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Mortals and Fools

Summary:

Yagami Light findet ein Notizbuch mit dem man Leute umbringen kann und beschließt es zu benutzen um die Welt zu retten. Der größte Detektiv der Welt L nimmt seine Spur auf und versucht ihn aufzuhalten. Das ist es, was passiert. Jedes Mal. Außer dieses eine Mal, als Light sich an alles erinnert und die Death Note verliert. Und herausfinden muss wer Yagami Light eigentlich ist, wenn er nicht Kira sein kann...

Notes:

Alle Versionen von „Death Note“ sind für diese Fic Canon. Ihr müsst aber nicht alle gesehen haben. Anime, Drama und die 2006-Filme sind die Hauptquellen, weil sie Light am meisten beschäftigen werden.
Diese Fic findet sozusagen vor der neuen Musical-Version, die diesen Sommer Premiere feiert, statt.
LawLight ist das Main-Pairing. Alle anderen DN-Pairings werden aber zumindest erwähnt werden und hineinspielen.

Warnings: Japanische Schreibweise der Namen (Nachname vor Vornamen) und japanische Begriffe, Canon-Typische Gewalt und moralische Diskussionen, unzuverlässiger Erzähler Light, Anspielungen auf aktuelle politische Ereignisse

Chapter 1: Teil 1

Notes:

(See the end of the chapter for notes.)

Chapter Text

Mortals and Fools

oder

Permutationen: Eine Death Note Fic


 

 

Prolog


Wer die Death Note benutzte, konnte weder in den Himmel noch in die Hölle kommen. Doch was geschah nach dem Tod mit diesen Leuten? Hörten sie einfach auf zu existieren? Landeten sie im Nichts oder im Reich der Shinigami?

Nein, die Nutzung der Death Note war mit einer Strafe verbunden, mit ewiger Langeweile und einem ewigen Kreislauf wie mancher Shinigami sagen würde. Wer die Death Note benutzte, wurde zurückgeschickt und durchlebte alles noch einmal. Und noch einmal. Und das auf ewig.

Vielleicht.

Niemand hatte die Death Note jemals so oft und so viel benutzt wie Yagami Light. Niemand wurde so oft zurückgeschickt wie er.

Und die Sache war die: Normalerweise wusste man nicht, dass man sich in einer Wiederholung befand. Man hatte vielleicht das eine oder andere Deja Vu. Hatte das Gefühl die eine oder andere Person schon ewig zu kennen, obwohl man sich gerade erst getroffen hatte. Hatte manchmal ein warnendes Bauchgefühl, wenn man dabei war einen Fehler zu begehen, aber nie dann, wenn es wirklich eine Rolle spielte. Normalerweise konnte man sich nicht bewusst erinnern.

Die ersten paar Mal konnte auch Light sich nicht bewusst erinnern.

Die vielen ersten Male.

Rückblickend stellte er fest, dass sich Ryuk wohl sehr wohl erinnern konnte. Immerhin steckte er ihm die Death Note einmal sogar direkt in seinen Rucksack. Warum hätte er das tun sollen, wenn er nicht wusste wer Yagami Light war?

Doch falls sich Rem erinnern konnte, ließ sie sich nie etwas anmerken und rannte trotzdem oft genug in ihren eigenen Untergang. Und all die anderen … Misa, Mikami, Takada, Higuchi … sie alle wussten genauso wenig wie Light, dass sie das alles schon einmal durchgemacht hatten.

Und was diejenigen anging, die nur Namen in die Death Note geschrieben hatten, aber niemals Besitzer gewesen waren, Light wusste nicht einmal zu sagen, ob sich die Dinge für sie ebenfalls wiederholten. Wenn ja, dann wussten sie definitiv nichts davon – Raye Pember würde wohl kaum freiwillig jedes Mal aufs Neue in seinen Untergang laufen, und L und sein Vater ….

