwischenfall, und unglücklich war keine Beschreibung mehr.

Kirara hatte es so viel leichter als er, sie wusste wer sie sein wollte. Und sie hatte Hakari. Megumi hatte Tsumiki, Gojo und Kugisaki verloren, und Itadori war immer einen Schritt zu weit von ihm entfernt. Er dachte, dass alles besser werden würde, wenn er Tsumiki retten würde. Er  wusste er würde es nicht überstehen, wenn er das nicht schaffen würde.

Seine Geburt war für ihn definitiv kein Segen gewesen, und wie sich herausgestellt hatte war sie das auch für seine Eltern, seine Schwester, Gojo und seine beste Freundin nicht gewesen. Wenn er als Mädchen geboren worden wäre, dann wäre alles viel einfacher gewesen. Dann hätte ihn sein Vater geliebt, der Zen’in-Clan hätte sich nicht für ihn interessiert, und Itadori hätte ihn angesehen wie er sich wünschte von ihm angesehen zu werden.

Doch er war als Junge geboren worden, und am Ende vom Tag wollte er kein Mädchen sein. Er wollte einfach nur genug sein, er wollte aufhören können zu schlagen und zu beißen und zu spotten, er wollte einfach nur Fushiguro Megumi sein können, so wie er war, vielleicht mit längeren Haaren und anderen Klamotten, vielleicht mit Itadoris Hand in seiner, definitiv mit Tsumiki an seiner Seite, vielleicht mit einem Gojo, der auch wirklich bei ihm zu Hause lebte, aber vor allem wollte er einfach nur leben können ohne sich ständig falsch und ungenügend zu fühlen.

Er wollte…

… er wollte das alles so lange, bis er dank Sukuna gar nichts mehr wollte.

Megumi bedeutete Segen. Wenn sein blöder Vater ihn anders genannt hätte, wäre vielleicht alles anders gekommen. Denn Fushiguro Megumi war kein Mädchen und noch weniger war er ein Segen für irgendjemanden auf dieser Welt.


Fin.

 

Notes:

Das dritte Pride Ficlet und wenn die Wetterprognosen halten vermutlich das letzte in diesem Jahr. Mal sehen.

Ja, das war eine traurigere Fic, aber immerhin ist es JJK.

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