Work Text:
>> Basti POV <<
Vor mir saßen viel zu viele Köpfe. Viel zu viele Gesichter, um sich an alle zu erinnern. Von den Top-Studenten wusste ich ein paar Namen, von manchen auch, die kurz vorm Durchfallen waren. Von manchen Gesichtern allerdings war ich mir sicher, dass ich sie noch nie gesehen hatte.
Aber ein Student, an dem blieb mein Blick immer hängen, weil ich ihn kannte.
Besser als er jemals vermuten könnte. Ich sah Mike an, wie er in seiner Bank saß und in der Luft umherträumte. Ich sah Mike an, dass er hier eigentlich nicht sein wollte, dass er das nur als Ausrede benutzte, um später an einen ganz anderen Ort zu wandern. Oder besser: zu einer ganz bestimmten Person.
Schon fast ein ganzes Semester ist es her, dass ich ihn mit dem Bibliothekar Hugo knutschend vorgefunden hatte.
Ja. Hugo, nicht Tobi. Ich wusste, dass es Hugo war. Ich weiß viel mehr, als sie denken, dass ich weiß. Für die beiden war ich Professor Haege. Unwichtig, unbedeutend, einfach ein junger Professor, der existierte.
Für mich waren sie Wichtiger und LetsHugo, nicht Herr Morgenstein und Herr Goedert. Zwar redete ich sie immer so an, doch das war nur Show. Das Schauspiel, das ich seit der Zehnten Klasse spielte. Damals, als meine Freundin mit mir Schluss gemacht hatte, war ich so gekränkt gewesen. Damals war ich noch in der Schule, doch so begann alles.
Ich stürzte mich in die Arbeit, ließ mir keine freie Minute mehr. Es war wie eine Sucht. Einmal angefangen, konnte man nicht mehr damit aufhören. Ich schottete mich ab. Als ich mein Abi in der Tasche hatte und mit dem Studieren begann, wurde ich auf den sozialen Medien groß. Doch ich machte immer weiter.
Und jetzt war ich hier, Professor an einer Universität und Content Creator mit über 2 Millionen Follower, doch niemand wusste, dass ich das war.
Es galt „Entweder oder" nicht „und".
In Minecraft bin ich Bastighg, an der Uni Professor Haege.
Diese Welten hätten sich nie überschneiden dürfen. Haben sie sich allerdings.
Durch Hugo und Mike.
Und Mike saß da, starrte Löcher in die Luft, hatte keine Ahnung von meinen Sorgen. Allein anhand von der Weise, wusste ich, woran er dachte. Ich wusste ganz genau, warum er bei jeder Lesung anwesend war, obwohl es ihn nicht interessierte. Weil er zurück wollte, zurück zu Hugo.
Während ich in Gedanken versunken war, hatte ich weitergeredet, wie automatisch. Die Hülle meiner selbst, geprägt von der vielen Arbeit.
„Das war's für heute, Leute, ihr könnt gehen."
Weiter stand ich da und blickte Mike an.
Ich begann zu leicht zu zittern, so leicht, dass es ja niemand merkte.
Wie gerne ich das haben würde, was Mike und Hugo haben. Mein Magen zog sich zusammen. War ich ein schlechter Kollege, weil ich eifersüchtig bin?
Mike ist wie gerissen aus seiner Trance und packt hektisch alle seine als Kissen dienenden Bücher ein.
Ich tat ihm das gleich, nur dass meine Bücher strickt geordnet auf dem Lesepult lagen, und mit Sorgfalt anstatt mit Hektik verstaut wurden.
Eines dieser Bücher musste ich heute zurückgeben, da beschloss ich schlicht, Mike einfach zu folgen.
Mit einem sicheren Abstand von 3 Metern lief ich ihm hinterher. Je näher wir der Bibliothek kamen, desto schneller wurden seine Schritte. Ich hatte nicht die Kraft, mit dem Tempo mitzuhalten. Es konnte auch sein, dass mir einfach die Ambition fehlte. Statt zu beschleunigen, wurde ich immer langsamer. Und so trug es sich zu, dass ich 5 Minuten später als Wichtiger ankam. Die Tür war schon ziemlich alt und hölzern, sie knarzte, als ich sie öffnete.