Light zog es vor nicht darüber nachzudenken. Sich nicht daran zu erinnern wie sein Vater den eigenen Namen in die Death Note geschrieben hatte um Light so davon abzubringen sie weiterhin zu benutzen (und genau das Gegenteil damit erreicht hatte). Sich nicht daran zu erinnern wie L lebendig vor ihm stand und ihm die Death Note mit seinem eigenen Namen in seiner eigenen Handschrift darin präsentierte mit seinem eigenen Todesumständen gleich dazu als wäre „Du kannst mich nicht umbringen, weil ich mich bereit selbst umgebracht habe“ ein Sieg.

Es gab andere Dinge, an die sich Light ebenfalls nicht aus diesen beiden speziellen Schleifen erinnern wollte. Auf jeden Fall hatten weder L noch sein Vater danach jemals Anzeichen gezeigt sich an irgendetwas erinnern zu können.

Light selbst hatte das das ja auch nicht gekonnt.

Nicht bis zu jener Schleife 2026.

Es war nämlich so, dass die Wiederholungen nicht immer gleich waren. Zunächst hatten sich nur Kleinigkeiten geändert. Zuallererst hatte sich nur das Jahr, in dem alles begann, geändert. Zusammen mit Lights Geburtsjahr, nahm er an.

Und dann hatten sich Kleinigkeiten geändert, wie der Ort seines Todes.

Doch dann gab es Schleifen, die anders waren, die auf erschreckende Weise abwichen. Schleifen, in denen andere Personen in Lights Leben traten, andere Entscheidungen getroffen wurden, Light früher starb. Sayu wurde älter, auch ihr Geburtsjahr änderte sich, doch nicht so wie es sollte – der Altersunterschied zwischen ihr und Light wurde kleiner.

Und dann war da die eine Schleife, in der Lights Mutter starb, als er noch ein Kind war. Das war die Schleife, in der alles sehr anders war. In der Light anders war. Manche würden sagen schwächer, aber doch war das die Schleife, in der Ryuk ihm die Death Note zugesteckt hatte. Das war die Schleife, in der sein Vater seinen eigenen Namen in die Death Note schrieb und Light lieber von Feuer verschlungen wurde als die Death Note aufzugeben. Und die Schleife danach … in der brachte Ryuk ihn um, kaum, dass er L besiegt hatte. Vermutlich weil er sich erinnern konnte, dass Light das letzte Mal, nachdem er L verloren hatte, etwas unberechenbar geworden war.

Doch dieser Tod blieb, wieder und wieder geschah er.

Als ob Ryuk wirklich dachte, dass Light ohne L langweilig wäre.

Dazwischen gab es einmal die seltsamste aller Schleifen, in der Light nicht Light war, nicht wirklich, und alle anderen … Light dachte kaum über diese Schleife nach. Denn sie verfolgte ihn nicht. Nicht wie ihn andere Schleifen verfolgten.

Und dann war 2026, und er hob die Death Note vom Boden auf, und mit einem Schlag erinnerte er sich an alles. An alle Permutationen der „Yagami Light findet die Death Note“-Saga.

Er erinnerte sich an alle auf einmal. An L, und an L, und an L, und an L. An Raye Pember und all seine andere Namen. An seine Verlobte in all ihren Varianten. An seinen Dad und Sayu und Matsuda und Misa, die irgendwie immer Misa war, wenn auch immer etwas anders als zuvor, an Mikami den wahren Gläubigen, an Takada seine Freundin und Takada seinen Sündenbock, an Near und Mello und an Near/Mello. An jeden Herzinfarkt und an den Feuertod.

Natürlich verlor er das Bewusstsein.

Und als er wieder zu sich kam, war immer noch 2026.

Er lag im Krankenhaus. Und von der Death Note gab es keine Spur mehr zu finden.


I.


„The earth will shake
The sky will scream
Once they feel the power of the hurricane.“


„Nii-san! Wir haben uns solche Sorgen um dich gemacht! Du hast tagelang geschlafen!“ Diese Version von Sayu war eine Teenagerin an der Schwelle zur Frau. Light hatte so viele seiner Leben damit verbracht Sayu zu umsorgen und zu beschützen, doch nun blickte sie ihn an als wäre er derjenige, um den man sich Sorgen machen musste und der beschützt werden musste. Tagelang? Nun, das war zu erwarten gewesen, wenn man sich an diverse verschiedene Leben erinnern musste.

