Chapter Text
Connor hatte ein ungutes Gefühl und hasste sich selbst dafür. Seit er ein kleiner Junge war, hatte er im Kloster gelebt und seitdem hatte er seine Mutter nur zweimal gesehen. Jetzt einen Brief von ihr zu erhalten, dass sie ihn auf ihren Hof zurückerwartete, kam sie ein Schock. Connor hätte sich freuen sollen und ein Teil von ihm tat es, aber bereits während das Kloster in seinem Rücken kleiner wurde, wusste er, dass etwas nicht stimmen konnte.
Warum jetzt? Warum überhaupt?
Connor hatte das Leben im Kloster gemocht. Es war angenehm gewesen, hatte einen geregelten Tagesablauf beinhaltet und Connor hatte sich ganz auf seine Lehren konzentrieren können.
Aber am Wichtigsten: Er war dort sicher gewesen.
Seine Mutter hatte ihm schon früh erklärt, dass niemand wissen durfte, dass er der unrechtmäßige Sohn von König Oliver aus dem Hause Queen war. Der Adel würde ihn nicht anerkennen und ihn als eine Gefahr ansehen. Das würde natürlich voraussetzen, dass sein Vater ihn anerkennen würde. Aber das würde er nicht. Viel mehr würde er Connor für seine Lügen gegen die Krone hinrichten lassen.
Das Kloster war der Beste Ort gewesen, um seine Mutter nicht in Gefahr zu bringen und sich aus dem Leben der Adeligen fernzuhalten. Es hätte schon viel passieren müssen, damit der König auf ein Kloster am Rande seines Reiches aufmerksam geworden wäre.
Nach einem halben Tagesmarsch kam Connor bei einem jungen Ritter vorbei, der im Gras lag und die Wolken betrachtete. Der Ritter trug nur leichte Rüstung, aber sein grünes Halsband kennzeichnete ihn als Ritter der Willenskraft. Einer der zehn Ritterordnen im ganzen Lande (auch jenseits des Reichs des Hause Queen). Connor hatte im Kloster viel über die Ritterorden gelesen und soweit er es einschätzen konnte, hatte der junge Herr bereits seine Ausbildung abgeschlossen. Ob er auch bereits einem Haus seine Treue geschworen hatte? Viele grüne Ritter schworen ihre Treue Queen, etwas, dass Connor bisher mit Stolz erfüllt hatte, immerhin waren die grünen Ritter von allen Ritterorden die Ehrenhaftesten.
Kurz überlegte Connor, ob er den Mann ansprechen sollte, entschied sich aber dann dagegen. Es würde bald dunkel werden und Connor hatte noch zwei Tagesreisen vor sich. Er sollte sich nicht ablenken lassen, immerhin war es kein gutes Zeichen, dass seine Mutter selbst in ihrem Brief nicht ins Detail gegangen war. Aus Angst, dass ihn jemand abfangen könnte?
„Hey, warte!“, rief ihm jemand zu und Connor drehte sich fast sofort um. Der Ritter lächelte ihn an und nickte dann mit seinem Kopf zu seinem schwarzen Pferd. Es hatte einen weißen Streifen Fell zwischen den Ohren und schien noch jung zu sein. „Soll ich dich mitnehmen?“
„Ich möchte Euch nicht zur Last fallen, Sir.“ Connor neigte leicht seinen Kopf. Wenn der Mann bereits zum Hause Queen gehörte, war es besser, auf Abstand zu bleiben. Egal, wie erfrischend es war mit jemandem in seinem Alter zu reden.
„Sir?“, fragte der Mann kurz verwirrt, bevor er an sich herabsah und laut auflachte. Sein Lächeln war freundlich und Connor wusste, dass der erste Eindruck täuschen konnte, trotzdem konnte er sich nicht vorstellen, dass ihm der Mann etwas tun würde. „Ach ja, ich habe mich noch nicht daran gewöhnt. Ich bin Kyle und du kannst das Sir gerne weglassen, wenn wir unter uns sind. Also? Springst du auf?“
Connor hätte ablehnen sollen, aber er nickte und ließ Kyle zuerst aufsteigen, bevor er sich hinter ihm setzte. Das Kloster hatte ebenfalls Pferde gehabt, aber diese waren alt und nicht zum Reiten geeignet gewesen. Connor hatte es trotzdem gemocht, Zeit mit ihnen zu verbringen.
„Danke für’s mitnehmen, Kyle. Wie heißt das Pferd?“
„Ion, aber dein Name interessiert mich mehr.“
Ion begann sich im leichten Schritttempo fortzubewegen und es tat gut den Wind zu spüren und einfach nur im Moment zu leben. Egal, was seine Mutter von ihm wollte, es war jetzt aktuell nicht wichtig.
