Work Text:
Wolfenbüttel vor… geraumer Zeit a.k.a. einer ganzen Weile a.k.a. wie alles begann
Adam lehnt neben dem völlig überfrachteten Buffet an einer Wand und kann es immer noch nicht fassen. Dass seine Geheimagentur ihm das wirklich antut. Dass er wirklich hier steht, mit dieser beschissenen Maske über dem Gesicht, dieser Maske, die ihn ohnehin nur behindern wird, genau so, wie ihn dieser Agent von der Konkurrenz behindern wird. Hölzer. Klasse, echt klasse.
Er heißt Hölzer und so sieht er aus, haben sie zu ihm gesagt. Im Geiste äfft Adam seine Handlerin Heinrich nach, was ihm nicht besonders schwer fällt, denn schon allein die Wortkombination ‚Handlerin Heinrich‘ ist nicht ernst zu nehmen. So wie auch die Tatsache nicht ernst zu nehmen ist, dass er, Adam Schürk, Top-Agent aller Top-Agenten seines Geheimdienstes sowie der gesamten Bundesrepublik, strafversetzt worden ist, sozusagen. Bis auf Weiteres nur noch Einsätze im Deutschland. Weil dieser letzte Einsatz in Shanghai – ach, egal. Alles egal.
Und erstrecht alles egal, denn auf das und so sieht er aus wurde ihm ein Foto auf den Tisch geknallt, und damit war alles klar. Sofort auf den ersten Blick wusste Adam, er würde den Kerl hassen. Und er wusste, der Kerl würde sich als absolute Niete entpuppen. Vermutlich auch strafversetzt zu Einsätzen im Deutschland, nur im Gegensatz zu Adam aus gutem Grund. Wenn der Mann, diese Niete, die Bundesrepublik überhaupt schon mal verlassen und nicht womöglich seit jeher Dienst am Vaterland ausschließlich im Vaterland verrichtet hat.
Vaterland. Darf man das heutzutage überhaupt noch denken, geschweige denn aussprechen, fragt sich Adam still. Oder müsste es nicht Vater- und Mutterland heißen? Elternland?
Egal, egal, alles egal. So oder so ist alles egal, vor allem jetzt, da dieser Hölzer in den riesigen, geschäftigen Saal geschlendert kommt und alle berechtigten Vorurteile, die Adam bereits über ihn hatte, gleich auf den ersten Blick voll und ganz bestätigt.
„Es ist ein Maskenball, Herrgott nochmal“, murmelt Adam und setzt sich langsam in Bewegung, schiebt sich so unauffällig wie möglich durch die tanzende Menge. Die Tatsache, dass er den anderen Agenten sofort erkannt hat, liegt natürlich daran, dass der andere Agent, diese Niete, den Saal unmaskiert betreten hat. Erst jetzt, als er Adam durch die Menschenmenge auf sich zukommen sieht – und er kann natürlich nicht wissen, wer da auf ihn zukommt, denn Adam hat, im Gegensatz zu diesem Hölzer, selbstverständlich eine Maske aufgesetzt, wenn auch eine verdammt störende – zieht auch er sich hastig eine Maske übers Gesicht. Oder… versucht es jedenfalls. Kämpft mit dem Gummiband, das sich beim Drüberziehen in seinen übertrieben-fluffigen, dunkelbraunen Haaren verfängt, offensichtlich so sehr, dass dem Kerl in der Sekunde, in der Adam gerade bei ihm angekommen ist, allen Ernstes ein „Aua!“ entfährt.
„Ich geb‘ dir gleich nen echten Grund für aua“, sagt Adam ungeduldig, tritt nah an den anderen Mann heran, schlägt seine Hände weg und richtet das Gummiband.