Sayu erklärte ihm, dass er sich im Krankenhaus befand, was die Ärzte gesagt hatten und wie besorgt sie alle um ihn gewesen waren, und Light begriff nur die Hälfe von dem, was sie ihm zu sagen versuchte. Sein Gehirn schien noch nicht wieder richtig zu funktionieren, er konnte sich weder auf ihre Worte konzentrieren, noch deren Inhalt erfassen. Nicht wirklich zumindest.

Sayu hatte ihr braunes Haar zu einem Pferdeschwanz nach hinten gebunden und trug eine Schuluniform der Oberschule, doch es war eine Uniform, die Light noch nie zuvor gesehen hatte, zumindest dachte er das; er durchforstete seine vielen vielen Erinnerungen an seine vorherigen Leben, doch die Uniform kam ihm weiterhin unbekannt vor. Vielleicht hatte er aber nur nie wirklich auf Sayus Schuluniform geachtet. Wenn er an seine vergangenen Leben zurückdachte, dann fielen ihm Details zu ihnen ein, die mit L, der Death Note, Ryuk, Rem und den diversen Verbrechern so wie der Task Force, die Kira gejagt hatte, zu tun hatten, doch Sayu schien ihm in den meisten seiner vergangenen Leben eine vage Präsenz zu sein, die ihn bewunderte, neckte und schwesternmäßig aufzog, doch er konnte sich nicht wirklich daran erinnern zu welchen Schulen gegangen war und was sie eigentlich die ganze Zeit über, in der er Kira gewesen war, getan hatte. Doch er wusste definitiv, dass sie noch niemals am Anfang der Geschehnisse so alt gewesen war wie jetzt.

„Sayu … Wo…?“, setzte er an, doch seine Schwester unterbrach ihn.

„Vater ist beschäftigt, Light“, erklärte sie schnell, „Während du geschlafen hast, ist ein Serienmörder aufgetaucht, der die ganze Welt unsicher macht, und den Vater zusammen mit einer Spezialeinheit bestehend aus internationalen Kollegen jagt.“

„Ein Serienmörder….“ Nein, das war nicht richtig, Kira war der Serienmörder in dieser Geschichte, und Light war Kira, und da Light tagelang im Koma gelegen hatte, konnte es keinen Kira geben, es sei denn…. Jemand anderer hatte die Death Note gefunden, nachdem Light zusammengebrochen war.

Was wenn die Death Note jemand anderer findet? Ein Verbrecher oder sogar ein Mörder? Was wenn sie jemand anderer benutzt? Als Light am Dach gestanden hatte und bereit gewesen war sich das Leben zu nehmen, weil er gedacht hatte nicht mit der Schuld ein Mörder zu sein leben zu können, hatte Ryuk ihn mit diesen Worten überredet weiterzumachen und die Death Note weiterhin zu benutzen. Der Shinigami hatte ihm mit diesem Szenario Angst gemacht, mit genau dem Szenario, das nun offenbar wahr geworden war.

Aber das ist nicht sicher. Es könnte einfach Misa sein. Misa, die ohne Kira als Vorbild ihre eigene Form der Gerechtigkeit sucht und deswegen dieses Mal zum Original-Kira wird anstatt nur zu einer Trittbrettfahrerin. Wenn ich tagelang ohnmächtig war, dann hat der Stalker genug Zeit gehabt zuzuschlagen, und Gelus könnte bereits tot sein, versuchte er sich zu beruhigen.

Misa betrat die Szene manchmal früher als andere Male, es war durchaus möglich, dass Gelus‘ Tod und der Erwerb der Death Note durch Misa im aktuellen Szenario einfach früher als jemals zuvor stattgefunden hatte; immerhin war ja auch Sayu älter als jemals zuvor, und Light war bisher noch nie als erster menschlicher Death Note-Nutzer ausgefallen; vielleicht hatte sich die Reihenfolge der Geschehnisse einfach verändert.

