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„Tim, du bist dran“, meinte Dick mit einem Grinsen. Tim blickte nur perplex auf, als wäre ihm diese Spielregel völlig fremd. Anscheinend musste man bei Spielen tatsächlich mitspielen.
„Komm schon, Ersatz. Wenn ich das über mich ergehen lassen muss, dann musst du es auch.“
Tim funkelte Jason an und normalerweise würde Jason lauter lachen, aber in diesem Fall fuhr ihm ein Schauer über den Rücken. Er hatte den leisen Verdacht, dass er gerade etwas richtig Dummes getan hatte. Wie um es zu beweisen, setzte Tim sein Raubtier-Lächeln auf, welches er normalerweise nur verwendete, um respektlose Konkurrenten von Wayne Industries einzuschüchtern.
„Wie ihr wollt: Ich habe noch nie einen meiner Geschwister zusammengeschlagen und danach eine Nachricht mit deren Blut verfasst.“
„Tim“, rief Dick entsetzt auf.
„Uh oh!“, rief Stephanie stattdessen begeistert, „Tim spielt dreckig.“
Jason hingegen knurrte. „Na gut, wenn du unbedingt so spielen willst, dann lass es uns so spielen. Aber das wirst du bereuen.“
Damit nahm er einen kräftigen Bissen von Alfreds-Höllen-Waffeln, während seine Augen grün funkelten.
Duke hatte zu Beginn nicht verstehen wollen, wieso dieses Spiel darüber entschied, wer die Waffeln aß. Alfred war ein hervorragender Koch und so war es normalerweise eine Belohnung, sich an seinen Keksen oder seinem Kuchen bedienen zu dürfen. Nachdem er aber den anderen dabei zugeschaut hatte, wie sie den Mund verzogen und verzweifelt versuchten ihren Mund auszuspülen, wollte er gar nicht mehr ausprobieren, ob die Waffeln wirklich so schlecht schmeckten. Zu seinem Glück, hatte bisher niemand etwas gesagt, das auf ihn zutraf… weil diese Familie verrückt war.
„Ich habe noch nie vergessen zu schlafen, nur, weil ich an einem Fall gearbeitet habe, der auch ohne Probleme bis zum nächsten Tag hätte warten können“, meinte Jason bestimmt und alle blickten erwartungsvoll zu Tim. Nur, dass Tim nicht der Einzige war, der grummelnd etwas aß, sondern auch Dick griff nach einer Waffel.
„Ihr müsst wirklich besser auf euch Acht geben“, murmelte Duke und ruinierte somit seine Unsichtbarkeit. Dick blickte ihm mit hochgezogener Augenbraue an. Hätte Duke doch besser seinen Mund gehalten.
„Ich habe noch nie meine Kräfte benutzt, um mich selbst zu blenden und die Treppen hinunterzufallen.“
Duke schnappte verraten nach Luft, bevor er zischte, „Das habe ich dir im Vertrauen erzählt.“
„Tut mir leid. Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt“, antwortete Dick einfach nur und das war wirklich nicht fair. Duke konnte nichts dafür, dass er als Einziger Kräfte hatte und Duke konnte nichts dafür, dass er Dick bisher als den Netten eingeschätzt hatte. Das würde in Zukunft nicht mehr passieren.
Mit zitternden Händen griff er nach der Waffel und nahm einen Bissen. Sofort verzog sich sein Magen, seine Hände verkrampften sich, seine Augen drohten aus seinem Schädel zu springen. Er fiel nach hinten um und blieb erschlagen liegen.
„Schwächling“, beleidigte Damian ihn mit einem Augenrollen.
Es sollte Damian wohl nicht mehr überraschen, wie erbärmlich seine Familie war. Trotzdem musste er zugeben, dass er diesen Wettbewerb nicht ignorieren konnte. Duke war bereits aus dem Wettstreit ausgestiegen und Geisterseher konnten wohl seine Seele über ihn schweben sehen. Blieben nur noch fünf Gegner, welches es galt zu besiegen. Schon bald würden sich auch die anderen ergeben und dann würde Damian sich beim nächsten Mal als erstes an so vielen von Alfreds Keksen bedienen können, wie er wollte. Dieser Preis war jeden Bissen Gift wert, auch, wenn Pennyworth wohl keine tödlichen Zutaten verwendet hatte. Das änderte trotzdem nichts am widerlichen Endergebnis.
