Chapter Text
Bob sah mit leerem Blick zu dem Standesbeamten und versuchte sich wenigstens ein bisschen auf dessen Worte zu konzentriere. Er hatte sich noch nie in seinem Leben so fehl am Platz gefühlt, wie in diesem Moment. Rechts ein Stück vor ihm stand Peter und Bob sah an seiner ganzen Haltung, wie aufgeregt und glücklich er war. Peters Finger waren mit denen von Cathy verschränkt, die in ihrem Hochzeitskleid wirklich umwerfend aussah, das musste selbst Bob zugeben.
Bob wünschte nicht zum ersten Mal, dass Peter Justus gefragt hätte, sein Trauzeuge zu sein. Es hatte in den letzten Jahren viele Situationen gegeben, in die Peter ihn unwissend gebracht hatte und die an seinen Nerven zerrten und ihn vollkommen fertig machten. Und dieser Moment brachte ihn an den Rand dessen, was er ertragen konnte.
Bob wusste nicht mehr, wann er sich genau in Peter verliebt hatte. Er hatte diese Gefühle von Anfang verflucht, weil sie die tiefe Freundschaft zu Peter in unglaubliche Gefahr gebracht hatten. Bob hatte nicht einen Moment zugelassen, sich in der Illusion zu verlieren, Peter könnte seine Gefühle erwidern. Manchmal hatte er es sich gewünscht, mehr als alles andere und so verzweifelt, dass es weh getan hatte. Aber die meiste Zeit über war er froh gewesen, dass Peter nicht den Hauch einer Ahnung von seinen Gefühlen hatte und nie ein Anzeichen gezeigt hatte, selbst mehr als Freundschaft zwischen sich und Bob zu sehen.
Es war ein ewiger Zwiespalt, in dem Bob gefangen war. Er genoss jeden Moment, in dem er Peter nah war, obwohl er zeitgleich versuchte diesen Situationen zu entgehen. Aber dem zu entgehen war noch nie sehr einfach gewesen. Bob teilte mit Justus und Peter eine Freundschaft, die unglaublich tief und intensiv war. Die Abenteuer ihrer Jungend hatten sie auf eine Art zusammenwachsen lassen, die kaum Raum für Geheimnisse oder Grenzen ließ. Und auch zehn Jahre nachdem sich ihre Wege zumindest räumlich für einige Zeit getrennt hatten, hatte die Intensität ihrer Freundschaft nicht nachgelassen.
Das College nach der High School hatte Peter, Bob und Justus in verschiedenen Städte verschlagen. Damals hatte Bob gedacht, es wäre die richtige Medizin, um seine romantischen Gefühle für Peter endlich wieder in den Griff zu bekommen. Und eine Weile hatte er gedacht, das wirklich geschafft zu haben, er war sogar wieder mit Mädchen aus seinem College ausgegangen. Aber jedes Mal, wenn sie sich in den Ferien in Rocky Beach getroffen hatten, hatte Bob einen schrecklichen Rückfall erlitten und irgendwann hatte er es einfach hingenommen.
Nach dem Studium waren sie alle drei in den Raum LA zurückgekehrt und obwohl jeder von ihnen mittlerweile auch sein eigenes Leben führte, verbrachten sie wieder unglaublich viel Zeit miteinander. Sie ermittelten schon lange nicht mehr gemeinsam, aber andere Hobbys waren geblieben, die sie sehr regelmäßig pflegten. Und auch wechselnde Partner änderten daran nichts, selbst wenn sie sich nicht daran beteiligen wollte, so wie Cathy, die seit fünf Jahren ein Teil von Peters Leben war.
Bob wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Peters „Ja, ich will!“ erklang. Bob schluckte schwer, während sein Blick sich auf Cathy richtete. Sie wartete ungeduldig, bis es an ihr war „Ja, ich will!“ zu sagen.
Bob zwang sich zu lächeln, obwohl er sich alles andere als danach fühlte. Er wollte sich für Peter freuen, aber diese Hochzeit hatte für Bobs eigenen Gefühle etwas endgültiges, mit dem er noch immer nicht richtig klar kam, obwohl er viele Monate Zeit gehabt hatte sich darauf vorzubereiten. Es tat zu sehr weh, als dass Bob sich ehrlich freuen konnte. Wenn er nur für sich selbst hätte entscheiden müssen, dann wäre er nicht gekommen. Aber er hätte das Peter weder erklären noch antun wollen. Also würde er die Hochzeit und die anschließende Party irgendwie überstehen.
Bob war der erste, der Peter gratulierte, nachdem der Standesbeamte all seine erforderlichen Unterschriften erhalten hatte. Bob schloss die Augen und versuchte die Tränen zurückzudrängen, als er Peter in seine Arme schloss.
„Alles Gute, Großer!“, murmelte er. „Das ist ein wahnsinnig großer Schritt.“
Peter lachte. „Ich weiß. Aber wenn du der Richtigen begegnest, wirst du erkennen, dass das ziemlich egal ist!“
Bob schluckte schwer. „Das glaub ich erst, wenn es passiert.“ Er löste sich aus Peters Armen und sah ihn grinsend an. „Und du denkst jetzt erst einmal für die nächsten zwei Wochen nur an dich und Cathy! Ihre Schwester und ich wollen uns nicht umsonst so viel Mühe gegeben haben eure Flitterwochen vorzubereiten!“
„Ich schulde dir was dafür“, erwiderte Peter grinsend.
„Ich erinnere dich bei Gelegenheit daran!“, versprach Bob lachend. Er überließ Peter seinen Eltern und wandte sich zu Cathy. Ihr wissendes und irgendwie triumphierendes Lächeln ließ Bob fast die Fassung verlieren. Er wusste nicht wieso, aber sie schien ganz genau zu wissen, was in Bob vor sich ging. Sie war nie unfreundlich zu ihm oder hatte sich ihm gegenüber unhöflich benommen, aber Bob wusste trotzdem, dass sie ihn mehr als Konkurrenten als als besten Freund ihres Mannes ansah.
Bob fasste sich im Bruchteil einer Sekunde wieder und umarmte auch sie. „Pass auf ihn auf!“, verlangt er.
„Immer“, erwiderte sie. „Peter ist kein Mann, den man wieder gehen lässt, wenn man ihm einmal am Haken hat.“
Bob seufzte und ließ sie los. Cathy hakte sich lachend bei Peter unter. Bob beobachte die beiden, während die Gäste der Reihe nach zu dem Brautpaar traten und ihnen gratulierten. In Bob breitete sich mit grausamer Endgültigkeit ein Gefühl des Verlustes aus. Das hier bedeutete eine Veränderung, deren Ausmaße sie nicht abschätzen konnten und sie vernichtete jede Hoffnung, die Bob trotz allen Leugnens noch gehabt hatte.
Bob wurde klar, dass er der Verlierer dieses Tages war, auch wenn er noch gar nicht wusste, was genau er verloren hatte.
