Chapter Text
Bob holte zitternd Luft. Ganz langsam beruhigte er sich wieder und sein Schluchzen verebbte immer mehr. Er spürte Peters Hand überdeutlich, die beruhigend über seinen Rücken auf und ab strich. Bob konnte sich nicht mehr daran erinnern, seit wann er gegen Peter gelehnt auf dessen Bett saß. Peters Anwesenheit hatte nicht wirklich gegen den Tränenfluss geholfen. Es war nur immer noch schlimmer geworden.
Peter hielt ihn fest, als Bob sich von ihm schieben wollte. „Erzählst du mir endlich, was mit dir los ist?“, fragte Peter sanft.
Bob zögerte einen Moment, bevor er mit einem tiefen Seufzen den Kopf schüttelte. Zum einen traute er seiner Stimme noch nicht wieder über den Weg und zum anderen gab es Dinge, über die er mit Peter weder reden konnte noch wollte. Es war schon peinlich genug, dass er ausgerechnet vor Peter scheinbar grundlos zusammengebrochen war. Manchmal reicht einfach ein Gedanke um ihm die Tränen in die Augen zu treiben. Normalerweise konnte er die trüben Gedanken dann zurück drängen. Doch Peters besorgter Blick und die Frage, was mit ihm los sei hatte den Damm brechen lassen.
„Du hast Liebeskummer“, stellte Peter fest und Bob brauchte viel zu lange um verkrampft den Kopf zu schütteln. „Ich kenne dich gut genug um das zu erkennen, Bob!“
„Hab ich nicht“, murmelte Bob leise und selbst in seinen Ohren klang das furchtbar gelogen. Er schloss die Augen und genoss für einen Moment, dass Peter ihn noch immer in den Armen hielt. Viel zu schnell würde es wieder vorbei sein.
„Warum sprichst du mit Josh darüber, mit mir aber nicht?“ Es gelang Peter kaum zu verbergen, wie sehr es ihn verletzte.
Bob runzelte die Stirn. Joshua war einer seiner Kommilitonen. Justus, Peter und Bob hatten es zwar tatsächlich geschafft alle in LA zu studieren, doch mit den unterschiedlichen Studiengängen hatten sich auch unterschiedliche Freundeskreise entwickelt, obwohl sich auch diese neuen Freunde untereinander gut verstanden und sie oft zusammen etwas unternahmen.
„Das erste Semester war noch nicht vorbei, als er mir auf den Kopf zugesagt, hat was mit mir los ist“, versuchte Bob zu erklären. „Ich habe ihm gar nichts gesagt. Er wusste es einfach.“
Peter schwieg verbissen. Bob wusste, dass er sich gut mit Josh verstand. Doch vor einigen Tagen hatte Bob die Blicke bemerkt, mit denen Peter Josh beim gemeinsamen Mittag in der Mensa traktiert hatte. Josh hatte es ignoriert, obwohl Bob sich sicher war, dass er es ebenso bemerkt hatte. Offensichtlich hatte Peter eine Antwort auf die Frage haben wollen, was Josh über Bob wusste und er nicht.
„Ich wollte nicht mit dir oder Justus reden. Also habe ich mit Josh gesprochen, nachdem er mich so einfach durchschaut hatte“, erklärte Bob. Manches Mal hatte er es in den letzten beiden Jahren auch bereut. Josh zog ihn gern mit seinen Gefühlen auf, selbst dann, wenn Peter direkt neben ihm saß. Bob wusste, dass er sich nicht wirklich darüber wundern sollte, nachdem er selbst Josh ebenfalls aufgezogen hatte, als dieser eine Zeitlang für einen ihrer Kommilitonen geschwärmt hatte. „Manchmal hilft es eine Weile, wenn ich mit ihm geredet habe.“
„Was hab ich getan, dass du dich mir nicht mehr vertrauen kannst?“, wollte Peter niedergeschlagen wissen.
Bob zuckte verletzt zusammen. „Das Problem liegt nicht bei dir“, stellte er leise fest. Es tat ihm weh, dass er bei Peter diesen Eindruck erweckt hatte.
„Und trotzdem sprichst du nicht mit mir“, meinte Peter zerknirscht.
Bob biss sich auf die Lippe. Er sprach nicht mit Peter, weil er fürchtete mit seinen Gefühlen ihre Freundschaft zu gefährden. Doch er wollte Peter auch nicht verletzen und offensichtlich tat er mit seinem Schweigen genau das.
„Du bist seit zwei Jahren offenbar unglücklich verliebt und hast nicht ein Mal mit mir darüber gesprochen“, murmelte Peter nachdenklich. „Es gibt nicht viele Erklärungen, die mir dafür einfallen.“
„Vier Jahre“, platzte es aus Bob heraus, einfach nur um Peter zu unterbrechen. Er wollte nicht, dass Peter sich weiter über sein Gefühlsleben Gedanken machte. Er hatte Angst vor Peters Reaktion und fühlte sich im Moment nicht stark genug, sich mit einer Zurückweisung auseinander zu setzen.
Peter schwieg nur einen Moment überrascht, bevor er unbeirrt fort fuhr: „Ehrlich gesagt fällt mir im Moment sogar nur eine Erklärung ein!“
Bob schwieg und hoffte, Peter würde einfach nicht weiter sprechen. Ein Schaudern durchfuhr ihn bei dem Gedanken an die Horror-Szenarien, die er sich im Laufe der Monate ausgemalt hatte. Bob wagte nicht zu hoffen, dass Peter in irgendeiner Weise positiv auf seine Gefühle reagieren könnte.
„Josh hat nur ein paar Wochen gebraucht um heraus zu finden, dass du in mich verliebt bist und ich habe es vier Jahre lang nicht erkannt“, stellte Peter mit gerunzelter Stirn fest. Er hielt Bob erneut fest, als dieser sich von ihm lösen wollte. „Ich bin ja wirklich ein toller Detektiv.“
Bob holte zitternd Luft. Er wartete immer noch auf die Abfuhr. „Ich habe mir alle Mühe gegeben, damit du es nicht bemerkst!“, meinte er leise. „Ich will diese Gefühle gar nicht haben. Ich will nicht, dass sie unsere Freundschaft kaputt machen.“
„Ich denke, dass würden sie selbst dann nicht, wenn ich deine Gefühle nicht erwidern würde“, wisperte Peter lächelnd.
Bob sah überrascht zu Peter auf. „W-was?“
Die einzige Antwort, die Bob bekam, war ein langer sehnsuchtsvoller Kuss.
Als Bob die Augen aufschlug, war es finster um ihn herum und gespenstisch still. Er war allein im Raum. Einen Moment durchflutete ihn Enttäuschung, bevor ihm schmerzhaft bewusst wurde, dass er in seinem eigenen Zimmer lag und es einmal mehr nur ein Traum gewesen war.
Ein Traum, der niemals Wirklichkeit werden würde.