„Ich wurde noch nie von einem reichen Mann adoptiert, der sich in der Nacht als Fledermaus verkleidet“, erklärte er und sah stolz dabei zu, wie Cain, Drake und Todd einen Bissen zu sich nehmen musste. Stephanie grinste fies rein, während Damian aber auch schockiert feststellen musste, dass Dick keine der Waffeln anrührte. „Grayson, ich erwarte, dass du nicht schummelst.“
Dick lächelte ihn nur an. „Bruce hat mich nie offiziell adoptiert. Netter Versuch, aber so kriegst du mich nicht.“
Damians Augen weiteten sich geschockt. „Er hat dich nie…?“
Todd stöhnte frustriert auf. „Sobald diese Folter vorbei ist, reden wir darüber. Kann doch nicht sein, dass dieser Mistkerl wirklich alles falsch macht.“
Normalerweise hielt sich Damian davon fern, an seinem Vater zu zweifeln, aber in diesem Fall war es wohl angemessen, auch, wenn er es nicht laut zugab. Stattdessen konzentrierte er sich auf etwas, das er beeinflussen konnte: Das Spiel so schnell wie möglich zu beenden. „Cain, du bist dran!“
Cass atmete tief durch. Sie war besser mit Worten geworden, aber es brauchte trotzdem ein wenig, bis sie es in ihrem Kopf so weit zusammen hatte, dass sie es aussprechen konnte. Steph lehnte sich zurück, als hätten sie alle Zeit der Welt, aber Damian war ungeduldig und so beeilte sich Cass lieber.
„Ich habe noch nie…“ Die ersten Worte waren einfach, denn sie hatte sie bereits die ersten Runden über geübt. Die darauf waren etwas schwerer. „einen Tag lang mehr als hundert Wörter gesagt.“ Cass hatte es versucht. Sie hatte geübt Bücher vorzulesen, aber selbst dann war es ihr schwer gefallen auch nur an fünfzig Wörter heranzukommen. Es war ein langsamer Prozess und dieses Mal kam es ihr zugute, denn jeder musste etwas zu sich nehmen.
Sie hörte, wie Damian schluckte und auch Tim sah mittlerweile grün um die Nase herum aus. Lange würden die beiden es nicht mehr durchhalten, gerade, weil Stephanie plötzlich etwas ganz Gemeines an sich hatte. Es machte Cass Angst.
„Ich habe noch nie auf dem Trainingsgelände der Liga der Assassinen trainiert“, erklärte sie und jetzt schrie fast jeder auf. Cass nahm ihre Niederlage gefasst auf, aber Tims Blicke hätten Stephanie wohl erdolchen können.
„Du hättest nur etwas sagen müssen, wir hätten das ganz leicht ändern können“, grummelte Jason, biss aber genauso wie Damian ab. Auch Dick musste abbeißen und Cass war sich nicht ganz sicher, ob sie überhaupt wissen wollte, wann das Geschehen war.
„Ich… Ich kann nicht mehr“, keuchte Tim, bevor er wie Duke nach hinten umfiel und seine Augen schloss. Zum Glück nicht für immer, aber es war nah genug dran.
Stephanie liebte es, wie alle um sie herum litten. Es hatte schon etwas Gutes an sich, nicht so lange zur Familie zu gehören und auch nicht so lange unter Batman gearbeitet zu haben. Auf sie trafen viel weniger Aussagen zu.
Jasons Augen wechselten immer wieder ins Grüne und Stephanie vermutete langsam, dass die leichten Heilungskräfte der Lazarus-Grube Jason dabei halfen so lange durchzuhalten. Unfair.