Es war ein sehr verkanteter Raum, weswegen man vom Eingang aus nicht gleich alles sehen konnte.
Mit ruhigen Schritten kam ich auf das Pult zu, ich müsste ja nur schnell ein Buch zurückgeben, dann war ich weg von Hugo und Mike, zurück in meiner „Safe Zone".
Hinter dem großen Bildschirm des Computers saß Hugo, mit Mike auf dem Schoss. Der schien es sich dort sehr schnell gemütlich gemacht zu haben. Mussten die es so offensichtlich machen? An der Uni war ihre Beziehung inzwischen ein offenes Geheimnis, öffentlich hatten sie sich jedoch noch nicht geoutet.
„Guten Tag, Herr Goedert, Guten Tag, Herr Morgenstein. Ich müsste..."
Wie immer war ich höflich und hochnäsig, doch ich stockte, als ich bemerkte, dass mir keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Beide Turteltäubchen waren mir abgewandt. Auch den Computer sahen sie nicht an. Sie schienen in ein Gespräch verwickelt zu sein mit jemandem seitlich von ihnen.
Als ich diesen „Jemanden" sah, traf mich der Schlag. Den Gesprächspartner, den ich sah, hatte ich nicht erwartet. Es war die falsche Person, zur falschen Zeit, am falschen Ort.
Wie schaffte er das immer, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein?"
Langsam wich der Schock, leider kam statt ihm schon leichte Panik auf.
Die Person sah auch auf, sie war offenbar von meiner Anrede auf mich aufmerksam geworden. Diese Person könnte alles auffliegen lassen. Sie war eine der wenigen aus der Streaming-Branche, die wusste, wie ich aussah. Ich sah ihm in die Augen, erkannte diesen aufgedrehten Funken, mein sonst so ruhiges Ich wurde hibbelig. Vor mir stand Kevin, DER Kevin, Papaplatte.
Ich wollte, nein konnte es zuerst nicht glauben. Doch sein blonder Mittelscheitel, seine durchschnittliche Größe und das „GhGeh mir nicht auf die Eier"-Shirt, das er trug ließen keine Zweifel übrig.
Seine Augen wurden weit, doch unser Augenkontakt hielt. Sein besonderer Kick blieb. Kevin wusste, wie ich aussah. Kevin könnte alles zerstören. Denn Kevin wusste nicht, dass ich als Professor jobbte. Und vor allem wusste Kevin nicht, dass Niemand hier im Raum das wusste.
Er würde alles auffliegen lassen, wenn ich jetzt nicht handelte.
Ich konnte sehen, wie er zum Sprechen ansetzte. Das war mein Zeichen. Ohne nachzudenken warf ich mich wie ein Verrückter ihm entgegen. In dem Versuch, mit meiner Hand seinen Mund abzudecken takelte ich ihn ausversehen zu Boden.
Die Überraschung war ihm noch deutlicher ins Gesicht geschrieben wie schon zuvor. Verwirrt war er, strampeln tat er und vor allem zog er viel zu viel Aufmerksamkeit auf uns.
Er schrie etwas Undeutliches in meine Handbeuge. Ich sah mich um nach einem Platz, an dem wir ungestört reden könnten. Es wimmelte hinter jeder Ecke nur so von Studenten. Eigentlich war das ja etwas Gutes, dass sie sich bemühten und lernten, doch diese Situation machte das etwas misslicher.
Mein Blick fing auch die verdutzten Ausdrücke Mikes und Hugos auf, wobei diese Schuljungen sich zugleich das Lachen verdrücken mussten.
Als Professor hatte ich mich immer als sehr gebildet und streng, aber verständnisvoll gegeben. Einen Gast einfach so zu Boden zu ziehen schien nicht so nach mir. Zumindest nicht nach demjenigen, für den ich mich immer ausgegeben hatte.