„Ja, aber du musst dir keine Sorgen machen, Nii-san. Mogi-san und die anderen werden auf Vater aufpassen, so wie immer. Matsuda ist auch in der Einheit, und er hat mir versprochen ein Auge auf unseren Vater zu haben. Ihm wird nichts passieren“, behauptete Sayu, „Außerdem ist dieser Serienmörder, den sie jagen, für normale Menschen nicht gefährlich. Er tötet Politiker und Soldaten und andere wichtige Menschen. Kleine Polizeibeamten sind ihm zu minder.“

„Er tötet Politiker?“ Das nun hörte sich allerdings gar nicht nach Misa an. Oder Mikami. Oder Takada. Und schon gar nicht nach irgendjemanden aus der Yotsuba-Gruppe. Ein vollkommen anderer Death Note-Nutzer?

Diese Aussicht gefiel Light nicht. Genauso wenig wie es ihn beruhigte, dass Mogi-san auf seinen Vater aufpassen wollte, denn Mogi-san hatte die Angewohnheit es nicht lebendig aus der Kira-Ermittlung hinaus zu schaffen. Und Matsuda war ein Idiot, wie L sagen würde; ein Idiot, der es gut meinte, der aber nicht besonders helle war und beinahe jedes Mal auf Light schoss, nachdem herauskam, dass er Kira war, und ihm dabei aber irgendwie nie erschoss. Dem Mann fehlte der Killerinstinkt. Er würde Lights Vater wohl kaum beschützen können, wenn es hart auf hart kam.

Sayu nickte. „Aber das ist alles im Moment nicht wichtig“, meinte sie, „Ich wollte nur, dass du weißt, dass Vater einen guten Grund hat nicht hier zu sein. Er war an deiner Seite, so lange es möglich war, aber die Pflicht, du weißt schon, also streite deswegen bitte nicht schon wieder mit ihm. Dieses Mal wollte er wirklich hier sein.“

Sie befanden sich also wieder einmal in einer Schleife, in der sich Chief Yagami und sein Sohn nicht besonders gut verstehen zu schienen. Light wollte nach seiner Mutter fragen, besann sich aber seines besseren. Wenn sie Sayu sie bisher nicht erwähnt hatte, dann gab es dafür sicherlich einen guten Grund, vermutlich den, dass sie nicht mehr am Leben war, was erklärte warum Vater und Sohn Yagami nicht gut miteinander auskamen; sie befanden sich offenbar in einer Ableitung von der Schleife, in der seine Mutter gestorben war, während sein Vater gearbeitet hatte, was zum Bruch zwischen Vater und Sohn geführt hatte. Das erklärte die ältere Sayu und die Erwähnung von Mogi-san und Matsuda aber sonst niemanden aus der Task-Force.

Und … Heißt das ich kriege Ryuga als L? Light dachte an das raubtierhafte Funkeln in seinen Augen, die liquide Diät aus Saftpäckchen bestehend, die zwanghaft saubere weiße Kleidung und an Ich wünschte wir hätten uns auf eine andere Weise kennenlernen können und … er musste ehrlich zugeben, dass er nicht sicher war, ob er mit Ryuga in seiner aktuell verwirrten Verfassung umgehen könnte. Er war sich noch nicht einmal sicher, ob er mit Ryuzaki umgehen könnte – egal mit welcher Version von ihm, aber diese Version von Ryuga … nun, die wäre aktuell definitiv zu viel für ihn. (Und das nicht nur, weil er Gefahr liefe sich heulend in die Arme des anderen Mannes zu werfen, aber unter anderem auch deswegen).

Allerdings standen die Chancen, dass er L begegnen würde, in einer Welt in der jemand anderer die Death Note besaß nicht besonders hoch, also musste er sich darum vielleicht sowieso keine Sorgen machen.

