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Hausmittel

Summary:

Rhun ist mal wieder krank. Wobei, man sollte wohl eher sagen immer noch.
Aber während er vergeblich nach Möglichkeiten sucht, seine Migräne zu lindern, läd Klaus sich, Zeke und Fips spontan in Rhuns Hotel ein.

Für @raijuchesis
[Diese Geschichte ist im Rahmen des JCU Secret Santa Events entstanden!]

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

„Migräne was tun” gibt Rhun per Sprachbefehl in die Suchleiste ein. Schon zum dritten Mal heute. Und oh Wunder, schon wieder keine hilfreichen Ergebnisse.
„Auf genügend regelmäßigen Schlaf und Entspannung achten” steht dort, und doch will Rhun das nicht so hinnehmen. Ja klar, Schlaf und so ist bestimmt ne tolle Sache, aber er ist doch die Zahnfee, die unsterbliche, mächtige Zahnfee, die sicher keinen Schlaf braucht, so ist es doch auch die letzten fünfhundert Jahre gewesen.

Richtig, die Migräne kommen sicher von woanders. Und für Vorbeugung ist der Zug vermutlich seit circa 200 Jahren abgefahren. Zur Behandlung kann er außerdem keine Schmerzmittel nehmen, weil diese irgendwo andocken, wo sie Darks Kräfte hemmen und dann beschwert dieser sich immer so sehr, dass es sich so anfühlt, als hätte Rhun gar keine Schmerzmittel zu sich genommen.

Dann also die guten alten Hausmittel, am liebsten würde er einfach eine Hand voll Kräuter von der Wiese pflücken und dann wäre der Käse gegessen, aber das schien keine Lösung zu sein.

„Kälte und Wärmetherapie” steht dort auf der Website. Ja, was denn jetzt, Kälte oder Wärme? „Rückzug in einen abgedunkelten Raum” erscheint ihm wie das einzig sinnvolle auf der Liste und als er „Homöopathie” liest, klappt er den Laptop zu.
„Minty, Harry! Macht mal die Vorhänge zu.” ruft Rhun den beiden zu, die ohnehin nichts zu tun haben, seit das Hotel wieder ganz ist.
„Wie heißt das Zauberwort?” fragt Minty, wohl etwas zu laut, denn Rhun zuckt zusammen.
„Leiser, bitte.” haucht er und Minty lässt das, vor allem, weil er grauenhaft aussieht, mal so durchgehen und zieht gemeinsam mit Harry die Vorhänge zu.

„Harry denkt, Zahnfee soll sich ins Bett legen und schlafen.” meint Harry, als Minty und er das Zimmer verlassen. Rhun nickt nur gequält. Schlafen. Ja, richtig.
Rhun merkt gar nicht, wie lange er das Bett angestarrt hat, bis Minty vorsichtig anklopfte, weil sie ihm einen Tee bringen will, Pfefferminze.
„Heute mal keine Weinis für dich.” flüstert sie, während sie die Tür wieder schließt, um Rhun nicht den nächsten Migräneanfall zu bescheren. Rhun bedankt sich mit einem Nicken.

„Und was jetzt, willst du wirklich schlafen?” fragt Dark in seinem Hinterkopf. Er betont schlafen so abfällig wie irgend möglich. Rhun würde schlafen aber auch gerne vermeiden, das letzte Mal hat das nicht gut geendet. Vielleicht sollte er stattdessen mal schauen, ob er neue Nachrichten bekommen hat, oder so.
Als er dem nachgehen will und sein Handy aus der Tasche holt, merkt er, warum er das nicht schon vorher getan hat.
Ein stechender Schmerz schießt wie ein gottverdammter Blitz direkt in sein Gehirn, selbst Dark gibt ein betroffenes „Au!” von sich.

Aber schlafen lassen würde Dark ihn nicht, da war Rhun sich sicher.

Davon gibt er sich aber sicher nicht geschlagen. Er stellt einfach die Helligkeit so niedrig ein wie möglich und dann sollte das schon gehen.
Oh! Er hat tatsächlich eine Nachricht bekommen, nein, sogar zwei!

Er öffnet die erste.
„Ihr Datenvolumen für diesen Monat ist verbraucht, wir haben ihnen für 5€ einen Gigabyte aufgeladen.“ Scheiße, er sollte echt mal einen anderen Vertrag abschließen.

Aber jetzt zum Wichtigeren. Klaus hat ihm geschrieben! Sein Bruder Klaus, den er schon seit ein paar Jahren nicht mehr besucht hat. Irgendwie fühlt er sich jetzt schon schlecht, obwohl er die Nachricht noch nicht mal geöffnet hat.

