Actions

Work Header

the perfect part about it is: it's all that i've got

Summary:

Zehn Jahre nach seinem Abschluss kehrt Peter nach Rocky Beach zurück um seine Arbeit im neu enstandenen Jugendzentrum anzutreten. Und muss feststellen, dass sein neuer Kollege niemand anders ist als Skinny Norris.

Notes:

Shoutout @Tiargo, weil die grundlegenden Ideen dieser Geschichte irgendwie... alle von dir sind.

Ich habe eine längere (Peter/Skinny) Story hierzu im Hinterkopf, aber ich bin grad noch nicht an dem Punkt, an dem ich sie auch tatsächlich zu Papier bringen kann, deswegen gleichsam als Teaser erstmal nur dieses erste Kapitel?

(Titel aus "The Kid I Used To Know" by Arrested Youth)

(See the end of the work for other works inspired by this one.)

Chapter Text

Peter warf einen Blick auf die Uhr, während er seinen Wagen auf dem Parkplatz neben der Grundschule von Rocky Beach abstellte.

Er war ein bisschen zu früh, aber das machte nichts. Er würde einfach ein paar Minuten warten – es war abgemacht, dass er Ava am Haupttor abholen würde, auf diese Weise musste er sich nicht durch das ganze Gebäude fragen, um herauszubekommen, wo der Klassenraum seiner Patentochter war.

Von Kelly wusste er, dass die Schule vor ein paar Jahren grundlegend renoviert und umgebaut worden war, also halfen ihm auch seine eigenen halb verschütteten Erinnerungen an die Grundschulzeit nicht weiter.

Mit einem Knopfdruck verriegelte er den Wagen, schlenderte über den Platz auf das große Gebäude zu. Im Vorbeigehen fiel ihm ein glänzender, dunkelblauer Challenger auf, dem er unwillkürlich einen bewundernden Blick zuwarf.

Der Schulhof war kaum wieder zu erkennen. Ein großes neues Klettergerüst hatte die marode alte Schaukel ersetzt und in einer Ecke war ein richtiger Schulgarten angelegt worden. Die kleinen Fußballtore, in denen früher regelmäßig die Netze gefehlt hatten, waren neu verankert und mit einer niedrigen Mauer ordentlich vom Rest des Platzes abgegrenzt worden.

Der ganze Hof sah gut aus, der unübersehbare Beweis dafür, was Lokalpolitik erreichen konnte, wenn es nur jemanden gab, der sich aktiv dafür einsetzte. Und das hatte Kelly wirklich tatkräftig getan.

Er steuerte das große Tor an, das im Moment geöffnet war. Nach Schulschluss wurde das schwere Metalltor sicherlich zugeschoben – damit nicht wie zu ihren Zeiten nachmittags irgendwelche Jugendliche hier herumhängen und randalieren konnten.

An einem der hohen Pfosten stand ein großer, schlanker Mann in einer braunen Lederjacke, zu dessen Füßen ein muskulöser Rottweiler saß. Peter zog die Augenbrauen zusammen – auch wenn er dem Vorurteil von „gefährlichen Rassen“ üblicherweise widersprach, tat es wirklich Not, so einen Hund in unmittelbare Nähe einer Grundschule zu bringen?

Als er näher kam, bemerkte er, dass der Mann zudem gerade an einer Zigarette zog, und seine Vorbehalte verstärkten sich.

Dann war er heran, der Mann wandte den Kopf, und Peter traf fast der Schlag.

Auch wenn sie sich in den letzten fast zehn Jahren höchstens mal im Vorbeigehen gesehen hatten, war es doch unübersehbar Skinny Norris, der da locker die Leine in der Hand hielt und zum Schulgebäude hinüber sah.

So ein Glück konnte auch nur Peter haben. Am Wochenende erst war sein Umzug zurück nach Rocky Beach über die Bühne gegangen, und der erste Bekannte, dem er begegnete, musste ausgerechnet Skinny Norris sein.

„Was machst du denn hier?“, entfuhr es ihm unwillkürlich.

Skinny drehte sich zu ihm um, musterte ihn einen Moment irritiert. Dann verzog er das Gesicht.

„Shaw“, erwiderte er mindestens genauso unfreundlich. „Die Frage sollte ich wohl eher dir stellen, immerhin bin ich jeden Tag hier.“

Von Gebäude schallte das Geräusch der Schulglocke zu ihnen herüber, deren Ton sich in den letzten fünfzehn Jahren kein Stück verändert hatte, und Skinny drückte die Kippe im Mülleimer aus.