„Was zum – “, will der Agent protestieren, doch davon will Adam jetzt ganz sicher nichts hören und unterbricht ihn: „Geht’s vielleicht noch auffälliger und vor allem blöder, du Profi?“
Der Konkurrenz-Agent steht für einen Moment regungslos vor Adam und sagt gar nichts mehr. Vermutlich besser so. Adam will auch gar nichts von dem Kerl hören, ja, will noch viel weniger mit diesem Hölzer zu tun haben, der sich wohl auch noch ziemlich toll vorkommt in diesem nachtblauen Anzug, der garantiert nicht von der Stange kommt, so wie Adams. Seine Geheimagentur bestraft ihn nicht nur mit diesem Einsatz und diesem Hölzer, sondern auch mit schlechtsitzender Abendgarderobe. Was nur noch ein Grund mehr ist, diesen Auftrag möglichst schnell hinter sich zu bringen. Hinter sie. Sie beide. Aber nein, gibt es nicht. Es gibt kein ‚sie beide‘, mit Sicherheit nicht.
„Hat’s dir die Sprache verschlagen, Hölzer?“, fragt Adam aber schließlich doch noch, als der andere Agent weiter stumm bleibt. Adams Blick huscht kurz zu Hölzers Mund, der von der Maske nicht verdeckt wird, ebenso wenig wie Adams Mund von seiner eigenen. Was für ein Arschloch, dieser Hölzer. Sagt nichts, obwohl er einen unverschämt schönen Mund mit eindeutig verdammt küssbaren Lippen vorzuweisen hat.
Was fällt diesem blöden Penner eigentlich ein, mit solchen Lippen rumzulaufen?
„Was fällt dir eigentlich ein, mich hier anzutatschen?“, kommen nun tatsächlich Wörter aus diesem schönen Mund. „Und meinen Namen zu benutzen?“, kommen weitere Wörter hinzu. Hölzer klingt nicht verärgert, er klingt vielmehr verunsichert.
„Kannst meinen Namen ja auch benutzen“, sagt Adam gleichgültig und meint es auch so. Ist ja lächerlich. Wenn Hölzer Angst davor hat, dass die Benutzung seines Namens in aller Öffentlichkeit ihn irgendwie zusätzlich in Gefahr bringen könnte, dann ist er echt beim falschen Verein. In der falschen Branche. Sie sind hier ja schließlich immer noch in der Bundesrepublik.
„Kann ich nicht“, antwortet Hölzer nach kurzem Zögern. Wird ja immer lächerlicher.
„Klar kannst du. Ich erlaub’s dir“, sagt Adam und gibt sich betont großzügig. Eigentlich haben sie keine Zeit für so einen Quatsch, aber wenn Adam ehrlich ist, macht ihm dieser Quatsch gerade ein bisschen zu viel Spaß. Dennoch stellt er sich nun immerhin so neben Hölzer, dass er den Saal samt aller Gäste besser im Blick hat. Das trifft zwar auch auf Hölzer zu, aber Adam traut dem Kerl mit seiner zu seinem Anzug passenden Maske nicht. Ebenfalls nachtblau und mit weißen Perlen besetzt und so geformt, dass sie Hölzers Gesicht perfekt –
Schluss jetzt, Schürk, denkt Adam, nichts ist hier perfekt.
Bis auf Hölzers Antwort, die Adam breiter grinsen lässt, als seine eigene Maske es eigentlich erlaubt. Aber egal, denn die Antwort lautet: „Ich kenne deinen Namen aber nicht.“
Adam weiß nicht, für welche Geheimagentur genau Hölzer arbeitet, aber ihn beschleicht der leise – naja, oder doch eher: laute – Verdacht, dass es eine der absoluten Deppen-Agenturen sein muss. Was zwar die Frage aufwerfen würde, warum seine eigene Agentur mit dieser Agentur überhaupt kooperiert, doch das ist ein Rätsel für später. Viel später. Oder vielleicht auch für nie, denn was soll’s. Ein Einsatz und dann nie wieder.
„Na, Hauptsache, du kennst unseren Auftrag“, erwidert Adam gelassen, auch wenn er nach wie vor am liebsten auf der Stelle losziehen und ebenjenen Auftrag allein erledigen würde.
„Natürlich. Sagst du ihn mir jetzt oder was?“, fragt Hölzer. Adam kann spüren, wie der andere Agent ihn von der Seite ansieht.
„Wieso soll ich ihn dir sagen, wenn du den Auftrag natürlich kennst?“, fragt Adam zurück.
