Chapter Text
Wie bin ich nur in diese Situation geraten?
Kei hatte vergessen, wer diese grandiose Idee hatte, in einen Club zu gehen. Aber nun war er hier und tanzte mit Kuroo. Kuroo, seinem Crush seit der High School. Kurro die nervigste, irritierendste, wundervollste Person, die er kannte.
Wundervoll? Ja, mein Gehirn funktioniert definitiv nicht mehr korrekt nach den Drinks, die ich mit Akaashi und Bokuto hatte.
Dabei hatte der Abend so harmlos begonnen. Akaashi hatte ihn eingeladen zu Drinks und K-Dramas. Kei liebte es, mit ihm über die übertriebenen Handlungen zu lästern und dabei Junk Food zu essen. Doch an der Tür warteten bereits Bokuto und Kuroo auf ihn, die spontan aus Osaka vorbei gekommen waren.
“Hey Kei, ich hoffe du hast nichts gegen eine kleine Planänderung?” fragte Akasshi, unschuldig aus den Untiefen seiner Wohnung.
Kei warf ihm nur einen bösen Blick zu, zu mehr reichte seine Atem gerade nicht, da Bokuto seine Chance genutzt hatte und ihn mit einem lauten ”Hey, Hey, Hey, Tsukki” in eine Umarmung gezogen hatte und damit beschäftig war die Luft aus seinen Lungen zu pressen.
“Hey Tsukki” Kuroo lehnte gelassen am Türrahmen sein Blick auf Kei gerichtet, sein übliches feixendes Grinsen im Gesicht. “Wie läuft es an der Uni? Spielst du noch Volleyball?”
“Nenn mich nicht so!”
Kei hatte sich mittlerweile aus Bokutos Umarmung befreit und warf Kurro einen eiskalten Blick zu. Kurro warf lachend den Kopf in den Nacken: "Ach, komm schon Tsukki, warum so grummelig an diesem wunderschönen Abend?” Sein ‘Tsk’ beeindruckte Kurro in keinster Weise, im Gegenteil, es sorgte eher dafür, dass er sich noch mehr vor Lachen krümmte.
Wohlwissend, dass Widerstand zwecklos war und er seine einzige Chance zur Flucht verpasst hatte, ließ er sich von Bokuto in die Wohnung ziehen und sich von ihm ausfragen.
“Hey, Hey, Hey, Tsukki, endlich sehe ich dich mal wieder. Nicht fair, dass du dich nur mit Keiji trifft”
“Kōtarō! Lass unseren Gast erstmal ankommen, bevor du ihn überfällst!”
Kei nahm das Bier, das Akaashi ihm hinhielt widerwillig entgegen
“Danke, für den ruhigen Abend Akaashi, so schön dich und die Gang mal wieder zu sehen!”
Akaashi ignorierte den vor Sarkasmus triefenden Kommentar und zog Kei gelassen auf die Couch.
"Immer gerne, Kō meinte, er würde dich vermissen, und du weiß ich kann meinen Freund nichts abschlagen.” Kei murmelte: “Verräter” und fügte sich seinem Schicksal.
Tatsächlich fiel es ihm nicht allzu schwer in alte Muster zurückzufallen und die Gespräche über Volleyball, Uni-Leben und die Jackals mit Bōkutō, Kuroo und Akaashi fielen ihm immer leichter. Zugegeben, der ständige Fluss von Alkohol, den Akaaski bereit stellte, machte es ihm sehr viel leichter, seinen ewigen, inneren Gedankenstrom auf stumm zu schalten.
Einziges Problem war Kuroo, der viel zu nah an ihm war, Kei wie zufällig berührte, und immer wieder seine Nähe suchte.
Kei hatte alles getan, um Kuroo auf Distanz zu halten, gut er hatte es viel mehr perfektioniert, so ziemlich alle von sich fernzuhalten, bis auf wenige Ausnahmen, aber Kuroo spielte nicht mit. Er überwand mühelos seine Mauern mit sarkastischen Kommentaren und einem Lächeln, das Kei mehr versprach, wenn er Kuroo nur eine Chance geben würde.
Ja, funktioniert hervorragend, dieses Gedanken abstellen! dachte Kei und konnte sich ein bitteres Grinsen nicht verkneifen.
“Tsukki, stimm mir zu!” Bokutos Stimme rieß ihn aus seinen Gedanken.
Mist worüber hatten er und Kuroo gerade geredet und zu was soll ich zustimmen?
“Zieh Tsukki nicht mit rein, Bo! Außerdem stimmt er mir zu. Ich bin hier der Meister der getanzten Eleganz.”
“In deinen Träumen” kam Bokutos Antwort.
Kurros Arm landete wie zufällig auf Keis Schultern und er war einfach nur froh, dass er sämtliches Erröten auf den Alkohol schieben konnte. Also theoretisch, vor Akaashi konnte er sich nicht rausreden und so vermied er es in seine Richtung zu schauen.
“Dann gehen wir einfach in einen Club und ihr könnt ein für alle mal klären, wer der bessere Tänzer ist”
Akaashis Vorschlag stieß auf sofortige BeBegeisterung.
Ich sollte die Freundschaft mit Akaashi wirklich nochmal überdenken.
Unter Protest wurde Keis in Akaashis Zimmer gezogen und in ein schwarzes, eng anliegendes T-Shirt gestopft.