„Connor“, antwortete er und wollte schon fast erzählen, dass er auf Heimreise war, wusste aber, dass seine Mutter enttäuscht von ihm wäre, wenn er zu viel von sich teilen würde. Sein Leben war schon immer ein Geheimnis gewesen. „Du hast erwähnt, dass du erst kürzlich eine Ausbildung abgeschlossen hast?“
Kyle nickte und Connor gefiel nicht, wie er sich plötzlich anspannte. Vielleicht hatte er auch im Moment leben wollen, anstatt über sein Leben und seine Verantwortungen nachzudenken.
„Ja. Mein Mentor, Sir Hal, drängt mich an seine Seite zu treten und ebenfalls dem Hause Queen meine Treue zu schwören, aber ich habe mich noch nicht entschieden. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht einmal, ob ich ein Ritter sein möchte, aber dafür ist es wohl zu spät.“
Connor konnte sehen, wie sehr es Kyle belastete. Es war bestimmt nicht leicht, seinen Weg zu finden, wenn andere schon genau zu wissen schienen, wo er hinführen sollte.
„Niemand kann dich zu etwas zwingen, Kyle. Aber das Haus Queen ist ein sehr gutes Regiment mit viel Güte für das Volk. Es wäre keine Entscheidung, die du bereuen würdest.“
Kyle schmunzelte. „Ich schätze, dass du das als Bürger dieses Landes sagen musst.“
Connor blickte nach oben und runzelte die Stirn. Auch, wenn ihn sein Vater nicht als Sohn anerkannte, so wusste Connor, dass er ein guter König war. Seit er an der Macht war, hatte es kaum Krieg mit den umliegenden Ländern gegeben und Hinrichtungen waren halbiert worden.
„Man kann auch mich zu nichts zwingen, Kyle. Ich hätte es nicht gesagt, hätte ich es nicht für die Wahrheit empfunden.“
Danach ritten sie still weiter, bis die Sonne unterging und sie auf das nächste Dorf stießen. Kyle führte Ion zu einem Wirtshaus und übergab die Zügel mit einer Bronzemünze einem jungen Stallburschen, der Ion an den anliegenden Stall führte.
„Es hat mich gefreut, dich kennengelernt zu haben, Connor. Ich würde sehr gerne noch mit dir reden, aber muss leider weiter nach Osten, Richtung Hauptstadt.“
Connor nickte. Er war weiterhin nach Süden unterwegs und hatte schon damit gerechnet, dass sich ihre Wege früher oder später trennen würden.
„Vielen Dank, dass du mir meinen Weg erleichtert hast. Ich bin mir sicher, dass wir uns eines Tages wiedersehen.“
Kyle lächelte und Connor ging den Weg weiter entlang. Durch den Ritt, hatte er noch genug Energie, um auch im Schein des Vollmondes weitergehen zu können. Ein oder zwei Stunden, dann würde er sich auch hinlegen und auf den Morgen warten.
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„Da bist du ja endlich, mein Junge“, begrüßte ihn seine Mutter, als er den Hof betrat. Er genoss die Umarmung und versuchte sie nicht zu stürmisch zu erwidern.
„Ich freue mich, dich wiederzusehen“, sagte er und verzog den Mund. Es sollte nicht so förmlich klingen, aber Sandra schien seine Förmlichkeit als gut zu befinden, denn sie nickte mit einem Lächeln auf den Lippen.
„Ich möchte dich meinem Ehemann vorstellen, Connor. Mach dich kurz fertig und komm denn in den Salon.“
„Natürlich“, antwortete Connor, obwohl er gar nicht wusste, wo er anfangen sollte, diese Aussage zu verarbeiten. In den Briefen seiner Mutter, hatte sie nie etwas von einer Hochzeit erwähnt. Sie hatte auch nie etwas davon erzählt, wie groß der Hof geworden war. Als Kind, hatte es sich um eine einzelne Hütte mit etwas Land gehandelt, aber jetzt war da ein Steinhaus und Connor konnte sogar einen Stall erblicken.
Das Leben hatte sich ohne ihn weitergedreht und Connor hatte das gewusst. Es wurde ihm aber erst jetzt bewusst, wie fremd seine eigene Mutter eigentlich für ihn war. Connor wusste, dass sie ihn liebte und vermutlich hatte sie ihn aufgrund der Hochzeit wieder zu sich geholt. Sie wollte, dass er Teil ihrer neuen Familie war.
