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Steh mir bei
„Wir bitten die Leute, sich dafür einzutragen nur die Treppe und nicht die Aufzüge zu benutzen", sagte der erste Student hoffnungsvoll und hielt beiden ein Klemmbrett mit Stift entgegen. "Dr. Crowley, kann ich Sie anmelden?"
"Nein." Kam es sofort. Flach, klar und kompromisslos.
"Dr. Fell?"
"Auf gar keinen Fall!", fauchte der. "Ich habe nicht die Absicht, Ihnen die Erlaubnis zu erteilen, andere zu verurteilen und zu schikanieren."
"Wir wollen niemanden verurteilen oder schikanieren, deswegen fordern wir ja auch niemanden auf, sich anzumelden, der die Aufzüge braucht", erklärte der Zweite mit einem Lächeln das voll von Gutem Willen war. „Nur die Leute, die sie ohnehin nicht benutzen oder zu faul sind, eine einzige Treppe zu steigen. Wir wollen einfach nur nicht, dass jemand die Aufzüge benutzt, wenn er es nicht tun sollte…“
Dr. Fell warf einen kurzen Blick auf Dr. Crowley, der mit der Handfläche nach oben ein diskretes ‚Nach Ihnen‘ signalisierte. Mit dieser Erlaubnis richtete er seine volle Aufmerksamkeit auf die beiden Studenten.
"Und ich bin mir sicher, dass Sie bereits falsch geurteilt haben und mindestens eine Person vor die Wahl gestellt haben, private medizinische Informationen preiszugeben, oder sich mit Ihren...“ Er blickte sie einmal von oben bis unten an, bis sie unter seinem Blick in sich zusammensanken. „… Belästigungen abzufinden. Man könnte es beinahe ‚Mobbing‘ nennen.“, fuhr er fort.
Crowley lehnte sich an die Wand, entspannte seine, vom langen Stehen strapazierten, Beine und sah zu, wie Aziraphale die beiden Studenten verbal in Stücke riss. Dieser hielt ihnen einen ausführlichen Vortrag darüber, wie viele – nicht unbedingt sichtbare – Gründe es dafür gab, dass jemand die Aufzüge brauchte.
Er war tatsächlich wütend. Das konnte Crowley an der gesamten Haltung sehen. Wie angespannt die Schultern und wie verkrampft die Hände waren. Trotz allem hatte er seine Stimme nicht erhoben, was nichts daran änderte, dass jeder in der Umgebung jedes Wort hören konnte.
Er schaffte es sogar nicht wütend zu klingen. Tatsächlich klang er enttäuscht, als hätten sie ihn und, mit ihm, die gesamte Menschheit verraten. Auch Entrüstung klang durch. Entrüstung darüber, dass sie so über andere Menschen denken konnten. Als hätten sie ihn persönlich oder jemanden, den er liebte zutiefst verletzt. (Und niemand dachte im Traum daran den lieben Dr. Fell zu verletzen)
"Das ist mein Engel", murmelte Crowley so liebevoll, dass in diesem Moment niemand, der es hörte, ihn für jemand anderen, als Aziraphales andere Hälfte halten würde. Zum Pech für die Wettenden konzentrierten sich alle auf Aziraphale, vollkommen schockiert – und auch ein wenig ängstlich – darüber, wie sich sein Engel verhielt.
Als hätten sie sich nie gefragt, warum Engel ständig ‚Habt keine Angst, fürchtet euch nicht‘ wiederholen mussten, wenn jemand sie sah. Als ob sie noch nie bemerkt hätten, dass Aziraphale genau das auch ständig tat, nur eben nonverbal, mit der milden Stimme, seiner offenen Körpersprache und seinem sanften Auftreten.
Crowley wartete auf die Anzeichen, dass der Informationsfluss nachlassen würde, die Studenten unter dem Gewicht der Informationen zusammenzubrechen drohten und nur noch im Boden versinken wollten, bevor er sich aufrichtete und einen Schritt nach vorn machte. Es würde später schmerzen, aber das war es wert.
Aziraphale blinzelte. "Du bist noch hier?"
Er zuckte leicht mit einer Schulter. "Wollte nicht stören."
"Crowley!" Kam es in einem Tonfall, irgendwo zwischen Enttäuschung und liebevoller Verärgerung lag, heraus.
Crowley beugte sich vor, und riss den beiden Studenten die Anmeldeformulare aus den zitternden Händen.
"Wenn ich jemals wieder von jemandem höre, der so etwas versucht", zischte er fast, wobei er es schaffte, dass seine Worte deutlich bei allen Anwesenden ankamen, „dann habt ihr es nicht mit Dr. Fell zu tun. Dann werde ich es sein.“
Sein dünnes Lächeln, war boshaft und messerscharf. Sich auf seinen Ruf stützend umfasste er die gesamte Szene in einer Geste mit langen Fingern.
„Und ich werde das hier,“ er drehte sich langsam einmal um sich selbst (Eine schnelle Drehung war gerade nicht möglich, aber langsam war sowieso bedrohlicher.), „wie den süßesten aller Engelsmomente aussehen lassen, den es gibt. Haben Sie mich verstanden?!“
Er gab ihnen die Gelegenheit verängstigt zu nicken. „Sehr gut. Seht zu, dass ihr das nicht vergesst.“
Damit schlenderte er, mit Aziraphale auf den Fersen, Richtung Aufzüge.