„Deinen Namen“, sagt Hölzer und Adam kann nur mit Mühe ein amüsiertes Lachschnauben unterdrücken. Der Kerl ist ja wirklich nicht zu fassen.
Auch Adam wendet nun seinen Kopf zur Seite und erwidert Hölzers Blick. „Deine Leute werden schon wissen, warum sie ihn dir nicht gesagt haben“, erwidert er gönnerhaft. Ganz sicher wird er diesem Möchtegern-Agenten nicht mehr sagen, als unbedingt nötig.
Er kann hören, wie der Mann neben ihm tief ein- und wieder ausatmet, bevor er zurückgibt: „Stimmt. Sie halten sich generell nicht mit… Unwichtigkeiten auf.“
Adam beschließt, diese kleine Beleidigung – oder jedenfalls hält er es für eine – geflissentlich zu ignorieren und sagt: „Schmidt.“
„Was?“, fragt Hölzer irritiert.
„Mein Name ist Schmidt.“
„Das glaubst du doch wohl selber nicht.“
„Nenn mich einfach Schmidt“, sagt Adam und hätte noch so viel mehr zu sagen, doch da packt Hölzer ihn unvermittelt am rechten Oberarm, zieht ihn zu sich, sagt: „Küss mich, Schmidt“ und presst seine verdammt küssbaren Lippen auf Adams Mund.
Leo ist kein großer Fan von Ablenkungsmanövern und er ist vor allem kein großer Fan von diesem blonden Angeber-Agenten. Eigentlich ist er tatsächlich überhaupt kein Fan von diesem Arroganzbolzen, den Leo im nächsten Moment einfach Blondie genannt hätte, wenn Blondie ihm nicht mit diesem lächerlichen ‚Mein Name ist Schmidt‘ zuvorgekommen wäre. Lächerlich und natürlich glatt gelogen, aber Namen sind ohnehin nur Schall und Rauch, vor allem, wenn es sich dabei um Namen von blonden Blondies handelt. Blonden Blondies, die Leo nach Abschluss dieses Einsatzes sowieso niemals wiedersehen wird, also ist ‚Schmidt‘ letztlich wohl so gut wie jeder andere Name.
Weshalb Leo seinen Konkurrenten – wenn das als Bezeichnung für diesen Arsch mal reicht – nun, nachdem noch je ein freundlicher Satz ausgetauscht und Leo aus den Augenwinkeln auf zwei Typen von der hiesigen Sicherheit aufmerksam wurde, die ihrerseits auf Leo und seinen… verfeindeten Konkurrenten aufmerksam wurden, beherzt und mit den Worten „Küss mich, Schmidt“ an sich zieht. Nicht, dass Leo das besonders erstrebenswert fände. Er kann sich weiß Gott Schöneres vorstellen, als diesen Kerl, den Leo für die Erledigung dieses Auftrags ganz sicher kein bisschen gebraucht hätte, hier und jetzt zu küssen. Hier und jetzt, nachdem sie gerade mal ein paar genervte Sätze ausgetauscht und sich gegenseitig versichert haben, dass sie keinerlei Wert auf eine Zusammenarbeit mit dem jeweils anderen legen. Aber was sich nicht mehr ändern lässt, lässt sich nicht mehr ändern, und manchmal müssen eben auch Top-Agenten im Deutschland Opfer bringen.
Der andere Kerl… Blondie… Schmidt... also, Schmidt reagiert überraschend geistesgegenwärtig und steigt sofort in das Ablenkungsmanöver ein. Ihre Masken erweisen sich zwar als etwas hinderlich, doch andererseits verhilft diese scheinbare Anonymität zumindest Leo zu mehr Lockerheit. Überzeugender Lockerheit, hofft er, vor allem im Hinblick auf die beiden Sicherheitsleute. Zwei ziemliche Schränke, die nun aber innehalten. Zwar sehen sie immer noch misstrauisch zu Leo und… Schmidt herüber, und Dank der Tatsache, dass sie im Gegensatz zu allen Gästen hier im Saal nicht maskiert sind, hat Leo sie auch sofort als misstrauische Sicherheitsleute identifizieren können. Doch sie scheinen sich zu entspannen, ein wenig jedenfalls, und Leo und Schmidt die Knutscherei abzukaufen.