Diese Situation, dass auf einmal alles zu Kippen drohte, machte mir zu schaffen. Viel zu schnell atmete ich, hyperventilierte fast. Ich hätte schon früher die Katze aus dem Sack lassen sollen, jetzt hatte ich den Salat. Was nur alle von mir denken würden?
Wir waren uns so nah. Weil er sich wehrte, musste ich meinen Körper noch stärker an seinen drücken. Mein Herz pumpte wie wild.
Endlich sah ich etwas. Etwas, das sich eignen könnte. Eine kleine, unscheinbare hölzerne Tür, die in eine Abstellkammer führte, soweit ich wusste. Seit Hugo Bibliothekar war, war sie nicht mehr genutzt worden. Diese Kammer wurde mein Ziel.
Meine eine Hand ließ ich auf Kevins Mund, meine andere zog ihn mit mir nach oben, als ich taumelnd aufstand. Überraschenderweise leistete er keinen Widerstand mehr, so konnte ich ihn problemlos in den kleinen Raum ziehen.
Auch diese Tür knarzte, schwer fiel sie ins Schloss.
Es war dunkel. Kevin hustete, von dem Staub, der sich angesammelt hatte und von uns aufgewirbelt worden war. Meine Hand lag immer noch auf seinen Lippen, ich bekam Speichel ab und zog sie angeekelt weg.
Tief atmete ich ein, und wieder aus. Abgestützt auf meinen Knien wartete ich darauf, dass Kevin etwas sagte. Noch war ich aufgebracht, doch ich begann mich zu beruhigen.
Tatsächlich fing er an zu reden. Er konnte sich allerdings kaum einkriegen. Er lachte. Warum lachte er?
„Heyy großer! Was ist denn in dich gefahren? Du arbeitest hier? Solltest mal lieber Rugbyspieler werden. Da lauern ganz schöne Muckis in den Armen."
Ich hatte ein großes Donnerwetter erwartet. Ein Donnerwetter, das nie gekommen war. Seine Unseriosität und das, was man als Kompliment bezeichnen konnte brachten mir ein Lächeln auf die Lippen. Ein Lächeln so echt, wie es schon lange nicht mehr gewesen war.
Ich versuchte die Stimme der Vernunft zu sein, wie ich es immer war, aber ohne Grund musste ich ebenso lachen.
„Das ist eine ernste Angelegenheit."
Teils versuchte ich mich selbst vom Lachen abzuhalten. Er konnte mich mit Lachen doch gar nicht ernst nehmen, oder?
Doch, es stellte sich heraus, er konnte es.
„Warum bist du hier, Basti? Und warum hast du nie etwas davon erzählt?" Seine Stimme hatte etwas Ruhiges. Der Raum war klein, die Last dessen, was gesagt werden musste, war groß.
Kevin ließ sich an einer Wand hinuntergleiten und saß nun am Boden. Wir hatten nur den kleinen Lichtstrahl, der durch den Türspalt hindurchschien, als Beleuchtung. Nur als Schatten vernahm ich die kleine Geste, die implizierte: Ich sollte mich auch setzen.
Und so ließ ich mich in meinem Anzug, der teuer gewesen war auf staubigen und dreckigen Boden fallen.
Kevin und ich saßen nah beieinander, unergründlicherweise gab es mir das Gefühl von Sicherheit. Das erste Mal seit der Zehnten Klasse sprach ich wieder ehrlich.
„Das ist eine lange Geschichte. "
Das war es in der Tat. Eine, in der ich mich viel zu weit würde öffnen müssen.
„Willst du mir davon erzählen?"
Sein Tonfall war so weich. So, fürsorglich.
„Vielleicht, vielleicht irgendwann, Kevin."
Ich konnte es ihm noch nicht erzählen. Noch nicht die ganze Geschichte.
Er nahm es einfach so hin.
Von jetzt auf gleich herrschte Stille. Das Einzige, was zu vernehmen war, waren dumpfe Stimmen aus dem Nebenraum.
Eine Stille, die Ruhe bot. Eine Ruhe, die von außen aus gebrochen wurde.
„Kevin? Professor Haege? Alles gut da drinnen? Was ist passiert?"
Mike schrie gegen die Tür.