„Um Kinder zu erschrecken?“, wollte Peter wissen. „Oder verkaufst du jetzt schon Drogen an Grundschüler?“

Der Blick, den Skinny ihm zuwarf, war richtiggehend mörderisch.

Doch bevor er eine Antwort geben konnte, lenkte ihn etwas ab, und zu Peters Überraschung zog ein Lächeln über sein Gesicht.

„Daddy! Daddy!“, hörte Peter eine helle Stimme und sah sich um.

Über den Schulhof kamen zwei Mädchen auf sie zu gerannt. Das hintere war Ava, der man auf den ersten Blick ansah, dass sie Kellys leibliche Tochter war. Die gleiche dunkle Haut, das gleiche schwarze Haar, nur, dass Avas zu festen Zöpfen geflochten war.

Vor ihr lief ein Mädchen mit schulterlangen blonden Haaren, die Hose und das karierte Hemd farbverschmiert. Sie war es, die gerufen hatte.

Der Rottweiler zu Skinnys Füßen erhob sich schwerfällig, und bevor Peter eine Warnung rufen konnte, sprang er auf die Mädchen zu.

Doch die lachten zu Peters Überraschung nur, und im nächsten Moment hatte das blonde Mädchen ihm die Arme um den breiten Hals geschlungen.

„Na, Hannibal, hast du mich vermisst?“, wollte sie wissen.

Auch Ava kraulte das Tier jetzt und es kostete Peter alle Selbstbeherrschung, um sie nicht wegzuzerren.

Dann erst er kam wirklich bei ihm an, was er da sah.

Offenbar hatte Skinny eine Tochter – die abzuholen er hier war. Und diese Tochter war offenbar mit Ava befreundet.

Sobald er Ava nach Hause gebracht hatte, würde er unbedingt Kelly fragen müssen, was zum Teufel es damit auf sich hatte.

Die Mädchen ließen von dem Hund ab, der sich brav zurück vor Skinnys Füße setzte, und widerwillig musste Peter zugeben, dass das Tier anscheinend sehr gut erzogen worden war.

Skinnys Tochter sah zu ihrem Vater auf. „Können wir noch kurz zurück in die Klasse? Unsere Bilder sind noch nicht ganz fertig!“

Skinny zuckte mit den Schultern. „Meinetwegen, ich habs nicht eilig. Aber ich weiß nicht, ob Ava losmuss.“ Er warf Peter einen Blick zu, und der Moment war so normal, dass er Peter schon wieder surreal vorkam.

„Bitte, Peter!“, meldete sich jetzt Ava zu Wort.

Peter unterdrückte ein Seufzen. So richtig scharf war er nicht drauf, noch eine Weile mit Skinny hier warten zu müssen. Aber er hatte noch nie nein sagen können, wenn Ava ihn so ansah.

„Na gut“, stimmte er zu, und die Mädchen wuselten mit einem „Danke!“ und „Wir beeilen uns!“ davon.

Für einen Moment sahen sie ihnen fast einträchtig nach. Dann gewann Peters Neugier die Oberhand.

„Ich wusste gar nicht, dass du eine Tochter hast“, stellte er fest, bemühte sich sogar um einen neutralen Tonfall.

Immer noch spielte dieses ungewöhnlich ehrliche Lächeln um Skinnys Lippen, machte sein Gesicht irgendwie weicher.

„Sadie“, erwiderte er nicht ohne Stolz. „Meine kleine Prinzessin.“

„Und ihre Mutter?“, wollte Peter wissen. Er konnte sich nicht so richtig vorstellen, welche Frau willens wäre, mit Skinny Norris eine Familie zu gründen.

Sofort verdüsterte sich dessen Gesicht. „Ist vor fünf Jahren an ner Überdosis gestorben. Seitdem bin ich alleine für die Kleine verantwortlich.“

„Oh“, brachte Peter hervor. Das war nicht unbedingt das, was er erwartet hatte. Obwohl es irgendwie passte, stellte ein hässlicher kleiner Teil seines Gehirns fest. Schnell rief er sich zur Ordnung, fügte hinzu: „Das tut mir leid.“

Skinny zuckte mit den Schultern. „Ist nicht so, als wären wir ein Paar gewesen. Genau genommen war Sadie n Unfall, aber Jenna wollte sie unbedingt behalten. Und sie hats zumindest geschafft, während der Schwangerschaft und der ersten paar Jahre clean zu bleiben.“ Dann grinste er. „Und ohne scheiß, die Kleine ist das beste, was mir je passiert ist.“

Es überraschte Peter ein wenig, dass Skinny ihm so offen seine – beziehungsweise, Sadies – halbe Lebensgeschichte erzählte.