Weshalb Leo diese Knutscherei jetzt auch beenden würde, doch Schmidt scheint andere Pläne zu haben.
„Komm schon, rüber zur Tür“, murmelt er zwischen zwei Küssen in Leos Mund und legt einen Arm fest um Leos Rücken. Er schiebt ein Bein zwischen Leos Beine und tanzt ihn fast ein wenig Richtung besagter Tür, hinter der sich die großzügige Empfangshalle dieser protzigen Villa erstreckt. Die sie nur einmal knutschend durchqueren müssen, um zu dem Gang zu gelangen, der sie in das Arbeitszimmer mit dem darin befindlichen Tresor bringen wird.
Leo kann nicht ganz fassen, dass sie sich mit keinem Wort über ihr Vorgehen abgestimmt haben und dennoch sofort an einem Strang ziehen. Er kann es nicht ganz fassen und er hasst es. Er braucht keinen Partner, keine Hilfe, um einen Auftrag erfolgreich über die Bühne zu bringen. Braucht er nicht, will er nicht und er wird mit allen ihm zur Verfügung stehenden Argumenten dafür sorgen, sofort, nachdem er die Dokumente abgeliefert hat – denn ja, er wird den Tresor öffnen und er wird die Dokumente abliefern – dass sich so ein Einsatz wie heute Abend niemals wiederholen wird. Leider hat er bereits jetzt den Verdacht, dass seine Argumente nicht gut genug sein werden, aber… ‚Nenn mich einfach Schmidt‘. Das sagt doch wohl schon alles.
Dennoch lässt er sich von dem schlanken und dennoch durchtrainierten Mann, das kann Leo deutlich spüren, aus der Tür und hinaus ins Foyer tanzen. Mehrmals stoppt sein Konkurrent für einen kurzen Moment, fährt Leo mit ausladenden Handbewegungen in die Haare und an seinen Arsch, um ihr Ablenkungsmanöver noch überzeugender zu gestalten. Leo bleibt nichts anderes übrig, als mitzumachen, immerhin hat er dieses Theater ja überhaupt erst in Gang gesetzt. Also greift auch er in Schmidts Haare und an seinen Arsch, während ihre Lippen weiter an den Lippen des jeweils anderen saugen.
Sie durchtanzen die Empfangshalle und drehen sich dabei fortwährend um die eigene Achse. Behalten so die Halle und alle Zugangstüren im Blick. Schmidt führt. Leo kann kaum glauben und würde niemals zugeben, wie clever er das alles findet.
Was er außerdem niemals zugeben würde: Dass ihm in dem Moment, in dem er unter Schmidts Jackett nicht nur dessen Waffe, sondern auch einige Ausrüstungsgegenstände, die sich verdächtig nach Werkzeug zum Öffnen eines Tresors anfühlen, siedend heiß einfällt, dass er seine eigene Ausrüstung im Auto vergessen hat. Fuck. Dieser Agent von der Konkurrenz hat ihn offensichtlich schon aus dem Konzept gebracht, bevor Leo ihm überhaupt begegnet ist. Dass sein eigener Geheimdienst ihm so rein gar nichts über diesen ungebetenen Partner dieses Einsatzes mitteilte, hat sicher nicht geholfen, das wird Leo langsam immer klarer.
Was Leo außerdem langsam immer klarer wird: Dass dieser verdammte Schmidt wirklich widerwärtig gut vorbereitet zu sein scheint. Während sie nun nämlich in den Flur hinein tanzen, an dessen Ende sich das begehrte Arbeitszimmer mit dem noch begehrteren Tresor befindet, hält der blonde Mann plötzlich kurz inne, lehnt sich zu einem Gemälde hin, das rechterhand an der Wand hängt, und streckt eine Hand zum Rahmen des Gemäldes aus. Wo er offensichtlich irgendeinen verborgenen Knopf oder Schalter sucht, findet und drückt und –
„Schnell jetzt“, sagt Schmidt und löst sich von Leo, als ob nichts gewesen wäre. Leo folgt dem anderen Agenten, der bereits den Flur hinunter hastet, während hinter ihnen der Alarm plärrt und die Gäste des Maskenballs aufgeregt den Saal verlassen und das Foyer verstopfen.