Was sollte ich antworten? Ich schnaubte kurz. Ich wusste es einfach nicht. Ich hasste es, wenn ich Dinge nicht wusste. Wozu dann die ganze Arbeit, wenn man nicht perfekt war?
„Wir reden später. Geht bitte, Jungs!"
Zum Glück war Kevin eingesprungen.
„Okay."
Hugo antwortete Mike statt.
Kevin wartete mit dem sprechen, bis die Schritte der beiden nicht mehr zu hören waren.
„Sie wissen es nicht, oder?"
Es brauchte keine großen Erklärungen, damit ich wusste, was er meinte.
„Nein, tun sie nicht."
„Soll ich es ihnen sagen?"
Die Worte hallten in meinem Kopf wieder. Sollte er das?
„Vielleicht, vielleicht irgendwann, Kevin."
Wir brauchten beide eine Gesprächspause. Doch dieses Mal war es an mir, die Stille zu brechen.
„Warum bist du hier?"
War es angebracht, das zu fragen? Ich war ja null offen gewesen mit ihm. Ich sollte doch keine Gegenleistung erwarten? Aber er war offen wie immer.
„Mascha hat mit mir Schluss gemacht. Sie hat mich betrogen. Ich habe mich am Telefon bei Hugo ausgeheult. Er hat mir gesagt, er sei arbeiten, und ich solle einfach mal vorbeikommen. Und da bin ich. Tadaa!"
Kurz musste ich verarbeiten, was er da gesagt hatte.
„Oh, das mit dir und Masha tut mir leid."
Ich wollte mich nicht zum Arschloch machen, aber das tat es nicht. Unterbewusst war ich sogar froh darüber. Es schien die Welt irgendwie leichter zu machen.
„Kein Ding, großer. Das mit uns hat eh schon länger nur im Schein funktioniert. Es macht die Welt irgendwie leichter, zu wissen, dass man nicht mehr streiten muss. Außerdem habe ich so mehr Zeit für meinen guten Kumpel hier."
Der Schein. Hatte er auch einen aufrechterhalten? Er klopfte mir auf die Schulter. Die Berührung ließ einen Blitz durch mich schießen.
Er fügte noch etwas hinzu:
„Aber hey, wusstest du, dass Hugo und Wichtiger zusammen sind?"
Ich lachte auf. Echt. Schon das zweite Mal heute.
„Ja, schon seit einem ganzen Semester!"
Er stimmte mit in die Lache ein.
„Hä? Wie das denn? Haben sie es dir etwa früher erzählt als mir? Ich weiß es nämlich erst seit gerade eben. Und sie sagten, ich sei der erste, der es wissen darf."
„Nee, ich habe die einfach mal beim Knutschen erwischt. Seitdem kleben die aneinander wie Alleskleber."
„Ach ja, das kann ich mir bei denen gut vorstellen. Nur öffentlich gemacht haben sie es noch nicht, das weiß ich, weil ich ihnen dazu geraten habe."
Die Luft der Kammer war gefüllt mit Ausgelassenheit, zwei Freunde, die über dieses und jenes redeten. Wir waren so abgeschottet von all den Sorgen der Außenwelt, in unserem kleinen Raum, als wir ein kleines Vibrieren vernahmen. Es war Kevins Handy, wie immer nicht auf Stumm geschaltet.
Seine Augen Leuchteten auch und sein Lächeln zog sich schon bis über beide Ohren, nachdem er gesehen hatte, was der Grund für die Benachrichtigung war.
Er drehte den Bildschirm kurzerhand um, damit ich den Grund seiner Freude auch sehen konnte.
„Sieht so aus, als hätte sich das gerade geändert." Er freute sich wie ein kleines Kind am Zuckerwattenstand, er spielte hin auf unser vorheriges Thema.
Mike hatte etwas gepostet auf Instagram. Ich sah ein süßes Bild der von ihm und Hugo, wie sie am Campusteich in der Sonne lagen, im Grünen Gras, händchenhaltend. Darunter die Caption:
„Love is Love, accept it or get the fuck out."