„Vater will immer hier sein“, hörte er sich selbst sagen, „Aber er ist es niemals.“

Sayu zog eine Schnute. „Light … er gibt sich wirklich Mühe“, behauptete sie, „Und du hast es nicht miterlebt … die Menschen haben Angst. Dieser Mörder … er destabilisiert die ganze Welt. Ich meine, er meint es sicherlich gut; er hat mit denen angefangen, die weg müssen, den Kriegstreibern und Verrückten, den Diktatoren, Autokraten und Möchtegern-Kaisern, aber das hat nicht geholfen, sondern für Chaos gesorgt, und ihre Nachfolger waren teilweise nicht besser, und dann hat er die auch umgebracht, und tja, es ging ziemlich schnell drunter und drüber. Die Wirtschaft wurde noch instabiler, die Länder und politischen Fraktionen schieben sich gegenseitig die Schuld zu … Dieser Mörder muss gefunden werden. Zu unser aller Wohl.“

„Und Vater muss dabei helfen, weil ….?“ So wie sich das bisher anhörte kannte Light die ersten paar Namen in der Death Note und sah keinen Grund warum sein Vater irgendetwas mit der Aufklärung der Morde an ihnen zu tun haben sollte, immerhin war er nur ein kleiner Polizeichef in Japan.

„Weil auch unsere Politiker betroffen sind. Die, denen Korruption nachgesagt wurde, die starben einer nach dem anderen. Und das sehr gezielt. Deswegen denkt die Task Force, dass der Täter aus Japan stammen muss - sein Wissen über die Korruption in unseren Parteien war zu intim; die anderen waren die bekannten Namen, die jeder kennt, aber die Japaner, die kannte der Täter zu gut um wo anders zu leben“, erklärte Sayu, „Die Premierministerin könnte in Gefahr sein, Light. Sie hat Vater persönlich gebeten sich diesem Fall zu widmen.“

„Die Premierministerin hat Vater gebeten…“ Vielleicht lag er ja immer noch im Koma, das war zu seltsam. War sein Vater in dieser Version der Ereignisse eine Art Held, der in ganz Japan bekannt war?

Sayu nickte nur. „Du solltest stolz sein, Light. Ich weiß, du bist das nie, aber es ist eine Ehre ausgesucht zu werden um mit den Besten der Besten zu arbeiten“, betonte sie, „Es ist für uns alle eine Ehre.“

Vielleicht hat L ihn ausgesucht und anstatt selbst zu anfragen die Premierministerin vorgeschickt um meinen Vater zu rekrutieren… Was ein bisschen mehr Sinn ergeben würde, nahm er an, aber trotzdem merkwürdig war. In diesem Fall wüsste L bereits, dass der Mörder aus ihrer Region stammen musste und hätte Lights Vater wegen der geographischen Nähe als Ermittlungspartner ausgesucht. Als Ehre empfand Light das alles aber keineswegs.

Er empfand es eher als Beleidigung. Vater ist ein guter Ermittler und ein tapferer Polizist, L hat das immer gesehen, aber wenn er ihn nur auswählt, weil er in der Nähe vom Mörder wohnt, dann übersieht er das! Natürlich hatte die Arbeitsbeziehung der beiden Männer genau genommen immer so angefangen, nahm Light an, doch bisher hatte er das nie so gesehen, weil er immer damit beschäftigt gewesen war das Insiderwissens seines Vaters für seine Pläne auszunutzen und zugleich alles zu tun um zu verhindern, dass ihm dieser auf die Schliche kam.

Dieses Mal brachte ihm das Insiderwissens seines Vaters aber nichts, und er hatte auch nichts zu verbergen, deswegen sah er die ganze Situation nüchterner und erkannte zum ersten Mal, dass sein Vater nur deswegen mit dem Fall betraut worden war, weil er der Mann vor Ort gewesen war, der hochrangig genug war um wichtig zu sein und nicht hochrangig genug war um auch unentbehrlich zu sein.