Connor musste feststellen, dass er naiv war.
„Da ist er ja! Wie recht du hattest, Sandra. Die Augen des Vaters!“
Connor zuckte leicht zusammen, während der Mann seinen Kopf in zwei Hände nahm und ihn begutachtete. Neben der plötzlichen Berührung, war auch der Umstand, dass der Mann offensichtlich von seinem Vater wusste, ein Grund für Connors Unbehagen. Seit er denken konnte, hatte es immer nur drei Leute gegeben, die von seiner Herkunft wussten. Seine Mutter, Oliver Queen und er selbst. Connor hatte nie damit gerechnet, dass seine Mutter es jemanden erzählen könnte.
„Connor, Schatz. Das hier ist Milo Armitage. Er ist ein Berater des Königs und wird für unseren Schutz sorgen.“
Connor zwängte seine Gefühle zurück. Ihm war nicht beigebracht worden, sein Frust und seine Verwirrung nach Außen zu tragen. Stattdessen musste er über diese Gefühle nachdenken, bevor sie ihn zu einer Handlung motivierten, die er bereuen könnte.
Er hätte am Liebsten geschrien, denn er verstand nicht, was seine Mutter meinte. Wie konnte sie so ruhig davon ausgehen, dass dieser Mann auf ihrer Seite war?
Milo schien seine Verwirrung durchaus zu bemerken, denn er setzte für eine Erklärung an. „Deine Mutter ist eine fabelhafte Frau, Connor mit einer Weitsicht, die vielen fehlt. Vielleicht hast du es im Kloster nicht mitbekommen, aber in der Hauptstadt des Reiches kommt es immer mehr zu Unruhen und Unzufriedenheiten. Der König, dein Vater, hat vor einer Woche doch tatsächlich seinen Schutzbefohlenen zum Erbe des Reiches ernannt. Eine Stelle, die einem wahren Queen, die dir, vorbehalten ist.“
„Ich bin ein Bastard“, antwortete Connor, denn das war die Wahrheit. Er war aus einer Nacht entstanden, die nicht hätte sein sollen. Oliver Queen hatte als Erbe des Throns nicht mit einfachem Volk verkehren sollen. Connor’s Mutter traf keine Schuld und vermutlich auch nicht seinen Vater. Es änderte trotzdem nichts daran, dass ihre Liebe weder eine Liebe gewesen war noch rechtens war.
„Und trotzdem fließt durch deine Wehnen mehr Blut der Queens, als durch Roy Harpers.“ Milo spuckte den Namen aus und Connor wich leicht zurück. Dieser Hass … Connor hatte sich noch nie in einen Raum mit jemandem befunden, der dieses Gefühl so sehr ausstrahlte. Sollte Milo nicht als Berater des Königs seinem König Treue schwören? Sollte es nicht egal sein, was er dachte, wenn sein König bereits den Entschluss befasst hatte.
So, wie Milo über Roy Harper sprach, kam es Hochverrat gleich. Immerhin war Roy Harper der zukünftige König.
„Schatz, versteh doch“, meine nun Sandra und legte ihm eine warme Hand auf die Schulter, „Ich weiß, dass du nie Interesse am Thron hattest, aber was denkst, du wird passieren, wenn Harper von dir erfährt? Denkst du, er wird erlauben, dass du lebst, wenn du eine klare Bedrohung für seine Zukunft darstellst? Du könntest alles für ihn ruinieren. Ich kann dich nicht verlieren und Milo wird dafür sorgen, dass es nie so weit kommen muss.“
Connor sagte nichts. Auch, wenn er es nicht hätte tun sollen, hatte er die Bücher in der Bibliothek des Klosters nach Neuigkeiten über seinen Vater durchforstet. Er hatte nicht viel zu seiner Familie gefunden, aber er hatte durch die anderen Mönche von Roy Harper erfahren. Oliver hatte den neunjährigen bei sich aufgenommen, als Connor sechs Jahre alt war. Er hatte sich für Roy entschieden und Connor hatte lange damit verbracht, dies zu akzeptieren.
Er hatte nie für einen Moment darüber nachgedacht, dass es bedeutete, dass Roy Harper auch einen Thron bekam, auf den Connor kein Anrecht hatte.
„Ich kümmerte mich um alles“, versprach Milo mit dunkler Stimme, „Du kannst einfach die verlorene Zeit mit deiner Mutter aufholen und warten, bis es Zeit ist in Erscheinung zu treten.“
Milo sagte, dass er sich darum kümmerte und Connor hörte deutlich heraus, dass das bedeutete, dass Roy Harper leiden musste.