Zwar freute ich mich für die beiden, da war aber trotzdem wieder ein Funken Eifersucht. Nicht wegen ihrer Beziehung dieses Mal, sondern weil, die beiden den Mut hatten, sich zu offenbaren.
„Ich glaube, wir sollten rausgehen." Plötzlich klang ich nicht mehr fröhlich, sondern plump. Daran musste sich etwas ändern. Ich musste versuchen, ein besserer Freund zu werden.
So wie Kevin.
„Warum? Bist du etwa homophob?" Er merkte, ich war bedrückt, und witzelte, um mich aufzuheitern. Ich wollte so werden wie er. So unbeschwert.
In dieser kleinen Kammer fasste ich den Entschluss. Ich würde wirklich „die Katze aus dem Sack lassen." So wie Mike und Hugo es allen gesagt hatten, würde ich es zumindest ihnen sagen. Sagen, dass ich Professor Haege bin und Basti gleichzeitig. Dass ich die beiden Identitäten nicht weiterhin trennen würde. Dass ich ich war, egal wo.
„Nein, hier drinnen wird's einfach langsam stickig."
Ich ging auf Kevins Neckerei ein.
Viel hatte sich in meinem Gedächtnis getan, aber das musste niemand wissen. Auch nicht Kevin. Kevin, der aufstand und über meine Beine hinüber in Richtung Tür balancierte. Kaum war er dort angekommen, drückte er die Klinke, doch nichts geschah.
Kevin, der sorgenvoll losrief.
„Scheiße Basti, ich glaub wir stecken fest."
Nein, das konnte nicht sein. Die Universität war immer gut gewartet geworden, auch die Kämmerchen.
Auch ich erhob mich und stellte mich direkt neben Kevin an die Tür. Die Klinke nahm ich in die Hand und drückte sie herunter so stark ich nur konnte. Nach etwas Rucken und Drucken ging die Tür mit einem leichten Jauchzen auf. Mir viel ein leichter Stein von Herzen.
„Bist du dumm oder schwach?" Fragte ich ihn leicht amüsiert, aber auch teils genervt.
„Nichts davon. Ich hatte schlichthinweg die Hoffnung, wenn wir noch länger hier drinnen geblieben wären hätten WIR vielleicht mal geknutscht."
Neckend grinsend trat er aus dem Raum, zog mich dabei mit sich. In der Bewegung ließ er mich mit Schwung, tänzelnd an sich gleiten. Kaum dass ich nah genug bei ihm stand, gab er mir einen Kuss auf die Wange. Ich wusste nicht, wie mir geschah.
Wie vor Peinlichkeit lief ich rot an, doch es fühlte sich gut an. Als wäre ich geborgen, geliebt, bekümmert.
An der Stelle, an der seine Lippen aufgekommen waren, konnte ich diese immer noch spüren. In meinem Magen blühte es. Dieser Kerl verdrehte mir das Denken.
Seine blöde, fröhliche Art hatte mich doch tatsächlich auf den Gedanken gebracht, ich könne doch den Unijob kündigen, um mehr Zeit mit ihm verbringen zu können.
Während ich an meine Wange fasste, um die Stelle zu befühlen, die sich viel zu warm anfühlte, ging Kevin einfach weg. Sprachlos sah ich hinter ihm her.
Vielleicht war Geborgenheit etwas, auf das man nicht eifersüchtig sein musste. Denn wenn man die richtige Person findet, kann man Fröhlichkeit in Form von Liebe selbst spüren. Das fühlt sich viel besser an als es nur zu neiden. So viel wusste ich jetzt.
Vielleicht war er doch zur rechten Zeit am rechten Ort aufgekreuzt.
Und um meine neu gewonnene Geborgenheit nicht zu verlieren, rannte ich los.
Ich rannte los, in einer Bibliothek, ohne Sitte.
Denn ich hatte etwas gelernt: Man ist erst perfekt, wenn man glücklich ist. Und man ist erst glücklich, wenn man nicht perfekt ist.
Ich rannte los, Kevin hinterher.
Da hatte ich doch glatt vergessen, mein Buch abzugeben.