„Hallo, Rhun. ☺️ Ich wollte dir sagen, dass ich es geschafft habe, Fips und Zeke von einem Treffen bei dir zu überzeugen!😃 Du hast ja vor ein paar Wochen schon zugestimmt, deswegen hab ich ihnen einfach gesagt, wir treffen uns heute bei dir. Ich hoffe, das ist okay. 👍“

Scheiße.

Rhun denkt eigentlich, es wäre für seine eigene Gesundheit am besten, Klaus einfach abzusagen, aber der muss wahnsinnige Mühen auf sich genommen haben, um das hinzubekommen. Klar, Fips bekommt man bei sowas eigentlich recht schnell überzeugt, aber Zeke?
Zeke und Rhun verstehen sich ziemlich gut, auch nach all den Jahren, also hätte er es verstanden, wenn Zeke zu einem von Rhun geplanten Treffen ja gesagt hätte. Naja gut, es findet zumindest in Rhuns Hotel statt.

Wenn er jetzt absagt, dann finden sie wahrscheinlich nie wieder einen Termin. Aber wie soll er die Hyperaktivität von gleich zwei seiner Brüder aushalten? Er konnte doch nicht mal länger auf sein Handy schauen, ohne von Migräne heimgesucht zu werden.

Egal, darum muss sich Zukunfts-Rhun kümmern, denkt er, als er, Dark ignorierend, eine Antwort schreibt.
„Hey, ja, heute passt. Ihr könnt vorbei kommen. Schön, dass es doch noch geklappt hat.“

Zu seinem Erstaunen antwortet Klaus direkt:
„Okay 👌 Wir kommen dann in 30min, hoffentlich sind die anderen pünktlich.“
30 Minuten. DREISSIG Minuten.

Au! Schon wieder ein Blitz, der durch sein Gehirn schießt. Egal, eine halbe Stunde hat er ja noch.
Noch mal Zeit, kurz zu entspannen, soweit das möglich war.
Dark verhinderte jegliche Form von Schlaf, weil er dank Rhuns unruhiger Art dazu neigte, zu denken, er würde irgendwo in der Obskurität versiegen. Vielleicht könnte man das Problem also mit tatsächlich erholsamen, ruhigen Schlaf lösen. Aber dieser scheint unerreichbar weit weg.

Das Grübeln ließ den Druck in seinem Kopf nur weiter anschwellen, deswegen lässt er es lieber und trinkt einfach seinen mittlerweile kalten Tee.

Bis er ein Klopfen hört. Das müssen seine Brüder sein.
Er geht an die Tür, vorbei an der Rezeption und weist Minty, Harry und Ray dazu an, mal kurz woanders Pause zu machen. Das ist wahrscheinlich besser so. Minty schaut ihn irgendwie so an, als frage sie sich, ob es ihm jetzt schon wieder besser geht, was -ganz nebenbei erwähnt- nicht der Fall ist.

Er öffnet die Tür, der schwere Türknauf liegt stabil in seiner Hand und kühlt diese ein wenig. Ihm fällt gerade erst auf, wie warm ihm ist.
Tatsächlich, vor der Tür stehen seine Brüder (außer Eos, natürlich)!

Klaus ist der erste, der seine Stimme wiederfindet.
„Hallo, Rhun. Wie geht’s dir?“
Rhun überlegt, ob er ehrlich antworten soll, aber er entscheidet sich dann doch dagegen.
„Joa, wie immer halt.“ kurz gibt es ein wenig unangenehme Stille.
„Schön, euch mal wieder zu sehen.“ erwidert Klaus. Doch bevor Rhun irgendetwas antworten kann, kommt Zeke zu Wort.
„Hey, Rhun-Schmuhn! Sorry, aber du siehst beschissen aus. Sicher, dass alles okay ist?“
Rhun muss fast schon lachen, weil sein Bruder so direkt ist. Er sieht Fips im Hintergrund sein Lachen verkneifen. Aber Zeke hat ja Recht.

„Hab halt wieder Migräne.“ gibt Rhun trocken zurück, seine Brüder können sich das wahrscheinlich schon denken, das hat er eigentlich seit seiner Jugend in unregelmäßigen Abständen.
Bevor seine Brüder antworten können, bittet er sie endlich ins Hotel.