Ja, Akaashi und ich müssen wirklich mal ein ernstes Gespräch führen, dachte sich Kei, als er sich in der Schlange zu Sendai angesagtesten Club wiederfand. Es war auch der Moment an diesem langen, langen Abend, dass er sich wirklich dafür verfluchte, sich nicht mit einem wichtigen Essay heraus geredet zu haben.
Die Musik dröhnte in seinen Ohren und bevor er die Chance hatte, sich auch nur irgendwie unsicher zu fühlen, hatte ihn Kuroo bereits auf die Tanzfläche gezogen.
Kei konnte sich nur auf die Musik, auf Kuroos Finger an seiner Hüfte, die ihn enger heran zogen, auf Kuroos heißem Atem an seinem Hals konzentrieren, und sein Gehirn hatte zum ersten Mal keine Zeit irgendetwas kritisch zu hinterfragen, sich Gedanken darüber zu machen was andere von ihm denken könnten und ob, diese Schwärmerei wirklich nur einseitig war. Kuroo machte es sehr deutlich, dass auch er mehr in Kei sah, als nur einen Freund.
All seine unzusammenhängende Gedanken waren auf Kuroo gerichtet und wie perfekt sie sich zusammen bewegten. Zögerlich legte Kei seine Hände auf Kuroos Schultern und wurde mit einem wissenden Grinsen belohnt.
Der Bass hämmerte durch seinen gesamten Körper und Kei hatte jegliches Zeitgefühl verloren, alles was noch zählte waren Kuroos Hände auf seinem Körper und der Gedanke, wie sich diese Lippen wohl auf seinen anfühlen würden, Kei wünschte sich, dass dieser Moment nie enden würde, da er sich seinen komplizierten Gefühlen nicht stellen, sondern einfach nur im Jetzt bleiben wollte
Das Schicksal in Form von grellen, weißen Clublichtern, die die Sperrstunde ankündigten, hatte allerdings andere Pläne und holten Kei unsanft in die Realität zurück. So hatte er das Ende seiner Nacht nicht geplant, mit dröhnenden Ohren und einem glücklich grinsenden Kuroo in einer grauen Seitengasse.
“Wir sollten nach Bōkutō und Akaashi suchen. " sagte Tsukki, um dem Gespräch mit Kuroo noch ein wenig aus dem Weg gehen zu können.
“Nicht nötig, Tsukki, die sind schon vor Stunden gegangen, es sind nur noch wir zwei übrig.”
“Tsk” Kei wollte erst seine Gefühle ordnen, bevor er mit Kuroo über diesen Abend sprechen musste, aber so blieb ihm keine Wahl.
“Komm, du kannst auf meiner Couch schlafen." Kei drehte sich um und ging langsam in Richtung Bushaltestelle.
Kuroo folgte ihm, immer noch voller Energie: “Gibs zu Tsukki, du hattest Spaß.” Kei ignorierte ihn und checkte auf seinem Handy, wann der erste Bus kommen würde. Immer noch zehn Minuten.
“Du wolltest mich gar nicht mehr loslassen." "Komm schon, Tsukki gib es zu.”
Kei richtete seine Aufmerksamkeit auf einen feixenden, sehr von sich überzeugten Kuroo. Kei wusste, er würde ihm keine Ruhe lassen, dabei wollte er einfach nur schlafen und nicht gerade jetzt über die Nacht und ihre Implikationen sprechen.
Kei kniff frustriert seine Augen zusammen: “Sei still, sei einfach still.”
Kuroos Lächeln zog sich über sein komplettes Gesicht “Dann komm und bring mich zum Schweigen, wenn du dich traust”.
Zwei große Schritte brachten Kei näher an Kuroo heran und mit einem Griff zog er ihn zu sich und küsste ihn.
Kurros Augen weiteten sich überrascht und Kei spürte wie Kuroo seine Arme hob, um sie auf seine Taille zu legen, doch er trat gelassen einen Schritt zurück. Zufrieden, seinen Crush auch endlich mal aus der Ruhe gebracht zu haben.
Tsukki warf einen prüfenden Blick auf einen völlig verblüfften Kuroo, der immer wieder ungläubig seine Lippen berührte, als müsste er sich daran erinnern, dass der Kuss auch wirklich passiert war. Tsukki konnte sich ein Grinsen und nicht verkneifen und verspürte fast so etwas wie Mitleid.
“Später Testurō. Ich verspreche es, wenn ich wieder nüchtern bin und etwas geschlafen habe, dann können wir über alles reden, aber können wir jetzt einfach zu mir fahren und schlafen. Bitte?”
Kuroo lächelte und nickte “Später, klingt gut”. Kei ließ sich erschöpft neben Kuroo fallen, der sich bereits in die leere Bushaltestelle gesetzt hatte. Kuroo legte seinen Arm um ihn. Kei legte seinen Kopf auf seine Schultern und spürte, wie Kuroo ihm sanft durch die Haare strich.
Später würde ein Gespräch folgen und Kei würde sich der Tatsache stellen müssen, dass sein High School Crush wohl nicht so einseitig war wie er immer gedacht hatte, und er eventuell einen festen Freund hatte, aber dieser Gedanke wirkte im Moment noch zu unreal um sich wirklich damit zu beschäftigen. Kei schob ihn daher weit von sich.
Er beschloss jetzt erstmal die morgendliche Stille und Kuroos Wärme zu genießen, die ihn immer mehr einhüllte. Später war noch genug Zeit sich Gedanken zu machen, für den Moment hatte sich Kei dazu entschieden, das ‘Jetzt’ zu genießen.
