Chapter Text
Testu versuchte alles, um den schlafenden Kei nicht zu wecken. Er hatte fest damit gerechnet, auf die Couch verbannt zu werden. Kei ließ sich eigentlich nur selten von seinem Charme einlullen, aber Müdigkeit und ein beginnender Kater hatten ihm einen Platz in Keis Bett, und noch besser, als sein persönliches Body Pillow, gesichert.
Allerdings hatte es auch dazu geführt, dass Testu die frühen, und nicht so frühen, Morgenstunden damit verbracht hatte, Kei anzustarren und sich zu überlegen, wie er aus dieser einen Nacht mehr machen sollte.
Akaashis Plan hatte tatsächlich funktioniert. Zugegeben, er hatte allerding auch keine Lust mehr gehabt sich Testus konstantes Gejammer über Kei anzuhören. “Sprich mit ihm! Sag ihm wie du fühlst und hol dir im schlimmsten Fall einen Korb ab. Ich flehe dich an. Ich ertrage es nicht mehr. Kei ist so toll, hast du dieses Wochenende schon mit Kei gesprochen?” Akaashi war wirklich ein Meister darin, seinen verzweifelten Tonfall nachzuahmen.
Testu konnte ein Lachen nur noch schwer unterdrücken. Und ja, er hatte sich lächerlich benommen. Aber war sein Denken wirklich so falsch? Solange er sich keinen endgültigen Korb abgeholt hatte, konnte er weiterhin im Limbo bleiben. Keis nerviger Freund sein, der einen so großen, offensichtlichen Crush hatte. dass selbst Bo und Kenma sich genötigt sahen, mit ihm ein Bro-Gespräch zu führen.
Aber Testu war sich unsicher, Kei hielt ihn auf Abstand, aber flirtete mit ihm, obwohl er sich nie sicher, ob er nicht mehr in ihre Schlagabtäusche hineininterpretierte als da wirklich wahr, aber dann war da der Kuss und der war tatsächlich sehr schwer zu leugnen.
Ja, ich bin echt der Meister der Subtilität. Diesmal konnte er sich ein tiefes, leises Lachen nicht verkneifen und musste damit unwillkürlich wieder an den Moment denken, in dem Kei ihn geküsst hatte. Er hatte mit einem Schubser und einem sarkastischen, schneidenden Kommentar gerechnet. Der Kuss hatte ihn völlig überfordert und bevor er auch eine Möglichkeit hatte zu reagieren, war er auch schon wieder vorbei gewesen und Testu wollte nichts mehr als eine Wiederholung und die Chance mehr zu sein, als der nervige Freund mit dem umfangreichen Mittelblocker-Wissen. Er wollte so viel mehr sein, aber er wusste immer noch nicht, ob Kei bereit war, das Risiko einzugehen, aber er musste sich eingestehen, dass es sich im Limbo nie so gut angefühlt hatte, wie mit Keis Kopf an seiner Schulter.
Testu wünschte sich, er könnte sein Handy vom Nachttisch fischen, um sich mit Kenma auszutauschen, einfach um seinen ständigen Gedankenstrom mit jemandem teilen zu können.
Scheiß drauf! Tetsu beschloss es zu riskieren und angelte blind nach seinem Smartphone. Seine Bemühungen brachten ihm unzufriedene Laute von Kei ein.
“Kannst du aufhören dich zu bewegen? Ich versuche hier zu schlafen!”
Testu erstarrte mitten in der Bewegung. Er war noch nicht wirklich bereit für das Gespräch, dass auf diese Nacht folgen würde und hatte wirklich auf ein paar Ratschläge von Kenma und vielleicht Akaashi gehofft.
Zu spät! war sein letzter Gedanke, bevor Kei die Augen öffnete und ihn entgeistert anstarrte.
“Guten Morgen, Mondschein!”
Perfekt! Tetsu du willst das echt versauen, mach unbedingt weiter so!
“Mondschein?” Keis Gesicht sagte alles und das erste Mal in seinem Leben ließ ihn seine Schlagfertigkeit im Stich und er konnte nur eine vage Entschuldigung stammeln. Kei hatte seine Chance genutzt und etwas Distanz zwischen sich und ihm gebracht, offensichtlich nicht bereit, 5 Minuten nach dem Aufwachen schon folgenschwere Gespräche zu führen.
Tetsu wusste, er musste vorsichtig vorgehen, sonst würde er diese Chance mit Kei verpassen und er wollte sie, brauchte sie und musste sie einfach nutzen.
“Hey” sanft zog er Keis Hände von seinem Gesicht weg. “Ich will erstmal nur Frühstück und ein Gespräch”
Kei seufzte und drückte seinen Daumen und Zeigefinger in seinen Nasenrücken.
“Okay”
“Okay?” Tetsus Herz wagte es, wieder vorsichtig zu schlagen.
“Ich habe nichts zum Essen da”
“Kein Problem, ich habe unseren Abstecher zu Familiy Mart genutzt, um mehr als nur Unterwäsche und eine Zahnbürste zu kaufen. Instant Ramen okay? Ich kümmere mich ums Frühstück und du gehst duschen?"
Tetsu versuchte es Kei so einfach wie möglich zu machen und ihm die Gelegenheit zu geben, seine Gedanken zu ordnen. Riskant, vermutlich reicht die Dusche, um ihn davon zu überzeugen, dass es eine dumme Idee ist, dem hier eine Chance zu geben.