In dem Moment fiel ihm etwas auf. „Sadie, hm?“, hakte er nach.

Skinny nickte.

„Sadie Norris?“

Ein breites Grinsen antwortete ihm. „Irgendwem muss ich doch meine alte Taschenlampe und so vererben können“, erklärte Skinny selbstzufrieden und Peter musste tatsächlich lachen.

Daraufhin herrschte Schweigen, und sie beobachteten für eine Weile einfach das bunte Treiben auf dem Schulhof. Zwischendurch ging Skinny kurz in die Hocke, streichelte dem Hund, der immer noch geduldig da saß, den Kopf und schob ihm ein Leckerli ins Maul.

Peter gab sich große Mühe, Skinny nicht allzu auffällig zu beobachten. Irgendwie hatte er wirklich nicht mit ihm gerechnet. In den letzten Jahren hatte er kaum einen Gedanken daran verschwendet, was wohl aus seinem alten Erzfeind geworden sein mochte, aber eins war sicher: Das hier hatte er nicht erwartet.

Skinny war nicht mehr ganz so dürr wie früher, und seine Haare waren kürzer geschnitten. Im rechten Ohr glänzten zwei kleine, silberne Ringe. Unter der Lederjacke konnte Peter ein dunkles T-Shirt erkennen, die Jeans war einen Ton bläulicher und fiel über schwarze Stiefel.

Mit der Hundeleine in der Hand wirkte er einfach zu verdammt normal, und irgendwie kam Peter nicht damit klar.

Dementsprechend war er auch ganz froh, als Ava und Sadie wieder aus dem Gebäude kamen. Diesmal hatten sie ihre Schulranzen dabei, und Ava hatte ihre Regenjacke unter den Arm geklemmt.

Lachend kamen sie zu ihnen herüber, der Schulhof hatte sich inzwischen merklich geleert.

„Und, zeig mal das Bild“, forderte Skinny seine Tochter auf.

„Boah, Skinny“, seufzte Sadie, und Peter musste sich ein Lachen verkneifen. So, wie das Mädchen das sagte, klang es, als wäre Skinny komplett bescheuert, und ganz offensichtlich hatte sie sich den Tonfall von irgendjemandem abgeguckt. „Das ist doch noch gar nicht trocken!“

„Ach so“, machte Skinny, nahm ihr die Schultasche ab.

Das Bild von Skinny mit dem mit Drachen bedruckten Schulranzen über der Schulter wollte nicht in Peters Kopf gehen. Er sah es, sah es direkt vor sich, aber trotzdem kam es ihm unwirklich vor.

„Können wir noch kurz zur Bücherei gehen?“, bat Sadie. „Miss Bennett hat gesagt, dass ich heute das Buch abholen kann!“

Peter musste lächeln. Ihm war nicht klar gewesen, dass die gute Miss Bennett immer noch in der Bibliothek arbeitete, und er fragte sich, ob Bob sich noch manchmal mit ihr unterhielt.

Skinny nickte zustimmend, und die Mädchen verabschiedeten sich voneinander.

„Wie sehen uns, Shaw“, erklärte Skinny, und Peter erwiderte mit einem steifen Nicken.

Stumm fragte er sich, warum Skinny eigentlich davon auszugehen schien, dass sie sich bald wiedersehen würde. Schließlich konnte Skinny ja gar nicht wissen, dass Peter tatsächlich zurück nach Rocky Beach gezogen war, und hier nicht bloß Urlaub machte.

„Ich glaube, du hast in letzter Zeit zu viel Zeit mit Marie verbracht, Prinzessin“, hörte Peter ihn im Weggehen noch sagen.

Dann konzentrierte er sich wieder ganz auf Ava.

„Soll ich deinen Rucksack nehmen?“, bot er an.

Sie nickte dankbar, gab ihm die Tasche, und Peter war wieder einmal überrascht davon, wie schwer sie war. Hatte sein Ranzen früher auch so viel gewogen?

„Was hast du da drin, Steine?“, scherzte er und Ava lachte.

„Nee“, machte sie.

Gemeinsam gingen sie zum Parkplatz hinüber, wo Peter den Rucksack im Kofferraum verstaute und die Sitzerhöhung für Ava auf die Rückbank bastelte. Das war zwar immer nervig, wenn er sich während der Fahrt mit ihr unterhalten wollte, aber Kelly sah es nicht gerne, wenn er Ava auf dem Beifahrersitz sitzen ließ.