Dieser Bereich der Villa ist schändlich schlecht bewacht. Als Leo das Arbeitszimmer betritt, kniet sein Konkurrent bereits vor den geöffneten Türen einer Kommode aus dunkelbraunem Holz. Darin befindet sich der Tresor, genau wie gedacht, doch Schmidt war schneller. Leo würde am liebsten seine Glock zücken und sie diesem sowas von verfeindeten Agenten über den Kopf ziehen. Bevor er aber überhaupt irgendetwas tun kann, dreht der vor dem Tresor kniende Mann sich zu ihm um, sieht ihn mit einem selbstgefälligen Zug um die Mundwinkel an und sagt: „Was ist los? Die Tür bewacht sich nicht von alleine.“
Leo schnaubt und stellt sich hinter Schmidt. „Ich bin nicht dein Türsteher“, sagt er missmutig.
„Meiner vielleicht nicht, aber der Türsteher dieses Einsatzes, so wie’s aussieht. Also, rüber zur Tür.“
Leo rührt sich nicht von der Stelle. „Vergiss es. Ohne mich müsstest du dich ja auch selbst um die Tür kümmern.“
„Ohne mich wärst du gar nicht hier drin.“
„Ohne mich hätte es dieses Ablenkungsmanöver nie gegeben und du wärst auch nicht hier drin.“
„Ohne mich würdest du immer noch an deiner beschissenen Maske rumfummeln und wärst längst aufgeflogen."
„Ohne mich – “
Scheiße. Leo fällt keine Widerrede mehr ein, eine Tatsache, die dieser dämliche Tresorknacker gnadenlos ausnutzt, indem er süffisant sagt: „Ganz genau. Ohne dich. Ohne dich komme ich bestens klar. Sag das deinen Leuten.“
Leo steht noch immer dicht hinter Schmidt und beobachtet, wie der sich wieder umdreht, nach zwei, höchstens drei weiteren Handgriffen den Tresor öffnet und die Dokumente herausnimmt. Was für ein Streber. So schnell einen Tresor zu knacken, das ist – egal.
Denn Leo sagt jetzt: „Ohne dich komme ich bestens klar. Sag du das deinen Leuten.“
Der dunkelhaarige Mann beugt sich rasch nach vorn und schnappt sich die Dokumente aus Schmidts zugegebenenermaßen sehr großer und sehr schöner Hand.
Mit schnellen Schritten hat Leo den Raum durchquert und eine Zwischentür erreicht, von der er weiß, dass sie ihn in ein Nebenzimmer und von dort über eine Terrasse nach draußen und zu seinem Wagen bringt. Er zieht sich die störende Maske vom Gesicht und lässt sie achtlos zu Boden fallen. Öffnet die Tür und will schon hindurch gehen, da hört er Schmidt hinter sich sagen: „Ich hasse dich.“
Rasch dreht Leo sich noch einmal um. Schmidt kniet noch immer halb vor dem Tresor und scheint sich geschlagen zu geben. Jedenfalls macht er keine Anstalten, sich aufzurichten und Leo zu folgen, um sich die Dokumente zurückzuholen. Stattdessen legt auch er jetzt seine Maske ab.
Leo muss kurz schlucken. Er starrt in das Gesicht des blonden Mannes, zum ersten Mal am heutigen Abend, und erwidert: „Und ich hasse dich. Ich gehe jetzt zu meinem Auto und du kannst mich mal.“
„Und du kannst mich mal!“
Auf dem Weg zu seinem Wagen denkt Leo, dass er doch ganz gerne gewusst hätte, wie dieses Arschloch von einem Agenten tatsächlich heißt. Aber egal. Sie werden sich nie wiedersehen und er ist sicher, darüber ist sein verfeindeter ‚Kollege‘ ebenso froh wie Leo.
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