„Wenn Timbit aufgibt, bin ich wohl wieder dran. Macht euch gefasst“, warnte er und sein Grinsen hatte etwas Animalisches an sich. Niemand war beeindruckt. „Ich habe noch nie einen meiner Brüder bekämpft, weil dieser von den Toten zurückgekehrt ist und beschlossen hat Gothams Unterwelt an sich zu reißen.“
„Arsch“, murmelte Dick, bevor er genauso wie Damian und Cass einen Bissen nahm. Stephanie lächelte nur und winkte so lieb, wie es ging. Zu Jasons Hochzeit als Red Hood, war sie nicht in der Stadt gewesen. Etwas schade, weil sie bestimmt Tim hätte helfen können, aber in diesem Fall bereute sie nichts.
Dick blickte auf die verbleibenden Waffeln. Es waren nicht mehr so viele übrig und trotzdem noch genug. Es würde ein harter Kampf werden, nicht noch mehr essen zu müssen, aber er würde es schaffen. Er würde mit seinem nächsten Satz ein paar seiner Geschwister außer Gefecht setzen. Nur … dass ihm nichts einfiel. Früher wäre es leichter gewesen, aber mittlerweile hatte Dick so viel erlebt, dass es kaum noch etwas gab, dass er nicht getan hatte. Und irgendwie hatte er im Gefühl, dass es bis zum nächsten Spiel nochmal mehr Dinge werden würde.
„Ich habe noch nie…“, fing er an und versuchte sich Zeit zu erkaufen, aber Jason blickte ihm bereits genervt an, weswegen er das erst beste nahm, was ihm einfiel. „… ein Haustier besessen.“
„Du bist in einem Zirkus aufgewachsen“, meinte Stephanie unbeeindruckt und Dick legte sofort entrüstet eine Hand aufs Herz. „Aber das waren doch keine Haustiere. Das waren Arbeitskollegen.“
Jason verdrehte die Augen, biss aber in eine Waffel, immerhin hatte er als Kind einen Hund gehabt. Und natürlich aß auch Damian eine Waffel, auch, wenn bei den ganzen Tieren, die er besaß, mehrere angemessen gewesen wären. Dick sagte aber nichts, denn Damian schien sich jetzt schon durch diese eine zu quälen. Ob er nicht nach dieser bereits aufgeben würde? Es sah ganz danach aus.
„Du solltest auch eine nehmen“, meinte Jason und blickte zu Cass, welche verwirrt den Kopf schief legte.
„Die neben dir, ist genauso viel Aufwand wie ein Haustier“, erklärte Jason und sofort zeigte Stephanie ihm einen Mittelfinger.
Cass nahm es aber gefasst auf und schüttelte den Kopf. „Kein Haustier. Freundin.“ Und damit strich sie Stephanie durchs Haar, welches absolut nicht Jasons Argument entkräftigte.
„Ich… Ich kann nicht mehr“, erklärte Damian keuchend, bevor er den Rest seiner Waffel fallen und erschlagen den Kopf hängen ließ. Dick wollte Damian nur zu gerne beruhigen und eine Hand auf die Schulter legen, aber zwischen ihnen lag noch Duke. Zudem würde Damian es vermutlich nicht als eine Form des Komforts, sondern als Hohn betrachten.
„Dann waren es nur noch vier“, murmelte Jason.
Stephanie blickte gespannt zu Cass, doch, bevor diese etwas sagen konnte, klingelte der Wecker. Geschockt sahen sich all in die Augen.
„Speedrunde!“, erklärte Stephanie sofort. Alfred würde in fünf Minuten in die Küche kommen und bis dahin mussten alle Waffeln weg sein, außer, sie wollten ihm erklären, warum es eben nicht der Fall war. Das wollte niemand.
„Ich habe noch nie ein Robin-Kostüm getragen“, meinte Cass entschieden und Steph schluckte. Das konnte doch nicht wahr sein! Ein Blick in die Runde verriet ihr, dass niemand es hatte kommen sehen.
Erschlagen teilte sich Stephanie mit Dick und Jason die letzten zwei Waffeln.
„Herzlichen Glückwunsch“, murmelte Stephanie, aber jeder im Raum wusste, dass sie es nicht ernst meinte. Cass hatte gewonnen und das kam leider mit dem Preis, dass sie alle stöhnend am Boden lagen und ihren Geschmacksnerven beim Sterben zuhörten.