Kei nickte erleichtert und verschwand ins Badezimmer. Tetso bahnte sich seinen Weg in die winzige Küche. Keis geborgte Schlafklamotten waren zu lang und ein bisschen zu eng, aber sie mussten erstmal reichen. Er nutzte die Spüle in der Küche, um sich kurz frisch zu machen und beschloss, sein Familiy Mart Outfit bis nach dem Frühstück in der Tüte zu lassen. Vielleicht konnte er sich doch noch Klamotten von seinem Freund leihen.
Ein Schritt nach dem anderen! Jetzt musste er erstmal Kei von seinen Boyfriendqualitäten überzeugen, Bombenentschärfen wäre weniger nervenaufreibend.
Auf geht's Schicksalramen zubereiten.Tetsu lachte leise vor sich und nahm Frühlingszwiebeln und Eier aus dem Kühlschrank, wenn es schon seine Henkersmahlzeit sein sollte, würde er sie zumindest luxuriös gestalten. Tetsu fand Keis French Press und widmete sich der Zubereitung des Frühstück, dabei ging er in Gedanken durch, was er zu Kei sagen wollte.
Das Wasserrauschen verstummte und Tetsu wartete angespannt auf Kei mit seinen Ramen und seinen dampfenden Kaffee.
‘Danke’ Kei stand unsicher im Türrahmen, seine Haare noch feucht von der Dusche. Tetsus Herz hatte einen kurzen Aussetzer, als er Keis lange, nackten Beine sah. Er schaffte es immerhin, ihn nicht mit offenem Mund anzustarren.
“Problem” Tetsu räusperte sich “Kein Problem”.
Wunderbar, jetzt denkt er wahrscheinlich, dir fehlen drei Gehirnzellen zu einer halbwegs intelligenten Avocado. Scholt sich Testu sich still. Er verabschiedete sich von dem Gedanken, das Bild des gelassenen, erfahrenen älteren Boyfriend vorzuspielen und arrangierte sich mit hoffnungslos, komplett verliebtem Idiot.
Kei grinste ihn an und setzte sich an seinen winzigen Küchentisch. Testu nahm ebenfalls Platz und nahm erstmal einen Schluck von seinem Kaffee, vor allem um sich abzulenken und Kei das Wort zu überlassen.
Der beschäftigte sich allerdings lieber mit seinen Ramen und tat so, als hätte er noch nie im Leben Instantnudeln auch nur gesehen. Unangenehmes Schweigen breitete sich aus.
Okay, dann mache ich mich wohl weiterhin lächerlich. Großartig.
‘Schmeckst?” Kei nickte nur geistesabwesend.
“Reden wir über die Sache oder essen wir weiter in unangenehmen Schweigen? Kein Druck, aber ich wüsste einfach nur gerne über die weitere Vorgehensweise bescheid.” Tetsu konnte einen leicht sarkastischen Tonfall nicht mehr so ganz aus seiner Stimme raushalten.
Kei seufzte und attackierte sein Essen, als hätten die Nudeln ihn persönlich beleidigt. “Ich habe dich geküsst und habe einen Crush auf dich seit dem ersten Sommercamp, von dem ich dachte, er wäre vollkommen einseitig und ich habe mich damit arrangiert, dass wir einfach nur Freund sein würden. Aber du hast diese Illusion zerstört und ich weiß null, wie es weitergehen soll. Sind wir zusammen oder nicht? Wie soll die Fernbeziehung funktionieren? Warum willst du überhaupt irgendwas von mir? Kuroo?”
Die letzte Frage war nur ein leises Flüstern und Kei konnte Tetsu dabei nicht in die Augen sehen.
Kuroo? Ja, daran mussten sie auch noch arbeiten, aber das konnte erstmal warten. Testu war mit zwei Schritten bei Kei und hockte sich vor seinem Stuhl.
‘Kei, ich will was von dir, weil du großartig bist und weil ich seit dem ersten Sommercamp an nichts mehr anderes denken kann und so unsubtil versucht habe, dich von mir zu überzeugen, dass Akaashi mich für einen hoffnungslosen Fall hält. Ich habe nicht alle Antworten, aber ich bin sicher, wir finden gemeinsam eine Lösung für all deine Fragen, aber dafür musst du dem hier eine Chance geben.”
Tetsu hatte seine Hände über Keis und all seine Gefühle in diese Sätze gelegt. Jetzt lag an Kei den Sprung zu wagen.
“Okay”
“Okay? Du gibst dem Ganzen hier eine Chance?”
Kei nickte und legte seine Stirn an Tetsus. Tetsu zog ihn zu sich auf seinen Schoß und konnte das Lächeln , dass sich auf seinem Gesicht ausbreitete nicht mehr unterdrücken.
“Tsk. Du bist wirklich ein hoffnungsloser Fall” zog ihn Kei liebevoll auf, bevor er ihn erneut küsste.
Diesmal war Tetsu allerdings schneller und schaffte es, seine Arme um Keis Taille zu legen und den Kuss zu vertiefen. Sie würden es gemeinsam herausfinden, würden Wege finden, um ihre Beziehung nach ihren eigenen Regeln zu gestalten.
Doch jetzt? Jetzt reichte der Kuss, das Gefühl von Keis Herzschlag an seiner Brust und all die neuen Dingen, die sie gemeinsam erleben würden, und für einen glorreichen, endlosen Moment war das mehr als genug