Als er den Wagen vom Schulgelände lenkte, war Peter in Gedanken immer noch bei Skinny und den unerwarteten Informationen, die er in der letzten Viertelstunde über ihn erfahren hatte.

„Geht Sadie in deine Klasse?“, wollte er von Ava wissen.

Sie schüttelte den Kopf. „Wir haben nur Kunst und Sport zusammen“, erklärte sie.

Peter erinnerte sich – in einigen Fächern wurden die Klassen anders zusammen gesetzt, damit die Kinder die Chance hatten, im gesamten Jahrgang Freunde zu finden. Außerdem sollte auf diese Weise Mobbing erschwert werden.

„Aber wir sehen uns ganz oft in der Pause“, erzählte Ava weiter, „Sadie ist nämlich meine beste Freundin!“

Das war nicht unbedingt die Antwort, auf die Peter gehofft hatte. Aus seiner Erinnerung tauchte ein Bild auf, wie Ava an ihrem letzten Geburtstag mit einem anderen Mädchen auf der Hollywoodschaukel gesessen hatte – er meinte, sich zu erinnern, dass sie dieses Mädchen als ihre beste Freundin vorgestellt hatte. Schnell versuchte er, auf den Namen zu kommen, erkundigte sich dann: „Ich dachte, das ist Jade.“

Ava überlegte einen Moment. Dann sagte sie: „Die sind beide meine besten Freundinnen. Jade verträgt sich bloß nicht so gut mit Sadie, weil Jade immer brav sein will und findet, dass Sadie zu viel Blödsinn macht.“

Nur mit Mühe verkniff Peter sich die Frage, was für Blödsinn Ava meinte. Wollte stattdessen wissen: „Wo wohnt Sadie denn?“

Fast befürchtete er, dass Ava sich jeden Moment über das Kreuzverhör wundern würde. Denn obwohl er Skinny nicht ganz über den Weg traute, er wollte auch nicht schuld daran sein, wenn Ava sich mit einer Freundin stritt – zumindest nicht, bevor er nicht mit Kelly und Hannah darüber geredet hatte.

Aber Ava schien sein Interesse nicht zu wundern. „In einem von den großen Wohnblöcken“, antwortete sie.

Sofort überschlugen sich Peters Gedanken. Solche Blöcke gab es mittlerweile mehrere in Rocky Beach. Wohnte Skinny womöglich immer noch in Little Rampart? Oder schlimmer, hatte er vielleicht eine Wohnung in einem der neuen Mehrfamilienhäuser hinter der High School, und würde sich in den nächsten Tagen als Peters Nachbar herausstellen?

Aber bevor er nachfragen konnte, fügte Ava hinzu: „Ganz in der Nähe vom Kino.“

Peter atmete auf. Die Häuser am Palisades Park waren eine verhältnismäßig gute Gegend, nur ein paar Straßen weiter war er aufgewachsen. Also war Skinny offenbar zumindest in der Lage, seiner Tochter ein anständiges Lebensumfeld zu bieten.

Er konnte gar nicht anders, als nachzufragen. „Und was hältst du von Sadies Papa?“

Ein kurzer Blick in den Rückspiegel zeigte ihm, dass Ava ein nachdenkliches Gesicht machte.

Dann antwortete sie: „Der ist nett. Aber er muss oft arbeiten, sagt Sadie, deswegen spielen wir oft bei mir, oder es passt jemand anders auf uns auf.“

Häufiges Arbeiten? Das war nicht gerade etwas, das Peter unwillkürlich mit Skinny Norris in Verbindung brachte. Außer es ging dabei um Drogenhandel, aber sollte das der Fall sein, würden Kelly und Hannah Ava sicher nicht mit Skinnys Tochter spielen lassen.

„Ach?“, machte Peter. „Wer passt denn dann auf euch auf?“

„Hm“ Wieder dachte Ava für einen Moment nach. „Manchmal Marie. Marie ist lustig, die spielt immer mit uns. Manchmal auch Dylan-“

„Dylan?“, hakte Peter alarmiert nach. Sie meinte doch wohl hoffentlich nicht Dylan Parks.

„Der ist okay“, fuhr Ava ungerührt fort. „Der geht immer mit uns und Hannibal in den Park. Und dann ist da noch die Babysitterin, aber die ist doof, die sitzt immer bloß auf dem Sofa und liest.“

Zu mehr als einem „aha“ bekam Peter keine Gelegenheit mehr, bog auf die Auffahrt des kleinen Häuschens ein, in dem Hannah und Kelly wohnten, und parkte vor der Garage.