Die benutzen ihn und die anderen als Köder für den Mörder. Sayu irrte sich, das war keine Ehre, das war ein Skandal! Allein der Gedanke daran machte Light wütend. Er ist alleinerziehender Vater! Und die anderen in der Einheit, viele von ihnen hatten ebenfalls Kinder! Und jedes Mal wurden sie Kira zum Fraß vorgeworfen, von der japanischen Polizei, vom FBI, von Interpol, von L und Watari und Near und seinen Leuten. „Verabscheuungswürdig“, murmelte er.

„Light?“ Sayu musterte ihn verwirrt.

„Es ist keine Ehre, Sayu, sie benutzen ihn“, erklärte Light wütend, „Und das ist verabscheuungswürdig.“

Sayu mustere ihn mit großen traurigen Augen. „Warum musst du nur immer so wütend sein, Nii-san?“, wollte sie wissen, „Vermutlich bist du deswegen überhaupt erst zusammengebrochen, weil du immer so wütend bist.“

„Ich bin nicht wütend“, widersprach Light heftig und war selbst ein wenig überrascht über die Härte seines eigenen Tonfalls. Offenbar hatte Sayu recht und er war wütend; aber er war doch wohl nicht immer wütend so wie sie behauptete?

In all seinen Leben war Light niemals wütend gewesen, nicht, dass er sich erinnern könnte. Er war von der Ungerechtigkeit die auf der Welt herrschte entsetzt gewesen, er war über sie empört gewesen, aber er hatte sie nicht persönlich genommen. Er hatte die Welt besser machen wollen und anderen helfen wollen, er hatte aus praktischen Überlegungen heraus gehandelt, nicht aus Wut heraus. Er war sicherlich nicht aus Wut über seine eigene Hilfslosigkeit angesichts des Systems zum Mörder geworden!

Ja na, gut, die Lind L. Taylor-Sache war noch jedes Mal passiert, und es hatte nur ein paar gezielte Provokationen gebraucht um Light dazu zu bringen die Death Note zu benutzen, aber das war doch wohl die Ausnahme.

Na gut, als er die Datenbank der Polizei gehackt hatte und herausgefunden hatte, dass all diese Verbrecher davon gekommen waren, da war er vielleicht wütend genug gewesen um deswegen die Death Note zu benutzen, in diesem einen Leben damals, in dem war er vielleicht wütend gewesen, zumindest in manchen Momenten. Und in dem anderen Leben als er zusehen hatte müssen, wie ein Freund von ihm von einem alten Peiniger gequält wurde, da hatte ihn das auch wütend gemacht, aber er hatte die Death Note nicht aus Wut heraus benutzt, er hatte ja nicht mal gewusst, dass sie funktionieren würde!

Kira war nicht aus Wut geboren worden, Kira war ein Naturkatastrophe gewesen und kein Wutunfall, er war ein Gott der Gerechtigkeit, ein Rächer der Schwachen wie die griechischen Furien, die …

Nun, vielleicht, nur vielleicht, war Light doch immer irgendwie wütend gewesen. Er hatte es nur nie gewusst. Und konnte es dann überhaupt als Wut zählen? Frustration, ja, aber Wut …

Sayu ließ es so klingen als ob Light niemals zu Kira geworden wäre, wenn er statt die Death Note zu benutzen einfach laut in einem Keller vor sich hin geschrien hätte oder sich einen Box-Sack zugelegt hätte.

Nicht, dass Sayu etwas von Kira wüsste.

„Ich kann nicht mir dir reden, wenn du so bist, Nii-san“, meinte Sayu, „Ich bin froh, dass du wieder wach bist, aber wenn du uneinsichtig bist und nichts daraus lernst, dann wird es wieder passieren, und ich … ich habe schon genug andere Sorgen. Zwischen Vater und dir ….“ Sie unterbrach sich. „Es tut mir leid, dass es dich wütend macht, dass Vater nicht hier sein kann, aber du bist nicht der einzige Mensch auf der Welt, der Probleme hat. Entschuldige mich jetzt, ich muss zur Schule. Ich bin keine Studentin, die nur dann zur Uni muss, wenn es ihr passt, ich darf den Unterricht nicht versäumen.“

Und dann drehte sie sich um und ging einfach, ließ Light zurück im Krankenhausbett mit all diesen Erinnerungen an all diese Leben und keiner Ahnung wer Yagami Light in diesem Leben eigentlich war. Oder wer er - was das anging - jemals zuvor eigentlich wirklich gewesen war.