Fips und Zeke flüstern sich gegenseitig irgendwas zu. Klaus versucht, sie zu ignorieren und von der Hotelcrew ist nach wie vor keine Spur zu finden. Gut, sie machen also tatsächlich noch irgendwo Pause.
„Und, was machen wir jetzt eigentlich?“ fragt Fips, nachdem Rhun die Brüder angewiesen hat, sich zu ihm an den Tisch zu setzen.
Rhun schaut Klaus an, von ihm geht die ganze Sache jedenfalls aus, und bekommt gleich darauf wieder mal eindrucksvoll demonstriert, dass er unter Migräne leidet.
„Reiß dich zusammen.“ hört er Dark tadelnd in seinem Kopf zu ihm sprechen. Er widersteht dem Drang, mit den Augen zu rollen, da seine Brüder sonst denken würden, das wäre an sie gerichtet.

„Ich wollte eben einfach mal wieder mit euch ratschen. Einfach so, ganz locker.“ Antwortet Klaus, nachdem er Rhun eine fragenden Blick zuwirft.
„Bro, ratschen ist so ein Boomer-Wort. Wer sagt das?“ fragt Zeke.
„Ich sag das.“ antwortet Klaus stumpf.
„Ja, hab ich gemerkt.“ entgegnet Zeke nun wieder.
Fips versucht, das Gespräch zu deeskalieren, indem er rasch das Thema wechselt.

„Wie geht’s eigentlich deiner Hotelcrew, Rhun? Die hab ich auch schon ewig nicht mehr gesehen?“
„Ganz gut soweit. Seit das Hotel nicht mehr bröckelt, haben sie auch nicht mehr so viel Stress.“
Fips nickt und lächelt. Sie alle geben sich gerade wirklich Mühe, sich einfach normal zu unterhalten. Wird auch mal Zeit.

Rhun geht kurz in die Küche und holt vier Gläser und Getränke. Doch als er diese auf den Tisch stellen will, meldet sich sein Kopf wieder.
Plötzlich zuckt er zusammen und eines der Gläser fällt krachend zu Boden. Die anderen kann er gerade noch auf den Tisch stellen.

Sofort hören Fips, Zeke und Klaus auf zu reden.

„Setzt dich mal hin, Rhun.“ Klaus klingt bestimmt und so tut Rhun, was er sagt. Auch Zeke und Fips sehen besorgt aus.

„Kann es sein, dass du zur Zeit viel Stress hast? Wenn das bei mir so ist, hab ich auch immer Schmerzen." fragt Zeke.
„Oder schläfst du zu wenig?“ fragt Fips.
Rhun überlegt, ob er ihnen verraten soll, was los ist. Sie sind seine Brüder, er kennt niemanden länger als sie. Er muss es tun.

„Dark lässt mich nicht schlafen, weil ich so unruhig bin und er sich unsicher fühlt. Um ehrlich zu sein, kann ich mich nicht mehr an das letzte Mal erinnern, als ich geschlafen habe.“
Klaus nickt. Er scheint eine Idee zu haben.

„Hast du noch dieses eine riesige Bett im Hotel?“ fragt er.
„Ähh ja. Das ist in Zimmer Nummer Drei.“
„Wie wäre es, wenn wir einfach heute Nacht -oder am besten jetzt gleich- mit dir da schlafen.“
Fips und Zeke nicken zustimmend.
„Dann kannst du schön in die Mitte und so kannst du endlich mal ruhig schlafen. Ich bin mir sicher, dann werden die Kopfschmerzen besser.“ fügt Klaus hinzu.

Rhun überlegte, aber selbst Dark in seinem Kopf befindet diese Idee für gut. Fips und Zeke sind auch dabei. Wenn es darum geht, die Schmerzen eines Bruders zu lindern, erklären sie sich gerne bereit.

Als es dann so langsam Abend wurde, bittet Rhun, Minty und Harry, Zimmer Nummer drei für Gäste herzurichten. Sie schauen überrascht, als Rhun erzählte, dass seine Brüder heute hier übernachten.

Ein paar Minuten später, nachdem Rhun den Brüdern Schlafanzüge geliehen hat und er mal wieder ein Druckgefühl in seiner Stirn spürt, legen sie sich endlich ins Bett.
Das Bett war definitiv größer und gemütlicher als das, das sie im Kloster hatten, aber trotzdem fühlt sich Rhun in seine Kindheit zurückversetzt. Die anderen sicher auch.

Und so liegen sie da. Fips und Klaus außen, Rhun und Zeke innen.

Endlich, nach so vielen Jahren weiß Rhun, was seine Schmerzen verursacht hat. Und er weiß, wie er seine Schmerzen lindern kann.

Nach wenigen Minuten schläft Rhun einfach so, ohne Angst ein, und die Erschöpfung wird von Entspannung verdrängt.

Notes:

Danke fürs Lesen!! :)

Ich hab zum ersten Mal im Präsens geschrieben und weiß jetzt, was ich nie wieder machen will hahaha