Ava sprang aus dem Auto und klingelte, während Peter ihre Schultasche aus dem Kofferraum holte und langsamer folgte. Manchmal fragte er sich, ob er in Avas Alter auch eine so unerschöpfliche Energie gehabt hatte. Wahrscheinlich schon. Was seinen Eltern das Leben vermutlich nicht immer leicht gemacht hatte.

„Ihr seid spät dran“, wurde Peter von Hannah begrüßt, als er das Haus betrat. „Aber das passt ganz gut, Kelly ist auch grade erst rein.“

Ava war schon davon gewuselt – hoffentlich zum Händewaschen, dachte Peter, als ihm der Rottweiler wieder einfiel.

Mit einem unartikulierten Geräusch von Zustimmung folgte Peter Hannah in die Küche, wo eine Lasagne im Ofen stand und Kelly sich gerade ein Glas Wasser eingoss.

Sie begrüßte Peter mit einem Lächeln. „Hat alles geklappt?“, wollte sie wissen.

Peter nickte. „Ich wusste gar nicht, dass Skinny eine Tochter in Avas Alter hat“, brachte er das Thema, das ihn immer noch beschäftigte, möglichst neutral zur Sprache.

„Sadie ist ne Süße“, erklärte Hannah, während sie eine Schüssel Salat auf den gedeckten Küchentisch stellte. „Hätte man Skinny früher nicht zugetraut, aber er macht das gut.“ Sie grinste ihn an. „Aber das kannst du ja dann selbst beurteilen, ihr werdet ja jetzt regelmäßig miteinander zu tun haben.“

Verwirrt zog Peter die Augenbrauen zusammen, warf ihr einen fragenden Blick zu.

„Naja, mit dem Jugendzentrum?“ Hannah klang fast so irritiert wie Peter sich fühlte. „Dafür seid ihr beide doch die Hauptverantwortlichen.“

Und auch wenn Peter in der letzten halben Stunde den Eindruck gewonnen hatte, dass Skinny vielleicht tatsächlich zu einem anständigen Menschen geworden war, das schlug dem Fass den Boden aus.

„Ich soll mit Skinny Norris zusammen arbeiten?“, entfuhr es ihm entsetzt.

„Wusstest du das nicht?“, hakte Hannah überrascht nach. „Ich dachte, es war abgesprochen, dass das in Kooperation mit der Drogenberatung entstehen wird.“

„Ja, das ja“, murmelte Peter, „Aber mir hat keiner gesagt, dass das Skinny ist.“

Vielleicht war er selbst Schuld; er hätte genauer nachfragen sollen. Aber er war ja nicht davon ausgegangen, dass jemand wie Skinny Norris Sozialarbeit machen würde – es sei denn vielleicht, ein Gericht zwang ihn dazu.

Er versuchte, sich vorzustellen, wie Skinny Norris einer Gruppe Jugendlicher einen Vortrag über Drogenmissbrauch hielt. Es gelang ihm nicht. Eher hatte er das Gefühl, sein Kopf würde bei dem Bild explodieren.

„Er macht das schon, seit die Stelle vor drei Jahren eingerichtet wurde, ich dachte, ich hätte das mal erwähnt“, mischte sich Kelly ein.

„Vor drei Jahren war ich San Francisco“, erinnerte Peter sie. „Und davor in Austin, ich hab nicht unbedingt mitbekommen, was in Rocky Beach passiert ist.“

Kelly rieb sich den Nacken, und Peter konnte sehen, dass sie sich bemühte, ein Seufzen zu unterdrücken. „Okay“, sagte sie mit diesem Klang in der Stimme, den Hannah ihren Rathaus-Tonfall nannte und dem man anhörte, dass sie in Gedanken gerade alle Optionen durchspielte, „Ist das ein Problem? Bist du bereit, mit Skinny zu arbeiten, oder muss ich das ganze Projekt überdenken?“

Unwillkürlich verzog Peter das Gesicht. Eigentlich wollte er wirklich nicht die nächsten Jahre in unmittelbarer Umgebung von Skinny Norris verbringen.

Andererseits war er für diesen Job gerade umgezogen und, was fast noch wichtiger war, er wusste genau, wie sehr das Jugendzentrum Kelly am Herzen lag.

Also verkniff jetzt er sich ein Seufzen. „Nein, ist schon in Ordnung“, erwiderte er resigniert. „Solange er sich anständig benimmt, tue ich das auch.“

„Danke dir.“ Kelly drückte seine Hand. „Das bedeutet mir wirklich viel.“

In diesem Moment piepte der Ofen und beendete das Gespräch.