Er hatte sich immer für den braven unauffälligen Musterschüler gehalten, der klüger war als alle anderen, aber seine Gefühle unter Kontrolle hatte; für jemanden, der sich von seinen Intellekt leiten ließ. Doch nun wurde ihm klar, dass das vermutlich niemals der Fall gewesen war. Dass nicht nur L ihn die Kontrolle hatte verlieren lassen, dass die Death Note etwas aus ihm herausgeholt hatte, was immer da gewesen war und er immer ignoriert und nach Unten gepusht hatte. Und wenn sie das mit mir gemacht hat, was macht sie dann mit dem, der sie jetzt gerade benutzt?!

Und was machte der Mangel an einer Death Note aus Yagami Light? Er erinnerte sich an all die Male, als er sie benutzt hatte, an all diese Leben als Kira, doch an den Light, der er vor der Death Note gewesen war, konnte er sich kaum erinnern, wie ihm jetzt klar wurde. Dieser Light war ein Niemand gewesen, ein Junge, der gedacht hatte die Welt wäre so wie sie war nicht in Ordnung, der aber zu unbedeutend und zu schwach dazu gewesen war selbst etwas dagegen zu tun. Erst durch die Death Note war er dazu in der Lage gewesen die Welt zu verändern.

Und jetzt…

Wir hätten uns nur auf diese Weise kennenlernen können. Weil ein Niemand wie Yagami Light niemals von irgendeiner Art von Interesse für den großen L gewesen wäre. Weil er selbst, wenn er Polizist geworden wäre, damit nichts bewirkt hätte. Weil er selbst dann niemandem jemals aufgefallen wäre. Weil er wie sein Vater vor ihm nur sein Leben verschwendet hätte.

Da war sie wieder, die Wut, von der Sayu gesprochen hatte. War das wirklich alles, was er jemals gewesen war? Ein wütender Junge?

Ohne Ryuk, der ihn ins Ohr flüsterte, ohne Misa, die ihn anbetete, ohne L, der ihn jagte, wer war er dann noch? Der enttäuschte Sohn, der enttäuschende Bruder, der Student, der brav studierte um irgendwann ein finanzielle abgesichertes Leben führen zu können genau wie alle anderen Japaner ebenfalls?

Wem machte er etwas vor? Das wäre niemals genug für ihn! Nicht für Yagami Light!

Ich muss die Death Note finden. Ich muss herausfinden wer sie gestohlen hat und wieder an mich bringen!

Das war vielleicht der erste klar Gedanke, den er fassen konnte, seit er wieder aufgewacht war. Alles andere spielte letztlich keine Rolle.

Er musste die Death Note zurückbekommen. Um jeden Preis.

Leider hatte er nur keinen Schimmer wie er das am besten anstellen sollte.

Notes:

Ich habe diese Fic hier begonnen und beschlossen einfach einmal damit zu beginnen sie zu posten und so hoffentlich dazu inspiriert zu werden wie sie enden soll bzw. wo sie eigentlich hingeht.

Sie ist auf jeden Fall das Resultat meines DN-Multiversums-Studium (das noch nicht ganz abgeschlossen ist, weil ich mir den Netflix-Film erst noch antun muss, falls tatsächliche Plot Elemente aus dem vorkommen, dann also erst im späteren Verlauf dieser Fic).

Die Zeitlinie des DN-Multiversums:

Manga – Anime – 2006-Filmreihe – Relight – TV-Drama – Musical (japanische Original Fassung) – weitere Musicalfassungen – Netflix-Film – weitere Musicalfassungen – diese Fic – 2026 Muscialfassung.

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